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Gabriel Knight - Sins Of The Fathers

"Der Schattenjäger im Bann des schwarzen Glaubens"

Gabriel Knight - Sins Of The Fathers

Sierra

veröffentlicht: 1994
Genre: Adventure
Altersfreigabe: USK 12
gespielt auf: PC (DOS/Windows 3.x)
Multiplayer-Modus: nein
Anforderung: 386er, 4 MB RAM, CD-ROM-Laufwerk
Soundkarte: ja
Grafik: VGA
Ohne "Gabriel Knight" hätte es sicherlich kein "Phantasmagoria" gegeben, aber ohne die Sierra'schen "... Quest"-Reihen wohl auch kein "Gabriel Knight". 1993 bot sich für die Autorin Jane Jensen die Möglichkeit, die Geschichte für ein eigenes Adventure zu entwickeln, welches dem Adventure-Markt neue Perspektiven zeigen sollte und sicherlich dafür verantwortlich ist, dass in den Nachfolgejahren einige sehr interessante Horror-Adventures den Markt eroberten. Der große Pluspunkt des Spiels ist die dicht gewebte, sehr intelligente Hintergrundgeschichte, die sich erst nach und nach entfaltet. Sprich: die Ausmaße von Gabriels Nachforschungen sind vorerst gar nicht zu erahnen; umso erstaunter ist man mit Fortschreiten, welche Fakten ans Tageslicht gebracht werden und wie sie sich in die persönliche Geschichte von Gabriel einordnen.


Ab zum Tag 1: Wir wohnen einem seltsamen Traum bei, einer Intro-Sequenz, die sich erst nach und nach entschlüsselt. Eine Mann beobachtet die Verbrennung einer jungen Frau, doch plötzlich formt sich aus dem flammenden Gesicht ein Panther, eine blutiges Amulett schwingt aus dem Nichts ins Blickfeld, ein Erhängter baumelt über dem Abgrund an einem Ast und der Mann vom Beginn fühlt, wie sich eine Schlange um seinen Hals schlängelt und ihn zu würgen beginnt. Sehr mysteriös und unheimlich! Die Szenerie schwenkt zum Sonnenaufgang in den Straßen von New Orleans, genauer gesagt zur Tür des Buchladens unseres Protagonisten, Gabriel Knight. Seine Buchhalterin öffnet die Tür und Gabriel kommt verkatert aus seinen Gemächern hervor.
Gabriel, der den alten Buchladen von seinem Vater übernahm, ist selbst Autor und schreibt gerade an einem Buch, das u. a. die Arbeit seines Freundes Mosely, Inspektor der örtlichen Polizei, beleuchtet. Noch weiß er nicht, dass er selbst bald zum Ermittler wird und einer heißen Spur der sogenannten Voodoo-Morde folgen wird, die ihm seine Vergangenheit offenbaren werden. Gabriel wird als charmanter Tagedieb charakterisiert, der, wann immer er die Möglichkeit sieht, seinen Charme bei Frauen auszuspielen, jedoch auf Grund seines lottrigen Lebensstils etwas ziellos und auch knapp bei Kasse ist. Doch fehlt es ihm nie an Einfallsreichtum und Witz.


Das Umfeld erinnert zuerst sehr stark an den Film noir, nur modernisiert Gabriel die düsteren, depressiven Motive des Einzelgängers durch seine selbstironische Betrachtung der Welt. Der Spieler wird sich dank der hervorragenden, sehr menschlichen Charakterisierung sehr schnell in diese Atmosphäre einfinden, schließlich verbringt er den Großteil der folgenden 10 Tage, die häufig mit jenem Alptraum beginnen, in New Orleans, dem kulturellen Zentrum für Voodoo-Kultur und Jazz-Musik der USA, welches einst durch Trockenlegung von Flussdelta- und Sumpfgebieten entstand. Sowohl Voodoo als auch Musik sind omnipräsente Themen des Spiels, wobei sich die Geschichte natürlich auf Ersteres konzentriert. Die künstlerischen Designs versuchen dabei, die markantesten Punkte der Stadt auch als Orte ins Spiel zu bringen, maßgeblich das französische Viertel, dem ältesten Stadtteil, der mit einer Vielzahl an sehenswerten, altertümlichen Gebäuden und dem Einfluss der afro-amerikanischen Bevölkerung die Basis für die Geschichte bietet.


