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Exmortis

"Totenstille"

Leffler Web Design

veröffentlicht: August 2004
Genre: Adventure
Altersfreigabe: ungeprüft
gespielt auf: PC
Multiplayer-Modus: nein
Anforderung: Flash 7
Soundkarte: ja
Grafik: 550x400 Pixel (frei skalierbar)
"I finally will be rewarded. A group approacheth to provide me with the everlasting cup of life. A day away - no more, no less I am told. Wrath. Death. Blood. My day has finally arrived. The Exmortis shall make the world remember what was. And I will be integral in reinstating what will be." (Spielzitat)

Die Flash-Manie, die jedes Jahr vom billigsten Amateur-Unfug bis zur semiprofessionell designten Arbeit tausende von Spielen hervorbringt, beschränkt sich nicht nur auf reaktionslastige Action-Ballereien oder Geschicklichkeits-Geclicker, sondern bedient auch die immer noch sehr große Fangemeinde des simplen Point-and-Click-Adventures. Leider sind auch hier oftmals nimmermüde Zeitgenossen mit zu großem Freizeitpensum, aber selten wirklich künstlerischer Fähigkeit am Werk, so dass letztlich oft das Zusammensetzen von ClipArts und das Ausdenken von eher einfachen Rätseln zum fertigen Spiel führt. "Exmortis" kann dem etwas entgegensetzen, nämlich eine durchdachte, fesselnde Hintergrundgeschichte und eine durchgängige Optik, die stilistische Sicherheit statt halbgaren Trash verspricht.


Von der ersten Minuten an hat "Exmortis" den Spieler durch seine dichte Atmosphäre und unheimliche Stimmung auf seiner Seite. Man befolge die Anweisung "Turn the lights down and sound up", denn so kann sich das Horror-Adventure am besten entfalten.
Die nicht näher beschriebene Spielerfigur wacht benommen im Unterholz direkt vor einer Waldhütte auf. Um der winterlichen Kälte zu entfliehen, beschließt er (aus den weiteren Reaktionen schließe ich eine männliche Person), die Nacht in der alten Hütte zu verbringen, denn der Weg zurück zum Auto wäre wohl zu weit und die dunklen Wolken am Firnament verheißen nichts Gutes. Also wagt man sich ans Haus heran, welches alt und verlassen scheint, und öffnet mit Leichtigkeit die Tür. Im Inneren gibt es nur wenig Restlicht, Dielen und Türen knarzen, der Wind pfeift durch das morsche Gebälk und erzeugt dabei Stimmen-ähnliche Geräusch. Architektur und Ausstattung lassen vermuten, dass das Anwesen bereits Ende des 19. Jahrhunderts entstand.

Fortan liegt der weitere Verlauf in der Hand des Spielers. Die düsteren Räume bieten eine oder mehrere Bewegungsrichtungen, auf der man zum nächsten Raum gelangt. Außerdem blinkt weißer Text auf, sobald man Gegenstände mit der Maus anvisiert. Mit dem Klick darauf lassen sich eventuell Aktionen ausführen, z. B. das nähere Betrachten des Gegenstands oder das Aufnehmen desselben. Die Steuerung ist also denkbar einfach, weil man im Vergleich zu anderen Adventures nicht mehrere Aktionsarten besitzt und es auch kein Inventar gibt, welches durch Kombination mit anderen Objekten zum Erfolg führt. Dafür aber muss man sich in jedem Raum genau umsehen bzw. ihn "abtasten", um alle möglichen Aktionspunkte zu finden, derer es meist nur eine Hand voll gibt.


Wir sind nicht der Erste, der nach langer Zeit dieses Haus betritt. Im Wohnzimmer erwartet uns ein in Leder eingebundenes Tagebuch, das von einer Person geschrieben wurde, die vor einiger Zeit aus Neugier das verlassene und bereits heruntergekommene Anwesen besuchte. Immer mehr fasziniert von den okkulten Schriften der Bibliothek und angezogen von den Stimmen, die ihn wie magisch im Haus hielten, verweilt dieser Unbekannte für eine lange Zeit. Mit jedem weiteren Tagebucheintrag scheint er das wahre Wesen des Hauses mehr zu erkennen und spricht von Wesen, die ihn benötigen. Die Angst und der Schrecken weicht der Gewissheit seiner Bestimmung, dass er Teil eines uralten Mythos geworden ist, der ihn nicht mehr ziehen lässt.

In ausdrucksstarken Worten wird diese Geschichte auf mehreren Seiten des Buches vorgetragen. Da das Spiel nicht allzu umfangreich ist und wichtige Teile der Hintergrundgeschichte in solchen Texten verborgen liegen, ist es dringend nötig, sich sämtliche Text sorgsam durchzulesen. War es etwa der Autor dieses Tagebuchs, dessen Blut den gesamten Flur bedeckt, dessen Kopf in der Mikrowelle steckt und dessen abgerissener Arm noch in der Bibliothek liegt? "Exmortis" ist nicht kleinlich mit der Darstellung von Gewalt, übertreibt es damit aber auch nicht. Nie wird man Zeuge der tödlichen Aktionen, stets blickt man nur auf das brutale Ergebnis, was die morbide Atmosphäre ankurbelt und zu einer gehörigen Gänsehaut reicht.


