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Geschrieben von heinz klett am 11.05.2007 um 22:39:

  Aktion Sorgenkind

Liebe Freunde des GEHEIMNISVOLLEn FILMCLUBs BUIO OMEGA,



wer erinnert sich nicht gerne an die glorreichen Zeiten der ZDF-Quiz-Show DER GROSSE PREIS, an deren zwar mitunter etwas einschläfernden, dafür aber höchst galanten und blitzgescheiten Ur-Moderator Georg Heinrich Wilhelm „Wim“ Thoelke (bis zum Frühjahr 1970 übrigens 115-maliger Gastgeber des AKTUELLEN SPORTSTUDIOs und zuweilen auch als HEUTE-Nachrichtensprecher aktiv), an die futuristisch anmutenden Kandidatenkugeln und die Multivisionswand, beides echte 70er-Jahre-Design-Wunder, an kniffelige Themen-, Risiko-, Glücks-, Experten- und Masterfragen, an den extrem strengen Oberschiedsrichter Dr. Eberhard Gläser, 1984 ins Exil nach Papua-Neuguinea verbannt, weil er die sofortige Berichtigung einer zunächst falsch beantworteten Frage nicht gelten ließ, an die rasanten Quasselorgien des STACHELSCHWEINE-Mitglieds Wolfgang Gruner als Berliner Taxi-Fahrer Fritze Flink, an die teils gruseligen Bühnendarbietungen eingeladener Künstler wie beispielsweise die des häufig engagierten niederländischen Schlager- und Gospelsängers Bruce Low, und natürlich an die von Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow alias Loriot gezeichneten Trickfilmfiguren Wum und Wendelin (später gesellte sich noch gelegentlich „Der blaue Klaus“ hinzu), mit denen Thoelke interagierte und die insbesondere eine ganze Generation deutscher Schulkinder einen Riesenspaß bereiteten – anschließend ging es dann meistens direkt ins Bettchen. Am Ende des Dialogs hieß es immer: „Stichtag für den ’Großen Preis’: Samstag in acht Tagen“. Gemeint war damit der Einzahlungstermin für die AKTION SORGENKIND, eine gemeinnützige Organisation, die sich durch Spenden und eine Lotterie finanzierte, um behinderten Kindern finanzielle Unterstützung zu gewähren. Seit dem 01. März 2000 trägt diese Organisation den politisch korrekten Namen AKTION MENSCH.



Die Ziehung der Glückszahlen besorgte in Thoelkes „heiterem Spiel für gescheite Leute“ der Ex- Geldbriefträger Walter Spahrbier aus Hamburg, ursprünglich ein 20cm kleiner Zwerg, den man für die Sendung aufgepumpt hat. Spahrbier war der heimliche Super-Star des TV-Rate-Formats, bediente perfekt das Glücksrad und begeisterte Milliarden durch seine ständig wechselnden historischen Postuniformen, zu denen er stets erstaunliche Fakten zu berichten wusste. Aber leider ist der prominenteste Statist der Fernsehgeschichte bereits 1982 verstorben, so dass er nicht mehr unserem sensationellen AKTION SORGENKIND-Leinwand-Special (EIN DREIFACHER TUSCH: DIE 100. REGULÄRE CLUB-VERANSTALTUNG!!!) am Samstag, den 19.05.2007 beiwohnen kann. Seine Rolle wird ehrfürchtig der weltberühmte Postforscher und Filmgelehrte Christian Keßler M. A. (http://www.christiankessler.de) übernehmen, um in bester Tradition von DER GROSSE PREIS eine Zelluloid-Mega-Show zu präsentieren, die den tragischen Schicksalen zweier, na ja, genau genommen dreier etwas anderer Sorgenkinder nachspürt und dabei zum Lachen, Weinen und Gruseln einlädt – das alles natürlich auf wohlig-geschmacksunsicherem und politisch definitiv nicht korrektem Terrain, denn schließlich gilt es bei uns Exploitation pur zu zelebrieren! Der Startschuss fällt wie immer pünktlich (!) um 11:00 Uhr vormittags (Einlass: 10:30 Uhr) im traditionsreichen SCHAUBURG FILMPALAST zu Gelsenkirchen-Buer (http://www.schauburg-gelsenkirchen.de). Lächerliche 5,00 EUR Clubbeitrag öffnen die Tore zu einem unvergesslichen vierstündigen Retro-Spektakel voller Action, Spannung und Dramatik!!!



