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Exorzist - Besessen (Dt. Erstauflage)

Autor:Dennis Mitchell
Autor:Dennis Mitchell
Verlag:MPW
ISBN/EAN:3-931-608-50-6
erschienen:Juni 2002

Sprache:Deutsch
Format:Paperback, DIN A4
Seiten:240 Seiten (farbig)

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Georgetown, Washington: Regan MacNeil, ein zwölfjähriges Mädchen gerät in die teuflischen Fänge des bösen Dämons Pazuzu, der von ihrem Körper und Geist Besitz ergriffen hat und den einst so freundlichen Teenager in eine rasende Bestie verwandelt. Ärzte und Wissenschaftler sind ratlos, nur einer kann das Mädchen aus den Klauen des Bösen befreien: der Exorzist.

Klingenberg am Main, Deutschland: 1976 verstarb die von Dämonen besessene Studentin Anneliese Michel aus Klingenberg am Main, nachdem zwei Exorzisten in einem monatelangen Kampf versuchten, sie von ihren Qualen zu befreien. Es folgte ein häßlicher Prozess, bei dem die beiden Geistlichen wie auch die Eltern des Mädchens für deren Tod erantwortlich gemacht und zu Unrecht verurteilt wurden. Was sich tatsächlich in Klingenberg abspielte, rekonstruierte Autor Dennis Mitchell anhand von Tonbandaufnahmen und zahlreichen schriftlichen Aufzeichnungen.


(Inhaltsangabe der Veröffentlichung entnommen)
Mit einem Buch über die Filmreihe Interner Link"Der Exorzist" (präzise: Teil 1 bis 3) wird ein weiteres, wichtiges Kapitel des Genre-Films vom MPW-Verlag, der sich auf Publikationen in diesem Bereich spezialisiert hat, abgedeckt. Erfreulich ist das aus zwei Gründen: Zum einen ist William Friedkins Interner LinkOriginal aus dem Jahr 1973 immer noch ein immens spannendes, aufwühlendes Stück Gruselstoff, dessen Bedeutung für den modernen Horrorfilm nicht zu hoch gewürdigt werden kann. Zum anderen bietet die Produktionsgeschichte dieses Films, der mehrere Generationen von gleichartigen Filmen inspirierte bzw. zum Kopieren animierte, eine Vielzahl von interessanten, spannenden Anekdoten, die bereits zur Kinoveröffentlichung in den 1970er Jahren marketingtechnisch geschickt ausgewertet wurden.

Das in zwei Cover-Varianten erschienene "Exorzist - Besessen" (das zweite Cover enthält nur noch den Titel "Besessen") ist verfasst von einem Fan der Reihe, der nicht nur die Entstehungsgeschichte der Filme, sondern auch Fälle von realem Exorzismus dokumentieren möchte, deren Hergänge auch die literarische Grundlage für Friedkins Interner Link"Der Exorzist" bildeten.

Leider stimmt bereits das Vorwort skeptisch: Das unter dem Pseudonym Dennis Mitchell ("Dennis the Menace" lässt schön grüßen!) verfasste Werk zeigt bereits im Vorwort, dass die bei Veröffentlichung vom MPW-Verlag so gefürchtete Fehlerquote auch hiervor nicht halt macht. Zwar muss man sich als Leser nicht mehr über Fehler in jedem Satz ärgern, ein professionelles Lektorat wäre aber auch hier bitter nötig gewesen.
Das Vorwort selbst gibt einen kurzen Einblick in die Brisanz des Filmes, der auf den Folgeseiten vorgestellt werden soll. Die Ankündigung vom "Phänomen, daß dieses Buch nun auf den kommenden 250 Seiten intensiv untersucht und entschlüsselt", ist allerdings sehr vollmundig und wird nicht gehalten werden.

