" This time there's more." - Werbezitat
Man kennt das ja, da ist ein Film an den Kinokassen erfolgreich, kann man davon ausgehen, dass sich schon bald darauf das produzierende Studio daran macht mit dem Namen des Films noch mehr Geld zu verdienen. In den seltensten Fällen kommt dabei ein Film heraus, der sich qualitativ mit seinem Vorgänger messen kann. Zumeist bekommt man auf den schnellen Erfolg gedrehte Abklatsche des ersten Teils.
Eine der löblichen Ausnahmen ist da sicherlich
"Aliens - Die Rückkehr". Gedauert hat es sieben Jahre, bis die Dreharbeiten zur Fortsetzung von
Ridley Scotts Meilenstein begannen. Und, kaum überraschend, war der Regisseur des Erstlings nicht mehr mit an Bord. Der hatte inzwischen mit
"Blade Runner" ein weiteres Meisterwerk auf die Leinwände gebracht und hatte folglich wenig Interesse, sich an einem vermeintlich schnöden Fortsetzungsfilm zu versuchen. Also war es an Produzent
Walter Hill (
"Nur 48 Stunden"), der ja ursprünglich bereits bei Teil 1 die Regie hätte übernehmen sollen, einen neuen Mann für den Regiestuhl zu finden.
Fündig wurde er bei einem jungen, talentierten Regisseur, der 1984, also zwei Jahre vor
"Aliens" mit einem Low-Budget-Sci-Fi-Action-Film namens
"The Terminator" von 0 auf 100 durchgestartet war.
James Cameron bekam nicht nur die Aufgabe des Regisseurs, er schrieb, ebenfalls unterstützt von
Walter Hill, auch das Drehbuch zu
"Aliens". Dabei stand von Anfang an nicht eine Neuauflage des
Scott-Films im Vordergrund, sondern eine Fortführung der Geschichte um Ripley.
Dass
Sigourney Weaver (
"Ghostbusters") erst nach langen Verhandlungen und der zwischenzeitlichen Drohung mit
Arnold Schwarzenegger als Helden zusagte, sollte sich auch bei den beiden weiteren Fortsetzungen zu einer Art Running Gag entwickeln, denn die gute Frau musste jedes Mal aufs Neue überzeugt werden, noch einmal in ihre Paraderolle zurückzukehren. Gedreht wurde der Film wiederum in England, und das mit einem gerade einmal 1½ mal so großen Budget wie der Vorgänger.
Da
James Cameron (
"True Lies") kein Remake drehen wollte sondern einen neuen Film, stellte er in seinem Drehbuch praktisch einen Großteil der Elemente aus
"Alien" auf den Kopf. Waren es 1979 noch die klaustrophobische Enge der "Nostromo" und die Kammerspiel artige Szenerie, drehte
Cameron seine Vision unter dem Motto "the bigger, the better". Ausschweifende Feuergefechte, ganze Horden von Aliens, eine Vielzahl an großflächigen Schauplätzen und eine Fokussierung auf den Actionanteil dürften so manchen Fan des Vorgängers zunächst irritiert haben. Ähnlich wie die, und hier liegt einer der wenigen Schwachpunkte des Films, etwas zu konstruiert und beliebig wirkende Story.
"There are some places in the universe you don't go alone." - Werbezitat
Ripley kommt nach 57 Jahren im Kälteschlaf auf die Erde und berichtet dort von ihrem Kampf gegen die außerirdische Spezies. Man schenkt ihr keinen Glauben, auch weil der Planet LV-426 mittlerweile seit Jahrzehnten von Siedlern bewohnt wird. Dumm nur, dass gerade auffällt, dass man ja schon seit langer Zeit nichts mehr von eben diesen Siedlern gehört hat. Folglich wird ein Rettungstrupp zusammengestellt, der aus einer Truppe schwer bewaffneter Marines besteht und dem Ripley mitgegeben wird. Auf dem Planeten angekommen stellen die Kämpfer fest, dass mittlerweile der gesamte Planet von den Aliens eingenommen wurde und auch deren Königin versteckt sich in den Tiefen des Höhlen- und Minensystems. Dazu kommt noch, dass nach dem Verlust des 1. Landungstrupps, Ripley und ein Trupp Marines, sowie ein kleines Mädchen, Newt, die einzige Überlebende der Siedler, auf dem Planeten festsitzen und sich gegen die Horden von Aliens verbarrikadieren müssen ...
Damit ist der Startschuss gegeben zu einer der rasantesten Achterbahnfahrten des Actionkinos.
