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Plan 9 From Outer Space

"Jäger der verlorenen Filmrollen"

Plan 9 From Outer Space

Gremlin

veröffentlicht: 1992
Genre: Adventure
Altersfreigabe: ungeprüft
gespielt auf: PC (DOS)
Multiplayer-Modus: nein
Anforderung: gering
Soundkarte: ja
Grafik: VGA
Edward J. Woods Interner Link"Plan 9 From Outer Space" war bei Weitem kein Verkaufsschlager, aber ein Kult hat sich trotzdem oder vielleicht deswegen nach vielen Jahren darum gebildet. Das als "schlechtester Film aller Zeiten" bezeichnete Werk ist zweifelsohne gaaanz großartiges Trash-Kino des Jahres 1958, bei dem Aliens die Kontrolle über die Erde übernehmen wollen, indem sie von einem Friedhof aus sämtliche Menschen manipulieren und als Zombies auferstehen lassen. Die Geschichte ist für das Genre nichts Ungewöhnliches gewesen, aber die Umsetzung schon: Aus einigen Aufnahmen mit Horror-Legende Bela Lugosi, der kurz darauf das Zeitliche segnete, schnipselte Wood auf höchst amüsante Weise einen stümperhaften, voller Filmfehler und bizarrer Szenen nur so strotzenden Film zusammen, der auch heute noch die Lachmuskeln strapazieren darf.


1992 brachte der Entwickler Gremlin mit knapp 35-jähriger Verspätung das Videospiel zum Film heraus. Vorweggenommen: Handwerklich liefern Gremlin anders als Wood damals eine wesentlich reifere Arbeit ab, nur inhaltlich begibt man sich auf das schrullige Niveau des Filmes. Zuerst einmal hebt sich das Spiel dadurch vom Film ab, dass es nicht an dessen Story gebunden ist, sondern einen völlig anderen Weg geht, der aber in vielerlei Hinsicht ebenso überraschend und aufregend ist:
Unser Boss, ein unangenehmer Mensch und nebenbei Chef der "Cheapflik Studios", beauftragt uns, die verloren gegangenen Rollen seines Filmes wiederzubeschaffen, die er irgendwo verlegt hat. Mit 100 $ Vorschuss und einem Reisepass raunt er uns an, dass wir uns sofort auf den Weg machen, die Dinger zu finden. Anhaltspunkte gibt es vorerst keine und der erste Versuch, uns ein paar (möglicherweise später nützliche) Gegenstände aus dem Lager anzueignen, macht er immer wieder zunichte.


"Plan 9 From Outer Space" ist ein klassisches Adventure mit klickbarer Wort- und Gegenstandsliste geworden, das auf einem etwas eingeengten Bildschirm das jeweilige Szenario als handgemalte, teilweise animierte Grafik darstellt, auf dem wir dann per Mauszeiger suchen und klicken können. So reist man durch die verschiedenen Locations in insgesamt vier Ländern (Hongkong, USA, Australien, Brasilien), wird in Mexiko sogar vom Zoll aufgegriffen und nach einem schmierigen Prozess eingebuchtet und muss darauf achten, dass man nicht eine Unachtsamkeit begeht. Ein falsch begonnes Gespräch, wovon es weder viele noch besonders langwierige gibt, oder manchmal auch eine zu langsame Reaktion können schon den Tod und damit das Spielende bedeuten. Etwas nervig dabei ist es, dass das Inventar manchmal überladen ist und man irgendwie ein paar Sachen ablegen muss, um einen anderen Gegenstand aufnehmen zu können. Es verunsichert einfach, wenn man nicht weiß, welcher Gegenstand grad weg kann und welcher nicht, weil er später wichtig sein könnte. Auch die ewige Fahrerei mit dem Taxi nervt irgendwann, weil man dieses Gefährt doch recht häufig nutzen muss (bei jeder Reise zwischen verschiedenen Ländern zweimal) und man die Grafiken irgendwann kennt. Auch finde ich einige zeitkritische Rätsel etwas unfair, weil man Derartiges nicht unbedingt erwartet.


Aber zu den guten Seiten des Spiels: Kommt euch euer Boss irgendwie bekannt vor? Hmmm ... dieser glatzköpfige, große Kampfringer sollte euch bereits in der Verfilmung als Detective und später Zombie unter dem bürgerlichen Namen Tor Johnson aufgefallen sein, macht seine Präsenz dort doch einen großen Teil und die Stimmung des Filmes aus. Ebenso verhält es sich mit der etwas seltsam, fast grimmig dreinblickenden Frau, die unschwer als Vampiria im Film auftrat. Gemeinsam machen diese beiden Figuren in verschiedensten Kostümierungen etwa 90% aller Spielcharaktere aus. Ja, ihr habt richtig gehört, denn Wiederverwertung, wie es Wood aus ökonomischen Gründen auch betrieben hat, wird groß geschrieben. Johnson trifft man beispielsweise als Boss, aber auch als Filmvorführer in verschiedenen Ländern, als Polizist, als Bauarbeiter, als Hippie und unter anderem sogar als Fisch wieder. Wer das überraschende Ende irgendwann erreicht hat, bei dem man dann doch tatsächlich noch auf Wesen "from outer space" trifft, kann sich dieses häufige Auftreten der immer gleichen Gesichter wahrscheinlich erklären.

