"Was ist die Matrix...?" - Ein Kult wird geboren
1999 führten uns die
Wachowski-Brüder in die Welt der
"Matrix" ein. In ihrer düsteren Vision einer traumatischen Zukunft haben die Maschinen die Herrschaft übernommen und die Menschen versklavt. Sie dienen nur noch als Batterien und leben in einer virtuellen Wirklichkeit - der "Matrix". Eine kleine Gruppe von frei lebenden Menschen leistet den Maschinen seit je her Widerstand. Doch die Rettung kann

nur der Auserwählte bringen: Computerhacker Neo (
Keanu Reeves). Neo ist von seiner Rolle als Retter der Menschheit nicht gerade überzeugt, fängt jedoch durch Morpheus (
Laurence Fishburne) und Trinitys (
Carrie-Anne Moss) Hilfe an, an sich und seiner Bestimmung zu glauben und erlangt somit den ersten Sieg über die Maschinen ....
"The Wachowski Brothers", die in Hollywood inzwischen ein Gütesiegel für innovative Filmideen sind, haben mit
"Matrix" im Kino der Effekte Zeichen gesetzt.
"Was ist die Matrix?" war damals der Werbeslogan für den ersten Teil und niemand ahnte auch nur annähernd, was sich hinter dieser Frage verbergen sollte. Als die ersten Zuschauer aber den Film sahen, war die Begeisterung groß, denn Matrix zeigte das noch nie Dagewesene. In puncto Action und Spezialeffekt war er Revolutionär und innovativ zugleich.
Solche Szenen wie die "Bullet Time"-Sequenzen, in denen Menschen blitzschnell Pistolenkugeln oder ganzen Salven ausweichen, galten als unrealisierbar. Menschen, die durch die Luft fliegen und Projektile, die die Luft wie eine Flüssigkeit durchschneiden, das alles waren Bilder, die den Zuschauer die Kinnlade herunterhängen ließen und den Film einen Kultstatus einbrachten, der nur noch durch die
"Star Wars"-Trilogie getoppt werden kann.
Aus Eins mach Drei
Die Geschichte um die Matrix war und ist eine der besten der letzten Kinojahre und traf genau den Zahn der Zeit, so kurz vor der Jahrhundertwende, und sorgte seit den letzten 4 Jahren immer wieder für genug Gesprächsstoff und heiße Diskussionen.
John Geata zeichnet sich für die perfekten Effekte aus. Zwei Jahre dauerte die Montage der spektakulären Szenen. Jede einzelne Szene haben die
Wachowskis vorher gezeichnet, um
Warner Bros. die Summe von 60 Millionen Dollar zur Realisierung des Filmes aus

dem Kreuz zu leiern. Ein halbes Jahr lang wurden die Stars physisch und psychisch fit gemacht, dann folgten 118 strapaziöse Drehtage in Australien. Lohn der Mühe: Nach sechs Wochen hat
"Matrix" 133 Millionen Dollar in den USA eingespielt.
Es war natürlich nur eine Frage der Zeit, bis die von Anfang an als Trilogie geplante Geschichte um die Matrix und den Auserwählten fortgesetzt wurde und wäre Teil 1 kein so großer Erfolg geworden, so hätte es nie eine Fortsetzung gegeben, so Produzent
Joel Silver. Er räumte ein, dass vieles, was man gerne gemacht hätte, damals finanziell nicht drin war, so z.B. das Zeigen der Stadt Zion, wo man sich dann dazu entschloss, sie erst in eine mögliche Fortsetzung einzubauen.
Bevor man sich aber dransetzen konnte die Trilogie zu beenden, mussten noch ein paar vertragliche Hindernisse beiseite geschafft werden. Man hatte bei den Verträgen zu Teil 1 versäumt, die Schauspieler für eventuelle Fortsetzungen einzuspannen und somit musste neu verhandelt werden. Am besten traf es
Keanu Reeves, der ganze 30 Millionen US-Dollar für die Fortsetzung kassierte plus einer dicken Gewinnbeteiligung. Reeves war aber trotz der mehr als guten Gage nur bereit mitzumachen, wenn Teil 2 dem ersten in nichts nachstehen würde. Aber darüber brauchte er sich bei den
Wachowski-Brüdern nun wirklich keine Gedanken zu machen.
100 x Agent Smith = Universal Capture
Ganze 300 Millionen US-Dollar spendierte
Warner Bros. den Brüdern für die Realisierung von
"Matrix 2" und
"Matrix 3", davon gingen allein 100 Millionen an die Tricktechnik, die wieder revolutionär werden sollte. Aber anstelle Altes beizubehalten, versucht man in Sachen Special Effects weiter auszuholen: Was für
"Matrix" die "Bullet Time"-Aufnahmen waren, wird in Teil 2 das "Universal Capture" sein. Ein neu

