(Hostel, USA 2005)
Regie: Eli Roth
Drehbuch: Eli Roth
Spezialeffekte: Martin Pryca, K.N.B. EFX Group.
Freigabe: Keine Jugendfreigabe
Genre: Horror
Kamera: Milan Chadima, Shane Daly
Musik: Nathan Barr
Produzent: Eli Roth, Chris Briggs, Mike Fleiss, Quentin Tarantino, Scott Spiegel
Länge: 95 Minuten
Dt. Start: 27.04.2006
Cast: Jay Hernandez, Derek Richardson, Eythor Gudjonsson, Barbara Nedeljakova, Jana Kaderabkova, Jan Vlasák, Jennifer Lim, Lubomir Silhavecky, Paula Wild, Lubomir Bukovy, Petr Janis, Jana Havlickova,
Vanessa Jungova, Daniela Bakerova, Zina Blahusova, Josef Bradna, Ota Filip,
Jakub Habarta, Milda Havlas, Drahoslav Herzan, Rick Hoffman, Martina Kralickova, Martin Kubacák, Petra Kubesova, Takashi Miike, Mirek Navratil, Barbora Oboznenkova,
Zigo Patrik, Nick Roe, Petr Sedlacek, Vladimir Silhavecky, Jan Spanbauer, Miroslav Táborský, Mark Taylor, Natali Tothova, Radomil Uhlir, Lubos Vinicky, Katerina Vomelova, Philip Waley
Sie suchen das Abenteuer und sie finden das nackte Grauen. Die beiden abenteuerlustigen College-Freunde Paxton und Josh sind mit dem Rucksack unterwegs durch Europa. Ebenso wie ihr neuer Kumpel, der Isländer Oli, gieren die beiden jungen Amerikaner förmlich nach aufregenden Erlebnissen. Auf ihrem Trip bekommen die drei einen Geheimtipp: Abseits der üblichen Reiserouten soll im tiefsten Ost-Europa ein Nirwana für Backpacker liegen - ein Hostel in der Slowakei, in dem atemberaubende und obendrein noch willige Frauen auf sie warten sollen. Und tatsächlich: Die Freunde lernen die beiden Schönheiten Natalya und Svetlana kennen.
Paxton, Josh und Oli haben die Zeit ihres Lebens. Doch die währt nur kurz. Zu spät bemerken sie, dass sie in einer tödlichen Falle sitzen. Flucht ist unmöglich - die Backpacker stecken bereits mitten in den finstersten Abgründen der menschlichen Natur. Was sie dort erleben, ist so unvorstellbar, dass es alles in den Schatten stellt, was an Grausamkeit und Perversion bislang bekannt war. Haben sie eine Chance, diesen Alptraum zu überleben?


Nach seinem bombastischen Debüt
"Cabin Fever", der auf zahlreichen Festivals abräumte, von Kritikern weltweit gefeiert und von Regisseuren wie
Peter Jackson und
Quentin Tarantino hinreichend und zurecht gepusht wurde, legt
Eli (gesprochen Ilei)
Roth mit
"Hostel" seinen lang erwarteten, weil verheißungsvoll vermarkteten zweiten Kinofilm nach. Und die Enttäuschung ist groß: Nicht etwa, weil keine einzige der durch die penetrante (und geschickte) Werbekampagne geschürte Erwartung erfüllt werden kann, sondern weil
"Hostel" ein erschreckend belangloser, einfältiger Film ist. Abgesegnet durch
Tarantinos goldenen Qualitätsstempel, dürfte den meisten Zuschauern das jedoch erst nach dem Kauf der Kinokarte bewusst werden.
Der Entstehungskontext des Streifens ist gleichermaßen interessant wie unglaubwürdig.
