(Lady in the Water, USA 2006)
Regie: M. Night Shyamalan
Drehbuch: M. Night Shyamalan
Spezialeffekte: Industrial Light & Magic
Freigabe: ab 12 Jahre
Genre: Mystery-Drama
Kamera: Christopher Doyle
Musik: James Newton Howard
Produzent: Sam Mercer, Jose L. Rodriguez, John Rusk, M. Night Shyamalan
Länge: ca. 110 Minuten
Dt. Start: 31.08.2006
Cast: Paul Giamatti, Bryce Dallas Howard, Andrew Aninsman, Jarett Armstrong, Patrick Armstrong, Bob Balaban, J. Bloomrosen, John Boyd, Shaun Brewington, Rich Bryant, M.P. Cherkowsky, Cindy Cheung, Sarita Choudhury, Ethan Cohn, Brandon Cook, Monique Curnen
Cleveland Heep (Paul Giamatti) versucht zwischen den durchgebrannten Glühbirnen und defekten Wasserhähnen im Wohnblock The Cove möglichst wenig aufzufallen. Doch eines Nachts wird sein Leben völlig auf den Kopf gestellt: Er entdeckt eine geheimnisvolle junge Frau namens Story (Bryce Dallas Howard), die in den Kanälen unter dem Swimmingpool haust und genau wie er den eintönigen Alltag im Gebäudekomplex nutzt, um unterzutauchen. Cleveland findet heraus, dass sie eigentlich ein "Narf" ist, eine Art Nymphe aus einer langen Gutenachtgeschichte: Sie wird von bösartigen Monstern verfolgt, die unbedingt verhindern wollen, dass sie die gefahrvolle Passage aus unserer Welt zurück in ihr Reich antritt. Mit ihren übernatürlichen Wahrnehmungsfähigkeiten kann Story die Zukunft von Clevelands Nachbarn voraussehen - Storys Schicksal ist direkt mit ihnen verbunden. Nur gemeinsam können sie eine Code-Serie entschlüsseln, die ihr den Weg zurück in die Freiheit ermöglicht. Doch die Zeit läuft ab: Storys Rückreise in die Heimat ist nur noch kurze Zeit möglich, und um ihr zu helfen, setzen die Mieter ihr eigenes Leben aufs Spiel. Cleveland muss sich endlich seiner Vergangenheit stellen, vor der er sich im Cove-Apartmentblock verkrochen hat - und auch die übrigen Mieter müssen all ihre besonderen Fähigkeiten mobilisieren, die Story in ihnen weckt. Denn nur so besteht die Hoffnung, mit dieser tollkühnen und lebensgefährlichen Mission Storys Welt zu retten ... und damit auch unsere eigene.

"Wenn ich meinen Kids etwas erzähle, schere ich mich nicht um Formfragen - was mir gerade einfällt, sprudelt einfach so aus mir heraus", wird Regisseur
M. Night Shyamalan (
"Unbreakable") im Presseheft zitiert, eine unfreiwillig präzise Zusammenfassung seiner Inszenierung. Was genau nur muss ihm da durch den Kopf gegangen sein, welche Form der Lebenskrise bewältigte er wohl, um sich berufen zu fühlen, eine derartige Geschichte auf die Leinwand zu bringen?
A Bedtime Story - Werbezitat
Mit dem Drehbuch für seinen siebenten Film klopfte
Shyamalan bei Disney, denen er zuvor mit insgesamt rund 2 Milliarden US-Dollar Einspiel einige kommerziell höchst erfolgreiche Arbeiten bescherte, vergeblich an die Tür. Aufgrund von "kreativen Differenzen" inszenierte er
"Lady in the Water" deshalb mit einem Budget von 75 Mio. US-Dollar schließlich für Warner. Es ist sein bislang ungewöhnlichster Film. Ähnlich stringent und behutsam erzählt wie die Vorgänger, doch ohne zwischenzeitliche Höhepunkte, pointierte Aha-Effekte oder überraschender Wendung. Eine Gute-Nacht-Geschichte eben, trivial und hölzern, belehrend und fürchterlich ernst gemeint.
