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Dracula - Resurrection

"Vergoldete Beißer"

Dracula - Resurrection

Microids

Canal+ Multimedia

France Telecom Multimedia

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veröffentlicht: Februar 2000
Genre: 3D-Point'n'Click-Adventure
Altersfreigabe: ab 16 Jahre
gespielt auf: PC (Windows 95/98)
Multiplayer-Modus: nein
Anforderung: mind. Pentium 166 MHz 1, 32 MB RAM
Soundkarte: ja
Grafik: 640x480 Pixel
Ich erinner mich gern an Francis Ford Coppolas filmische Interpretation des Vampirmythos, die 1992 unter dem Namen Interner Link"Bram Stoker's Dracula" erschien. Seither gelang es in meinen Augen keinem Film mehr, das viel zu oft im B-Movie-Bereich beackerte Blutsaugerthema für das Publikum so passend aufzubereiten. Noch im Jahr 2000 ließen sich die Entwickler eines Computerspiels schwer vom damals gleichermaßen unterhaltsamen, gruseligen wie auch anmutigen Film beeinflussen. Besonders die Anfangssequenz des Spieles, bei der Dracula sich in schützender Holzummantelung auf einem Schlitten durch das verschneite Hinterland kutschieren lässt, erinnert doch irgendwie sehr stark an Coppolas Verfilmung bzw. die Romanvorlage, weswegen man sich ohne Umschweife atmosphärisch geborgen fühlen kann, oder ...?


"Dracula - Resurrection" reiht sich in die Riege der seit Mitte der 90er Jahre so beliebten 3D-Point-and-Click-Adventures ein. Gegenüber dem herkömmlichen Adventure, das sich mühsam über die textbasierende Oberfläche zur handgezeichneten Spielewelt hervorarbeitete, sind diese 3D-Adventures, wie es der Name bereits sagt, meist komplett gerendert. Dazu kommt ein auf optische Eleganz verschobenes Spielprinzip: Die Interaktion mit der Umgebung oder verschiedenen Gegenständen konnte in herkömmlichen Adventures meist sehr einfach von den Designern in Pixel umgesetzt werden, wohingegen eine komplett aus gerenderten Grafiken bestehende Welt für jedes Detail ein neues Modell und eine dazugehörige Animation benötigt, egal, wie klein oder unwichtig es noch sein mag. Besonders zu Anfangstagen der 3D-Adventures galt es, möglichst schwierige Animationsschritte und Detailreichtum zu vermeiden, um Produktionskosten in vertretbarem Rahmen zu halten - nicht nur aus Gründen der reinen menschlichen Arbeitszeit, sondern auch wegen der Rechenpower, die später für die Fertigstellung der künstlichen Realität benötigt wird. Und von der gibt es bekanntlich nie genug.


Aber zurück zum Spielprinzip: Tatsächlich enthält "Dracula - Resurrection" nur wenige Interaktionsmöglichkeiten. Die Anzahl der gleichzeitig im Inventar befindlichen Gegenstände ist gering, die Anzahl der Möglichkeiten sie zu benutzen noch geringer und Kombinationen von Gegenständen gibt es erst gar nicht. Auch gibt der Mauszeiger, der sich von einem unscheinbaren roten Punkt in eine Lupe (untersuchen), zwei Zahnräder (Gegenstand hierauf benutzen), zwei Zahnräder und eine Hand (Objekt aktivieren) oder aber einen Pfeil (Bewegung) wandelt, bereits die meisten Rätsel klar vor, so dass sich der Adventure-Teil irgendwann darauf beschränkt, dass man entweder die Umgebung nach Veränderungen des Mauszeigers absucht oder einfach alle Gegenstände durchprobiert. Dazu sollte es aber nicht kommen, da die Einsatzmöglichkeiten wahrlich keine logischen Höchstleistungen vom Spieler abverlangen. Wer also im Genre erprobt ist, hat das Spiel möglicherweise innerhalb weniger Tage durchgezockt.

Dass es nicht schneller geht, mag daran liegen, dass man zum Spielen von "Dracula - Resurrection" auf einen alten Computer umsteigen muss, auf dem noch ein Windows 95 oder 98 installiert ist. Die Software bereitet nämlich besonders bei Videosequenzen Probleme auf XP-Systemen: Dort werden Videos im Zeitraffer wiedergeben, was das Spiel handlungstechnisch unbrauchbar macht. Also entweder eine virtuelle Maschine installieren oder aber die alte Kiste wieder hervorkramen. In meinem Falle führte das dazu, dass der alte und bei weitem nicht mehr sehr kontraststarke Röhrenmonitor angeschlossen war, der das Auffinden einiger Gegenstände in dunklen Ecken beinahe unmöglich machte, denn die Entwickler verstecken dort gern wichtige Details.


