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Die 1970er Jahre stehen für einen tiefgreifenden Wandel des Hollywoodsystems. Das betrifft den Autorenfilm des "New Hollywood", aber auch das Genrekino und ganz speziell den Horrorfilm. Hier sorgen unabhängige und risikofreudige Regisseure wie George Romero, Larry Cohen, David Cronenberg, Tobe Hooper und Wes Craven für eine Revolution: Ihre Filme zeigen übermäßige Gewalt, die sich gegen menschliche Körper richtet, sie attackieren den guten Geschmack und verhöhnen alle visuellen Skrupel. Mit allen Sinnen ist im modernen, postklassischen Horrorfilm die Verwandtschaft von Ekel und Faszination, von Schrecken und Verlangen zu spüren. So unübersehbar der Exzeß im Zentrum der Filme steht, so unübersehbar ist auch, daß viele von ihnen gesellschaftliche Parabeln erzählen. Auf diese Weise üben sie scharfe Kritik an der Gegenwart. Weil sie als freie Produktionen auf die Regeln der kommerziellen Großfilme keine Rücksichten nehmen, konzentrieren sie sich auf die düsteren Schattenseiten des American Dream, auf die Verwerfungen des Kapitalismus, den falschen Fortschrittsglauben und die furchtbaren Verwüstungen in den Seelen der Menschen. Wie kein anderes Genre legt der Horrorfilm seine Zeitgenossen auf die Couch einer kollektiven Psychoanalyse. Was dabei in Form von Bildern und Klängen auf die Leinwand gelangt, ist höchst beunruhigend. Der Verzicht auf jede Einbahnstraßendidaktik und das lustvolle Ausschlachten von Mythen der populären Kultur macht diese Filme zugleich zu einem Vergnügen der absonderlichen Art.
Die Reihe "Hollywoods Schmuddelkinder" stellt eine Reihe von Horrorfilmen der 70er und 80er Jahre vor, die dem Genre ihren Stempel aufgedrückt haben. Dabei prägen einige Filme später auch den Mainstream, indem sie ausloten, was überhaupt darstellbar ist. Beispiele dafür sind etwa die Filme von Tobe Hooper, der mit"The Texas Chainsaw Massacre" (1974) und "Death Trap" (1976) im Low-Budget-Film arbeitet und später für Steven Spielberg den Blockbuster
"Poltergeist" (1982) dreht. Das gleiche gilt für Wes Craven, dessen "Nightmare on Elm Street" (1984) seine anarchische Phase beendet und Freddy Krueger zu einen Superstar der 80er Jahre macht. Doch neben namhaften Regisseuren sind hier auch weniger bekannte zu entdecken. Zudem versucht die Auswahl, auch einen thematischen Überblick über das Horrorgenre zu geben. Die Helden der Filme sind daher nekrophile Serienmörder, wahnsinnige Forscher, monströse Kinder und todtraurige Vampire. Schon bevor zwei gehetzte Restaurantbetreiber in der Parodie
"Blood Diner" (1987) mit Blut um sich spritzen, geht es in den Filmen dieser Reihe sehr schmuddelig und unappetitlich zu. Wer freilich Geist und Sinne strapazieren will, findet dazu in diesen Filmen reichlich Gelegenheit.