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All I Need To Know About Filmmaking I Learned From The Toxic Avenger (Erstausgabe)

Autor:Lloyd Kaufman und James Gunn
Autor:Lloyd Kaufman und James Gunn
Verlag:Berkley Boulevard Books
ISBN/EAN:0-425-16357-1
erschienen:01.08.1998

Sprache:Englisch
Format:Paperback, C5
Seiten:336 Seiten, s/w
This is the true story of the moviemaking maverick who co-founded an independent studio twenty-five years ago in a humble broom closet ... who used raw hamburger, Karo syrup blood, and Bromo-Seltzer vomit to create films of questionable artistic and moral valuev ... who battled the MPAA rating board to bring his outrageous vision to the screen ... who rejected Madonna after an audition ... who defied the Hollywood system and slapped the face of the industry ... and who built a B-movie empire filled with Chopper Chicks, Surf Nazis, Kabuki Cops, Nymphoid Barbarians, and a lone hero known as The Toxic Avenger.
This ist the story of Troma Studios. A story of guerilla filmmkaing at its cheapest, of the American Dream torn limb from limb, and of topless starlets menaced by obscene rubber puppets.

Warning: The shocking filmmaking techniques described in this book may be hazardous or fatal if swallowed.


(Inhaltsangabe der Veröffentlichung entnommen)
Lange Filmtitel waren schon immer ein werbewirksames, schrulliges Relikt von Trash-Filmen. Troma treibt dieses Spiel nur zu gern auf die Spitze mit Werken wie "A Nymphoid Barbarian In Dinosaur Hell", "Maniac Nurses Find Ecstasy" oder gar dem rekordverdächtigen Interner Link"The Class Of Nuke 'Em High 3: The Good, The Bad And The Subhumanoid". Mit letzterem, so witzelt Lloyd Kaufman des Öfteren in seinem ersten Buch, wird er die vom Verlag verlangten 70.000 Wörter auf jeden Fall voll bekommen, indem er der überlang betitelten Eigenproduktion einfach ein ganzes Kapitel widmet und dort den Namen mehrfach komplett ausspricht. So ist auch der Titel des 1997 beendeten Buchs "All I Need To Know About Filmmaking I Learned About The Toxic Avenger" schon äußerlich ein echter Hingucker.

