Seit der Vernichtung der Jedi-Ritter steht die Galaxie unter der grausamen Herrschaft des Imperiums. Nur eine kleine Gruppe von Rebellen, angeführt von der schönen Prinzessin Leia, widersetzt sich der dunklen Macht. Als es ihnen gelingt die geheimen Baupläne für den gefährlichen Todesstern zu entwenden, gerät das Imperium in Aufruhr. Durch Zufall gelangen die Pläne ausgerechnet in die Hände des Farmersjungen Luke Skywalker, der spürt, dass er sein bisheriges Leben hinter sich lassen muss. Gemeinsam mit dem weisen Obi-Wan Kenobi, den Weltraumabenteurern Han Solo und Chewbacca sowie den Droiden R2-D2 und C-3PO nimmt er den Kampf gegen das mächtige Imperium auf. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn der Kampfstern kann nur vor seiner Fertigstellung zerstört werden ... und der finstere Darth Vader ist ihnen dicht auf den Fersen.
Mit
"Star Wars", genauer
"Episode IV: A New Hope", kehrt Regisseur
George Lucas, dessen vorheriger Film
"American Graffiti" ein mehr als respektabler Erfolg war, zurück zum Science-Fiction-Genre, dem er mit
"THX 1138" bereits einen originellen, außerordentlich effektiven und pessimistischen Beitrag bescherte. Er wirft den Zuschauer nun unmittelbar in ein durch und durch skurriles Geflecht aus verschiedensten Genrezutaten, mythologischen Symbolen und Motiven, sowie zahlreichen Zitaten, Verweisen und Anspielungen auf Literatur und Filmgeschichte. Die innere Logik, auf der die bis ins letzte Detail durchkonstruierte Weltraumoper fußt, involviert den Zuschauer ebenso rasant in das Geschehen, wie seine Protagonisten Luke Skywalker, Leia Organa und Han Solo. Trotz der Eigenart des Dargestellten dürfte sich die Faszination dieser sehr ernst gemeinten Geschichte schnell entfalten, nicht zuletzt aufgrund der eigentlich seltsamen, aber logischen Vertrautheit mit den Themen des Films.
A long time ago in a galaxy far, far away...
In
Lucas' Idee bestand die Geschichte aus neun Kapiteln, deren mittlere Episoden IV bis VI er als erstes in Angriff nehmen wollte. Darin schildert er bekanntlich den intergalaktischen Kampf der Rebellen gegen das faschistische Imperium unter der Führung des Imperators Dark Sidious und Darth Vader, einem Jedi-Ritter, der der dunklen Seite der Macht verfallen ist. Die ersten drei Episoden sollten erst viele Jahre später inszeniert werden und den Übergang der Demokratie in die Diktatur bzw. die Entwicklung von Anakin Skywalker zum dunklen Sith Darth Vader markieren. Gleichzeitig ließ
Lucas mit dem Beginn der Arbeit zu
"Episode I: The Phantom Menace" verlauten, dass es keine inhaltlich an
"Episode VI: The Return of the Jedi" anschließenden Folgen geben werde, da der entscheidende Schlag gegen das Imperium in dieser bereits erfolgt sei und das Potential, über drei weitere Episoden lediglich den etwas ausstaffierten Krieg zu schildern, an dessen Ende ohnehin der Sieg der Rebellen stünde, nicht ausreichend gewesen wäre. Zudem seien die Geschichten in Literatur, Comics und Hörspielen bereits weitergesponnen, so wie
"Star Wars" überhaupt in einem unvergleichlichen Universum der Popkultur ein Eigenleben entwickelt hat.
"Jedes Mal, wenn man einen erfolgreichen Film gemacht hat, kriegt man ein paar neue Klauseln in seinem Vertrag. Der Film beispielsweise, an dem ich gerade schreibe, "Star Wars", ist schon von einigen Studios abgelehnt worden, aber jetzt bahnt sich langsam ein Vertragsabschluss an, weil es heißt: 'Oh, der hat schon einen Erfolgsfilm produziert. Wir wissen zwar nicht, worum es in seinem neuen Film gehen soll, aber er ist ein viel versprechender Regisseur, also nehmen wir ihn.' Sie entscheiden also nicht aufgrund der Qualität eines Projekts, sondern weil sie glauben, einen günstigen Vertrag abschließen zu können." (Lucas 1974, zitiert nach Chris Salewicz: 41)
Da
Lucas wusste, dass sein Film technisch Maßstäbe setzen und sehr teuer werden würde, unterzeichnete er einen bis dato einmaligen Vertrag mit 20th Century Fox, nachdem er bei Universal vor die Tür gesetzt wurde. Er erhielt eine vergleichsweise geringe Gage für sein Drehbuch und die Regie, sicherte sich hingegen die Kontrolle über seinen Film, die Rechte für die Soundtrackverwertung und Fortsetzungen (!), sowie für das Merchandising, damals freilich unbedeutend. Später sollte der Regisseur damit zum bestverdienenden unabhängigen Filmemacher überhaupt werden, der Hollywood den Rücken kehren und ein eigenes Imperium erschaffen würde. Aus den zunächst veranschlagten 2,5 Mio. Dollar Budget von
"Episode IV" sollten dann insgesamt 11 Mio. werden, doch
Lucas konnte bei Fox auf das Vertrauen von
Alan Ladd Jr. zählen.