Diese architektonischen und kulturellen Strukturen entführen uns in die nur wenig technisierte Zeit anfang des letzten Jahrhunderts, von denen sich schon Filme wie Interner Link"Angel Heart" oder die neueren Interner Link"Ritual" und Interner Link"Der verbotene Schlüssel" inspirieren liesen. Und tatsächlich, die Welt von "Gabriel Knight" wird trotz der Tatsache, dass das Spiel im Juni 1993 angesiedelt ist, mit recht altmodischen Mitteln auskommen. Handys gibt es praktisch nicht, Autos nur mal selten in einer Zwischensequenz und das Telefon in Gabriels Raum scheint das einzige Relikt der modernen Gesellschaft zu sein, vermag die Atmosphäre dieses Spiels aber nicht zu stören.


Als neugieriger Mensch bringt sich Gabriel natürlich schnell in die Aufklärung der Voodoo-Morde ein, während die Polizei die Angelegenheit nach kurzen, erfolglosen Aufklärungssuche zu den Akten legt. Im typischen Stil eines Point-And-Click-Adventures bewegen wir den blonden Protagonisten auf einer Übersichtskarte zwischen den verschiedenen Örtlichkeiten von New Orleans (und später auch weiteren Schauplätzen). Ganz nach Kinovorbild ist der tatsächliche Sichtbereich nur etwa die Hälfte des Bildschirms, also etwa ins Format 2.35:1 gefasst. Der obere schwarze Streifen füllt sich, sobald man die Maus dorthin bewegt, mit dem Menu, welches aus den verschiedenen Aktionsmöglichkeiten, die man mit der rechten Maustaste auch durcklicken kann, den Optionen, dem Inventar, einem Recorder, dem aktuellen Punktestand und zwei Verzierungen besteht. Im Inventar kann man - und das muss man zwangsläufig oft tun - die Gegenstände näher betrachten, kombinieren oder für ein Anwendung auf den Schauplatz auswählen. In typischer Sierra-Manier geben gelöste Aufgaben, aufgenommene Gegenstände und wichtige Gesprächsoptionen einen oder mehrere Punkte. Ziel ist es nicht unbedingt, die maximalen 342 Punkte zu erreichen - das hebt man sich für einen späteren Durchgang auf.


Die Gespräche mit den authentisch wirkenden, sehr lebendigen Charakteren vor Ort nimmt einen Hauptteil des Spiels ein. Befragt alle Personen zu allen Themen, es kann nicht schaden, denn es verbaut keine Lösungsmöglichkeiten und liefert evtl. wichtige Hinweise. So muss man u. a. durch Dialoge herausfinden, was sich hinter Voodoo-Hounfour, Caprit Sans Cor', Vévé, Damballah und Ogoun Badagris verbirgt, um nur einige der interessante Voodoo-Vokabeln zu nennen. Nebenher darf man sich über die oft sehr interessante Biografie des Gesprächspartner hermachen und ihn danach löchern, bis er keine oder bereits bekannte Dinge von sich gibt. Und das schöne daran: Die CD-ROM-Fassung des Spiels bietet nicht nur gesprochene Hinweise für sämtliche auszuführende Aktionen an, sondern machte sich die enorme Arbeit, jede Dialogzeile von professionellen Sprechern vertonen zu lassen. Und hier wird "Gabriel Knight" auch wieder für den Film-Fan interessant: Den Protagonisten mit seiner tiefen, rauchigen Stimme übernimmt niemand anders als Tim Curry ("The Rocky Horror Picture Show", der bereits erwähnte Interner Link"Ritual"), dessen charakteristisches Organ maßgeblich zum Gelingen des Spiels beiträgt. Das ist noch längst nicht alles, denn in den Nebenrollen geht der namhafte Cast bis zur kleinsten Sprechrolle weiter. Leah Remini, eben jene Carry aus der sehr erfolgreichen TV-Serie Interner Link"King Of Queens", durfte vor ihrer TV-Karriere Gabriels Hilfskraft Grace intonieren, welche etwas eifersüchtig auf ihren Arbeitgeber ist, ihn mit Nachforschungen versorgt und mit ihrer Arbeit den Laden am Laufen hält. Michael Dorn (Interner Link"Star Trek: The Next Generation") ist als Dr. John zu hören, der Gabriel von der Universität aus mit Informationen über die Ursprünge des Voodoo informiert, und Interner Link"Star Wars"-Star Mark Hamill darf Gabriels besten Freund Mosely synchronisieren. Bei so vielen namhaften Rednern stört es nicht, dass die in den Textanzeigen lokalisierte deutsche Fassung keine eingedeutschte Sprachausgabe bekam. Dafür darf man sich auf einige kuriose Momente einstellen, denn Gabriel Knights Vorfahren stammen aus Deutschland: So versucht sich Gabriel stellenweise in der Aussprache von Wörtern seiner Ahnen, was sehr seltsam klingt. Aber auch die Deutschen des Spiels scheinen ihre Muttersprache schon etwas verlernt zu haben.