Die beiden machen aber noch lange kein gutes Spiel aus. Was den Fan des Films und aufmerksamen Spieler viel mehr reizen dürfte, sind die vielen Anspielungen auf den Film als auch auf andere große Filmwerke. Nicht umsonst hängt im Büro des Boss ein dickes Poster eines Filmes, der sich unschwer als "Glen or Glenda" (ebenfalls von Ed Wood) identifizieren lässt. In den Privaträumen finden sich noch mehr dieser witzigen Insidergags (einfach mal die Bilder anschauen). Die größte Verbeugung vollführt Gremlin aber, ähnlich wie Wood es tat, vor der Legende Bela Lugosi. Leider weilt dieser auch in der hier vorgestellten, fiktiven Geschichte nicht mehr unter den Lebenden, weswegen wir ihn auf dem Friedhof aufsuchen. Der deutlich den Kulissen des Filmes nachempfunde Schauplatz führt uns in eine Gruft, wo Mr. Dracula in einem offenen Sarg als Vampir mit gepfähltem Herzen liegt. In seiner Wohnung finden sich noch mehr Utensilien, die darauf hinweisen, dass Lugosi weitaus mehr Vampir war als viele zu denken schienen. Und so verwundert es nicht, dass man später beim Auffinden einer Filmrolle in einer dunklen Höhle die Fledermäuse nur abwimmeln kann, weil diese sich ehrfürchtig vor dem Bild Lugosis zurückziehen. Echt stark! Teilweise wäre es schön gewesen, wenn man mehr solche Kleinigkeiten ins Spiel gemischt hätte, denn sie lockern durch ihren Humor die manchmal etwas drögen Abläufe deutlich auf. Manche mögen aber auch etwas schwer zu erkennen sein - nicht aber die auf "Crocodile Dundee", der in der Nähe des australischen Opernhauses eine Brücke lackiert.


Somit passt das Spiel in vielen Aspekten zur Vorlage, versucht an einigen Stellen bewusst trashig und auch ein wenig schundig bzw. absurd zu sein und gefällt mir allein deswegen schon. Zwar besitzt Gremlins Programm keinerlei echte Horror-Aspekte, aber die hatte der Film auch nicht. Fans des 58er Trash-Meilensteins sollten also auf jeden Fall mal das Spiel antesten und sich durch die seltsame Welt klicken. Das Cover der Spielbox ist übrigens, wie man sehen kann, sehr ansehlich geworden und vertritt den Stil des Filmes hundertprozentig. Neben Mausunterstützung wird auch die Soundblaster-Karte dauerhaft mit Midi-Melodien angesprochen und auch selten mal mit einem Soundeffekt belegt. Und wer damals Glück hatte und sich die Amiga-Version beschaffen konnte, bekam als Bonus den Film auf Videokassette dazugeliefert.



Zurück zum Inhalt Bildergalerie
Unser Boss hat 'ne Schnapsidee und wir müssen es ausbaden! (Im Hintergrund bereits der erste <i>Ed Wood</i>-Verweis)
Das eigentliche Grafikfenster ist relativ gering bemessen, tut dem Spielspaß aber keinen Abbruch
Tieropfer im Film sind verpönt - selbst in der Requisite
Vage Andeutung auf einen anderen Film - aber auf welchen?
Der Bauherr kommt uns irgendwie bekannt vor ...
... ebenso der Barmann
Eine heruntergekommene Bude mit einer gepfefferten Notiz einer alten Freudin
Mit dem Taxi gelangt man im Spiel meist von einem Ort zum anderen
Die Gruft beinhaltet Nosferatu persönlich
<i>James Deans</i> Grabstein
Dieses Anwesen sieht aus wie das Set eines klassischen Horror-Films
Teilweise ist es nicht leicht, anklickbare Hinweise im Grafikbildschirm zu finden
Das andere, sehr häufig anzutreffende Gesicht im Spiel: Vampiria
So stellt man sich einen Filmvorführer vor: Heruntergekommen und wenig freundlich
Topp-Film im Kino, anschauen!
Mit diesen langen Fingernägeln ist Vorsicht geboten bei der Annahme von BargeldDie Adressen sind natürlich allesamt Anspielung auf Filme oder Produktionsstudios
In Rio angekommen merkt man ...
... dass sich bis auf den Kleidungsstil nicht viel geändert hat
Ärger am Flughafen ...
... der uns direkt in den Knast bringt
Dieser Trip wird zur Weltreise, denn neben Kuba ...
... finden wir uns auch in Asien wieder
Das Inventar mit all seinen Abkürzungen am rechten Rand ist weniger gut gelöst
<b>"Plan 9 From Outer Space"<b> fehlen fast nur noch die Ninjas
In Australien hat die Gute mal einen etwas anderen Blick drauf
<b onmouseover="Tip('AUS 1986&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Originaltitel:&lt;/b&gt; Crocodile Dundee&lt;br /&gt;&lt;b&gt;Alternativtitel:&lt;/b&gt; \47Crocodile\47 Dundee&lt;br /&gt;Crocodile Dundee - Ein Krokodil zum Küssen');" onmouseout="UnTip();">Crocodile Dundee</b> lässt grüßen
Eine Stelle, die das Ableben der Spielfigur bedeuten kann
Da sind ja endlich die Ninjas
Die Mönche verraten, dass wir kurz vorm Ziel sind
"Gehe zu Aliens" klingt vielversprechend
Was wäre eine <i>Ed Wood</i>-Hommage ohne die beliebten "flying saucers" (die übrigens von Ford produziert werden)?



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