Harry Knowles, Internetlegende und Ex-Schreck aller Filmproduzenten Hollywoods, soll Regisseur
Roth von einer dubiosen thailändischen Website erzählt haben, laut der bestimmte Menschen sich gegen Geld ermorden lassen. Geschäftsmänner und andere frustrierte Durchschnittsbürger können in geheimen Kellern ihrem Mordtrieb nachgehen, während die Familien der Opfer eine "angemessene" Entschädigung bekommen.
"Die Website stellte es so dar, als seien die potenziellen Mörder Wohltäter und würden den Opfern einen Gefallen tun - mit einer Art bizarrer Lebensversicherung", so
Roth laut Presseheft. Dies ist natürlich der Stoff, aus dem die Horrorfilme sind. Aus einer anfangs geplanten Dokumentation über das Thema wurde, nachdem sich die Produzenten des
"Texas Chainsaw Massacre"-Remakes,
Mike Fleiss und
Chris Briggs, bezüglich des Erfolgs von
"Cabin Fever" an
Roth wandten, ein abendfüllendes Horrorfilmchen mit mehr oder weniger realem Background. Kultregisseur
Quentin Tarantino (
"Reservoir Dogs",
"Jackie Brown") war sichtlich angetan vom Script und entschloss sich,
"Hostel" zu produzieren und unter seinem
"Quentin Tarantino presents"-Projekt laufen zu lassen. So, let the show begin.
Excuse me. How is it in there? - Be careful.
Why's that? - You could spend all your money ... in there.
Drei Rucksacktouristen reisen quer durch Europa: Saufen, ficken, Spaß haben - besonders originell ist das keinesfalls, stellenweise unfreiwillig komisch aber allemal. Fast keiner der im Stil bester US-Teenie-Klamotten angelegten Witzchen will zünden, doch leidlich unterhaltsam ist das soweit schon. Einige Schmunzle reichen jedoch nicht, um sich durch die überlange und ungeschickt inszenierte erste Hälfte zu retten. Wir haben es hier mit drei äußerst unsympathischen Amerikanern (minus einem Isländer) der üblichen Sorte zu tun, die sich niveaulos und weitestgehend spannungsfrei durch den Plot quälen, und in deren Weltanschauung Europa mit einer paradiesischen Mischung aus paarungsbereiten Halbnutten und dauerhaft kiffenden, holländischen Pimps gleichzusetzen ist. Leider ist dies nun wirklich das älteste aller Klischees, das zwar durchaus witzig aufbereitet werden kann, im real-amerikanischen Selbstverständnis jedoch allzu verwurzelt scheint. Nirgends ist man halt so sicher wie im guten, alten Amerika! Diese recht primitive Tellerrandsicht ist eines der Hauptprobleme, warum
"Hostel" so ganz und gar nicht funktionieren will. Denn die scheinbar selbstverständlich begründete Paranoia packt den Zuschauer nicht eine einzige Minute: Völlig beiläufig und vor allem schon in 100mal gesehener Abfolge entpuppt sich das ganze slowakische Städtchen als dubioses Menschenhandelszentrum, in dem sich schmierige Polizisten und Kaugummi erpressende Kinderbanden die Klinke in die Hand geben.
Roth verspielt selbst kleinste Ansätze des normalerweise recht einfach zu erzeugenden und in der Regel wirkungsvollen "wie komm ich hier raus und wem darf ich noch trauen"-Prinzips, das sich z.B. Filme wie
Walter Hills
"Die Letzten Amerikaner", in dem eine Gruppe US-Soldaten hinterwäldlerischen Franzosen ausgeliefert sind, genial zu eigen machten. Die Darsteller wirken zwar weitestgehend relativ authentisch, ihre eindimensionalen Rollen überschatten aber jegliche Identifikationsmöglichkeit.
"You fucking whore. You fucking bitch. You fucking bitch! - I get a lot of money for you, and that make you my bitch."
