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Wolfenstein: The New Order

"Hässliche neue Welt"

Wolfenstein: The New Order

Machine Games

Bethesda

veröffentlicht: 20.05.2014
Genre: First-Person-Shooter
Altersfreigabe: keine Jugendfreigabe (zensierte Fassung)
gespielt auf: PlayStation 3, PlayStation 4 (getestet), Xbox One, Xbox 360, PC
Multiplayer-Modus: -
Anforderung: (PC) ab Windows 7 x64, 4 GB RAM, 50 GB HDD, Intel i7, GeForce 460 / ATI Radeon HD 6850
Soundkarte: (PC) Dolby Digital, Dolby Pro Logic II, OpenAL
Grafik: (PC) OpenGl, bis 3840x2160 Pixel
1992, also vor mehr als zwei Dekaden, hob das nordamerikanische Entwicklerstudio id Software das Genre der First-Person-Shooter aus der Taufe . Seither gilt "Wolfenstein 3D" als einer der ersten Vertreter einer Zunft, die derzeit von Reihen wie "Call of Duty" oder "Battlefield" dominiert wird. Selten geworden sind die Ego-Shooter ohne direkten Bezug zum Militär. Fantasy- oder Science-Fiction-Settings werden selten bedient. Dafür ist man ständig als Sergeant Whatever im Dienste der US-Armee unterwegs, um den böhsen Purchen auf die Pfötchen zu kloppen.

Bedarf für Abwechslung ist also da. Umso mehr fallen die Konkurrenten aus der Rolle, die sich nicht der gängigen Klischees und Mechaniken bedienen. "Bioshock" oder "Singularity" beispielsweise sind zwei löbliche Ausnahmen im Genre. "Wolfenstein", das seit jeher ein abgedrehtes Szenario zu bieten hat, tauchte ebenfalls über die Jahre immer wieder auf. Der letzte würdige Vertreter erschien 2001 - richtig, das Jahr, nicht der Interner LinkFilm! - mit "Return to Castle Wolfenstein", das mit einer Interner LinkIndiana Jones-artigen Story rund um Untote, Nazis, geheime Waffen usw. aufwarten konnte. 2009 folgte der vorläufige Tiefpunkt der Reihe. Trotz Open-World-Anleihen konnte "Wolfenstein" keine nennenswerten Akzente setzen und ging zurecht sang- und klanglos unter.

Die markanten Gesichter sind MachineGames gut gelungen.Futuristisches Design, und trotzdem erkennt man sofort zu wem diese Karren gehören.

Doch 2014 wurde das Franchise erfolgreich mit "The New Order" reaktiviert. Das schwedische Studio MachineGames zeichnet für den neuen Titel verantwortlich. Mithilfe der id Tech 5-Grafikengine und Beratung durch id Software geht es dieses Mal ins Jahr 1960. Nach mehr als vierzehn Jahren im Koma erwacht der Protagonist B.J. Blazkowicz überraschend aus seiner katharischen Starre und findet sich in einer von den Nazis beherrschten Welt wieder.

'Tschuldigung!
Natürlich meinte ich: in einer vom Regime (!) beherrschten Welt wieder. Aufgrund der besonderen Rechtsituation in Deutschland ist hierzulande nur eine zensierte Fassung des Spiels erhältlich. Verfassungsfeindliche Symbole wie Swastika und der römische Gruß wurden restlos entfernt. Am Gore-Faktor oder der Story hat sich nichts geändert. Zum Glück schmälern die Änderungen nicht den Spaß am Spiel, wenngleich es schon ein wenige bemüht wirkt, mit welchem Aufwand das vermaledeite N-Wort vermieden wird.

Zurück zur Story des Spiels! Nachdem sich B. J. wieder unter den Lebenden befindet, schließt er sich dem Widerstand an. Benannt ist dieser nach einer Gruppe von Verschwörern, die es bis 1944 wirklich gegeben hat: dem Kreisauer Kreis. Nach dem gescheiterten Stauffenberg-Attentat wurde die Arbeit des Kreises aufgedeckt und die Gruppe ausgehoben.

An solchen Stationen lädt man seine Energiewaffen wieder auf.Nostalgie pur: Wenn man sich zum Schlafen legt kann man einen Level des Ur-"Wolfenstein" in der alten Krümeloptik 'genießen'.

