(Howling, The, USA 1980)
Regie: Joe Dante
Drehbuch: John Sayles & Terence H. Einkless, nach einer Story von Gary Brandner
Spezialeffekte: Rob Bottin & Rick Baker
Freigabe: ab 16 Jahre
Genre: Horror
Kamera: John Hora
Musik: Pigo Donaggio
Produzent: Daniel H. Blatt, Jack Conrad, Michael Finnell, Steven A. Lane
Länge: 87 Minuten (PAL)
Dt. Start: 30.07.1981
Cast: Dee Wallace-Stone, Patrick Macnee, Dennis Dugan, Christopher Stone, Belinda Balaski, Kevin McCarthy, John Carradine, Slim Pickens, Elisabeth Brooks, Robert Picardo, Margie Impert, Noble Willingham, James Murtaugh, Jim McKrell, Kenneth Tobey, Don McLeod, Dick Miller, Steve Nevil, Herbie Braha, Joe Bratcher, Bill Sorrells, Meshach Taylor, Ivan Saric, Sarina C. Grant, Chico Martínez, Daniel Núñez, Michael O'Dwyer, Wendell Wright
Fernsehjournalistin Karen White (
Dee Wallace-Stone) wird von dem Serienkiller Eddie "der Verstümmler" Quist (
Robert Picado) gejagt. Bei einem Zusammentreffen mit dem Mann, wird dieser von der Polizei zwar erschossen, doch Karen kann das Erlebte nicht vergessen. Jede Nacht wird sie von Albträumen geplagt. Hilfe erhofft sie sich von Dr. George Waggner (
Patrick Macnee), der sie zwecks therapeutischer Fortschritte in sein abgelegenes Sanatorium schickt. Doch dort beginnt erst der wahre Albtraum: Karen hört nachts unheimliche Geräusche aus den Wäldern und ehe sie sich's versieht, beginnt ihr Ehemann Bill (
Christopher Stone) eine leidenschaftliche Affäre mit der nymphomanischen Marsha (
Elisabeth Brooks), und durchlebt demzufolge eine beunruhigende Persönlichkeitsveränderung. Zu ihrem Entsetzen entpuppt sich das gesamte Sanatorium als Werwolf-Kolonie. Mit Hilfe ihrer Freunde Chris (
Dennis Dugan) und Terry (
Belinda Balaski) geht sie der lebensgefährlichen Entdeckung auf den Grund, was verheerende Folgen für sie hat. Jetzt helfen nur noch Silberkugeln ...
Dem damals noch recht unerfahrenen Regisseur
Joe Dante gelang mit
"The Howling", der hierzulande als
"Das Tier" veröffentlicht wurde, ein großer Durchbruch und einen der wichtigsten und wesentlichen Grundsteine des modernen Werwolf-Films. Während in den 70er Jahren das

Genre wegen unterdurchschnittlichen Beiträgen immer unbeliebter wurde, schaffte es
Dante mit Hilfe der Drehbuchautoren
John Sayles und
Terence H. Winkless eine temporeiche Modernisierung des klassischen Horrorstoffes zu inszenieren, die Genrekritiker wie Fans auch heute noch gleichermaßen begeistert. Die neue Interpretation, die
Gary Brandner mit seiner Story zu Papier brachte, ist voll gepackt mit unzähligen Zitaten, die immer wieder in den Zwischeneinblendungen des Werwolf-Klassikers
"The Wolf Man" (
"Der Wolfsmensch", 1941) zu erkennen sind und sich dessen eigener Folklore bedient. Während in der klassischen Version das Pentagramm, welches der Werwolf in der Hand seines nächsten Opfers sieht, das Erkennungszeichen für die Betroffenen ist, so ist es in
"The Howling" eine Tätowierung. Auch die eigenwillige Formel, dass nur Silberkugeln einen Werwolf töten und damit erlösen können, wurde beibehalten.
Doch nicht nur klassische Elemente fließen stark in das Thema ein, sondern auch eine Neuinterpretation auf psychologischer Ebene. Dass
Robert Picado, in der Rolle des Eddie, zu Beginn des Films als eine Art Serienkiller funktioniert, zeigt eine deutliche und gewollte Verwandtschaft zu psychopathischen Serientätern. Und genau das macht auch den Reiz dieses Films aus. Beginnt er noch als vermeidliche Psychopathenhatz, so entpuppt sich daraus ein spannender und sehr gruseliger Kampf gegen bestialische Werwölfe. Der satirische Seitenhieb innerhalb der Story ist sicherlich der Versuch,

