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Gore - Die Meister des Blutes (Erstausgabe)

Autor:Daniel Libbitz
Autor:Daniel Libbitz
Verlag:MPW
ISBN/EAN:3-931608-53-0
erschienen:2002

Sprache:Deutsch
Format:DIN A4
Seiten:228 Seiten, farbig

Bestellmöglichkeit
Die Meister des Blutes:
Herschell Gordon Lewis
Ruggero Deodato
David Cronenberg
Don Coscarelli
Stuart Gordon
Peter Jackson
Michele Soavi
Lloyd Kaufman
Dario Argento
Andreas Bethmann
Lucio Fulci
George A. Romero
Tobe Hooper
Wes Craven
Clive Barker
Lamberto Bava
Paul Verhoeven
Joe D'Amato
John Carpenter
Sean S. Cunningham
J.R. Bookwalter
William Lustig
Frank Henenlotter
Brian Yuzna
Umberto Lenzi
Paul Naschy
Olaf Ittenbach
Tom Savini

Das Kino war nicht mehr jung, als Herschell Gordon Lewis in den frühen 60er Jahren eine neue Form der Exploitation erfand. Anstelle von hübschen Nackedeis setzte er auf Blut und Gedärme - der Gore- oder Splatterfilm war geboren. Seitdem haben sich Filmemacher überall auf der Welt angeschickt, die Grenzen auszuloten und sie immer weiter zu verschieben und zum Ende der 70er Jahre hin hatte die Effektpalette eine Qualität erreicht, die an Realismus nichts mehr zu wünschen übrig ließ. Zahlreiche Filmemacher haben sich im Laufe der Jahre am blutigen Handwerk versucht und dabei faszinierende, originelle Geschichten ersonnen, ebenso wie langweiliges Einerlei präsentiert - jeder nach seiner Couleur.
Dieses Buch widmet sich all diesen Filmemachern, die den Horror zu einem Teil ihres Lebens gemacht haben. Nicht jeder von ihnen hat sich ausschließlich dem Genre gewidmet, doch viele sind ihm über die Jahre treu geblieben, wobei so manche Perle des Gore-Films das Licht der Welt erblickte. Mehr als zwei Dutzend Filmemacher aus der ganzen Welt werden hier mitsamt ihrer blutigen Oeuvres vorgestellt - in Wort und vor allem auch in wundervoller Bilderpracht. Tauchen Sie ein in die Welt des Blutes und erfahren Sie über die Architekten der Furcht, was Sie schon immer wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten!


(Inhaltsangabe der Veröffentlichung entnommen)
Horror-Fans bringen sich immer wieder mal in Verruf, denn ihre filmischen Vorlieben lassen ja leicht auf den (verdorbenen) Charakter und die (schlechten) Verhaltensweisen des Individuums schließen, so argumentieren einige naive Trollmäuler gern. Dass Horror wesentlich mehr bedeutet als die Reduktion auf blutige Details, Gräuelszenen und Brutalitäten, das dürfte jeder kapiert haben, der sich - vielleicht sogar nach pubertärer Einfindungsphase - ein wenig länger mit der Materie beschäftigt hat. Umso schlimmer ist es, dass die unnötigen Argumente für den verrohten Horror-Freak immer wieder aus den eigenen Reihen geliefert werden, sei es durch primitiv gehaltene "Fan"-Publikation oder - und das ist noch viel schlimmer - durch Bücher.

Was also bitte soll der Leser erwarten von einem Buch, welches die Limitierung des Inhaltes auf ein zwiespältiges Thema bereits im Namen trägt? Man merkt meinen Zeilen die Voreingenommenheit gegenüber der Veröffentlichung "Gore" sicherlich bereits an. Nicht ohne Grund, denn mit "Bloody Asia - Cat III" ist man bereits darin bestätigt worden, dass niveauloser Gedankenwirrwarr sich durchaus in einem gedruckten Werk wiederfinden kann. "Gore - Die Meister des Blutes" verschlimmerte sein diskussionswürdiges Ansinnen noch mit einem wenig erfreulichen Werbegag: Für einen gewissen Zeitraum wurde das Buch in Verbindung mit einem kleinen Klappmesser ausgeliefert, auf dessen Griff sich der Buchtitel wiederfand. Man darf von Glück reden, dass die Klatschpresse hierauf nicht allzu sehr aufmerksam wurde ...