entwickeltes Verfahren der Bewegungs- und Körperdigitalisierung, das eine fast real erscheinende Kopie einer Person ermöglicht, mit der man dann so ziemlich alles anstellen kann, was das Kampfchoreographen-Herz begehrt. Highlight dieser Technik ist, als Neo in
"Matrix Reloaded" gegen Hunderte Ex-Agenten Smith kämpft. Auch wenn man zwar erkennen kann, dass es zum Teil alles Computeranimationen sind, haut diese Szene so sehr rein, dass man aus dem Staunen nicht mehr rauskommt, so schnell und rasant wurde alles zusammengeführt.
Die
Wachowski-Brüder haben versprochen etwas zu schaffen, was niemand so schnell kopieren kann, wie ihre "Bullet-Time" Effekte damals, die leider bis zum Erbrechen in anderen Filmen zelebriert und kopiert wurden. Das dürfte ihnen wohl so schnell nicht nochmal passieren, zumal diese Effekte sehr teuer und aufwendig sind. Aber diese Kampfszene ist nur eine von vielen tollen Effekten, die uns in
"Matrix Reloaded" erwarten werden.
Das Highlight im Film ist die 14 minütige Verfolgungsjagd auf einem Freeway, die sowas von schnell, und atemberaubend inszeniert wurde, dass einem die Spucke wegbleibt, wenn man diesen unsagbar schnellen Kamerafahrten und Actionszenen ausgesetzt wird. Man musste für diese

Szene extra einen 3 Kilometer langen Freeway nachbauen um die Szene überhaupt realisieren zu können. Hier bekommt das Wort Geschwindigkeit eine ganz neue Bedeutung und wird auf alle Fälle in die Analen der Filmgeschichte eingehen. Aber das waren nicht alle Spezialeffekte, die den Fan begeistern werden, aber zu viel sollte man noch gar nicht dazu sagen, wir wollen ja, dass ihr euch noch von den genialen Tricks verzaubern lassen könnt. So unwerfend und zugleich aufwendig diese Szenen auch alle waren, umso schlechter standen die Sterne für
"Matrix Reloaded" während der Produktion. Zum Ersten schien
Warner Bros. dank der Effekte das Geld auszugehen und sie hatten Angst, dass die Kinobesucher das Geld nicht mehr Einspielen würden. Doch
Keanu Reeves verzichtete von sich aus auf seine Gewinnbeteiligung um das Projekt voranzutreiben und ersparte
Warner so um die 38 Millionen Dollar.
Von Hindernissen und anderen Tragödien
Dann wollte man Hongkong und Martial-Arts Star
Jet Li für die Rolle des Wächters Seraph, der das Orakel vor Feinden beschützen sollte.
Jet Li war ein langjähriger Freund der Brüder und für die Fans stand es fest, dass er die Rolle spielen musste, aber er winkte ab und sagte:
"Matrix war schon damals ohne mich ein Erfolg und er wird es auch jetzt ohne mich sein".