Auch im zweiten Stockwerk trifft man auf Leichenteile in staubigen Zimmern. Das Badezimmer gleicht einem modrigen Schlachthaus, auf dem Bett ist ein dicker Blutfleck und die Visionen von Geistern, die uns plagen, lassen uns immer wieder an Flucht denken. Doch die ist unmöglich, denn der Ausgang ist wie von Geisterhand verschlossen. Also geht es weiter, dem grausigen Treiben auf den Grund zu gehen. Bald findet man ein Tagebuch des eigentlichen Vorbesitzers dieses Hauses, Mr. Xavier Rehayem, der in seinem Tagebuch den schrecklichen Fluch beschreibt, der über ihm und seiner Familie liegt. Auch er ist gefangen von dämonischen Kräften, die ihn schließlich, ganz im Stile eines Interner Link"Shining", in den Wahnsinn treiben und tragische Taten begehen lassen. In seiner Niederschrift erwähnt er, dass er sich lange mit den Werken in der Bibliothek beschäftigt hat, die ihm sein Vormieter überließ. Er übersetzte sogar Teile davon, u. a. das Buch Exmortis (dt. "die aus dem Leben Geschiedenen").

Ohne zu viel zu verraten: Es geht um eine uralte Rasse, die noch lange vor der Zeit der Menschen herrschte und einen Weg zurück in diese Welt sucht. Das würde die satanischen Riten und Symbole erklären, die es überall zu finden gibt. Auch die Visionen von Verstorbenen könnten damit zusammenhängen. Spätestens an dieser Stelle weiß man als Spieler, dass seine Figur zu tief im die Hölle geschaut hat, um ihr wieder entkommen zu können. Es gibt also nur eins: Die Frage um die Hintergründe lösen, um dem Wahnsinn entkommen zu können ...


Ben Leffler leistet mit seinem "Exmortis" wirklich Außergewöhnliches, denn die von ihm gebotene Tiefe in allen Aspekten vermisst man selbst bei kommerziellen Produkten, besonders weil er dieses Projekt beinahe im Alleingang durchgezogen hat. Er ließ sich nach eigenen Angaben von Filmen wie Interner Link"Evil Dead", Interner Link"Poltergeist" und Interner Link"Hellraiser" inspirieren. Die alte Hütte, das dem Necronomicon ähnliche Buch Exmortis, die Geister im Haus als auch die brutalen Effekte zeugen davon. "Exmortis" vermengt diese Eigenschaften aber mit einer guten Portion Eigenständigkeit. Die in bräunliche bzw. gelbliche Töne gehaltenen Grafiken verbreiten eine wundervoll unheimliche Stimmung und seine sich in den Buchtexten widerspiegelnde Eloquenz verleiht den Inhalten Glaubwürdigkeit - Englischkentnisse vorausgesetzt. Das Spielprinzip ist sehr statisch und enthält keine Elemente, die einen kompletten Neuanfang verlangen würden, ist aber trotzdem unheimlich und gefährlich genug, um den Spieler dauerhaft faszinieren zu können. Die dank Flash einfach skalierenden Grafiken sind in hoher Auflösung etwas von JPEG-Artefakten beeinflusst, aber das ist wohl der Gesamtgröße von etwa 5 MB zu verdanken. Beim Sound wird man von einem stetigen Heulen des Windes und kleineren Effekten beglückt, die sozusagen das Tüpfelchen auf dem I sind.

Die Rätsel sind bis auf das letzte Puzzle relativ einfach zu lösen. Wer nicht weiterkommt, kann auf den Wegweiser von Ben Leffler zurückgreifen, der ebenfalls frei im Internet zum Download angeboten wird und alle Spielschritte dokumentiert. Der Schluss lässt die Wahl zwischen zwei Alternativen, die in verschiedenen Szenarien ihren Ausgang finden. Jedes davon ist gut gemacht, wobei jenes mit dem Seitenausgang den Kreis der Geschichte besser schließt.


"Exmortis" ist unheimlich, unheimlich gut und frei erhältlich. Dass man es leider in sehr kurzer Zeit geschafft haben kann, spricht nicht dagegen, das Spiel mal anzutesten. Der Nachfolger wartet schon und Teil 3, der gerade in Produktion ist (Stand: Dezember 2007), sieht bereits jetzt sensationell aus. Schaut einfach mal unter Exmortis3.blogspot.com vorbei!



Zurück zum Inhalt Bildergalerie
Ein typisches Bild des modrigen, unheimlichen Anwesens
Diesen Schlüssel findet man beim unappetitlichen Herumgreifen im Blutbad
Die richtige Zeit auf der Standuhr ist wichtig
Da hat uns jemand etwas in der Mikrowelle hinterlassen
Das Spiel trägt jede Menge Symboliken, diese ist eine der weniger wichtigen
Auch die Bibliothek, wichtiger Schauplatz eines jeden guten Horror-Spiels, ist blutverschmiert
Die gesuchte Tür auf der zweiten Etage
Da haben wir wohl jemanden das Herz gestohlen
Aufschlussreiches Buch über Vlaew
Diese Symbolik sollte man sich merken
Im Heizungsraum
Diese Axt wird sich gleich als nützlich erweisen ...
Auf dem Weg in die Freiheit?
Man beachte den Mönchsgeist im Flur
Blut und Schmutz - hier wird man sich nicht wohlfühlen!
Die Texte der Bücher in <b>Exmortis</b> tragen maßgeblich zur Atmosphäre bei.
Was verbirgt sich hinter der Holzwand?
Der geht auf unsere Abschussliste.
Zurück im Wald ...



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