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gefeiert. "Godzilla: Final Wars", der nunmehr 28. japanische Film mit der Riesenechse, hatte schon im Vorfeld der Produktion für heftige kontroverse Reaktionen unter den Fans gesorgt. Denn mit der Wahl von Ryuhei Kitamura als Regisseur war jedem klar, dass Veränderungen im Godzilla-Universum anstanden. Kitamura ist im Jahr 2000 mit seinem billig und blutig selbst produzierten Horror-Action-Film
"Versus" aufgefallen. Seine Filme
"Alive" (2002), "Aragami" (2002) und
"Azumi" (2003) waren auch bei uns in Deutschland zu bewundern und etablierten Kitamura als wilden, wenig zimperlichen Regisseur von schnellen harten Action-Filmen. Kein Wunder, denn als einflussreiche Lieblingsfilme benennt Kitamura in einem Interview Perlen wie
"The Evil Dead" ("Tanz der Teufel", 1982) und
"Mad Max" (1979). Seit der folgenschweren Hollywood-Premiere des Jubiläumsfilms "Final Wars" ist die weltweite Godzilla-Community nun gespalten, befindet sich in einer Art Schockzustand. Den unsensiblen amerikanischen
"Godzilla" von Roland Emmerich aus dem Jahr 1998 konnte man noch vereint als definitives Feindbild akzeptieren. Doch nun hängt auch zu hause bei den Gummimonstern in Japan, wo der Film am 4.12.2004 (also genau 50 Jahre, einen Monat und einen Tag nach der Premiere des ersten Godzilla-Films von Großmeister Ishiro Honda) enttäuschend anlief, der Haussegen schief. Euer treu ergebener Rezensent hat sich also mit dementsprechend gemischten Gefühlen und von einer fiesen Erkältung geschwächt in den kalten Morgenstunden des 14.2.2005 ins Berliner Sony-Center begeben, wo im Rahmen des European Filmmarktes der Berlinale eine von der Produktionsfirma Toho initiierte Vorführung von "Final Wars" für Filmeinkäufer angesetzt war. Nur knapp 20 Leute, die alle nicht wie millionenschwere Filmeinkäufer aussahen, hatten sich um 9:45 Uhr in dem Kino versammelt. Ein letzter strenger Blick des International Sales Managers der Toho, Herrn Yukio Kotaki, über die kalte Schulter auf sein verlesenes Publikum, und dann ging's los, mit voller Lautstärke.



siehe da, Außerirdische mit Matrix-Ledermänteln und supercoolen Sonnenbrillen vom Planeten X, die Xiliens, kommen mit ihrem dicken Kugelraumschiff zur Erde nieder gebraust und bieten uns ihre Hilfe im Kampf gegen die unzähligen aktiven Monster an. Außerdem setzen sie uns davon in Kenntnis, dass sich ein riesiger Meteor, der auf den Namen Gorath hört, auf Kollisionskurs mit der Erde befindet. In Wirklichkeit wollen diese Xiliens natürlich unsere Erde erobern. Dieser Meteor ist ein Fake und sie haben sogar schon den U.N.-General Daigo (Schauspielveteran Akira Takarada) gegen einen Doppelgänger ausgetauscht. Als der Schwindel auffliegt, und ein schleimiger Alienkopf aus Takaradas Gesicht birst, lassen die Xiliens noch mehr ferngesteuerte Monster auf die Erde los. Der unerschrockene Captain Gordon (gespielt von dem bulligen, in Japan lebenden amerikanischen K1-Kämpfer Don Frye) zieht mit seinem fliegenden U-Boot Gotengo los, um Godzilla aus dem ewigen Eis des Südpools zu befreien, wo er den König der Monster im Prolog des Films eingefroren hat. Denn obwohl Godzilla den Menschen nicht unbedingt freundlich, eher indifferent gegenübersteht, so ist er doch erwiesenermaßen das einzige Lebewesen unserer Erde, das feindliche Monster und Aliens bezwingen könnte.