Ziemlich dünn die Aussage, oder? Stimmt. Es war so:
Jet Lis Terminplan war voll und
Warner hätte schon eine Summe von knapp 13 Millionen Dollar abdrücken müssen um
Jet Li doch noch zu überzeugen, aber nachdem
Reeves 30 Millionen kassierte und dann noch die Gewinnbeteiligung, war dies einfach nicht mehr möglich. Man bot
Jet Li 3 Millionen ohne Gewinnbeteiligung an. Das war
Li für zwei Filme zu wenig und würde seinen Marktwert mindern, schließlich erhielt er für "The One" 9,5 Millionen plus Gewinnbeteiligung.
Die Rolle bekam nach langem Hin und Her
Collin Chou, der unter dem Künstlername
Sing Ngai im asiatischen Raum Kultstatus genießt. Man wollte erst
"Tiger & Dragon"-Star
Michelle Yeohn, die aber laut Aussagen was Besseres zu tun hatte und mit ihrer eigenen Produktionsfirma mehr als nur ausgelastet ist. Ob die Rolle von Seraph im Endeffekt verkleinert wurde, ist nicht bekannt.
Ein weitaus schlimmeres Schicksal ereilte der Musikerin
Aaliyah, die die Rolle der Zee spielen sollte. Sie starb sieben Wochen nach Drehbeginn bei einem Flugzeugabsturz. Nach Protesten der Fans, ihre Rolle nicht mehr neu zu besetzen, hatte ihre Rolle
Nona Gaye

bekommen.
"Wir hatten einfach nicht genug Szenen mit ihr gedreht um diese zu verwenden, aber sie wird beim großen Fest in Zion kurz zu sehen sein", so Produzent
Joel Silver. Auch Gloria Foster, die das Orakel spielte, erlag den Folgen ihrer Diabetes im Alter von 65 Jahren und konnte nicht mehr für Teil 3 vor der Kamera stehen. Die Wachowski-Brüder schrieben das Drehbuch um und man wird das Orakel zwar wieder sehen, aber anders als gewohnt.
Trotz kleineren und größeren Hindernissen konnten
"Matrix Reloaded" und
"Matrix Revolutions" abgedreht werden und Teil 2 rechtzeitig auf die Menschheit losgelassen werden. Um es vorweg zu nehmen: Man muss
"Matrix Reloaded" mit einem lachenden und einem weinenden Auge beurteilen, aber dazu gleich mehr.
"Du hast immer gesagt: Nimm nie den Freeway, das ist reiner Selbstmord."
"Lass uns hoffen, dass ich mich geirrt habe..."
Die Handlung von
"Matrix Reloaded" spielt genau 6 Monate nach Teil 1. Neo hat seine neuen Fähigkeiten entdeckt und rettet mehr Menschen als jemals ein Freiheitskämpfer zuvor in dieser kurzen Zeit aus der Matrix. Neo ist die größte Bedrohung, aber trotzdem sieht es schlecht aus für die Menschheit, denn die Maschinen haben Zion ausfindig gemacht und graben sich immer tiefer in deren Richtung.

Unseren Helden bleibt nicht mehr viel Zeit eine Lösung zu finden, um die Maschinen zu stoppen. Sie müssen den geheimnisvollen Schlüsselmacher finden, der alle Zugänge zur Matrix kennt. Der Schlüsselmacher ist ein kleiner Asiate und wird von zwei Albino-Zwillingen bewacht, die sich als gefährliche Gegner entpuppen. Zwar gelingt es Trinitiy und Morpheus, den Schlüsselmacher zu befreien, aber der einzigste Ausweg ist nur über den Freeway zu erreichen. Morpheus hatte immer vor dem Freeway gewarnt und in der Tat scheint er das Ende unserer Helden zu bedeuten, denn neben den Zwillingen sind ihnen noch Agenten auf der Spur, die in die Körper der zahlreichen Fahrer schlüpfen können und somit jedes Vehikel zu einer tödlichen Gefahr werden lassen.
Aber auch Neo hat so seine Probleme. Ex-Agent Smith ist zurück, Smith scheint nun kein Teil des Systems mehr zu sein und ist zu einer Art Virus mutiert, der sich beliebig oft duplizieren kann und auch andere Menschen infizieren kann, deren Geist in der realen Welt vergiftet wird. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. 72 Stunden haben sie Zeit, die Menschheit und Zion zu retten ...
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Mehr sollte man auf keinen Fall über die Story verraten, damit man
"Matrix Reloaded" noch so richtig geniesen kann. Der zweite Teil der Saga setzt diesmal deutlich mehr auf Action denn auf Handlung und verliert sich fast in den phänomenalen und spektakulären Actionszenen.

