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Maniac Mansion

"Wo ist dieses verdammte Kettensägenbenzin?"

Maniac Mansion

Lucasfilm Games

LucasFan Games

veröffentlicht: 1987
Genre: Grafik-Adventure
Altersfreigabe: ab 12 Jahre (USK)
gespielt auf: PC (DOS)
Multiplayer-Modus: nein
Anforderung: 286er (384 kB RAM)
Soundkarte: ja
Grafik: EGA (Original)
VGA (Deluxe)
"Maniac Mansion" dürfte zu den Spielen gehören, die ich immer noch auf Anhieb lösen könnte - und das, obwohl "Maniac Mansion" nun schon 15 Jahre zurückliegt und den Auftakt einer unter Adventure-Fans ebenso beliebten wie komplexen Genre-Reihe machte. Doch zuerst zum Historischen: Lucasfilm Games, die sich in den 1990ern in Lucas Arts umbenannten, sind nichts anderes als die Haus-und-Hof-Softwareschmiede des erfolgreichen Regisseurs George Lucas. Der konnte auch im interaktiven Universum früh Fuß fassen und versuchte später, das Interner Link"Star Wars"-Merchandise auch auf das neue Medium der digitalen Spiele auszubreiten, was neben zahlreichen Umsetzungen aus eben jenem Universum auch zur Ver-Softung der Interner Link"Indiana Jones"-Welt führte. Sehr weit am Anfang der Firmengeschichte entwickelte man aber in anderen kreativen Sphären, was u. a. zu "Maniac Mansion" führte. Und dafür werden ihm Millionen Spieler dieser Erde dankbar sein, denn schließlich legte das Ende der 1980er erschienene Adventure gleich mehrere Grundsteine:

Insbesonders war mit "Maniac Mansion" die Ablösung der Text-Adventures gefunden. Während beispielsweise Sierra mit ihren thematischen Serien "King's Quest", "Space Quest" und "Police Quest" und den schlüprigen Abenteuern des "Leisure Suit Larry" ihre Spieler noch zu Texteingaben zwangen, um an verschiedenen Spielorten Gegenstände zu finden, folgerichtig zu verwenden, Gespräche zu führen und damit Rätsel zu lösen, konnte dank Lucasfilm nun die Steuerung der Gegenständen im Inventar oder auf der grafischen Spielfläche mittels anklickbarer Symbole vorgenommen werden. Entweder per Cursor-Tasten oder weitaus komfortabler und schneller per Maus (einige zeitkritische Rätsel waren sonst kaum zu schaffen) musste so die Anwendbarkeit der virtuellen Welt erkundet werden. Technisch wurde diese absolute Neuerung, die man sich heute kaum noch wegdenken könnte, namentlich als SCUMM-System patentiert, was sich als Abkürzung aus "Script Creation Utility for Maniac Mansion" ergibt. Die Legende besagt sogar, dass "Maniac Mansion" nur als Testplattform für jenes neue System in Entwicklung ging, um daran die Errungenschaften und Tücken des SCUMM auszuprobieren. Dann aber, als man das Potenzial beider Komponenten erkannte, schob man dem eigentlich geplanten Projekt "Zak McKracken and the Alien Mindbenders" diese Grusel-Comedy hier vor.


Das kreative Konzept, welches fortan in jedem Spiel des Lucas'schen Software-Unternehmens zu finden war (natürlich in stetiger Erweiterung), verhilft dem Genre zu neuer Spielbarkeit. Wildes Rätselraten ist vorbei, denn die Anzahl an Möglichkeiten schränkt sich durch vorgegebene Gegenstände und Verben, mit denen man diese zu einer sinnvollen Aktion kombinierte, doch sichtlich ein. Trotzdem ist "Maniac Mansion" alles andere als einfach, denn nicht nur das richtige Timing erschwert hin und wieder die Lösungsfindung, auch die verschiedenen Lösungswege sorgen für Langzeitspaß. Denn Dave, der in der riesigen Villa seine Freundin aus den Fängen eines verrückten Wissenschaftlers zu retten versucht und dabei auf mutierte Tentakel und meterhohe, fleischfressende Pflanzen trifft, darf sich zwei Freunde auf die Reise mitnehmen. Nur im Team kann man einige Lösungen finden: Während eine Figur das Piano rockt, kann eine andere wissenschaftliche Aufgaben erledigen. So ergeben sich unterschiedliche Wege, das Spiel zu beenden, je nachdem, mit welchem Team man gestartet ist. Außerdem können einige zeitkritische Rätsel nur mit zwei Spielern begonnen werden. Wer es letztlich schafft, die Villa und ihre Bewohner vor dem Einfluss des Meteors zu retten, der muss noch längst nicht alles im Spiel gesehen haben. Mit Sicherheit gibt es weitere Möglichkeiten, das Spiel zu erfolgreich abzuschließen.

