(Basic Instinct 2, D, ESP, UK, USA 2006)
Basic Instinct 2: Risk Addiction
Regie: Michael Caton-Jones
Drehbuch: Leora Barish, Henry Bean, Joe Eszterhas
Spezialeffekte: Dave Eltham
Freigabe: ab 16 Jahre
Genre: Erotik-Thriller
Kamera: Gyula Pados
Musik: Jerry Goldsmith, John Murphy
Produzent: Mario Kassar, Moritz Borman, Joel B. Michaels, Andrew G. Vajna
Länge: 114 Minuten
Dt. Start: 30.03.2006
Cast: Sharon Stone, David Morrissey, Charlotte Rampling, David Thewlis, Hugh Dancy, Anne Caillon, AIain Robertson, Stan Collymore, Kata Dobó, Flora Montgomery, Jan Chappell, Robert Clarke, Robert Dearle, Dee Gaynor, Keith How, Michael Norton, Peter Rnic, Peter Smith, Alexandra Staden, Vee Vimolmal, Lydia Watkins
"Everything interesting begins in the mind."
Die attraktive Krimi-Bestsellerautorin Catherine Tramell (Sharon Stone) gerät in der britischen Metropole London auf die falsche Seite des Gesetzes. Dr. Michael Glass (David Morrissey), ein renommierter Kriminalpsychologe, wird von Scotland Yard-Inspektor Roy Washburn (David Thewlis) beauftragt, ein psychiatrisches Gutachten über Tramell durchzuführen, nachdem auf geheimnisvolle Weise ein Profi-Fußballer ums Leben gekommen ist. Trotz des Rats seiner Mentorin, Dr. Milena Gardosh (Charlotte Rampling), verstrickt sich der körperlich und intellektuell von Tramell angezogene Glass immer stärker in deren Netz aus Lügen und Verführung. Bald verschwimmen die professionellen Grenzen, da Tramell unmissverständlich klar macht, was sie von Glass will. Ein mörderischer Machtkampf beginnt, der an seinem Höhepunkt angelangt ist, als Glass vor einer Entscheidung steht, die beider Leben grundlegend verändern kann ...

Was dem geneigten Zuschauer heutzutage als Sequel verkauft wird, entpuppt sich nicht selten als ideenlos kopiertes Quasi-Remake erfolgreicher Originale. Im Fall von
Paul Verhoevens
"Basic Instinct" von 1992 muss man sogar von einem der populärsten und gewinnbringendsten Filme der 90er Jahre sprechen, der den Höhepunkt einer New Age-Erotikthriller-Ära Hollywoods markierte. Bei den katastrophalen Produktionsumständen des nun schlussendlich doch realisierten zweiten Teils verwundert es nicht, dass diese Fortsetzung eine große Enttäuschung darstellt, deren verzweifelt provokante Vermarktung nicht überdecken kann, wie unsäglich lahm und zäh
"Basic Instinct 2" doch ist.
Es begann vor ungefähr 8 Jahren: Die Produzenten
Mario Kassar und
Andrew G. Vajna planen ein Sequel zu
Verhoevens mit über 350 Mio. Dollar weltweitem Einspiel überaus erfolgreichem Skandalthriller.
Sharon Stone (
"The Specialist",
"Casino") erklärt sich schnell bereit, erneut in die Rolle der bisexuellen Krimiautorin Catherine Tramell zu schlüpfen, bedeutete die Rolle immerhin ihren internationalen Durchbruch als Schauspielerin. Im gleichen Atemzug jedoch wird bekannt, dass
Michael Douglas kein zweites Mal als Cop Nick Curran vor die Kamera treten würde. Die erfolglose Suche nach einem Ersatz (im Gespräch waren zwischenzeitlich
Robert Downey Jr.,
Kurt Russell und
Pierce Brosnan) ging einher mit hohen Forderungen bei Gage, Gewinnbeteiligung sowie Mitspracherecht von
Stone, die die Produzenten für unverhältnismäßig befanden (u.a. verweigerte die kühle Blonde, mit Regisseur
Benjamin
"Demolition Man" Bratt als Schauspieler zu drehen). Schlussendlich ließen
Kassar und
Vajna das Projekt fallen - allerdings ohne die Rechnung mit Mrs.
Stone gemacht zu haben, die vor Gericht zog, um einen zweistelligen Millionenbetrag einzuklagen. Da das schlussendlich teurer geworden wäre, als einen weiteren Film zu produzieren, gaben die Finanziers nach und stimmten dem Sequel, für das immer noch ein Regisseur sowie Hauptdarsteller benötigt wurde, zu. Neben
David Cronenberg (
"Naked Lunch") war auch
John McTiernan (
"Stirb Langsam") im Gespräch für den Regiestuhl, aber die Wahl fiel letztlich auf den Briten
Michael Caton-Jones, der sich mit
"Rob Roy" und
"The Jackal" zumindest als solider Regisseur empfahl. Da man währenddessen bereits beschlossen hatte, den Film in England anzusiedeln, suchte man auch nach einem britischen Schauspieler für den Gegenpart von
Stone - der dann mit dem TV-Schauspieler
David Morrissey (
"Entgleist",
"Stoned") gefunden wurde. Das alles klingt nicht nur mächtig gezwungen, man merkt es dem Produkt
"Basic Instinct - Neues Spiel für Catherine Tramell" auch tatsächlich jede Minute an.