Den Einstieg macht ein Artikel über William Peter Blatty, den Autor der Romanvorlage, dessen Bestseller mit kleinen Änderungen verfilmt wurde. Spannend erzählt Mitchell, wie Blatty den Erfolg seines Romans forcieren musste und wie er ihn später an das Filmstudio Warner Bros. verkaufen konnte, die ihn mit Regisseur Friedkin zusammenbrachten. Diese Liason wird mit all ihren Höhen und Tiefen, z.B. den künstlerischen Differenzen, vorgestellt.
Bereits hier zeigt sich wieder einmal die große Stärke des DIN A4-Buchs: Neben der sehr übersichtlichen, sauberen Seitengestaltung auf feinem Papier überzeugt der reichhaltige Fundus an Fotos, Plakaten und Abbildungen, die bereits so manch anderes MPW-Werk veredelten. In dieser Hinsicht ist dem Verlag abermals eine lohnenswerte Publikation gelungen.

Nur beim Inhalt hapert es des Öfteren: Seite 15 bis 43 des etwa 240 Seiten umfassenden Fan-Buchs sind zwar auch geschmückt mit zahlreichen großformatigen Abbildungen, eine derart ausführliche Inhaltsangabe inklusive Originaldialoge wird aber vermutlich nur die wenigsten interessieren. Wie auch beim inflationären Gebrauch von Absätzen wird man das Gefühl nicht los, der Text wäre künstlich aufgeplustert worden, um sich nicht unter der Bebilderung zu verlieren. Glücklicherweise sind die Inhaltsangaben zu Interner Link"Exorzist 2 - Der Ketzer" (S. 138-139) und Interner Link"Der Exorzist 3" (S. 161-166) weniger übertrieben, auch wenn ich mir auch hier nicht vorstellen kann, dass andere als Neulinge sich das durchlesen werden.

Den Hauptteil des Buches nimmt der Bericht zu Interner Link"Der Exorzist" ein. Neben Produktionsinfos wird Hintergrundwissen zum Regisseur, zum Drehbuchautor, zum Spezialeffekt-Künstler Dick Smith und zu den Hauptdarstellerin Linda Blair, Max von Sydow, Jason Miller, Ellen Burstyn in einzelnen Kapiteln geboten. Besonders das 10seitige Interview mit Smith gefällt mir, weil es sehr locker geführt wurde und trotzdem eine Menge zu den Effekten herauskitzelt. Autor Mitchell "outet" sich hier gleichzeitig als großer Fan von handgemachten Effekten, die er gern selbst ausprobiert.

Abseits dieses Interviews fällt allerdings immer wieder negativ auf, dass Mitchell nur ein Amateur-Autor ist, dessen Gedanken oftmals nicht druckreif sind. Nicht nur seine Wortwahl wiederholt sich - beinah jeder Titel in der Soundtrack-Vorstellung ist irgendwie "bizarr" -, auch die eingestreuten Informationen tauchen manchmal wortgleich an mehreren Stellen auf. Das bläht den Text unnötig auf und hemmt den Lesefluss. Außerdem ist es teilweise ungeheuerlich, wie Mitchell seine naive Weltanschauung, die an einigen Stellen unerlaubt im Text durchbricht, auf den Leser überträgt. Da werden Pamphlete verfasst, die in Sachen Wortwahl und Gedankenfluss eher in die Kneipe als in ein Buch passen (siehe z.B. Vorwort zu Internet-Links auf S. 181). Außerdem schweift der Autor gern mal ab, als ob er sich Ärger von der Seele reden müsste, was äußerst peinlich für ein Buch ist, das in der Einführung ein seriöses Ziel darlegt. So geschehen beim Vorwort zur geringen Auswahl an Kritiken zum Film Interner Link"Der Exorzist", die aus "Tausenden [..] gelesenen Kritiken" gezogen wurden und die mir wenig repräsentativ erscheinen, weil beispielsweise der amüsante Kommentar vom katholischen Filmdienst völlig fehlt.