Die Grafik ist für damalige Verhältnisse nicht das Maß aller Dinge, aber sehr ordentlich gelungen. Besonders die filmreife Einführung und einige weiterführende Zwischensequenzen konnten bei Erscheinen des Spiels für Beifall sorgen. Wie bereits erwähnt wurde auf eine komplett gerenderte Umgebung zurückgegriffen, während andere Spiele einen Zwischenweg suchten und Zeichnungen mit Render-Designs verbanden. Für "Dracula - Resurrection" bedeutet das eine durchgehende Stilistik, die aber 7 Jahre später viel von ihrem Charme verloren hat.
Trotz realer Strukturen und Texturen bleibt das Bild künstlich, weil Oberflächen schlichtweg noch zu glatt aussehen. Im Bereich Film war man immer schon skeptisch in Sachen CGI-Einsatz, während bei Computerspielen die Künstlichkeit teil des Mediums war und somit hingenommen wurde. Aber hier zerstört die Optik mittlerweile ein wenig die Atmosphäre. Besonders in Gesprächen lässt sich unfreiwillige Komik nicht vermeiden, weil sich menschliche Gesichtszüge nicht gut auf insgesamt starr wirkenden Modellen bringen lasen. Ein Einsatz von Motion Capturing ist leider nicht erkennbar, was auch den Bewegungen typischen Probleme verschafft, wie etwa gleitendes Voranschreiten, angenäht wirkende Schultern und Arme (Passgänger-Syndrom), und ein etwas hüpfender Gang aus Sicht Dritter. Da jede Sekunde CGI teuer ist, werden viele Bewegungen in langsamen, mechanisch aussehenden Abfolgen dargestellt, die sehr künstlich wirken.


Andererseits sind menschliche Emotionen sichtbar, wenn auch ein wenig comichaft überzogen. Auch gefallen mir einige Schauplätze sehr gut, insbesondere wenn Lichtspiegelungen hinzukommen, die das Geschehen dann in wunderbare Fotografien verwandeln. Der verschneite Eingang des Schlosses (erinnert mich sehr stark Polanskis Interner Link"Tanz der Vampire"), die durch einen umgeleiteten Lichtstrahl erleuchtete Bibliothek oder das verschüttete Interieur von Draculas Anwesen sind schlichtweg Hingucker, auf denen man sicherlich die Augen verweilen lässt, bevor es zum nächsten Rätsel geht. Und als kleiner Höhepunkt, wie sollte es anders sein, kann sich die Endsequenz hervortun, die mit einem Blick über die Weiten Transsylvaniens für erhabene Momente sorgt, auch wenn diese Momente nicht von Dauer sind. Dafür aber sind die 360°-Panorama-Ansichten gut gelungen, denn am aktuellen Standpunkt der Spielfigur kann man sich stets in alle Richtungen drehen und dabei diverse sehenswerte Perspektiven genießen.

Einen weiteren Rückschlag muss der Spieler aber bei der Hintergrundgeschichte hinnehmen. Die hält sich prinzipiell an die klassische Vorlage, sollte also den Dracula-Begeisterten nicht vergrellen:
Jonathan Harker trifft der Schock. Nicht nur ist der endlich totgeglaubte Vampirfürst Dracula immer noch unter den Untoten, auch seine Verlobte Mina hat sich von Dracula verzaubert in dessen Reich begeben. Also reist Jonathan selbst in die winterliche, finstre Gebirgswelt, um seine Geliebte aus den Klauen des Blutsaugers zu befreien. Doch vorerst gelangt er nur bis ins ansässige Wirtshaus, denn der Weg zum Schloss birgt allerlei Gefahren und wird immer wieder von Widrigkeiten unbegehbar gemacht.


