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Schräg, schrill, scharf und schundig - Tausend Filme zwischen Trash und Kult (Originalausgabe)

Autor:Harald Keller
Autor:Harald Keller
Verlag:Rowohlt
ISBN/EAN:3-499-60653-4
erschienen:Februar 2000

Sprache:Deutsch
Format:DIN A5
Seiten:464 Seiten (s/w)

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Hollywoods junge Wilde wie Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez haben den Reiz der B-Movies längst erkannt und wildern gern im Fundus der billigen Genrefilme. Es sind nicht nur die Nachkommen eines Ed Wood, die dergleichen produzieren - manch inzwischen etablierter Starregisseur hat auf der B-Ebene sein Gesellenstück abgelegt. Ein James Cameron ebenso wie John Sayles, Steven Spielberg oder Francis Ford Coppola. Vom Alligator, der mit Vornamen Horror heißt, bis zum schulpflichtigen Zombie - Schräg, schrill, scharf und schundig versammelt alles, was Kino erst so richtig schaurig werden lässt: tausend absonderliche Lichtspiele, von denen manche auf ergötzliche Weise misslungen, andere mit Absicht überdreht und vorsätzlich aus Schräglage aufgenommen sind.


(Inhaltsangabe der Veröffentlichung entnommen)
Da ist wieder eins von diesen Enzyklopädien bzw. Best Of-Sammlungen - oder wie auch immer man es nennen möchte, wenn ein Autor eine runde Anzahl an Filmen mit thematischem Oberbegriff sammelt und vorstellt. "Schräg, schrill, scharf und schundig" macht keine Ausnahme in der besonders in deutschen Landen beliebten Zahlensammlung, die quantitativ - 1000 Titel sollen es ein - einen ordentlichen Gegenwert für die veranschlagten 30 DM (bzw. mittlerweile etwa 15 Euro) bieten sollen. Kein leichtes Unterfangen, denn zieht man das zweiseitige Vorwort, die übliche Vorstellung des Autors, das anhängende Literaturregister und den Titelindex ab, so bleiben von den ohnehin nicht üppig dimensionierten, rund 460 Seiten nur noch 430 für die eigentlichen Filmbesprechungen übrig.

Wer auf tiefgreifende, detaillierte Informationssuche geht, der darf Harald Kellers Buch getrost liegen lassen. Denn zieht man die filmhistorisch wenig interessanten s/w-Fotos ab, die meist pikante Szenenfotos, in seltenem Fall sogar mal ein Plakat darstellen, bedenkt, dass Informationen zum Entstehungsjahr, der Kolorierung, Laufzeit und kurze Stabangaben zu Drehbuch, Regie und einer handvoll Darsteller auch noch mit unterkommen müssen, ist die Dimensionierung der Reviews sehr spärlich. Meist sind es 2 oder 3 längere Sätze pro Film, die Auszüge des Inhalts und manchmal auch eine Meinung wiedergeben, bevor schon der nächste Block beginnt. Zumindest aber versteht Herr Keller es wahrlich hervorragend, möglichst viele Informationen in seine kurzen Absätze einfließen zu lassen. So sind eigene Einschätzung mit Eloquenz und Wortwitz meist in die Inhaltsbeschreibung eingeflochten, was mitunter zwar einen etwas falsches Inhaltseindruck vom tatsächlichen Film präsentiert (die Auslassungen sind doch recht groß), sich dafür aber lockerleicht liest. Spaß dürfte man daher auf jeden Fall beim jeweils kurzen Lesevergnügen haben.

Um die Sachen noch etwas aufzulockern, ist hier und da ein kurzer Kommentar separiert zu finden, der Informationen über ein schmissiges Zitat ("Starke Töne"), Alternativtitel, Filmfehler ("Hoppla") oder Trivia ("Gut zu wissen") gibt. Dort sind mitunter noch witzige oder interessante Dinge untergebracht, die das Gesamtbild stärken. Trotzdem find ich es unheimlich schade, dass Harald Keller nicht 1000 Seiten mehr zur Verfügung hat, um sich seinen gesammelten Schätzen zu widmen. Denn auch wenn ich das Lesen bzw. das passagenweise Reinschmökern - von vorn bis hinten durchlesen wird man so ein Werk wohl kaum - genossen habe, war es doch nur literarisches Fast-Food.

Doch zurück zum Inhalt: Auf Fassungen oder Medien, auf denen die Filme jeweils vertrieben wird, möchte das Buch freilich nicht eingehen, schließlich geht es hier ausschließlich um die Filme. Die Palette ist bunt gemischt und behandelt wie im Titel schon erwähnt tatsächlich eine Menge Trash, Schräges und Schrilles, was zum Teil den Gang zur Videothek versüßen könnte, aber auch einst im Spätprogramm lief. Nicht wenige dieser Knaller sind mittlerweile auf DVD erschienen, so dass man sich selbst ein Bild machen kann. Neben B-Horror und Trash selbiger Ausrichtung trägt Keller Titel aus dem asiatischen Kampfsportsektor zusammen, addiert klassische Horrorfilme aus Hammers Zeiten und auch eine Menge Werke, die fast schon in den Mainstream reingehen. Insgesamt gefällt mir die Auswahl gut, wird man doch auf einige wirklich verrückte Erscheinungen aufmerksam gemacht, andererseits scheinen auch Titel hineingerutscht zu sein, die als Lückenfüller gelten oder zumindest stark im Grenzbereich pendeln. Anders kann ich es mir nicht erklären, wie doch vorrangig ernste Filme wie "Der Koch und die Killerin", Interner Link"Der Exorzist" (über die Einordnung der Fortsetzungen kann man gern streiten) oder "Falling Down" es mit rein schafften. Die gehören dann wohl eher in die Ecke "Kult", die das Buch ebenfalls behandeln möchte. Aber das alles ist wohl doch ein wenig zu viel. Unter dem Titel "1000 Filme, die der aufgeschlossene Fan bemerkenswerter Filme mögen wird" wäre da wohl passender gewesen. Mut beweist man dafür an anderer Stelle, nämlich wenn schwer unterhaltsame Großproduktionen wie "Last Action Hero" oder "Die Maske" in die Auflistung passen, die in anderen Publikationen wegen ihrer Massenkompatibilität gern unter den Teppich gekehrt werden.

Es ist also keine tiefgreifend journalistische Aufarbeitung zu erwarten, sondern eine kurzweilige und manchmal auch leicht oberflächliche Behandlung eines sehr weitreichenden Genre-Verbands. Ob der sehr günstige Preis nun lockt oder nicht, müsst ihr daher selbst herausfinden. Vielleicht einfach mal durchblättern und sich mit dem Stil bekanntmachen.


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