Die Rätsel des Spiels sind selten komplexer Natur, aber nicht immer einfach zu lösen. Denn sehr oft kommt es vor, dass man in den gezeichneten Hintergründen einen winzigen, sich kaum abhebenden Gegenstand auffinden muss. Zusätlich erschwert wird das durch die fehlende Hervorhebung von interagierbaren Elementen im Bild. Anders als bei LucasArts-Adventures genügt es nicht, diese Elemente mit der Maus zu überfahren, um von ihnen Kenntnis zu erlangen, man muss sie zusätzlich anklicken. Das sorgt in einigen Räumen für lang anhaltende Klickorgien, damit auf keinen Fall ein wichtiges Objekt übersehen wird. Und Räume gibt es wahrlich genug, also insgesamt eine fast unüberschaubare Anzahl an Möglichkeiten, um Gegenstände aus dem Inventar mit Personen oder dem Umfeld zu verbinden. Es ist also keine Schande, wenn man Rat bei einer Komplettlösungen im Internet sucht. Hat man das Spiel erst einmal durchgearbeitet und führt die Lösungsschritte in einem zweiten Durchgang ohne zeitaufwendige Rätselei hintereinander aus, ist trotzdem noch eine enorme Spieldauer von 5 bis 8 Stunden garantiert - und das nicht nur, weil es manchmal etwas dauert, bis Gabriel von A nach B über den Bildschirm zuckelt.


Der Erfolg des Schattenjägers, der sich während seines Abenteuers der mächtigen Voodoo-Magie und einer Vielzahl übernatürlicher Phänomene gegenüber gestellt sieht und dabei sogar sterben kann - besonders gegen Ende ist regelmäßiges Speichern Pflicht! -, ergibt sich nicht nur aus der fesselnden Geschichte, die von Jensen später zu einem Roman weiterentwickelt wurde, für den mittlerweile Liebhaberpreise gezahlt werden. Auch kommt "Gabriel Knight" abgesehen von ein paar Schlüsselmomenten ohne besonders deutliche Brutalität aus. Der Grund für den Erfolg man in den grafischen Reizen des Spiels liegen. Die VGA-Grafik in 320x200 Bildpunkten mit 256 Farben und das frühe Produktionsjahr lassen noch keine kinoreifen Animationen zu, wie man sie in späteren Adventures erleben durfte, aber die Möglichkeiten der damaligen Rechentechnik werden hierfür perfekt genutzt. Animationen werden aus einer Kombination von Fotoaufnahmen, die nachgezeichnet sind, und Stop-Motion-Bildern zum Leben erweckt, während die tadellosen Zwischensequenzen das Spiel in Form eines Comic-Strips fortführen. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass der Erstauflage des Spiels ein Comic in gedruckter bzw. in späteren Auflagen in digitaler Form beilag. In den detailreichen Darstellungen der Minimalvideos steckt zudem sehr viel Aufwand und künstlerisches Geschick, um eine glaubhafte Welt zu erstellen, die aus dem vermeintlich technischen Nachteil einen Vorteil für Stimmung und Spieltiefe entwickelt.


