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Cannibal Movie Chronicle (Limited Edition)

Autor:Danny Corso
Autor:Danny Corso
Verlag:MPW
ISBN/EAN:9-783931-608880
erschienen:01.06.2008

Sprache:Deutsch
Format:Hardcover A4
Seiten:448 Seiten (farbig) + 4 Seiten (s/w)

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Der italienische Kannibalenfilm ist ein Bereich des Horror-Genres, der die Gemüter erhitzt, der polarisiert und der niemanden kalt lässt. Und das nicht zuletzt der grausamen Folter- und Tötungsszenen, die diese Filme in den Mittelpunkt rückten. Die Hochzeit dieser ganz speziellen Filmart war von 1971 bis 1981, begann mit Umberto Lenzis Interner Link"Mondo Cannibale" und endete mit seinem Interner Link"Die Rache der Kannibalen".
Dazwischen gab es eine Reihe von anderen Filmen, am populärsten und besten ist dabei sicherlich Ruggero Deodatos Interner Link"Cannibal Holocaust", der zwar in die selbsen Fallstricke des Genres stolpert, aber zumindest intelligente Ansätze aufweist.
In diesem Buch wird chronologisch der Aufstieg und Fall dieses Genres untersucht. Und auch wenn es sich vornehmlich dem Kannibalen italienischer Couleur widmet, wird doch der Blick über den Tellerrand unternommen. Naben internationalen Kannibalenfilmen gibt es darüber hinaus einen Blick in die bizarre Welt des Mondo-Films, der zumindest vom Schockwert auf einer Stufe mit den Kannibalen steht.
Highlight dieses Buchs ist das sehr seltene und umfangreiche Bildmaterial - Poster und komplette Aushangfotosätze - aus allen Herren Länder.


(Inhaltsangabe der Veröffentlichung entnommen)
2008 erschien vom MPW ein weiteres beachtliches Werk zum Genrefilm, welches sich um eins der abstoßendsten Subgenres des Horrors dreht: dem Kannibalenfilm. Auf über 400 großformatigen Seiten wird auf insgesamt 24 hervorhebenswerte Filme eingegangen, die dem Kannibalenfilm zugehörig sind oder ihm von Produzenten bzw. der Titelschmiede zugeschrieben wurden.

Das Buch gibt einen reichhaltigen Überblick über die größtenteils italienischen Produktionen, indem neben einer sehr kurzen Inhaltsangabe und einer nicht sonderlich längeren Kritik vor allem Hintergrundwissen zur Produktion und Rezeption des Films geschildert wird. Diese Einblicke sind trotzdem so kompakt gehalten, dass man das Buch an einem Stück durchlesen kann, denn es bleibt interessant, ohne zu tiefgreifend zu werden. Darüber hinaus werden Regisseure und auch Darsteller in kurzen Biografien gewürdigt.

Der Autor bezieht mehrfach Position zur Tiertötungsproblematik, indem er das zwecklose Quälen und Töten von Tieren zu Unterhaltungszwecken verurteilt und mit filmbezogenen, nachvollziehbaren Argumenten untermauert. Auch ist er kritisch was die oftmals unterirdischen Filme der Genre-Spätphase betrifft. Nicht jeder Kannibalenfilm ist demnach sehenswert, besonders nicht dann, wenn er von einem Bruno Mattei stammt.

Ein Blick über den Tellerrand ermöglichen Subkapitel, die Genre verwandte Aspekte behandeln, z.B. den Vietnam-Kriegsfilm (Interner Link"Asphalt-Kannibalen"), den Voodoo-Kult (Interner Link"Papaya - Die Liebesgöttin der Kannibalen") oder andere historische Hintergründe wie das Jonestown-Massaker, die Filmen als Vorlage gedient haben könnten (Interner Link"Lebendig gefressen"). Auch diese Abschnitte sind sehr kompakt, um nicht vom Hauptanliegen des Buches abzulenken. Wer beispielsweise mehr über Zombie-Filme wissen möchte oder sich ernsthaft mit kannibalistischen Mördern der Menschheitsgeschichte auseinandersetzen möchte, kann dies in anderen Büchern vertiefen.