Warum gilt
Verhoevens schwüler Erotik-Krimi als ein moderner Klassiker? Weil er geschickt seine einzelnen Genre-Elemente in einen hoch spannenden, stilisierten und modernen Film Noir packt, der in vielerlei Hinsicht Anleihen bei
Hitchcock sucht (und diese natürlich verfehlt) und dessen prickelnde Mischung aus akrobatischem Sex und blutiger Gewalt unter der berauschenden Kameraarbeit
Jan de Bonts einen faszinierenden Großstadtthriller ergibt.
"Basic Instinct" ist ein Film seiner Zeit, vieles an ihm war neu oder galt als vergessen und sein Reiz war ein Mysterium, das zu entziehen sich schwer gestaltete - kurzum: ein nicht wiederholbarer Effekt von einem Film. Was uns
Caton-Jones und
Stone, aufgrund des kreativen Einflusses muss sie genannt werden, hier allerdings servieren, ist an Plattheit und Banalität nur schwer zu unterbieten. Das hölzerne Drehbuch, das völlig verzweifelt zu versuchen scheint, falsche oder rätselhafte Fährten zu legen, ist nahezu meisterlich vorhersehbar schlecht gestrickt und kann nicht den Ansatz von Spannung erzeugen, sondern stellvertretend dafür nur mit unheimlich gestelztem Geschwafel aufwarten, das knisternde Erotik andeuten soll, aber stattdessen einen unfreiwilligen Lacher nach dem anderen erzeugt. Die Geschichte gibt einfach nichts her, zu stark orientiert sie sich am brillant geschriebenen Vorgänger und wirkt dann, wenn sie versucht, eigene Wege zu beschreiten, furchtbar konstruiert und unglaubwürdig, vor allem entspricht das Gezeigte samt seinen "Twists" nicht einmal durchschnittlicher 08/15-Thrillerware.
Sharon Stones Selbstdarstellung will ebenfalls nicht funktionieren, da nützt auch ihr offenbar rundum erneuerter Körper nicht viel. Statt sich in die Story zu vertiefen, ist der geneigte Zuschauer eher mit einem dauerhaften Staunen darüber beschäftigt, wie man 15 Jahre gealtert jünger als je zuvor aussehen kann. In Bezug auf die im wahrsten Sinne des Wortes heiß erwarteten Sexszenen kommt die Ernüchterung ebenfalls schneller als gedacht: Äußerst verhalten, kurz und harmlos, vor allem aber unerotisch sind die wenigen Momente, die es offenbar noch in die R-Rated-Fassung geschafft haben. Die deutsche Version wird im Gegensatz zu 1992, wo hierzulande die längere Unrated-Fassung in die Kinos kam, auf der gekürzten US-Kinofassung, in der u.a. eine Orgie fehlt, basieren. Ebenfalls drastisch heruntergeschraubt wurde der Gewaltpegel, der in
Verhoevens Original zwar nur an zwei Stellen, dann aber zumindest richtig ausschlug. Die vermeintliche Erotik oder gar Provokation, die
"Basic Instinct 2" heraufbeschwören möchte, ist - vermutlich auch in der NC-17-Version - nichts weiter als Schall und Rauch und bleibt meilenweit hinter dem für damalige Hollywood-Verhältnisse tatsächlich freizügigem Vorgänger zurück.
All diese Faktoren gehen letztlich einher mit einem katastrophalen Schauspielensemble.
David Morrissey taugt nicht einmal als müder
Michael Douglas-Ersatz, so schlecht agiert er vor der Kamera und pendelt verzweifelt zwischen minimalistischem Gebärden und hoffnungslosem Overacting. Nicht zuletzt die Chemie zwischen
Stone und
Douglas macht den ersten Film unvergesslich, doch kann diese zwischen
Stone und
Morrissey nicht im Entferntesten erreicht werden, sondern wirkt stets nur wie eine unfreiwillig komische und sehr alberne Kopie. Regisseur
Caton-Jones gelingt es in seiner spannungslosen Inszenierung auch nicht, etwaige Unsympathien diesbezüglich zu kaschieren. Lustlos leiert er eine konventionelle und durchgehend unspektakuläre Krimigeschichte herunter. Einfach durch und durch unnötig und deshalb dringend von abzuraten!