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Sorgenkind Nummer Eins ist kein geringerer als der legendäre Riesenaffe King Kong, Sorgenkind deshalb, weil er in die Fänge des verbrecherischen Dr. Who (Eisei Amamoto [YOJIMBO DER LEIBWÄCHTER; STERNENKRIEG IM WELTALL]) gerät, der plant, mit dem ominösen Element X die Welt zu unterjochen. Dieses befindet sich unter der Eisdecke des Polarkreises und kann von Dr. Whos Schöpfung, einer mechanischen King-Kong-Replik, nicht geborgen werden, weil der Stahlkoloss keine radioaktive Strahlung verträgt. Also soll nun der echte King Kong ran, den Dr. Who mittels Hypnose zur Sklavenarbeit verdonnern will. Doch der finstere Fiesling hat die Rechnung ohne die Besatzung eines UN-Forschungs-U-Bootes gemacht, dessen Kapitän (Rhodes Reason, Bruder von Rex METALUNA IV ANTWORTET NICHT Reason) ein eingefleischter King-Kong-Fan ist ...



Basierend auf der 78-teiligen amerikanischen Zeichentrickserie KING KONG (1966) inszenierte Regie-Legende Ishirô Honda (GODZILLA) 1967 dieses wirklich ausnehmend köstliche Affentheater, das zu einem der wohl besten japanischen Monsterfilme aller Zeiten zählt. Eine herzerfrischend naive, temporeich dargebotene Geschichte, wunderbare Darsteller im „Over-Acting-Vollrausch“ (fabelhaft auch die dazu perfekt arrangierte deutsche Synchronisation!) und jede Menge gigantische Action, bei der – Genre-typisch – kostümierte Schauspieler detailliert ausgestattete Miniatur-Kulissen zerlegen dürfen, sorgen hier für permanente Party-Stimmung. Wenn überhaupt wiederaufgeführt, so trübten über Dekaden hinweg farblich extrem ausgeblichene Kopien das kolossale Vergnügen. Dank der BUIO OMEGA-Archäologen und -Restaurations-Zauber erstrahlt das knallbunte Fantasy-Abenteuer jetzt endlich wieder in den satten Farben der Uraufführungsfassung – selbstverständlich nur bei uns. Sehen und staunen!



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Sorgenkinder Nummer Zwei und Drei bildeten einst eine körperliche Einheit, ehe der Vater das Antlitz einer der beiden nicht mehr ertragen konnte. Aus Duane, dem normal entwickelten Sprössling, wuchs nämlich – mit Verlaub – eine Art überbackenes XL-Käsebrötchen mit Armen namens Belial. Also engagierte der hartherzige Papa ein verantwortungsloses Ärzte-Team und ließ scharfe Skalpelle schnippeln. Belial landete als „organischer Abfall“ im Haushaltsmüll. Das schockierende Ende einer menschlichen Tragödie? Keineswegs, denn Duane gelang es unbemerkt, sein noch lebendes Bruderherz zu retten! Jahre später will das ehemalige siamesische Zwillingspaar, mental immer noch eng miteinander verbunden, nun endlich die grausamen Quacksalber bestrafen. Von einer schmierigen New Yorker Absteige aus planen Duane, der Denker und Lenker, und Belial, das in einem Weidenkörbchen verstecke „Exekutivorgan“, ihren blutigen Rachefeldzug ...