Tatsächlich ist etwa die Hälfte des Spiels schon vorbei, wenn man endlich im Schloss ankommt. Die erste Hälfte verbringt man meist in der Umgebung der Herberge, z. B. in der Nähe des Sees, auf einem Friedhof und in einem unterirdischen Gewölbe, also Schauplätzen, die entweder durch das fahle Mondlicht oder den kaum erhellenden Schein einer Laterne zum Gruseln einladen. Hier gilt es beispielsweise einen Räubertrupp auszuschalten (mit relativ drastischen Methoden) oder wichtige Gegenstände wie den Drachenschlüssel zu finden, der später im Schloss für jedes halbwegs wichtige Rätsel eingesetzt werden muss. Das "stop and go"-Prinzip in Bewegungen erschwert dabei oftmals die Orientierungen, denn das übergangslose Voranschreiten zwischen Wegpunkten lässt manchmal die Frage aufkommen, aus welcher Richtung man eigentlich kam. Das hätte besser gelöst werden müssen.
Der Übergang zwischen der ersten und der zweiten Hälfte ist wenig gelungen. Zwar ist das Rätselraten unter Tage mit einer Menge Action-Sequenzen verbunden (um es klar zu stellen: nur zum Zuschauen, nicht zum Selberspielen!), doch die Art, wie Jonathan ein ums andere Mal schlimme Stürze überlebt oder ihm nahezu superheldenhafte Kräfte verleiht, ist für einen Schauerstoff dieser Sorte völlig fehl am Platz. So erinnert die Fahrt in einer Lore über die Gleise bis hin zum Schloss an eine Fahrt in der Achterbahn, bei der man sich fragt, was sich die Macher des Spiels wohl dabei gedacht haben.


Im Schloss trifft man dann recht zeitig auf eine Gefangene im Verlies, die nach ihrer Befreiung mit Rat und Tat zur Seite steht. Die hexenhafte, alte Frau besitzt magische Fähigkeiten und so recht darf man ihr nicht trauen. Sie ist aber in der minimal bevölkerten Spielwelt - maximal sind es ein Dutzend Personen, wobei man nur mit wenigen interagieren kann - ein kleiner Lichtblick, der das Gefühl von Isoliertheit ein wenig verdrängt.
Das Schloss besitzt eine Menge automatisierter Schatzkisten, deren Mechanismen es zu knacken gilt. Teilweise fühlt man sich an die geschickten Getriebe- und Apparaturkombinationen eines Pharaonengrabes erinnert, denn in die romantische Welt eines Dracula passen diese Spielzeuge nur bedingt. Auch hier gilt es, die wenigen Gegenstände an den richtigen Stellen anzuwenden, was meist mit einer kurzen Animation prämiert wird, um irgendwann Mina zu finden. Doch bis dahin muss man sich allerlei Gefahren aussetzen, die zumindest deswegen nicht gefährlich sind, weil man weiß, dass der Protagonist nie sterben kann oder sich sonstwie in eine Sackgasse bewegt. So sind auch die Drohungen der drei Geisterschwestern kaum von Wirkung. Zumindest lassen die ihre weiblichen Reize spielen ...

Hier macht sich dann ein weiterer negativer Aspekt des Spiels breit: Über romantische Rotweinstimmung mit leichtem Unbehagen reicht es nie hinaus. Sicherlich erwartet man keine hervorspringenden Reißzähne aus allen Ecken, aber ein bisschen weniger Subtilität hätte der dünnen Atmosphäre gut getan. Schuld daran ist auch Dracula selbst. Der lässt sich lediglich in drei Zwischensequenzen kurz blicken, die aber stets Rückblenden bzw. Aufnahmen von anderen Orten sind.
Besonders das nehme ich "Dracula - Resurrection" schwer übel, denn was wäre ein Dracula-Film oder -Roman ohne jenen titelgebenden Antagonisten? Nicht viel! Nicht nur in dieser Hinsicht scheinen den Entwickler mehr Wert auf die Oberfläche als auf die eigentlichen Hintergründe gelegt zu haben, was mir letztlich den Eindruck verschafft, dass das Thema verheizt wurde. Denn die Story ist wahrlich dünn und kaum der Erwähnung wert. Weder sind Wendungen eingebaut, noch ist man mit viel mehr als sich selbst beschäftigt. Das Schloss scheint verlassen und die Mechanismen und Gegenstände wie dafür bereit gelegt, dass wir sie abholen bzw. in Gang setzen.