Dies ist aber auch kein Wunder, so hatten die
Wachkowski-Brüder doch wesentlich mehr Geld zur Verfügung und konnten nun endlich ihre Detailverliebtheit ausleben. Dies merkt man vorallem an der Stadt Zion, die man jetzt zum ersten Mal zeigen konnte und sofort richtig zugeschlagen hat, was das Set-Design angeht.
"Matrix Reloaded" ist ein Actionspektakel der Sonderklasse und zelebriert 130 Minuten Zerstörung und Action par excellance. Von Anfang an gibt es so gut wie keine Verschnaufpause und eine Actionsequenz jagt die nächste. Zu erwähnen seien die oben schon angesprochene Szene mit den 100 Agenten, die gegen Neo kämpfen, rüber zum Kampf beim Schlüsselmacher bis hin zur genialen Freeway-Szene. Nach diesen hammermäßigen 14 Minuten Speed steht eindeutig fest, dass
"Matrix Reloaded" im Bereich Action der Kracher des Jahres wird. Wer jetzt aber denkt, ich schwelge in Euphorie, der hat sich getäuscht, denn
"Matrix Reloaded" ist nicht unbedingt die Fortsetzung, die man sich erwartet hat. Aber sind wir ehrlich, was haben wir überhaupt erwartet?
Es war doch so: Bei Teil 1 sind wir ganz frei und ohne jegliches Vorwissen was die Matrix ist ins Kino gegangen und erlebten einen Film, der das Genre revolutionierte. Das kann bei
"Matrix Reloaded" einfach nicht mehr passieren, dafür fehlt es ihm eindeutig an Innovation. Jeder weiß, wer oder was die Matrix ist und dass Neo der Auserwählte ist. Somit wirken die Kämpfe nur halb so interessant, zumal man den Fehler gemacht hat und die "Neo gegen Smith x 100" Szene viel zu lang in den Kino-Trailer integrierte. Dadurch geht dem Film etwas an Spannung

verloren. Dafür sind aber andere Szenen, wie die Befreiung des Schlüsselmachers umso spannender geworden, aber Action alleine ist einfach nicht alles. Und daran kränkelt
"Matrix Reloaded" zumindestens auf dem ersten Blick.
Man versucht hier nach und nach die Geschichte nach vorne zu bringen, was nur bedingt funktioniert. Man schwankt hier immer zwischen Genialität und Banalität, so z.B. das Einführen neuer Kommandeure und den neuen Operator, die in das typische Klischee eines jeden Action- oder Kriegsfilmes passen, aber den Film in keinster Weise aufwerten. Auch
Jada Pinket Smith als Niobe hat zumindest jetzt noch eine unsagbare Rolle und gibt sich megacool als Ex-Frau von Morpheus. Die gigantische Party in der Stadt Zion mit dem religiösen Anstrich ist nett anzusehen, wirkt aber für einige kitschig und könnte auch eine Szene aus
"Independence Day" mit anderen Dialogen sein.
Die Geschichte verläuft sich in den zahlreichen Actionszenen etwas und erst im letzten Drittel entfaltet sich der Film und die Story bietet sogar

richtige Überraschungen. Hier wird alles, was man glaubt zu wissen, durcheinander gewürfelt und leitet mit einem Cliffhanger
"Matrix Revolutions" ein, der jetzt schon verspricht viel düsterer und bedrohlicher zu werden als Reloaded.
Hier werden viele Anspielungen gemacht, die ich jetzt nicht unbedingt verraten möchte. Auf jeden Fall spielt die Liebe eine große Rolle und man sollte einfach mal drauf achten, wie oft Gefühle und Liebe im Mittelpunt des Filmes stehen und auch die längste und beste Dialogszene mit dem Architekten der Matrix klärt einige offene Fragen, lässt aber wiederum dreifach soviele unbeantwortet im Raum stehen.
Das ist es auch, warum
"Matrix Reloaded" so schwer zu bewerten ist. Der Film ist als Teil eines Ganzen zu sehen, der im November komplett sein wird. Erst dann lösen sich hoffentlich alle Fragen auf und man kann den Film mit anderen Augen sehen.
Aber da müssen wir noch 6 Monate warten und können nur spekulieren und uns ausmalen, was sein könnte ... wenn
"Matrix Revolutions" anläuft.