Ganz so wild wie die äußeren Befürchtungen ist es dann aber doch nicht mit dem 2002 veröffentlichten Buch, denn nur möglichst effektreiche Filme zu präsentieren, bedeutet längst nicht, nur mittelmäßigen Filmstoff vorzustellen.
Die Konzeption erklärt der Autor dann auch im 2seitigen Einleitungstext, der sich darüber klar ist, dass eine Abgrenzung des Themas, wie es der Titel vorgibt, kaum möglich ist. Seine Entschuldigung ist geschickt gemacht und so erklärt er, dass "Gore" lediglich "[..] einen kompakten Überblick über mehr als zwei Dutzend Filmemacher, die sich an verschiedenen Punkten ihrer Karriere - sogar ausschließlich - mit dem Horrorfilm der härteren Gangart beschäftigt haben" sein möchte. Und genau das soll auch gelingen, stellt man die eigenen Ansprüche nicht zu hoch.

Bevor es ins erste Kapitel geht, stellt "Das kleine Lexikon des Blutes" ein paar Genres in Stichpunkten auf einer Seite vor, die man hier antreffen wird. So wird beispielsweise auf eine Unterscheidung zwischen "Gore" und "Splatter" eingegangen und der Fan solcher Filme als "Gorehound" vorgestellt. Leider muss man im späteren Verlauf des Buches auf einen Großteil der Mondos verzichten, die hier eine Begriffserklärung bekommen. Es folgt eine 6seitige Einführung in das Thema, die einen bunten Überblick von Interner Link"Frankenstein" (1931) über Interner Link"Halloween" und Interner Link"RoboCop" bis hin zu Interner Link"Scream" gibt, der aber aufgrund seiner Kürze wie eine wahllos zusammengestellte Nennung von bekannten Titeln klingt. Interessant ist zumindest die Schlussfolgerung, dass der Splatter- und Gore-Film zwar kaum noch Neuerungen hervorbringt, durchaus aber ein Revival erleben könnte. Mittlerweile hat sich das ja mit einigen sehr realistischen Schockern wie der Interner Link"Saw"-Reihe oder Interner Link"Hostel" durchaus so im Kino zugetragen.
Eine nette Idee ist die Kurzanalyse von sechs Horrorhelden (z.B. Michael Myers, Pinhead und Ghostface), die in Form eines Steckbriefes behandelt werden. Hier hat der Autor einige nette Details versteckt, über die man als Zuschauer der Serien möglicherweise gar nicht mehr nachdenkt, z.B. der Wirkungsbereich des Serienmörders bzw. Phantasiewesens und seine bisherige Opferzahl.

Die folgenden Seiten des Buches unterteilen sich in zwei Kategorien: Einige Regisseure werden etwas ausführlicher vorgestellt, andere bekommen einseitige Bereiche zugeteilt, in denen kurz über sie und ihre wichtigsten Produktionen berichtet wird. Die etwas ausführlicheren Biografien starten mit einer Analyse der Person und dann Besprechungen der Filme.
So startet man mit jenem Mann, dem oft nachgesagt wird, dass er die Welle der Gore Movies losgetreten hat. Hier und im weiter hinten abgedruckten Artikel zu Ruggero Deodato wird auch deutlich, was "Gore" eigentlich ist: Eine kurze Zusammenfassung gut geschriebener englischsprachiger Bücher, die die Themen natürlicher ausführlicher behandeln, dafür aber auch mehr Zeit beim Lesen beanspruchen. Im Grunde reicht "Gore" also aus, um sich einen Überblick zu verschaffen. Außerdem merkt man über die Artikel hinaus, dass entweder verschiedene Autoren am Werke waren oder Daniel Libbitz je nach zu besprechender Person eine andere Tagesform hatte. Gerade die Vorstellung von David Cronenberg ragt nämlich positiv heraus, während andere Themen keine sonderliche Faszination beim Lesen ausstrahlen.