Zur technischen Umsetzung wurde bereits das meiste gesagt. Einen Prozesswechsel aus dem Spiel sollte man dringlichst vermeiden, denn danach kann es vorkommen, dass sowohl der Zugriff auf das Hauptmenu als auch einige Rätsel nicht mehr funktionieren. Aber diese Randerscheinung lässt sich bei ordentlicher Benutzung vermeiden.
Beim gesprochenen Ton, gerade bei Frauenstimmen, macht sich die 8-bittige Aufnahmetechnik bemerkbar, denn durch die Abschleifung der oberen Frequenzbereiche kommt es zu Effekten ähnlich einem Lispeln. Glasklar ist der Klang somit nie, für die meisten Gelegenheiten reicht es aber aus. Die Stimmen haben ein viel drastischeres Problem: Fast alle sind von einem leichten fränkischen bzw. bayrischen Akzent durchsetzt, der eine unterdurchschnittliche Synchro preisgibt. Häufig stimmt die Intonation ebenso wenig wie die Auswahl der Sprecher. Die wenigen Sprachstellen von Dracula lassen diesen trotz tiefer gestellter Stimme nicht unheimlich klingen und Jonathan selbst hat eine bübchenhafte, naive Stimme bekommen, bei der sich mir wiederholt die Nackenhaare aufstellten - nicht aus Gründen von Spannung!
Die Musik ist gut gelungen, wird aber nur in wenigen Zwischensequenzen angespielt. Zwar lassen leise, unheimliche Hintergrundgeräusche auch einigermaßen Spannung aufkommen, doch fehlt es am tragenden Score. Somit wurde auch hier am falschen Ende gespart.


Die fehlende Lebendigkeit, der starke grafische Verschleiß, zu einfache Rätsel und eine hauchdünne Geschichte lassen "Dracula - Resurrection" wesentlich stärker altern als andere Adventures. Während diese ihre technischen Defizite durch Inhalte und damit Atmosphäre an anderer Stelle wieder wettmachen, bleibt diesem Spiel hier nur die einstmals glänzende, nun aber verblasste Hülle. Die Freigabe ab 16 Jahre ist auch sehr hoch angesetzt, da bis auf eine paar moderat dargestellte Nuditäten Gewalt nie deutlich oder leicht persifliert dargestellt wird. Es gibt also in allen Belangen wesentlich überzeugendere Grusel-Adventures, die sich auch als solche bezeichnen dürfen.



Zurück zum Inhalt Bildergalerie
Bereits im Hauptmenu erwarten uns Rendergrafiken
Selbiges gilt im Raum für das Speichern (mit 8 Speicherplätzen)
Das Intro, welches Draculas Reise beschreibt
Stilecht bewegt man sich in einer Vollmondnacht (und nur dann!) durchs Spiel
Der Friedhof bei Nacht ist kein gemütliches Plätzchen
Eine Wandmalerei auf dem Friedhof
Direkt vor unserer Pension
Die gerenderten Personen sind etwas eigenartig, aber auch knuffig
Das winterliche Vollmondszenario sorgt für einige wunderschöne Schauplätze
Wenn <i>Argento</i> Spiele erstellen würde, dann würden sie so aussehen
Die Herbergsfrau weiß natürlich jede Menge Tratsch zu berichten
Unser Zimmer aus künstlerisch verzerrter Sichtweise
Dieser Bursche wird in Kürze ausgeknockt
Aus dem Baum heraus beobachtet man das Diebeslager
Eine Hand hebt einen aufnehmbaren Gegenstand hervor
Dieses Buch birgt einige interesante Details
Durch den Brunnen gelangt man in einen Tunnel
Die Nummer an der Lore verspricht eine höllische Fahrt
Diese Türe soll sich anderweitig öffnen lassen
Ein Schlüsselsymbol zeigt an, dass hier etwas zu tun ist
Mit einer Lore geht's gleich auf die Fahrt
Die Lorenfahrt über eine wahrlich etwas konstruierte Berg- und Tallandschaft
Diebische Dorfbewohner beobachten alles
Ein weiterer wunderbarer Schauplatz: Draculas Anwesen von außen
Hinab in das Verlies ...
... wo man auf eine etwas schräge, aber hilfsbereite Dame trifft
Die Innenräume sind stets sehr ansehnlich
Die Bibliothek ist ein Augenschmaus
Ein Blick von der Leiter am Bücherschrank nach unten
Eine Zwischensequenz, die die Geschichte ein wenig voranbringt
Die Dame hilft uns, nachdem wir ihr diese mysthische Kugel gebracht haben
Was hat es mit diesem Artefakt auf sich?
Poker gab es zu Draculas Zeiten noch nicht
Dieser kleine Vorschub gibt den Blick auf eine wichtige Reliquie frei
Des Rätsels Lösung ist Licht
Ein etwas ungewöhnlicher Schlüssel - wie viele Rätsel im Spiel
Edelsteine versprechen meist Rätsel
Diese Ketten hat man erfolgreich zersetzt
Ein interessantes, nicht aber schweres Rätsel
Gleich gibt es eine CGI-Überraschung ...
Das Versteck öffnet sich zum Flug in die Freiheit ...
... der mit einem etwas klapprigen Apparat angetreten wird



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