Erfolgreich wurde "Maniac Mansion" nicht aber nur wegen der Freiheiten, die dem Spieler bei gegeben wurden, sondern auch, weil es eine unglaublich dichte Atmosphäre erzeugt, die durch ihre verqueren Charaktere angeheizt wird. Sichtliche Inspirationsquelle der Geschichte um einen Kometen, der die Belegschaft eines Hauses übernimmt, ist im Film und der Literatur der frühen SciFi-Welle zu suchen: Ron Gilbert, neben Gary Winnick hauptverantwortlich für die Idee und Umsetzung von "Maniac Mansion", beschreibt seine Einflüsse als "bad horror movies" von Interner Link"Re-Animator" bis Interner Link"Die Fliege". Besonders hebt er die Episode "Mondgestein" aus Interner Link"Die unheimlich verrückte Geisterstunde" hervor, welche bereits von H. P. Lovecrafts Kurzgeschichte "Die Farbe aus dem All" inspiriert wurde und zur Blaupause für die Geschichte in "Maniac Mansion" gemacht wurde. Den Designern gelang es, eine Menge Wortwitz und Skurriles unterzubringen, wodurch sich "Maniac Mansion" abermals gegenüber der meist trockenen Konkurrenz abhebt.
Der Humor ist mitunter tiefschwarz und zieht sich durch eine Menge Gags, die sich später zu Running Gags und Anspielungen in Folgeproduktionen entwickeln konnte. Beispielsweise sorgte der Hamster, dem man ein unglimpfliches Ableben in einem beliebten Haushaltsgerät verschafft, für einige Kontroversen. Leitete Lucasfilm Games hier etwa den Untergang des Abendlandes ein, indem es den gewaltsamen Umgang mit Haustieren guthieß? In Folgeproduktionen war die Diskussion bereits etwas abgekühlt, denn die Entsorgung eines Goldfisches und das unsanfte Beseitigen eines Eichhörnchens ("Zak McKracken And The Alien Mindbenders") waren dort bereits als comichaft überspitzte Handlungen akzeptiert, die in "Monkey Island" (Wachhunde) ironisch aufgenommen wurden.
Aber noch eine andere Geschichte wird in den Köpfen der damaligen Spieler bleiben, denn mit "Maniac Mansion" begann eine der größten Suchen nach einem MacGuffin in einem Computerspiel: Zwar darf man in "Maniac Mansion" eine Kettensäge ins Inventar nehmen, die so manche Phantasie ob ihrer Möglichkeiten beflügelte, aber das dazu nötige Benzin blieb verschollen. Der Treibstoff wurde ein Jahr später in der Mondstation des nicht minder erfolgreichen "Zak McKracken And The Alien Mindbenders" nachgeliefert. Heiße Diskussionen entbrannten, wie man denn nun beide Spiele miteinander kombinieren könnte oder zumindest die Spielstände austauscht bzw. manipuliert, um in einem der beiden Spiele das Werkzeug nutzen zu können. Dieser geschickte Schachzug, der möglicherweise seine Inspiration in der Nichtbenutzung der Kettensäge in Interner Link"Tanz der Teufel" sucht, verhalf dem damals ungemein populären Spiel zu weiterer Mundpropaganda und Aufsehen, denn schon bald machten sich einige Spieler auf den Schulhöfen wichtig, wenn sie verkündeten, dass sie das Unmögliche Mögliche gemacht hätten und Säge mit Benzin kombiniert hätten.


Unvergessen wird ebenso der Nervenkitzel bleiben, wenn die böse Edna durch die Gänge schwebt und die eigene Spielfigur in der Küche erwischt oder der abgelassene Pool mangels Kühlung des Reaktors für eine Atomexplosion sorgt, die das Spiel vorzeitig beendet. Richtig gehört: Anders als in den meisten späteren Veröffentlichungen von Lucasfilm konnte man hier sehr wohl sterben bzw. sich den Weg zur Rettung dermaßen verbauen, dass alle drei Figuren in der Zelle unterm Haus schmoren mussten. Auch die plötzlichen Zwischensequenzen, in denen man den Dialogen der beunruhigenden Hausbewohner lauscht und die langen Gänge des Anwesens sind darauf ausgelegt, uns etwas Aufregung zu verschaffen. Den "mad scientist"-Anlehnungen gelingt es trotz der parodistischen Gesamtatmosphäre immer wieder, dem Spieler einen kurzen Schauer über den Rücken laufen zu lassen, wenn man an die Folgen eines Fehlschlags der eigenen Handlung denkt oder man von den (eigentlich ungefährlichen) Tentakelwesen verscheucht wird. Auch die Pflanze Chuck, inspiriert von Audrey II aus "Der kleine Horrorladen", hat hier ihren ersten Auftritt. Allerdings soll es ihr nicht gelingen, ihren niederen Trieben nachzugehen.