"X-Men", "Matrix",
"Independence Day" und einem dutzend Godzilla-Filmen bietet eine prima Entschuldigung für zwei pralle Stunden Prügeleien zwischen Menschen, Mutanten, Monstern und Aliens. Der adaptierfreudige Kitamura legt dabei ein irres Tempo vor und huldigt so der nur kurzen Aufmerksamkeitsspanne seines mit den "Power Rangers" sozialisierten Publikums, das mittlerweile mehr Zeit vor der Spielkonsole als vor der Kinoleinwand verbringt. Dabei wirkt sein Film nun aber wie ein 124-minütiger Trailer, der mit seinem Schnittgewitter und Getöse auf der Tonspur beim ersten Mal Sehen schlichtweg überfordert. Zumindest wenn man kein abgebrühter 14jähriger, zappeliger Japaner ist.



Ebirah wird massiv von den EDF-Mutanten bombardiert, bevor ihn die Xiliens neutralisieren. Der Flugsaurier Rodan macht mit seinen Schwingen in New York kräftig Wind und verscheucht affige Hip-Hop-Gangster. Der mumifizierte Cyborg Gigan wird auf Hokkaido entdeckt und später von Godzilla geköpft, nur um sich später aufgerüstet mit Kettensägen an den Armen und neuen Superduperwaffen nochmals in den Kampf zu stürzen. Der Riesenigel Anguirus hüpft wie ein Igelball zusammengerollt durch Shanghai. Die Heuschrecke Kamacuras springt auf den Wahrzeichen von Paris herum. Der löwenähnliche King Sheesar verwüstet seine Blumeninsel Okinawa, deren Schutzpatron er eigentlich ist. Die Seeschlange Manda umringelt das U-Boot Gotengo genau so wie sie es 1963 schon in
"Atragon" ("U-2000 - Tauchfahrt des Grauens") getan hat. Die Riesenspinne Kumonga wird vom König der Monster wie in einem Cartoon an ihrem eigenen Spinnfaden durch die Luft gewirbelt. In Sydney wird Roland Emmerichs US-Godzilla-Leguan, an dem Toho scheinbar auch das Copyright hat, vom japanischen Original nach einem deftigen Schwanzhieb mit atomarem Feueratem geröstet. Wenn bizarre Bestien wie das Smogmonster Hedorah in wenigen Sekunden von Godzilla abgefrühstückt werden, ist das natürlich frustrierend. Auch die liebliche Riesenmotte Mothra hat nur einen kurzen Cameo-Auftritt. Doch das lässt sich verschmerzen. Hat die vor allem bei den Mädchen beliebte Motte in den letzten Toho-Produktionen doch oft genug die Leinwand bevölkert. Wir befinden uns hier schließlich in einem ausgesprochenen Jungsfilm. Eine Neuerscheinung ist das so genannte Monster X, ein etwas zu menschenähnliches Viech, das besser in eine "Ultraman"-TV-Episode passen würde und sich im Verlauf des finalen Kampfes gegen Godzilla in den Ruinen von Tokyo in den dreiköpfigen Kaiser Ghidorah, einer hässlich unproportionierten Mutation des majestätischen King Ghidorah, verwandelt. In einer drolligen Hommage an den in Deutschland nie erschienenen, schlechtesten G-Film aller Zeiten, "Godzillas Revenge" (1969), setzt sich im Finale Godzillas pummeliger Sohn Minilla für den Friedenspakt zwischen Mensch und Monster ein. Soviel zu den Kaiju. Habt ihr mitgezählt? Es sind tatsächlich 15 Monster. Ein neuer Rekord. Bei "Frankenstein und die Monster aus dem All", der Blaupause für "Final Wars", waren es 1968 nur 12 Ungetüme. Monsterkostüm-Macher Shinichi Wakasa hat mit seinem Team jeden einzelnen Monsteranzug neu geschaffen. Seine Neuversionen der klassischen Toho-Monster sind schlanker und agiler, denn die Darsteller in den Kostümen müssen schnelle und harte Kämpfe überstehen.