James Cameron lässt, nachdem er seine Marines und Aliens einmal von der Leine gelassen hat keine Gelegenheit aus, die Spannungs- und Adrenalinschraube gewaltig anzuziehen. Dabei gelingt es ihm die Balance zwischen Action und Spannung im richtigen Verhältnis zu wahren und man kann sich sicher sein, dass man nach einer weiteren Actioneinlage schon in den nächsten Szenen wieder Fingernägel kauend im Sessel sitzt und mit den Figuren auf der Leinwand mitfiebert.
Cameron greift das Grundthema von
Scotts Film wieder auf, indem er durch die Figur des Mädchens Newt Ripley in eine Mutterrolle drängt, die diese bis zur letzte Konsequenz geht und sich dabei letztlich im Finale der Mutter der Aliens zum Duell stellen muss. Auch wenn dieses Aufnehmen des sich durch die ganze Filmreihe ziehenden Tenors von
Cameron teilweise zu plakativ und aufdringlich inszeniert wurde, schmälert es doch den puren reinen Unterhaltungswert des Films in keiner Weise. Zumal
Cameron neben aller Action und Pyrotechnik seinen Figuren Zeit gibt sich zu entwickeln und eine eigene Persönlichkeit aufzubauen, so dass man als Zuschauer keine Probleme hat mit den Figuren mitzufiebern und zu leiden.
Am Grundprinzip hat sich dagegen wenig geändert. Die Dunkelheit und Düsternis sind geblieben und auch das nach dem alten "10 kleine Negerlein" ablaufende Schema funktioniert hier wieder bestens, auch weil
Cameron keine seiner Figuren heilig ist, und es somit, abgesehen von Ripley, nahezu jeden jederzeit erwischen kann.
Bei der Inszenierung der Actionszenen lässt sich die Verwurzelung in den 80er Jahren nicht verleugnen. Die Waffen sind gigantisch, die Explosionen riesig und wenn gefeuert wird, dann aus allen Rohren. Ripley wird dabei inszeniert wie eine Figur aus einem gigantischen Comicuniversum. Sie schultert mal eben die größte Waffe die sie finden kann und nimmt es zur Not auch mit Heerscharen von Feinden gleichzeitig auf. Man kann
Cameron irgendwie nicht böse sein, auch wenn der Film, und das ist sicherlich erstaunlich, aus heutiger Sicht weniger frisch wirkt als sein Vorgänger. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass wir inzwischen das Actiongenre der 80er Jahre zumeist nur noch als gigantische Karikatur seiner selbst betrachten. Wenn man sich darauf einlassen kann, funktioniert der Film auch heute noch ähnlich gut wie im Jahre 1986.
Das liegt auch daran, dass man mit der Figur der Aliens einfach etwas geschaffen hat, das im Kontext eines auf Spannung gedreht Films ebenso zuhause ist wie im Actiongenre. So sind es einfach beeindruckende Bilder, wenn ganze Horden der dieses Mal von
Stan Winston (
"Wrong Turn",
"Predator") geschaffenen Aliens auf die Jagd nach den Menschen gehen. Das ist Gänsehaut pur, auch weil die Effekte auf einem auch aus heutiger Sicht enorm hohen Level liegen, der Einsatz von Animatronics, Puppen und Menschen in Kostümen ideal harmoniert und den Eindruck, es mit einer "lebenden" Kreatur und nicht nur einem Special Effect zu tun zu haben, einfach überwiegt. Dazu kommt wiederum ein exzellentes Setdesign, das auch vollkommen zu recht für den Oscar nominiert war. Von der Brutstätte der Alienkönigin bis zur Oberfläche des trostlosen Planeten ergibt sich ein ungemein stimmiges Gesamtbild, das durch die permanente Dunkelheit noch verstärkt wird.
Ähnlich wie im Vorgänger konnte auch hier wieder auf eine erstaunliche Vielzahl an bekannten und begabten Darstellern zurückgegriffen werden. Neben
Sigourney Weaver, die noch tougher und stärker als in
"Alien" wirkt, sind unter anderem
Bill Paxton (
"Predator 2",
"Near Dark") in der Rolle seines Lebens,
Lance Henriksen (
"House 3",
"Harte Ziele",
"Pumpkinhead") als Android Bishop und von
Cameron direkt aus
"Terminator" mitgebracht
Michael Biehn (
"The Abyss",
"The Rock") dabei. Auch wenn die Anforderungen in diesem Film eher physischer Natur sind, gelingt es doch jedem der Darsteller seiner Rolle die nötige Individualität zu geben, um sie nicht nur zum potentiellen Kanonenfutter auf dem Weg zum Finale werden zu lassen. So sind dann auch die Szenen, in denen es zu Konflikten innerhalb der Marines kommt, mit die eindrucksvollsten des gesamten Films.