Anfangs war ich etwas skeptisch, da die offensiven Werbemaßnahmen für das Buch doch eher nach einem schnellen Dollar für die Verleger rochen. Es gilt aufzufallen und das gelingt Lloyd, neben Michael Herz Gründer und kreativer Kopf der Troma Company, bestens - sogar in vielerlei Hinsicht. Denn was hier auf knapp 340 Seiten geboten wird, ist eine irrwitzige Achterbahnfahrt durch das urkomische Gruselkabinett namens Troma. Dass Lloyd ein sehr interessanter, willenstarker Mensch mit starkem Drang zur eigenen Entfaltung bis hin zur Selbstdarstellung ist, offerierte er uns schon in verschiedensten Interviews und Audiokommentaren, die meines Erachtens stehts zu den Besten ihrer Art gehören. Das spiegelt sich auch in seiner Schreibweise und damit im grundlegenden Aufbau des Buches wieder. Die Rasanz, mit der mitunter von einem Thema zum nächsten gelangt, danach wieder zurückspringt und zwischendrin etwas völlig Anderes aufgreift, ist verblüffend und bezeichnend für Lloyds nimmermüden Aktivitätsdrang und für seine quirlige Art, in der er stets auf den Extras seiner DVDs zu sehen ist. Den Zusammenhang kann er in seinen Inhalten trotz sprunghaftem Fortschreiten stets bewahren, was für seine Fähigkeiten als Autor spricht. Auch seine sehr direkte Art, die unliebsamen Zeitgenossen hemmungslos bloß zu stellen, ja sogar einige Praktiken der Industrie auszuplaudern, die man bereits als brisant bezeichnen wird, sind erstaunlich. Während hier viele Fakten beginnend bei den Anfangstagen zu Studentenzeiten und die Arbeiten für die größeren Studios bis hin zur Gründung von Troma mit fürstlichem Sitz in einer Besenkammer aufgeführt sind, haut uns Lloyd mitunter heftig die Taschen voll und schiebt kleine Anektoden ein, die, falls überhaupt, sicherlich nicht so stattgefunden haben. Will er uns nun fortwährend belügen? Nein, denn Lloyds charmante Art macht selbst die härteste Beleidigung (in meinen Augen wird man stets drüber lachen können) zu einem unterhaltsamen Moment und er enttarnt seine kleinen Lügen stets selbst, bevor er Gefahr läuft, seine Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Neben unheimlich vielen Fakten, die nicht ausschließlich ihn betreffen, sondern auch viele der Mitarbeiter von Troma bzw. der frühen Weggefährten von Herz/Kaufman angehen, versucht sich der Autor stets darin, die Fahne des unterdrückten Independent-Kinos gegenüber der "herzlosen" Megakonzerne hochzuhalten. So pathetisch wie das klingt, ist es glücklicherweise nicht im Buch. Zumal mitunter ernste Themen zur Sprache kommen wie der Brustkrebs von Lloyds Frau Pat, der Tatsache, dass der eher introvertierte Michael Herz nicht in diesem Buch erscheinen und weiterhin seinen Platz hinter den Kulissen behalten möchte (was natürlich nicht ganz der Fall ist) oder den schweren Niederlagen, die die beiden Filmer in jungen Jahren einstecken mussten. Das reicht vom finanziellen Desaster des zweisprachig, in Israel gedrehten "Big Guss, What's The Fuss" über Startschwierigkeiten des später sehr erfolgreichen Interner Link"Tromas War" bis hin zum großen Streit mit New Line, die eine Option auf eine Verfilmung der "Toxic Crusaders"-Serie hatten und diesen zurückhielten. Natürlich ist der hier vertretene Standpunk immer etwas einseitig, weswegen man die geschilderten Angelenheiten immer mit etwas Abstand betrachten sollte, aber Lloyd macht es uns auch besonders leicht, für ihn Partei ergreifen zu wollen.

Davon abgesehen, macht das Lesen wirklich großen Spaß. Das beginnt mit dem ziemlich unüblichen Aufbau des Buches, an dessen Entstehung der Leser sozusagen teilnimmt. Zwischen den Kapiteln trifft sich Lloyd immer wieder mit dem ihm zugestellten Lektor, der die Interessen des Verlages vertritt, also Lloyd auf die kleinen Lügen und das eigentliche Ansinnen des Buches aufmerksam macht, von dem der Autor immer wieder leicht abschweift. Mitunter artet das in einen Fußnotenkrieg aus, der sehr witzig zu lesen ist. Trotz leichter "gross out"-Humorattacken dürfte auch die Art, wie über einige Unbeliebte hergezogen wird, niemanden verstören, auch wenn der Troma-Chef kein Blatt vor den Mund nimmt und sich sicherlich einige Feindbilder durch sein Buch aufrecht erhält.

Im Großen und Ganzen hätte das erste Troma-Buch nicht besser, nicht kunterbunter und unterhaltsamer ausfallen können, denn egal, was man nun erwartet - eher technische Tipps zum eigenen Film oder die Offenbarung eines leidenschaftlichen Komödianten - man wird nicht enttäuscht werden. Abgerundet werden die 300 Seiten starken Ausführungen Kaufmans von einem Vorwort von Independent-Filmer und Troma-Vorbild Roger Corman, einer Troma-Filmografie im Anhang, viel Bildmaterial mit selten ernst gemeinten Bildunterschriften und immer wieder eingeschobenen Textboxen zu nebensächlichen Dingen des Studios. Troma-Fans werden "All I Need To Know ..." lieben und es als Geniestreich bezeichnen, den man so nicht unbedingt von Kaufman erwartet hätte. Wer noch nicht "tromafiziert" wurde, wird sich erst mit dem Humor des Autors anfreunden müssen, wird das Buch danach aber sicherlich als eines der Unterhaltsamsten, weil Lustigsten in Erinnerung behalten, die er je gelesen hat. Ob und wann eine deutsche Übersetzung erwartet werden kann, steht noch in den Sternen, mit mittelmäßigen Englischkenntnissen sollte das Verständnis des Inhalts aber auch so keine Probleme bereiten.


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