Dass die Textteile zu Interner LinkTeil 2 und Interner Link3 etwas kürzer ausfallen, ist in meinen Augen völlig ok, bieten diese doch eine wenig glamourösere Entstehungsgeschichte, über die es sich zu erzählen lohnt. Allerdings ist Mitchell beinah unfähig, sein Thema sachlich zu bearbeiten, indem er es auch einmal kritisch betrachtet. Dass ihm Filmkritiker ein Dorn im Auge sind, erwähnt er bereits an anderer Stelle, nur ist das kein Freifahrtschein, sämtliche Filme der Reihe und daran Mitarbeitende über den grünen Klee hinaus zu loben.
Problematisch ist das deswegen, weil Mitchell seinen Blick für das Wesentliche verliert: die übergreifende Analyse bzw. Abstraktion der Filme bzw. die Stellung im Genre. Die Welle an Kopien, die nach dem Filmerfolg von Interner Link"Der Exorzist" die Kinos überschwemmte, kommt ebenso wenig zur Sprache wie die Bedeutung für das moderne Horrorkino, die nicht nur auf umfangreichen Effekten basiert, sondern auch auf der beeindruckenden Erzählform.

Ein wenig Abwechslung entsteht zumindest durch die Soundtrack-Besprechungen, die sprachlich den Höhepunkt des Buches darstellen. Außerdem wird eine kleine Auswahl an Merchandise-Artikeln vorgestellt und die zum Zeitpunkt der Buchveröffentlichung erhältlichen Heimkino-Medien angerissen. Die audiophile Begeisterung, die Mitchell in vorangegangenen Kapiteln Glauben machen möchte, verliert durch den mehrfachen Fauxpas einer Videokassette mit Dolby Digital 5.1-Ton und dem oberflächlichen Gutheißen von Laserdiscs allerdings etwas an Boden.

Von Seite 184 bis 236 wendet sich das Buch dem eigentlichen Exorzismus als Form religiöser Austreibung zu. Im Gespräch mit einem Pater werden die Wesenszüge dieser krude anmutenden Technik beschrieben und die Notwendigkeit derer aufgezeigt. Mitchell, der den Leser immer wieder davon überzeugen möchte, dass hinter einem Exorzismus nicht nur mittelalterlicher Spuk steckt, scheitert allerdings abermals an seinen begrenzten Fähigkeiten als Autor: Zu oft schweift er ab, formuliert schlecht, verliert den Leser an Langeweile oder macht sich durch seine Schilderungen im Revolverblattstil unglaubwürdig. Seine präsentierten Informationen beschränken sich trotz "Recherche" auf harmloses Halbwissen, das eine Folge Interner Link"Akte X", aber bei weitem nicht 50 Buchseiten füllen könnte. Die sind wegen der raren Bebilderung diesmal sogar etwas mehr mit Text ausgefüllt.

Positiv ist allerdings, dass er mit diesem Kapitel eine neue Perspektive aufzeigen will, auch wenn es an der Umsetzung hapert, die sich letztlich wie eine wilde Geistergeschichte liest. Mit der Filmreihe werden die Berichte allerdings nicht mehr in Verbindung gebracht.

"Exorzist - Besessen" ist ein zwiespältiges Werk geworden: Die Präsentation ist in Sachen Bebilderung gewohnt erstklassig, inhaltlich überwiegt aber der Eindruck, dass mal wieder unter Zeitdruck und damit schludrig gearbeitet wurde. In Sachen Rechtschreibung ist das Fehlen eines Lektors zwar zu verschmerzen, eine inhaltliche Überwachung hätte aber stattfinden muss. Dass Dennis Mitchell, der auch für das grottenschlechte Stümperwerk "Bloody Asia" verantwortlich ist, abermals unter einem Pseudonym arbeitet, hat seinen guten Grund, denn der Herr zeigt auch hier wieder, dass seine literarischen Fähigkeiten längst nicht ausreichen, um sein Wissen und seine Gedanken geordnet und weiterführend darzulegen. Das ist schade, ist der Informationsgehalt doch überraschend hoch, auch wenn vieles redundant aufgeführt ist.


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