Frank Henenlotters 1982 entstandene, äußerst originelle und fesselnd erzählte Horror-Mär um Identität, Isolation und Rache verzückt durch ein skurriles Figurenarsenal (auch abseits des „Deadly Duo“), die herrlich schmuddelige Atmosphäre und liebevoll gestaltete Effekt-Sequenzen zwischen Stop-Motion-Animationen, Handpuppen-Theater und knackigen Splatter-Einlagen (nicht umsonst ziert den Abspann eine Widmung an Herschell Gordon Lewis, dem Begründer des „Gore-Films“). Eine echte Low-Budget-Perle – roh, bizarr, hart, und doch erstaunlich tiefgründig. Wirklich zu schade, dass Genre-Kenner Henenlotter, der vor einiger Zeit für das US-Label SOMETHING WEIRD VIDEO zahlreiche Exploitation-Delirien der Versenkung enthob und zudem diverse DVD-Audiokommentare eminent unterhaltsam moderierte, nur eine Handvoll Filme gedreht hat, darunter zwei Fortsetzungen zu dem hier vorliegenden Sahnestückchen. Heute ist er u. a. als anerkannter Film-Kritiker und Werbefachmann tätig – und bastelt aktuell an seinem Leinwand-Comeback BAD BIOLOGY. Prima! Aber freut euch erst einmal auf die von uns ausgegrabene Henenlotter-Delikatesse, die wir unter Einsatz unseres Lebens aus einem verschütteten Stollen der Rübelander Hermannshöhle bergen konnten. Im Startband der 35mm-Kopie sind die mysteriösen Worte „Long Version“ eingeritzt, was einen absolut seltenen Kino-Genuss verspricht!



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Ein verstörter Riesen-Primat außer Rand und Band, zwei unzertrennliche Brüder im Blutrausch, dazu ein Trailer-Vorprogramm weit jenseits der Grenzen des guten Geschmacks – käme man auf die Idee, unserer AKTION SORGENKIND eine begleitende TV-Show zu spendieren, würden garantiert sämtliche Medienwächter Amok laufen! Und so müsst ihr schon zum SCHAUBURG FILMPALAST pilgern, um exklusiv ein unvergessliches Ereignis live mitzuerleben. Stichtag für euren „Großen Preis“: Samstag in acht Tagen!



Geschrieben von heinz klett am 11.05.2007 um 22:41:

 

Ich hoffe auf zahlreiches Erscheinen, zumal es auch noch die 100. Buio-Parade ist. Ein schönes Jubiläum, das wir selbst erst durch Zufall bemerkt haben.

Schöne Grüße,

Klett



Geschrieben von Ugo Piazza am 19.05.2007 um 22:00:

 

Na denn, Glückwunsch zum Buio-Jubiläum! Säufer

In der norddeutschen Tiefebene kursiert aber das böse Gerücht, dass der Filmgelehrte heute abwesend gewesen sei. Horror-Fan



Geschrieben von heinz klett am 20.05.2007 um 20:03:

 

Ja, der arme Filmgelehrte war nicht gut zurecht und musste deshalb leider aussetzen. Hoffentlich geht´s ihm bals besser.

Klett



Geschrieben von Erwin Köster am 21.05.2007 um 09:57:

 

War mal wieder ein großartiges Programm, dem Jubiläum durchaus würdig. Ich kannte beide Filme noch nicht, und gerade der erste war ja ganz groß. Japan-King-Kong gegen US-Godzilla 1:0. Und besser als die letzten drei US-King-Kongs war das Werk sowieso.

Auch von hier gute Besserung an den Filmgelehrten!



Geschrieben von Harald Blixen am 21.05.2007 um 14:28:

 

Der King Kong war schon ganz nett, aber ich hätte mich mehr gefreut, wenn Dr. Who ab und zu MACHT SIE FETTICH gerufen hätte und am Ende seinen magischen Ballermann präsentiert hätte. Augenzwinkern

Das asoziale Pack im 2. Film, dass in der Absteige wohnte, gefiel mir besonders gut. Allesamt schön runtergekommen und verlottert. großes Grinsen

Die Trailer waren auch mal wieder allererste Sahne. Den Superknirps muss ich unbedingt irgendwie auftreiben.


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