Nachdem sich
H.R. Giger recht früh gegen eine erneute Mitarbeit an einem Alien-Film gesperrt hat, wurde, basierend auf seinen Entwürfen und der Figur aus dem Vorgänger die Kreatur weiter entwickelt und unter anderem um einige Entwicklungsstufen bis hin zur Alienkönigin erweitert. Optisch wirken die außerirdischen Killer nach wie vor wie die perfekten Killer und das Oscar prämierte Effekt-Team um
Stan Winston hat ganze Arbeit geleistet, um die Vielzahl an Kreaturen "lebensecht" aussehen zu lassen. Auch wenn eine markante Szene wie die des aus dem Brustkorb brechenden Aliens fehlt, spart der Film doch nicht mit perfekt getricksten Effekt-Shots.
Ebenfalls ausgetauscht wurde der Komponist des Scores, so dass sich dieses Mal
James Horner (
"Red Heat") versuchen durfte, der sich aber doch eindeutig beim Score von
Jerry Goldsmith (
"Poltergeist") bedient und diesen oftmals nur gering variiert.
An den Kinokassen war
"Aliens - Die Rückkehr" ein voller Erfolg, der auch mit zum unaufhaltbaren Aufstieg
James Camerons mit beigetragen hat.
Cameron gelang mit dieser Fortsetzung eine wahre Seltenheit. Obwohl er den Schwerpunkt des Grundgerüstes komplett verlagert, schafft er es doch die Geschichte weiterzuerzählen, ihre Hintergründe zu beleuchten - so erfährt man hier einiges über die Herkunft und Entwicklungsstadien der Aliens - und auch die Hauptfigur weiter auszubauen. Dazu schafft er mit der Verlegung des Konflikts Mensch - Alien hin zum Militärischen die ideale Grundlage für ein martialisches Actionfeuerwerk, das er dann auch ohne Kompromisse abbrennt und den Film durch ausreichend Spannungselemente immer wieder zurück in die Spur befördert. Exemplarisch sei die Szene mit Ripley und Newt im Laboratorium genannt, in der beide mit einem Alien eingeschlossen sind und sich durch die Panzerglasscheiben nicht nach außen verständlich machen können. Das ist Spannung auf höchstem Level und Nervenkitzel pur.
Der Kapitalismus kritische Ansatz, der immer wieder durchscheint (so will man versuchen einige Exemplare der Aliens zu fangen um sie auf der Erde dazu zu benutzen perfekte Kampfmaschinen zu züchten), wirkt zwar etwas aufgesetzt, passt aber in den Kontext der Zeit der Entstehung des Films und wird letztlich auch nicht mit allzuviel Screentime bedacht.
Gleiches gilt auch für die Exposition, die ein wenig aufgesetzt wirkt, aber durch den raschen Beginn des eigentlichen Gefechts und Überlebenskampfes, der den bei weitem größten Teil der Filmlaufzeit einnimmt, ordentlich egalisiert.
"This time it's war" - Werbezitat
"Aliens - Die Rückkehr" ist Science-Fiction-Action in seiner reinsten Form. Ungemein temporeich inszeniert, keine Sekunde langweilig, spannend, atmosphärisch und dabei auch noch mit der nötigen Tiefe ausgestattet um den Film weit über Genredurchschnitt hinauszuheben.
James Cameron hat einen nicht nur bei Fans beliebten Film abgeliefert, wie 2 Oscars und insgesamt 5 Nominierungen, unter anderem für
Sigourney Weaver als beste weibliche Hauptdarstellerin, beweisen, sondern auch die Kritiker überzeugt, unter denen "Aliens" nicht selten als der beste Reihe gehandelt wird. Ganz so weit würde ich dann doch nicht gehen, doch er steht seinem Vorgänger in kaum etwas nach und verkörpert heute noch nahezu alles, was das 80er Jahre Actionkino zu seiner Glanzzeit ausgezeichnet hat.
Auch zu diesem Film wurde ein Director's Cut veröffentlicht, der gute 25 Minuten länger läuft als die ursprüngliche Version und hauptsächlich weitere Handlungsszenen bietet. So unter anderem eine mehrminütige Szene, die die Siedler auf dem Planeten vor dem Angriff durch die Aliens zeigt. Hier profitiert der Film deutlich von diesem neuen Cut, da die Charaktere noch mehr beleuchtet werden und die zusätzlichen Handlungsszenen dem Film noch mehr Tiefe geben, ohne dabei das Tempo allzusehr zu drosseln.