Die mittlerweile etwas fade EGA-Grafik mit 16 Farben wurde fast 17 Jahre nach Erscheinen des Originalspiels unter Windows auf eine sagenhafte 256 Einträge umfassende Palette und VGA-Auflösung aufpoliert (wovon auch einige der hier gezeigten Screenshots stammen). Bereits 1993 wurde der Nachfolger "Day Of The Tentacle" fertiggestellt, der eine wunderbare, stimmige Comic-Grafik vorzuweisen hat, das Spielprinzip erfolgreich fortsetzt und unter anderem das vollständige Originalspiel enthält. Dies wurde nicht einfach der Verpackung beigelegt, sondern kann direkt aus "Day Of The Tentacle" heraus gestartet werden, sobald man sich in einem der Räume an den Computer setzt. Klasse Idee!
U. a. entstand 1990 auch eine kurzlebige Comedy-TV-Serie mit gleichem Namen, welche die Geschichte des Spiels 20 Jahre später als Ausgangspunkt nimmt und mit Dr. Fred, dem Nachkommen des verrückten Dr. Ed, nur eine einzige Gemeinsamkeit zum Videospiel bietet. Das Spiel hat sich längst zum berechtigten Kult entwickelt, dem sich die Fans u. a. mit Webseiten, Musikstücken und Neuprogrammierungen widmen. Ob man ein Freak oder nur etwas verdreht sein muss, ebenso wie es sämtliche Begebenheiten des Spiels sind, um nach 20 Jahren mal wieder ein paar Stunden "Maniac Mansion" zu zocken, müsst ihr selbst herausfinden. Aber Vorsicht: Schnell sitzt man gleich wieder einen ganzen Tag dran ...



Zurück zum Inhalt Bildergalerie
Tentakelschleim oder Farbe in diesem Atelier?
In dieser Küche wurde sicherlich kein gewöhnliches Essen zubereitet
Alles mitnehmen, was nicht niet- und nagelfest ist!
Die dritte Etage erweckt schon kein Vertrauen mehr und ist auch die Gefährlichste
Aufschlussreich: Das ist also mit den Bewohnern des Hauses passiert
Irgendwo hier befindet sich ein Gegenstand ... Maus-Scannen ist angesagt
Einige Personen hier sind richtig umgänglich
Jede Szene in <b>"Maniac Mansion"</b> sprudelt nur so vor verrückten Einfällen
Hier geht's zum Ventil, das den Pool ablässt
Wie kommt man an dieses Radio? Mit Teamwork!
Oops, die Dame des Hauses ist "not amused"
Der Zahlencode hinter diesem Bild kann nur mit einer sehr ausgefallenen Idee herausgefunden werden
Chuck, die fleischfressende Pflanze, auch bekannt aus einem anderen Spiel von <b>LucasFilm</b> bzw. <b>LucasArts</b>
Im Haus findet man all das vor, was man sich unter einer verrückten Wissenschaftlerbude so vorstellt
Pappi will Sohnemanns Hamster für Experiment nutzen
Mit lila Tentakel ist nicht zu spaßen
Dieses Spiel atmet bis in den letzten Pixel den Zeitgeist der 1980er
In einigen Räumen ist es schwierig, im Dunkel erstmal den Lichtschalter zu "ertasten"
Die Tentakel-Rock-Band wird berühmt gemacht ...
... worüber sich das grüne Tentakel ungemein freut.
Hier landet man manchmal, wenn man nicht schnell genug ist. Glück hat dann der, der die richtigen Schlüssel parat hat.
Ab ins Gefängnis
Die Hirnabsaugmaschine in Aktion
Ein etwas umgerüsteter Edsel
Der Umstieg vom Originalspiel zur Deluxe-Version lohnt sich!
Trotz bedrohlicher Situationen bleibt <b>"Maniac Mansion"</b> immer witzig
Ein typisch irrer Wissenschaftler ...
... mit untypischen Beziehungsproblemen.



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