"Im Erwachsenwerden liegt ein Problem: Wir vergessen, dass absolut alles möglich ist. Was also früher möglich war, müssen wir jetzt in Geschichtenform bringen. Aber weil unser Zynismus die Oberhand gewonnen hat, müssen diese Geschichten als Kindergeschichten erzählt werden. Die ursprünglichen Wahrheiten sind jetzt also als Kindergeschichten getarnt." (
M. Night Shyamalan)
So ambitioniert und mutig es auch sein mag, eine konsequente Fantasy-Geschichte inmitten einer amerikanischen Vorstadt zu erzählen, die den nüchternen Ernst und verklärte Skepsis der Erwachsenen auszuhebeln versucht, es scheitert doch merklich. Das liegt weniger daran, weil
Shyamalan dem Zuschauer penetrant verdeutlichen will, wie essentiell kindliche Naivität scheinbar ist, als vielmehr an der unglaubwürdigen Art, diese grenzenlose Magie möglich werden zu lassen. Die Empfänglichkeit für eine verzaubernde Fantasie erstickt der Regisseur bereits relativ zügig im Keim, indem seine Figuren dem Geschehen mit einer scheinbar zweifellosen Normalität gegenübertreten, die beim Publikum nicht als vorausgesetzt gelten kann und sich deshalb viel eher in absurdem, unfreiwilligen Humor äußert. Anders als
Steven Spielberg, an dessen
"E.T." er sich mit seiner naiven Intentionsstruktur deutlich orientiert, vermag es
Shyamalan im Rahmen einer phantastischen Geschichte nicht eine innere, nachvollziehbare Glaubwürdigkeit zu etablieren, die die Emotionen der Figuren zu denen des Zuschauers werden lassen. Er verbaut den Zugang zum Glauben an eine Magie, an ein Überwinden alltäglicher Rationalität, mit naiv konstruierten Botschaften und rührseligen Appellen.
"Manchmal erlebe ich Menschen, die nichts ausstrahlen - ihnen fehlt eine bestimmte Aura, die all jene Menschen auszeichnet, die andere inspirieren. In einer solchen Situation erkenne ich, dass sie noch nicht das tun, was ihnen vorgegeben ist. Sie haben ihre Aufgabe im Leben noch nicht gefunden." Dies ist nur eine der Weisheiten aus
Shyamalans biblischem Oeuvre, dessen er sich bei
"Lady in the Water" mit heilenden Wunden und ähnlichem Gedöns konnotativ deutlicher noch als in
"Signs" bedient. Seine "Narf" namens Story, mit leeren Blicken weitestgehend überzeugend interpretiert von
Bryce Dallas Howard (
"The Village"), durchlebt hier eine in gewohnt reduzierten Bildkompositionen zwar ausdrucksstarke, aber völlig inhaltsleere und langatmige Passion, die dem theologischen Dogma konform mit der Liebe ihrer Mitmenschen wieder belebt wird und für die gleichermaßen vorhersehbare wie unglaubwürdige Katharsis des geläuterten Cleveland Heep sorgt. Aufgrund dieser aufdringlich formulierten Motivgestaltung verhindert es
Shyamalan abermals, den Zuschauer für seine Geschichte zu erwärmen.
"Es war einmal ... dem Ende sehr nah." - Werbezitat
Mit der Affinität zu
Spielberg, die sich bereits in
"The Sixth Sense" in zahlreichen Zitaten äußerte, geht der Hang zu
Alfred Hitchcock einher. Diverse Verweise, der Gully des Pools ist dem aus
"Strangers on a Train" entlehnt, ebenso

wie der
Robert Burks'sche Zoomeffekt nicht fehlen darf, sind dabei wohl Zeugnis einer austauschbaren Huldigung, ohne dass die Bilder eines
Shyamalan auch nur ansatzweise die Ambivalenz der Szenerien des Altmeisters tangieren. Anders auch als sein Vorbild belässt es der Regisseur nicht bei dezenten Cameos, sondern schreibt sich fleißig von Film zu Film wesentlicher werdende Schlüsselrollen auf den Leib, die man gutmütig als pompösen Ausdruck eigener Überzeugung oder aber auch durchaus selbstgefälliger Pose werten dürfte.
"Wenn die Menschen aus dem Kino kommen", so
Shyamalan,
"dann schöpfen sie hoffentlich wieder Hoffnung für sich und andere. Es geht um die Hoffnung, dass jeder seine Aufgabe findet - dass wir alle unseren Auftrag auf diesem Planeten erfüllen." Doch was nützen ihm großartige Settings, eine selbstsichere und effektive Kameraarbeit sowie ein bestens aufgelegter
Paul Giamatti (
"American Splendor"), wenn sein Film nicht funktioniert, berührt, fesselt. Wenn die Idee, den Wohnblock als eine eigene isolierte Welt darzustellen, nicht ausgereizt wird, es ihm nicht gelingt, Suspense zu erzeugen und er viel wichtiger einfach unfähig ist, die wahre Fantasie des Zuschauers in Gang zu setzen, dann ist
"Lady in the Water" nicht mehr als ein gutmütiger Versuch, ein populistisch optimistisches Märchen, das eben alles andere als Hoffnung schenkt.