Auch für Beginn und Schlussteil des Buches stehen ein paar interessante Kapitel zur Verfügung, die an das Thema heranführen, dessen Beginne (Mondo-Filme) beleuchten und die Randverwertungen des Kannibalenfilms aufzeigen. Letzteres geschieht mit einem kurzen Abriss von Filmen, u.a. Interner Link"Das Schweigen der Lämmer", diverse Ed Gein-Verfilmungen, Katastrophenszenarios wie in Interner Link"Überleben!" oder gar Komödien wie Interner Link"Delicatessen" bis hin zum SciFi-Klassiker Interner Link"Soylent Green". Das ist besonders interessant, denn hier tauchen Filme auf, die man nicht sofort ins Genre eingeordnet hätte und die Vielschichtigkeit des Stoffes aufzeigen. Auch dem bekanntesten deutschen Kannibalen der Neuzeit und dessen Verfilmungen (z.B. Interner Link"Rohtenburg") wird behandelt. Als grausiges Zeitdokument ist dort sogar jener Internet-Forenbeitrag abgedruckt, mit welchem das Opfer damals nach seinem Schlächter suchte.

Cover BCover CCover D

Textlich ist "Cannibal Movie Chronicles" eine absolut runde Sache, denn der Autor versteht es, sich gewählt auszudrücken, ohne abzuschweifen. Die Fehlerquote im Text ist vergleichsweise gering, nur in den Bildunterschriften haben sich einige Fehler eingeschlichen. Allerdings ist es unverzeilich, dass es nicht gelingt, am Buch Mitarbeitende richtig in der Umschlagsseite zu nennen. Dass man das Werk trotz der fast 450 Seiten innerhalb von 5 bis 6 Stunden durchgelesen haben kann, liegt am geringen Text-zu-Bild-Verhältnis: Mehrfach wird auf dem Umschlag hingewiesen, dass es sich um einen Bildband handelt, der über 1000 Filmfotos enthält. Wegen derer wird man schließlich auch zum etwa 50 Euro teuren Buch greifen: Die Bebilderung ist erstklassig, wenn nicht gar einzigartig. Seitenweise werden großformatige Plakate, komplette Aushangsets und Werbematerialien abgebildet, die aus allerlei Ländern zusammengetragen wurden und vermutlich die beste im Printbereich erhältliche Sammlung zum Kannibalenfilm darstellen. In kleinen Textboxen wird Bezug auf die Abbildungen genommen. Kurios sind beispielsweise Zensurmaßnahmen von Aushangbildern, bei denen auf einmal Kleidungsstücke oder Blätter hinzugemalt wurden, um den Blick auf Geschlechtsteile zu versperren. Allerdings hat die reichhaltige Bebilderung zwei Nachteile: Manchmal findet eine Worttrennung des Textteils erst 6 Seiten später ihre Fortsetzung, und wer die umfangreichste, schriftliche Abhandlung zum Thema erwartet hat, wird möglicherweise etwas enttäuscht sein. Kleine Layoutfehler wie Layer-Probleme (Teile des Seitenhintergrunds befinden sich auf der Abbildung, siehe S. 41) sollten in einer zukünftigen Auflage ausgebessert werden.

Seltsam ist nur wieder die Art, wie mit dem Autor umgegangen wird: Dass es sich um ein Erstlingswerk handelt, ist nicht ungewöhnlich, gibt der MPW-Verlag doch auch Nachwuchsautoren eine Chance. Warum man allerdings mit einem selten dämlichen, weil bemüht mystifizierenden Klappentext den Autor so herausarbeitet, obwohl man sich denken kann, dass hier mal wieder jemand hinter einem Synonym arbeitet, ist mir nicht ganz klar. Das zehrt an der Seriösität der Veröffentlichung, vor allem weil nicht einmal der Lektor wusste, wie er den Autornamen denn nun richtig schreiben soll: Danny oder Denny?

Das in vier Cover-Varianten erschienene "Cannibal Movie Chronicle" als Bilderbuch abzustempeln, würde ihm nicht gerecht werden. Die Bebilderung ist zwar erstklassig und das Hauptkaufargument, der Text umrahmt diese Bilder aber nicht nur, sondern bildet eine gute Basis mit jeder Menge Informationen. Die Bebilderung ist nicht nur wegen Qualität und Quantität bemerkenswert, sondern auch weil hier jede Motive am Start sind, die nicht in Kinderhände geraten sollten - das Cover-Motiv des Buches eingeschlossen!


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