Und da wären wir bei einem weiteren grundlegenden Problem. Die Figuren sind allesamt Knallchargen, deren inhaltliches Gebären für den Zuschauer ungefähr so interessant wie ein
Uwe Boll-Film qualitativ hochwertig ist. Dass ausgerechnet der unsympathischste der Gruppe,
Jay Hernandez (
"Hart am Limit",
"World Trade Center"), den "Scream-King" geben soll, ist vielleicht etwas unerwartet, aber deshalb misslungen, da er als einziger erwartungsgemäß Überlebender herzlich wenig zum Mitfiebern anregen kann. Angesichts einer so drastischen Thematik wie dieser wäre das allerdings von relevanter Bedeutung gewesen, nicht zuletzt deshalb, weil ein Großteil der Spannung darin begründet hätte sein sollen, ob es ein Entkommen aus den düster-dreckigen Gängen geben kann. Das besagte Schlussdrittel, von welchem die besten Momente bereits allesamt in den Clips und Trailern vertreten sind, kann zwar eine gewisse ungemütliche Wirkung erzielen, diese wird jedoch bei weitem nicht ausgeschöpft. Gorehounds sollten ihre Erwartungen deutlich runterschrauben, um überhaupt etwas befriedigt zu werden. Die wenigen Details sind weder besonders originell, noch allzu blutig. Etwas erschreckend muss zudem festgestellt werden, dass die K.N.B.-abgesegnete Effektarbeit in genau diesen Momenten auch noch zu wünschen übrig lässt. Die durch den Trailer bereits bekannte "Augen"-Sequenz stellt in dieser Hinsicht den Tiefpunkt dar. Wer jetzt aufschreckt anmerken möchte, dass es sich bei
"Hostel" um eine lediglich knapp 5 Mio. Dollar teure Produktion handelt, dem sei gesagt, dass
"Cabin Fever" mit seinen 1,5 Mio. Dollar Kosten in dieser Hinsicht eine wesentlich bessere Figur macht.


Nach dem von Seiten des Zuschauers eher emotionslos zu erfassenden Handlungsparts in den Foltergewölben folgt ein zynisches Finale. Unlogische und haarsträubende Zufälle, angefangen bei der unglaubwürdigen Verquickung des Amsterdamer Kiffers mit slowakischen Prostituierten bis hin zu der anscheinend relativ problemlosen Flucht, dominierten bereits den ganzen Film, aber gen Ende wird diesbezüglich noch einmal kräftig angezogen. Natürlich kehrt der (Achtung Ironie) wahrlich glaubwürdig vom Pimp zum Helden avancierte Paxton, obwohl er bereits fast in Sicherheit war, noch einmal zurück zum Kerker, um eine arme, sich die Lunge aus dem Leib schreiende Asiatin zu retten, die sich - und das ist der Gipfel - dann unmittelbar vor der endgültigen Fluchtchance doch entscheidet, sich mal eben vor einen einfahrenden Zug zu schmeißen. Diese Szene ist allerdings nicht das Ende der plakativen und wenig wirkungsvollen Effekthascherei, denn
"Hostel" gipfelt in bester Selbstjustiz-Manier. Teilweise wird die Grenze an Trivialität so stark überschritten, dass einem der Film letztlich möglicherweise schon wieder Spaß bereitet - fragendes Kopfschütteln dürfte er aber wohl eher hervorrufen.
Es ist schwer, die wenigen positiven Aspekte des Flickwerks zu filtern. Der Film funktioniert grundlegend nicht, da helfen auch keine etwaigen, vereinzelt originellen Einfälle (unter anderem eine gelungen witzige
"Pulp Fiction"-Szene).
"Hostel" wird ähnlich wie
"Cabin Fever" die Lager spalten - und tatsächlich könnten gerade diejenigen, die
Roths Debüt für maßlos überschätzt halten, ihre Freude mit dieser neuen, aber letztlich doch so tief konventionellen Jugendherbergsstory haben. Nun wird sich zeigen, ob der Streifen die Fans überzeugen kann. Die Fortsetzung indes befindet sich bereits in Planung - es kann nur besser werden.