(Wolf Creek, AU 2005)
Regie: Greg McLean
Drehbuch: Greg McLean
Spezialeffekte: Connelly Make-Up FX Team
Freigabe: noch nicht geprüft
Genre: Outback-Horror
Kamera: Will Gibson, Brandon Trost
Musik: Frank Tetaz
Produzent: David Lightfoot, Greg McLean
Länge: 95 Minuten (PAL)
Dt. Start: 13.07.2006
Cast: John Jarratt, Cassandra Magrath, Kestie Morassi, Nathan Phillips, Gordon Poole, Guy O'Donnell, Phil Stevenson, Geoff Revell, Andy McPhee, Aaron Sterns, Michael Moody, Andrew Reimer, Vicki Reimer, Isabella Reimer, David Rock
Die Freunde Kristy (Kestie Morassi), Ben (Nathan Phillips) and Liz (Cassandra Magrath) wollen den Wolf Creek National Park im australischen Outback erkunden. Zunächst sieht alles wie ein romantischer und entspannter Urlaub aus. Die Probleme beginnen, als eines Morgens ihre Uhren stehen geblieben sind und ihr Auto nicht mehr anspringt. Gott sei Dank ist da der Ortsansässige Mick Taylor (John Jarratt), der den Jugendlichen Hilfe verspricht. Er schleppt sie ab und verspricht, das Auto zu reparieren. Doch bald müssen die drei Freunde herausfinden, dass Taylor nicht vorhat, sie wieder gehen zu lassen.
Mit seinem ersten Spielfilm
"Wolf Creek" präsentiert uns Autor und Regisseur
Greg McLean einen erstaunlich gelungenen Horrorfilm aus Down Under, der im Rahmen seiner routinierten Inszenierung mit sicherer Hand das Nervenkostüm strapaziert und zuweilen höchst spannend zu fesseln vermag. Nach dem britischen Faustschlag
"The Descent" beweist abermals ein kleiner Independentfilm, dass guter Survivalhorror mit Backwood bzw. Outback-Einschlag nicht unbedingt aus den USA stammen muss - so lässt
"Wolf Creek" auch Kollegen wie
"Wrong Turn" hinter sich.
30,000 are reported missing in Australia every year. Some are never seen again.
Die Zahl der Vorbilder mag lang sein:
"Hitcher",
"Race with the Devil",
"The Texas Chainsaw Massacre", sie stehen mehr oder weniger Pate für ein Drehbuch, das die verschiedenen Zutaten, leere Highways, Dead-Ends und wahnsinnige Hillbillys, jedoch recht geschickt kombiniert und zu einem sehr gradlinigen, sich auf das Wesentliche konzentrierenden Genrefilm zu vermischen versteht.
"Wolf Creek" ist dabei so erstaunlich simpel, so angenehm ungezwungen, originell zu sein, dass er nie Gefahr läuft, sich zu blamieren und durch vermeintlich logische Strickmuster den allseits geforderten Sinn herstellen zu müssen, was dann eh meist nach hinten losgeht. Zunächst einmal lässt sich der Film Zeit, viel Zeit. Und das ist eine wesentliche Stärke. So führen uns die angenehm klischeefreien Hauptdarsteller, die einmal nicht die Sprüche klopfenden Pimps und Bitches darstellen, durch die wenig spektakulären, aber keinesfalls langwierigen ersten zwei Drittel, ohne sich allzu deutlich dem üblichen "Sex, Drugs und möglichst ungeschickt verhalten"-Schema zu bedienen. Das ganze soll auf einem wahren Fall basieren, eine Tatsache, die den Film zunächst nicht unbedingt interessanter macht, als er ohnehin schon ist, sich zum erfreulich pessimistischen Ausklang hin jedoch als angenehme Zutat entpuppt. Die weite Einöde der australischen Outbacks und die gleichermaßen wundervollen wie auch gefährlich weiten Landschaften schafft
"Wolf Creek" doch eindrucksvoll einzufangen. Die Atmosphäre erinnert nicht selten an oben zitierte Vorbilder, mischt diese jedoch im Schlussdrittel mit drastischen Nuancen, die an moderne, ähnliche Vertreter wie den französischen
"Haute Tension" erinnern. Der manches Mal etwas zu viel von Filtern durchtränkte Look kaschiert dabei in jeder Minute eindrucksvoll, um was für eine Low Budget-Produktion (Budget unter 1 Mio. Dollar) es sich hierbei eigentlich doch handelt (der Film wurde übrigens auf Video gedreht).
How can you be found when no one knows you're missing?
"Wolf Creek" lässt sich mit seiner anfangs ruhigen und eleganten Erzählung nicht von ungefähr verhältnismäßig viel Zeit, denn wenn Mick Taylor sich plötzlich als durchgedrehter Redneck entpuppt, wechselt der Film gekonnt schlagartig das Tempo und reißt den Zuschauer in jenen Strudel aus Gewalt und Ausweglosigkeit, in dem sich fortan auch die Protagonisten befinden. Erfreulicherweise wird dabei nicht auf allzu graphische Details gesetzt, sondern ordnen sich wüste F/X eher einer sadistischen, teils beklemmenden Grundstimmung unter. Dabei spart auch
McLean nicht immer mit den etwas ausgelaugten Klischees, die sich insgesamt jedoch in toleranten Gefilden tummeln - denn das Rad wird hier erwartungsgemäß auch nicht neu erfunden. Ein wenig vermisst man das letzte Quintchen stringente Härte, die sich bedrückend breit macht und ein Ende nicht erahnen lässt, denn die Terroreinschübe im letzten Drittel des Films sind doch etwas zu großzügig gesät, um jene Daueranspannung zu forcieren, die beispielsweise den durchaus vergleichbaren
"The Descent" auszeichnete. Hier verlässt sich
McLean etwas zu sehr auf solide Konventionen, um den letzten Rest aus einem mehr oder weniger verwöhnten Adrenalin-Publikum herauszukitzeln und dem Motto "The Thrill Is In The Hunt" vollends gerecht zu werden. Ansätze sind diesbezüglich aber reichlich vorhanden: So verfehlt insbesondere die Sniper-Attacke des Killers nicht ihre Wirkung.
"This Year's Horror Phenomenon" (Total Film)
"Wolf Creek" erregte aufgrund seiner im Heimatland tatsächlich brisanten Thematik vom jährlichen, unerklärlichen Verschwinden zahlreicher Menschen bereits vor seiner ersten Aufführung in Australien erstes Aufsehen und verkaufte sich, aufgeblasen auf 35mm, mehrfach in verschiedene Länder (für die US-Auswertung schlugen die
Weinstein-Brüder mit Dimension Films zu). Auf dem Sundance-Festival wurde der Film für den Großen Preis der Jury nominiert, weitere Nominierungen gab es für den Saturn Award, den Empire Award sowie in mehreren Kategorien vom Australian Film Institute. Bislang hat der Streifen weltweit fast 30 Mio. Dollar eingespielt, in vielen Ländern läuft er sogar noch an. Ein berechtigter Erfolg für einen Independentfilm, der nicht wirklich originell daherkommt und sein Potential nie so richtig ausschöpfen kann, aber im Rahmen der Subgenre-Gegebenheiten erstaunlich gut funktioniert. Und das ist mehr, als einem vielerlei andere Vertreter der populären Abteilung bieten können.