"The New Order" spielt also in einer alternativen Zeitlinie, in der die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben. Erreichen konnten sie dies nur durch mysteriöse Technologien, die in den letzten Kriegsjahren aufgetaucht waren und der Entwicklung der anderen Länder um viele Jahrzehnte voraus waren. Um was es sich dabei genau handelt, ist einer der Storyfäden, die im Laufe des Spiels erzählt werden. Überhaupt hat man sich für einen First-Person-Shooter enorm viel Mühe mit der Geschichte gegeben. Das ist ungewöhnlich für ein Genre, das vor allem von der Prämisse lebt: dort hinter den sieben Bergen ist ein schlimmer Finger, der böse Dinge tut. Geh dorthin und töte alles, was dir auf deinem Weg begegnet!

Selbstredend ist auch das neue Wolfenstein kein "Schindlers Liste" oder Interner Link"Soldat James Ryan" geworden, sondern mehr eine unausgegorene Mischung aus dem "Dreckigen Dutzend", Interner Link"Inglourious Basterds" und Interner Link"Iron Sky". Die Story schwankt zwischen Trash, Pathos, Plotholes und ernsten Tönen, weiß allerdings nie genau, wo sie sich exakt positionieren will. Mehr Trash wäre um der Unterhaltung willen sicherlich besser gewesen. Auf der anderen Seite motiviert sie genug, um bis zum Abspann weiterzuspielen.

Das liegt unter anderem an den sehr gut ausgearbeiteten Figuren im Kreisauer Kreis, was ebenfalls nicht selbstverständlich im Genre ist. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir der hünenhafte, geistig Behinderte Max Hass, der mich ein ums andere Mal an Sloth aus Interner Link"The Goonies" erinnert hat. Groß geschrieben wird der Humor im Spiel. Man sollte also nicht achtlos an Schallplatten und Zeitungsartikeln vorüber gehen, sondern die Welt ausgiebig erkunden. Ein ums andere Mal habe ich Tränen gelacht, wenn obskure Verschwörungstheorien behandelt wurden oder ich einem umgedichteten Song der Sechziger lauschen durfte.

Die Synchronisation ist sehr gut gelungen. Nur selten lauscht man Figuren, die von uninspirierten Sprechern vertont wurden.

Lange bleibt's nicht mehr friedlich ...Die Brücke von Gibraltar. Die Brücke von WAS!?

Der Spieler hat auf seinem Weg bis zum Abspann zwei Gegner zu bekämpfen. Da wäre zum einen die diabolische Frau Engel und der General Wilhelm "Totenkopf" Strasse. Gesprochen wird der General im Original von Dwight Schultz, der einigen als Murdoch aus dem "A-Team" oder als Reginald Barclay aus Interner Link"Star Trek: The Next Generation" bekannt sein dürfte. Leider rettet es die Figur nicht. Nach einem kurzen Auftritt im ersten Kapitel, spielt er erst im letzten Drittel und damit viel zu spät wieder eine Rolle in der Handlung.

Erzählerische Mängel gleicht das Spiel mit dem Gameplay wieder aus. Typisch fürs Genre läuft man in der Ich-Perspektive mit einer Kniffte in der Hand durch die Levels und ballert auf alles, was nicht bei drei sein Heil in der Flucht gesucht hat. Unterbrochen wird die Daueraction durch ruhigere Passagen, in denen Schleichen auf dem Programm steht. Angereichert wird das Ganze mit Rollenspielanleihen. Man kann mittels eines simplen Systems Boni freispielen, die einem das Leben deutlich leichter machen. Zwischen den Missionen läuft man durch die Basis und quatscht mit seinen Mitstreitern und hilft ihnen, falls man mag.

Die verschiedenartigen Gegner, die vom einfachen Soldaten über biomechanische Wachhunde bis zu Robotern reichen, mäht man mit allerlei Argumentationsverstärkern um. Von einfachen Waffen wie Pistole, Schrotflinte oder MG abgesehen wird auch exotischeres geboten. Der L.K.W. ist beispielsweise ein LaserKraftWerk, mit dem man sich durch Drahtzäune und Metallplatten schneiden kann, um neue Wege zu erschließen.

Manchmal tauchen Offiziere in den Levels auf, die Verstärkung rufen können. Trifft man auf solche Gesellen, schaltet man sie am besten leise aus. Dann kommt das rudimentäre Schleichsystem zum Tragen, das leider nur mäßig funktioniert, da nicht immer klar ist, wann der Gegner den Spieler sehen kann. Gelingt der lautlose Kill, hat man allerdings die Situation deutlich entschärft und ein echtes Erfolgserlebnis.

Stilecht ballert man im All mit Lasergewehren.Am Ende geht's auch zur legendären Burg Wolfenstein.