Die mittlerweile legendären Produktionsumstände des Films (Sandstürme, Hitzewellen, hinderliche Gewerkschaftsregeln in Großbritannien) sollten dazu führen, dass
Lucas erst über 20 Jahre später wieder Regie führen würde, zu körperlich angeschlagen war er nach Beendigung des Films, zu nervenaufreibend war der Kampf,
"Star Wars" möglich zu machen. Dabei ist die inhaltliche Ebene des
"Krieg der Sterne" ebenso komplex wie dessen formale und filmgeschichtliche. Zu den unzähligen filmischen Vorbildern dürfte in erster Linie
Akira Kurosawas "The Hidden Fortress" zählen, an dessen Dramaturgie und Figurenkonstellation sich Lucas orientiert, sowie darüber hinaus die Serien über
"Flash Gordon" und verschiedenste Werke von
"Satyricon" (1968) oder
"The Sea Hawk" (1940) bis hin zu
"The Wizard of Oz" (1939), ungeachtet der literarischen Einflüsse von
"The Lord of the Rings" und
"Dune" oder generellen Genreelementen des Western, Gangster- sowie Abenteuerfilms. Die witzigen Interaktionen von C3PO und R2D2 erinnern ebenso nicht zufällig an
"Laurel and Hardy", ungeachtet der von
"Metropolis" und
"2001: A Space Odyssey" beeinflussten Ausstattung oder der grundsätzlichen Anlehnung an klassische Sagen und Archetypen, den Motiven von Gut und Böse, Liebe und Hass sowie Freund- und Feindschaft oder innerfamiliären Beziehungen, wie insbesondere beim Vater-Sohn-Konflikt von Luke und Anakin Skywalker.
Doch
Lucas macht es sich alles andere als einfach. Er kopiert weniger, als er zitiert, er vermischt klassische Elemente mutiger als es die Vorbilder jemals zu wagen träumten und schüttelt dabei keinen wahllos wilden Cocktail zusammen (wie beispielsweise später
Quentin Tarantino), sondern baut auf Grundlage mannigfaltiger Einflüsse ein völlig eigenes, selbst erdachtes und bis in die kleinsten Winkel durchkomponiertes Epos, das nicht zuletzt gerade wegen dieser faszinierenden, nie da gewesenen Mischung so erfolgreich werden sollte. Ein Beispiel für diese ineinander greifende Verstrickung der Elemente ist die Idee der "Macht", die den Jedi-Ritter ihre Stärke verleiht. Lucas stellt sie als eine Art Religion dar, die jedoch fernab von kulturell einseitig dogmatisierten Darstellungen sowohl Elemente des Christen- als auch des Judentums und vor allem des Buddhismus enthält. Diese mitunter naive Zeichnung in allen Bereichen von
"Star Wars" als eine Folge von formalem, unschuldigen "Pazifismus" verbindet
Lucas mit seinem langjährigen Freund
Steven Spielberg und ist nicht unerheblich am Erfolg der Filme auf allen Kontinenten beteiligt, sollte in erster Linie jedoch weniger kommerziell, denn als eine Verpflichtung gegenüber magischer und ehrlich motivierter Unterhaltung gewertet werden.
Die Wirkung des Films und der Saga insgesamt sind erheblich diesen universellen Strukturen geschuldet. Die konsequente Dramaturgie
Lucas' begibt den Zuschauer gemeinsam mit den Figuren auf eine unerwartete Reise, macht ihn gleichermaßen zum Zeugen wie selbst Erlebenden. Die Sogwirkung von
"Star Wars" liegt somit neben der Vielseitigkeit insbesondere am geschickten Aufbau der Geschichte. Selbst bei Kenntnis der Episoden I bis III verliert
"A New Hope" nichts von seiner fesselnden Spannung und Intensität, zu gut ist die Einführung der Figuren, zu ausgeklügelt die Balance von Action und Dialogen und zu dramatisch ist der Konflikt zwischen Obi-Wan Kenobi/Luke Skywalker und Dark Sidious/Darth Vader angelegt. Nur selten bis gar nicht gelingt es einem Science-Fiction Film so lebendige Charaktere hervorzurufen wie
"Star Wars".
Mark Hamill (
"Body Bags") war nie wieder so gut wie in seiner Rolle als idealistischer Padawan,
Harrison Fords (
"Raiders of the Lost Ark") Han Solo wurde zu seinem eigenen Prototyp des liebenswerten Machos, den er in zahlreichen anderen Rollen nur noch variierte, und
Carrie Fisher (
"The Burbs") überspielt geschickt ihre mitunter zu blasse Figur, in dem sie ihr eine subtile Stärke und Weisheit verleiht. Die Wahl
Lucas', für die Rolle des Obi Wan Kenobi den britischen Mimen Sir
Alec Guinness (
"Murder by Death") zu besetzen, erwies sich als besonderer Glücksfall. Guinness spielt die Figur des gescheiterten Jedi-Meisters weise und doch voller Zweifel, mit dem nötigen Witz und instinktiver Stärke. Für die Darstellung wurde er mit einer Oscarnominierung bedacht.