"Gabriel Knight" lädt förmlich dazu ein, als Spieler in der düsteren Rätselwelt rund um Gabriels Vorfahren zu versinken und sich dabei mit einer Vielzahl an Hintergrundinformationen zum Thema Voodoo einzudecken. Statt sich in Bildern voller Zombies, Gore und Schockmomenten zu suhlen, erkundet man mit Sierras Erfolgstitel die klassische Welt der einstig afrikanischen Glaubenskultur, die mit seltsamen Mythen und Bräuchen die Abkehr der wissenschaftlichen Welt des 21. Jahrhunderts zelebriert. Viel besser als es Sierra dies hier tut, kann man ein Horror/Thriller-Spiel, das sich deutlich von Gruselliteratur inspiriert zeigt, kaum definieren!

Nachtrag Okt. 2014: Mittlerweile ist das Spiel als "20th Anniversary"-Edition unter der Regie von Jane Jensen neu aufgelegt worden. Neben hochauflösenden Grafiken und verbesserten Animationen, die dem Spiel eine überwältigende, dennoch stilistisch stark ans Original angelehnte Optik verleihen, wurden neue Rätsel eingebaut. Weiterhin wurde die Musik remastert und sämtliche Dialoge aufgrund des schlechten Ausgangsmaterials neu eingesprochen.



Zurück zum Inhalt Bildergalerie
Ist dies einer unserer Vorväter?
Was geschieht mit dieser Frau?
Jeder Tag beginnt fast noch in der Nacht mit dieser Sequenz
Die Kasse von Gabriels Buchladen könnte besser gefüllt sein
Gabriel auf seinem Feuerofen
Die richtige Zeit öffnet diese Uhr
Besuch bei Oma Knight
Gespräch mit einem Ladenbesitzer in New Orleans
Auf der Wache beim guten Freund Mosely
Der Tatort des jüngsten Rituals
Gabriel muss hartnäckig bleiben, um in dieser Bar an Informationen zu gelangen
Gabriels Geschäftshilfe verlässt am Abend den Laden
Auch auf dem Friedhof befinden sich seltsame Symbole
Im Voodoo-Museum ...
... dessen Inhaber uns eine Menge über diese Religion erzählt
Eine kesse Voodoo-Priesterin
Um hier hereinzukommen, muss man sich etwas einfallen lassen
Der selbe Alptraum ... jede Nacht!
Ein Telefonat nach Deutschland zur Verwandschaft
Eins der schwersten Rätsel ist auf dem Platz zu lösen
Gabriel holt sich Informationen bei seinem Kumpel
Lebendig begraben? Oder nur ein Alptraum?
Selbst die Universität in New Orleans hat etwas Seltsames an sich
Die alte Dame bittet uns herein ...
... und gibt uns (unwissentlich) einige wichtige Informationen
Dieser Herr hat der Voodoo-Zauber erwischt. Ob er's noch lange machen wird?
Eine der wundervollen, gezeichneten Zwischensequenzen ...
... die stets mit Symboliken vollgestopft sind.
Aus dem Informanten in der Kirche ist nicht viel herauszubekommen
Vor der Abreise nach DeutschlandKönnte ich diesen Hüftschwung bitte noch einmal sehen?
Gabriel wird im Schloss seiner Vorfahren seiner Bestimmung zugeführt
Visionen von Voodoo-Ritualen und Echsenmenschen
Geschafft: Wir wohnen tatsächlich einem Ritual bei - natürlich in Verkleidung
Die Hohepriesterin links hat was!
Ist dieser Dolch auch nur Teil eines Traums?
Mit dem Ortungsgerät durch die Sümpfe
Ein ekstatischer Tanz ...
... mit einem bekannten Gesicht ...
... das nichts Gutes für Gabriel verspricht.
Auf nach Europa ...
... ins verschneite Familienanwesen.
Das Inventar ist nun wieder leer, also auf und Gegenstände sammeln
Jeder Tag wird eingeleitet durch ein Teil einer Erzählung
Ein Opferaltar
Inmitten des Verstecks seiner Feinde
Dieser Mann wird uns einen großen Dienst leisten
So actionreich und stilvoll können Standbilder sein, Teil 1 ...
... und Teil 2
Rückreise nach New Orleans
Eine gefährliche Opferung



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