man es einfach auch nicht mehr gewohnt japanische Monster auf der großen Kinoleinwand toben zu sehen. In der westlichen Welt werden die Filme, wenn überhaupt, gleich auf Video und DVD ausgewertet. Auf DVD wird man auch "Final Wars" neu entdecken können. Auf der heimischen Mattscheibe wird der Film greifbarer sein. Wer weiß, vielleicht beschert uns Kitamura sogar einen Director's Cut seines ohnehin schon überlangen Werkes mit mehr Screentime für die benachteiligten Monster.
einer gehörigen Portion Selbstironie abfangen. Manchmal wird er dabei allerdings respektlos der Monsterikone gegenüber. Über weite Strecken fühlt sich sein Film einfach nicht wie ein Godzilla-Film an, sondern eher wie ein, zugegeben auf bizarre Weise sehr unterhaltsames, japanisches "Matrix"-Rip-Off. Stilistisch orientiert sich Kitamura an den zumindest bei Fans sehr beliebten Videospielen "Godzilla: Destroy All Monsters Melee" und dessen Nachfolger "Godzilla: Save the Earth", die von der amerikanischen Firma Pipeworks für Atari entwickelt wurden. Um den Spielfluss nicht zu bremsen wurden hier aus den schwerfälligen Monstern flinke Biester gemacht, die sich rasant die Köpfe einrennen und mit Wolkenkratzern bewerfen. Diese Schnelligkeit der Konsolen-Monster hat Kitamura in seinen Film übernommen. In jedem der bisher 27 produzierten G-Filme wurden die Monster immer in Zeitlupe gefilmt, um ihre gigantische Größe und Macht zu demonstrieren. Dadurch bekamen Godzilla und seine Monsterkollegen etwas Göttliches, Naturgewaltiges. Durch Kitamuras Schnittgewitter fegen nun schnelle, in Kampfkunst geübte Monster in Zeitraffer.



Blockbuster aus Hollywood, die das vielfache Budget eines japanischen Monsterfilms auffahren können, ist Kitamura nicht gewappnet. Dass man auch in Japan lieber in die großen amerikanische Eventmovies geht, zeigt das bescheidene Einspielergebnis von "Final Wars" im Dezember 2004 in Japan. Schon nach fünf Wochen verabschiedete sich "Final Wars" aus den Kino-Top-Ten und hatte grade mal die Hälfte seiner Produktionskosten eingespielt. Etwa 1 Millonen Zuschauer haben in Japan den neuen Godzilla gesehen. Das sind enttäuschend wenige, wenn man bedenkt, dass sich 1962 noch 12 Millionen Japaner für
"King Kong gegen Godzilla" interessierten. Schon im Vorfeld der Produktion von "Final Wars" hatte der Produzent Shogo Tomiyama verlauten lassen, dies sei vorläufig der letzte Godzilla-Film. Frühestens in 10 Jahren sei wieder mit einem G-Film einer neuen Generation zu rechnen. In der Zwischenzeit wird Toho seinen umfangreichen Monster-Backkatalog auswerten und Lizenzen für Tonnen von Plastik-Godzilla-Figuren einheimsen. "After half a century of Terror, the king of the monsters meets its end!" stand schon auf dem Filmplakat von "Final Wars". Mit 50 Jahren geht Godzilla also in seinen wohlverdienten Ruhestand. Er ist es leid, das ewige B-Film-Monster zu sein. Schwerfällig stapft er ins Meer, schwimmt der untergehenden roten Japansonne entgegen. Und wir bleiben am Ufer zurück, schauen ihm nach, winken und rufen "Auf Wiedersehen Godzilla". Der Film läuft in diesem Jahr auf dem Fantasy Film Fest und wird im November 2005 bei Splendid auf DVD erscheinen.