Werden die Themen und Figuren auch nie von selbst zweckhaften Effekten überflügelt, so bildet die technische Meisterleistung dieses Films dennoch die Grundlage, das Potential für all die Emotionen und Entwicklungen der Geschichte. Der Visualität von
"Star Wars" ist die Glaubwürdigkeit der Handlung geschuldet, so wahrhaftig glaubt man dieses Universum zu spüren, dass man nur selten in Gedanken darüber geraten dürfte, wie und wo welcher Effekt in Kraft tritt, nicht zuletzt weil diese Zukunftsvariante entgegen jener aus
"THX 1138" nicht durch technokratische Dominanz gekennzeichnet ist.
Lucas wollte für seine Galaxie Special Effects, die man auf der Leinwand bis dato nicht gesehen hatte. Er gründete unter der Führung von
John Dykstra Industrial Light and Magic (ILM), eine Teilfirma von Lucasfilm Ltd., die zur Markt führenden Spezialeffektsschmiede der USA werden sollte und noch heute ihren Hauptsitz auf der berühmt-berüchtigten Skywalker-Ranch
Lucas' hat, um völlig neue, nie da gewesene Computereffekte zu entwickeln. Entgegen den gängigen Rückprojektionsverfahren arbeitete
"Star Wars" mit der Blue-Screen-Technik, bei der die Effekte in der Nachbearbeitung entstanden. Zusätzlich wurden die spektakulären Verfolgungsjagden der X-Wings und Tiefighter mit dem Motion Control-Verfahren, bei dem computergesteuerte Kameras die Modelle filmen, inszeniert. Da sich
Lucas natürlich für die Darstellung von Schall im Weltraum entschied, mussten für die Actionszenen entsprechende Sounds entwickelt werden, deren Laserschwertbrummen und schreiend über die Leinwand brechenden Raumschiffe ebenfalls zu einem Markenzeichen des Films wurden. Für Ton, Toneffekte und die visuellen Tricks wurde
"Episode IV" mit dem Oscar ausgezeichnet, weitere gingen an die Ausstattung, das Kostümdesign, den besten Schnitt und - die Musik von
John Williams.
"Sie ist die Grundlage, auf ihr gleitet ein Film dahin, sie ist der Stoff, der ihn zusammenhält und möglich macht, dass man in seinen Fluss eintaucht. Es gibt Szenen und Momente, in denen die Musik eine so enge Verbindung mit den Bildern eingeht, dass es mir jedes Mal Schauer über den Rücken jagt, wenn ich sie sehe." (Lucas 1983, zitiert nach Chris Salewicz: 69)
Ohne die Musik wäre
"Star Wars" nicht vorstellbar, sie hat der Reihe erst ihre emotionale Kontinuität verschafft.
Williams, bereits damals durch seine markanten Kompositionen zu
"The Towering Inferno" und
"Jaws" gefeiert, schrieb hier vielleicht die beste, facettenreichste Musik seiner Karriere. Entsprechend den inhaltlichen Themen und Versatzstücken des Films orientiert er sich an Hollywoods sinnfonischer Musik vergangener Tage, die in der Tradition der großen Abenteuerklassiker steht. Seine verschiedenen Motive und Melodien begleiten und charakterisieren die Figuren und helfen dem Zuschauer der Handlung zu folgen, in dem sie andeuten, verweisen und Bezüge schaffen. Dabei wechselt und springt er ebenso rasant wie dynamisch parallel zum Geschehen auf der Leinwand und leitet wesentliche Handlungselemente ein. Da
"Star Wars" zudem teilweise eher durch Wortkargheit, denn überbordende Dialoge gekennzeichnet ist, erzielt
Williams' Musik den Effekt, zwischentextliche Bedeutungen herauszuheben, so beispielsweise wenn Luke Skywalker auf Tatooine in die Ferne schaut und das langsam steigende Hoffnungsmotiv erklingt.
Mit der finalen Zerstörung des Todessterns sollte die Geschichte von
"Star Wars" noch nicht zu Ende erzählt sein. Der Film hat zwar eine in sich abgeschlossene Dramaturgie, gleichzeitig jedoch bietet
Lucas' Universum noch Raum für zahlreiche weiterführende Erzählstränge. Das Kinoeinspielergebnis mitsamt der Wiederaufführung in der digital bearbeiteten und geringfügig erweiterten Special Edition 1997 von weltweit über 775 Mio. Dollar sollte dem nicht im Wege stehen (in den USA ist es nach
"Titanic" noch heute der erfolgreichste Kinofilm aller Zeiten).
Lucas' gewonnene Unabhängigkeit von Hollywood sollte es ihm darüber hinaus ermöglichen, seine Filme künftig selbst zu finanzieren. Die nächsten Kapitel seines universellen Weltraummärchens warteten bereits.