Gegenüber einigen wirklich schlimmen MPW-Büchern ist die sprachliche Seite (eingeschlossen: Orthografie) weniger ein Problem dieses Buches. Ein paar Fehler kommen zwar vor (Haarsträubendes auf S.10 mit "Full Matel Jacked" oder auf Seite 217 die "Blutkru") und Stilblüten sind auch noch eine Menge vorhanden, aber das Rechtschreibmassaker, das man manchmal schon angeboten bekam, bleibt hier aus.
Dafür profitiert "Gore" vom reichhaltigen Bildfundus des MPW, der Unmengen an interessanten Plakaten, Aushängematerial und Promo-Bilder im Großformat und komplett in Farbe (!!!) abdrucken ließ. Besonderer Wert wurde auf die Farbe Rot gelegt, denn Szenenfotos sind fast ausschließlich sehr gorig und sicherlich nichts für Zartbesaitete. Dass dabei bis dato kein Problem mit der Zensur entstand, ist schon verwunderlich, hat es anderer Stelle doch bereits gereicht, weitaus weniger blutige Abbildungen abzudrucken. Somit ist "Gore" vor allem ein Bilderwerk mit einem Überblick, nicht aber eine tiefgreifende Aufarbeitung mit Bebilderung. Bis auf wenige Stellen, z.B. bei J.R. Bookwalter, wo vermutlich einfach nichts Besseres als Screenshots einer Videokassette aufzutreiben war, stimmt auch die Qualität der Bilder.

Die Texte lesen sich zwar immer recht gut, versprechen aber eine etwas einseitige Behandlung des Themas. Warum beispielsweise wird bei einem Deodato lediglich Interner Link"Cannibal Holocaust" textlich herausgearbeitet, obwohl in anderen Filmen auch der rote Lebenssaft fließt? Welche Daseinsberechtigung hat ein wirklich großformatiges Bild aus dem Film Interner Link"Spider-Baby" im Text zu Herschell Gordon Lewis, wo doch die einzige Verbindung in einer deutschen DVD bestand, die beide Filme enthielt? (Ganz davon abgesehen wird der Film ziemlich zerrissen, müsste also nicht unbedingt zitiert werden.) Warum ist ein sehr langer Artikel über Andreas Bethmann vorhanden, der das Genre doch nur randseitig bedient, dafür aber nur ein sehr kurzer über einen wesentlich konformerer deutschen Regisseur wie Olaf Ittenbach? Was hat ein zwar angedachtes, nie aber gedrehtes Werk in der Auflistung der "Blutigsten Filme" eines Regisseurs zu suchen? Warum wird John Carpenter im Buch ab 1999 als tot erklärt - gefallen dem Autor die späteren Werke nicht?

Auch einige andere Konzepte lassen nicht gerade das Gefühl aufkommen, als dass der Autor hier wirklich viel zu Neues zu berichten hätte, stattdessen aber ein möglichst bluttriefendes Werk für Einsteiger abliefern wollte, deren Auffassungsgabe bereits beim Goregehalt zu funktionieren aufhört. Die Rubrik "Die denkwürdigste Szene" beispielsweise ist wirklich denkwürdig und der Schlussteil unter dem Titel "Harte Comics" (Horror in Buch- und Comic-Form) lediglich ein Seitenfüller.

Somit ein zwiespältiges Buch, das über das im Anfangsverdacht befürchtete Niveau zwar hinauswächst, nicht aber soweit, dass Leser, die sich bereits ein wenig in die Materie eingearbeitet haben, es wirklich bräuchten. Da sind dann Bücher zu den einzelnen Regisseuren wesentlich empfehlenswerter. "Gore" kann man dafür aber auch einfach mal zum Durchblättern und Staunen ob der Bebilderung heranziehen.


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