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Zerschnittene Filme - Zensur im Kino (1. Auflage)

Autor:F.-B. Habel
Autor:F.-B. Habel
Verlag:Kiepenheuer
ISBN/EAN:3-378-01069-X
erschienen:2003

Sprache:Deutsch
Format:Paperback, A5
Seiten:126 Seiten, s/w

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Waren es in den sechziger und siebziger Jahren vor allem politische Zwänge (etwa der Vorwurf der Pornographie, der Gewaltverherrlichung; im Osten natürlich der Verstoß gegen die ideologische Linie), so sind es heute eher marktstrategische Erwägungen, die den Regisseur zu unfreiwilligen Eingriffen in seine Arbeit zwingen. Filme wie "Casablanca", "Panzerkreuzer Potemkin", "Stirb Langsam" oder auch "E.T." mögen uns mehr oder weniger gelungen erscheinen – doch ist das, was wir hier sehen, bereits auf vielfältige Art und Weise zensiert und folglich verändert worden.
F.-B. Habel hat solche Zensurgeschichten erkundet, und er beschreibt die Arbeitsweise der entscheidenden Kontrollbehörden bei ihren Auseinandersetzungen mit Regisseuren und Produzenten. Das Buch ist reich an grotesken, oft auch bitteren Begebenheiten aus der Filmgeschichte und liefert dem Zuschauer eine ungewöhnliche Ergänzung zu manchem Fernseh- bzw. Kinoabend.


(Inhaltsangabe der Veröffentlichung entnommen)
Bücher, die sich mit Schnitten und unterschiedlichen Schnittfassungen beschäftigen, widmen sich in der Regel vornehmlich Schnittauflagen, die aufgrund ausufernder Gewaltdarstellungen von den Filmprüfstellen aller Herren Länder gefordert werden. In einigen wenigen Fällen trifft dies auch auf F.-B. Habels "Zerschnittene Filme" zu, jedoch hat dieses Buch weit mehr zu bieten als eine bloße Aneinanderreihung von so genannten Schnittberichten. Interner Link"Day of the Dead" dürfte der einzige hier erwähnte Film sein, den man auch in oben angedeuteten Veröffentlichungen finden wird. Neben Romeros Splatter-Fest wird auf von Prüfstellen geforderte Schnitte lediglich in Fällen von Filmen wie Interner Link"Dracula" (1930) oder Interner Link"Frankenstein" (1931) eingegangen. Diese Schnittauflagen muten aus heutiger Sicht freilich geradezu niedlich an.
Allerdings finden sich noch weitere Fälle von herausgeschnittenen Gewaltszenen in diesem Buch, jedoch handelt es sich dabei meist um freiwillige Kürzungen. So erfährt man, dass die Produzenten von Filmen wie Interner Link"Dead Zone" oder "Dressed to Kill" bereits abgedrehte Szenen aus Furcht vor einer X-Freigabe noch vor der Filmprüfung wieder herausschneiden ließen.
Neben der Zensur von Gewaltdarstellungen spielten im Laufe der Filmgeschichte natürlich auch diverse Nacktszenen eine Rolle für Jugendschützer und andere Bewahrer des Glaubens. Nicht nur Oswald Kolle bekam dies zu spüren und der Leser kann sich über die vielfältigen Methoden zur Ausblendung nackter Männer- und Frauenkörper, die von Schnitten über Alternativszenen und schwarze Balken bis zur Totalverdunklung des Bildes reichten, informieren. Eine weitere Spielwiese der Zensoren waren politische Inhalte, oder solche, die dahingehend hätten interpretiert werden können. Speziell aus der Geschichte des geteilten Deutschlands weiß Habel hier interessante und mitunter amüsante Einzelfälle zu berichten. So mutet es schon etwas lustig an, dass in der DDR aus der "Feuerzangenbowle" seinerzeit eine Szene entfernt werden musste, in der ein Schüler über die Ostgoten und die Westgoten geprüft wird. Ebenso obskur sind Veränderungen von Handlung, Namen und Jahreszahlen im polnisch/ostdeutschen "Der schweigende Stern", die in den USA aufgrund des damals aktuellen Kalten Krieges vorgenommen wurden. Aber es gab auch ernsthaftere politische Beanstandungen, sei es bei "Im Westen nichts Neues" oder "Casablanca", die vor bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg aus unterschiedlichen Gründen in Deutschland geschnitten, bzw. durch die Synchronisation verändert werden mussten.

Alle Filme werden in einzelnen Fließtexten behandelt, deren Länge zwischen einigen Zeilen und einigen Seiten variiert. Neben den Filmen werden stellenweise auch Institutionen wie die deutsche FSK oder die katholische Zensurbehörde Legion of Decency, die in den USA über Jahrzehnte hinweg großen Einfluss auf die Filmzensur hatte, behandelt und anschaulich erklärt. Überhaupt lesen sich sämtliche Texte äußerst angenehm, da auf überflüssige Informationen weitestgehend verzichtet wird. So bleibt eine leicht zu lesende, unterhaltsame Auflistung verschiedener Fälle von Zensur, die weder höchsten Ansprüchen genügen will, noch einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Vielmehr hat man es bei "Zerschnittene Filme" mit einer ausgewogenen Mischung aus informativem Nachschlagewerk und unterhaltsamem Zeitvertreib zu tun, mit dem Interessierte gerade in Hinblick auf den Preis, der mittlerweile bei etwas 3 € liegt, kaum etwas falsch machen können.


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