Im Gegensatz zu modernen Shootern wagt "The New Order" einen Schritt zurück. Zum einen darf der Protagonist beliebig viele Waffen mit sich herumschleppen, statt nur auf zwei beschränkt zu sein, und zum anderen heilt sich die Figur nicht mehr automatisch. Man muss Medikits einsammeln, um nicht zu krepieren. Obendrein, und das kann in der Hitze des Gefechts ein wenig nervig sein, muss man Munition und andere Sachen einzeln per Tastendruck aufsammeln. An dieser Stelle schießt MachineGames ein wenig am Ziel vorbei.

Im Endeffekt ist es jedoch Gejammer auf hohem Niveau, denn insgesamt macht "The New Order" das meiste richtig. Leveldesign, Gunplay und Sound stimmen. Es wird viel Abwechslung und eine hanebüchene Story geboten, die sich nur selten ernst nimmt und rasch an Fahrt aufnimmt.

Wer mal wieder Abseits der Pfade von "CoD" ein zünftiges Schlachtfest genießen möchte, kann bei "Wolfenstein" bedenkenlos zugreifen.



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Los geht's mit einer zünftigen Schlacht.
Nach dem Prolog findet man sich in einem Behindertenheim wieder.
16 Jahre später (!) ist B.J. wieder fit und motiviert.
Die Settings sind meist stimmungsvoll geraten ... und ausreichend blutbesudelt.
Zu Beginn des Spiels geben die Gegner nach einem Kopftreffer sofort klein bei.
Auch wenn die KI gerne mal Brotzeit macht: Hin und wieder begeben sich die Gegner auch in Deckung.
Offiziere besser leise kalt machen, denn sie können weitere Gegner herbeirufen.
Geschütze lassen sich mitnehmen. Ideal um Sauereien zu veranstalten.
Kisten lassen sich aufbrechen. Manchmal befinden sich nützliche Gegenstände darin.
Das Spiel geizt nicht mit Blut. Gerne platzen die Herren mal vor Wut.
Immer wieder wird die Geschichte in Filmsequenzen weiter gesponnen.
Ein schönes Beispiel für die witzigen Artikel, die sich überall in den Levels finden lassen.
Berlin 1960. Wie üblich regiert in der Hauptstadt der Größenwahn.
Wenn's mal nicht mehr weiter geht: einfach ein Loch in den Zaun schneiden.
Apple ist out. Pflaume regiert den Computermarkt in Wolfenstein.
Auf geht's in die geheime Basis des Widerstands!
Gefundene Alben kann man sich immer wieder anhören. 
Im Versteck kann man mit den Verbündeten ein Schwätzchen halten.
Mit der Ausgestaltung des Verstecks hat man sich viel Mühe gegeben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Einer der fiesen Roboterhunde.
Diesen Gesellen schießt man am besten ins Auge.
Spaß mit Granaten.
In aller Regel sind die Schilder und Plakate mit sinnvollen deutschen Texten beschriftet, was eher unüblich für Videospiele ist.
Ein kleiner Vorgeschmack darauf, wohin es im Laufe des Spiels noch gehen wird.
Zwischenzeitlich wird man auch mal gefangen genommen.
Als ordentlicher Zwangsarbeiter sabotieren wir die Einrichtung selbstverständlich.
Im Gefängnishof knüpft man Kontakte.
Bei einem solchen Ungetüm als Wache denkt niemand an Flucht.
Japp, sieht aus wie ein Engel.
In einer Sequenz steuert man ein Mini-U-Boot ...
... nur um in einem viel größeren zu landen.
Darf ich vorstellen: der L.K.W.!
Live schaut's nochmal so gut aus.
Auch die Brücke bekommen wir ruck-zuck kaputt.
Mit den meisten Wummen kann man auch im Akimbo losballern.
Die Rauch- und Lichteffekte sind ein Highlight der Grafigengine.
Wie gesagt: auch auf den Mond geht es. 
Das klobige Design erinnert an alte SF-Filme.
Später kann man auch Metallplatten aufschweißen.
Von diesen Levels hätte ich noch mehr haben können. 
Die Bauten übertrumpfen sich bis zum Schluss an Gigantomanie.
Den Ausblick wird man im Spiel leider nicht in Ruhe genießen können.
Auch nach höflichem Anklopfen wollte keiner auf machen. Schweinerei!
Die Gänge verbreiten eine düstere Stimmung.
Schön zu sehen auf der rechten Seite: die Levelstrukturen sind teilweise zerstörbar.



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