die in den Werwölfen schlummernden Mordtriebe mittels psychologischer Therapieverfahren zu beseitigen, was natürlich nicht gelingt. Diese Wesen sind nicht im eigentlichen Sinne krank, sind in diesem Falle keine klassischen Lykanthropen, sondern Menschen, die sich teilweise willentlich in Werwölfe verwandeln können und ihrem Trieb nachgehen und dabei Vergnügen empfinden. Damit heben sie sich deutlich vom klassischen Bild ab, in dem der Werwolf vielmehr eine bemitleidenswerte Kreatur ist. Mit anderen Worten wird diese Charaktereigenschaft vollends zerstört.
Der Kampf gegen die personifizierte Bestie in sich, wird aufgegeben und den Trieben wird fortan freien Lauf gelassen. Doch wirken diese Triebe sich nicht nur auf Gewalt, sondern auch auf die Sexualität aus. Das zeigt die unvergessliche Szene zwischen der schönen
Elisabeth Brooks in Gestalt der nymphomanischen Anführerin der Werwolfsippe und
Christopher Stone - damalig noch verlobt mit Hauptdarstellerin
Dee Wallace -, in der sich die beiden vor einem Lagerfeuer im Wald lieben und sich während des steigernden Lustempfindens in Werwölfe verwandeln (übrigens der einzige animierte Computereffekt in diesem Film.) Ein weiterer spaßiger, wenngleich kritischer Seitenhieb ist die Schlusssequenz, wenn sich eine TV-Journalistin vor laufender Kamera in einen Werwolf verwandelt und von den Zuschauern das Geschehen niemand mehr ernst nimmt. Somit werden zwei Gesellschaftsphänomene in die Mangel genommen: Der Zwang, alles Unmögliche mit rationalen und wissenschaftlichen Mitteln erklären zu müssen und die quotengeilen Fernsehsender mit ihrem durch übermäßigen TV-Konsum abgestumpften Publikum.
Dank des durch
Susan Arnold (die Tochter von Genreikone
Jack Arnold) durchgeführten Castings, sind die schauspielerischen Leistungen überzeugend und die Darsteller sehr gut gewählt. Hauptdarstellerin
Dee Wallace-Stone spielt die psychisch verstörte Journalistin einfach fantastisch,

nahm sie doch die Rolle tief in sich auf, sodass einige emotionale Expressionen nicht selten der Realität entsprachen (z.B. die Abneigung gegenüber dem Ambiente in dem Sexshop oder die Auseinandersetzung mit ihrem späteren Ehemann
Christopher wegen der Liebesszene mit
Elisabeth Brooks). Weitere bekannte Gesichter wie
Patrick Macnee, der jedem aus der Kultserie
"The Avengers" (
"Mit Schirm, Charme und Melone", 1961-1969) bekannt sein sollte,
Belinda Balaski, die schon in
Dantes
"Piranha" (
Piranhas, 1978) um ihr Überleben kämpfen musste, und Altstar
John Carradine, der hier eine recht witzige Position als zahnloser Menschenreißer einnimmt, wissen ebenfalls herrlich zu unterhalten. Einen köstlichen Insider-Joke findet man in den Namen der einzelnen Figuren, die nach Regisseuren von Werwolf-Filmen benannt sind. Nicht nur das zeugt von Dantes Humor, sondern mitunter auch das kleine Highlight, das sich in der Konfrontation zwischen Terry und Eddie als Werwolf wieder findet, wo er noch mit ihr spielt, bevor er ihr den tödlichen Biss in die Kehle verabreicht.
Der wichtigste Aspekt von
"The Howling" sind zweifellos die bahnbrechenden Spezialeffekte, welche die Sehgewohnheiten des derzeitigen Publikums umkrempelten. Konnte man die Verwandlungsszenen in klassischen Werwolf-Filmen bis dato nur innerhalb von einzelnen Bildabfolgen bestaunen, so zeigt uns
Rick Baker mit seiner revolutionären F/X-Technik die Verwandlung in genüsslichen Einzelheiten. In Großaufnahmen wachsen Haare und Klauen, Statur und Muskelpakete aus den pulsierenden Körpern. Und letztlich geifert uns nicht ein, auf allen Vieren laufender Hund entgegen, sondern ein, auf seinen

Hinterbeinen stehendes, übergroßes Monstrum. Besonders der Effekt, in der sich das lange Wolfsmaul aus dem menschlichen Gesicht beinahe erektionsartig herausformt, ist auch heute noch grandios und fernab von jeglicher Computertricktechnik. Außerdem zeigt
Baker das Tier sehr blutrünstig in seiner Vorgehensweise und beschert uns ein paar blutige Effektszenen. Da es sich hier um eine Low-Budget-Produktion handelt, mussten
Dante & Co. die Embassy Produktionsstädte um finanzielle Unterstützung bitten, denn sonst wären diese großartigen Spezialeffekte nicht möglich gewesen.
Doch all das wäre nicht so spannend und unterhaltsam, wenn die exzellente Kameraführung von
John Hora fehlen würde. Durch das Kameraauge beginnt ein Erkundungszug durch nachtdunkles Unterholz und dichten Nebelschwaden, was eine teilweise gotische Substanz beinhaltet und damit wieder auf klassische Stilmittel zurückgreift. Demzufolge ist
Joe Dantes "The Howling" der moderne Revolutionär unter den filmischen Werwölfen und sorgte sogar dafür, dass
John Landis'
"An American Werewolf in London" (
American Werewolf, 1981) schnell in Produktion ging, der bereits vor
Dantes Film in der Vorbereitung stand, aber aufgrund mangelnder Motivation oder produktionsabhängigen Schwierigkeiten auf sich warten ließ. Der Erfolg des Films bescherte
Joe Dante sogar den Regieplatz für
Steven Spielbergs Kinohit
"Gremlins" (
"Gremlins - Kleine Monster", 1984).
Zusammenfassend kann man bedenkenlos behaupten, dass
"The Howling" neben seinem Pendant
"An American Werewolf in London" der Referenzbeitrag des modernen Werwolf-Films ist und heute nach nur knapp über 20 Jahren schon als Genreklasssiker gilt und mit seinen hervorragenden Make-up-Effekten und einer schaurigen Atmosphäre vollkommen überzeugt und jedes Plagiat weit in den Schatten stellt.