Für Charley Brewster könnten die letzten Monate an der High School nicht besser laufen. Er gehört zu den coolen Kids der Schule und geht mit Amy, dem heißesten Mädchen von allen, aus. Kein Wunder, dass er seinen langjährigen, aber verschrobenen Freund Ed mit seinen Vampirgeschichten nicht mehr besonders ernst nimmt. Doch das entpuppt sich schnell als Fehler, als in Charleys Nachbarschaft ein attraktiver Fremder namens Jerry einzieht, mit dessen Auftauchen sich gleichzeitig Fälle von Vermissten häufen ...
Während nicht nur Charleys Mutter dem Charme des neuen Nachbarn erliegt, muss ihr Sohn schnell feststellen, dass Ed mit seinem Verdacht tatsächlich Recht hat: Jerry ist ein Vampir – und Charleys Umfeld sein Jagdgebiet. Weil niemand ihm Glauben schenkt, bleibt dem Schüler nichts anderes übrig, als die Sache selbst in die Hand zu nehmen und dem blutigen Treiben ein Ende zu bereiten. Jerry entgeht allerdings nicht, dass jemand hinter sein dunkles Geheimnis gekommen ist, so dass es für Charley, seine Mutter und seine Freunde bald selbst ums Überleben geht ...
"I thought you needed an invitation!" - Charley
"Don't need an invitation if there's no house." - Jerry
Über Sinn und Unsinn eines Remakes zu
"Fright Night" kann jeder denken, wie er will, doch eins muss man einfach vorweg nehmen:
"Fright Night" ist mit Abstand das beste Remake der letzten Jahre. Auch wenn es niemand erwartet hätte, aber der außerhalb der Werbespot-Branche recht unbekannte Regisseur
Craig Gillespie (
"Mr. Woodcock") macht hier weitgehend alles richtig.
Dies mag an diversen Kriterien liegen, die erst einmal etwas befremdlich erscheinen mögen, denn schließlich geht man in ein Hollywood-Remake und erwartet mittlerweile leider zwangsweise eine 1:1-Kopie des Originals. Und genau das geschieht in
"Fright Night" nicht. Dieser löst sich komplett vom Zwang, wie das Original sein zu müssen, behält den Ausgangspunkt der Geschichte und deren Charaktere und würfelt alles einmal ordentlich durcheinander, um an Ende einen eigenständigen und deshalb so unterhaltsamen Film zu servieren, der völlig losgelöst vom 1985er
Original hervorragend funktioniert.
Dabei gehört der Prolog noch zu den schwächsten Momenten im Film, unterscheidet sich aber bereits komplett vom
Original und zeigt einen Jungen, der in seinem Familienhaus vor etwas flieht, das seine gesamte Familie abgeschlachtet hat. Im Hintergrund sieht man bereits den Werbespot zu Peter Vincents Magic-Horror-Show "Fright Night". Zwar ist der Anfang etwas zu traditionell gestaltet, gibt aber direkt das Tempo vor, mit dem es in
Gillespies Film weiter geht. Man verzichtet auf allzu lange Einführungen der Darsteller, deren Charaktere ohnehin nur typische Stereotypen darstellen. Der Zuschauer wird lediglich entdecken, dass mit
Marti Noxon eine Frau auf das Drehbuch angesetzt wurde, deren Wurzeln bei Serien wie
"Buffy" und
"Angel" liegen.
Im Gegenteil zur 1985er
Version ist Charley hier kein Horrorfilmfan, der in seinem dunklen Zimmer alte Horror-Klassiker schaut und Chips frisst, während seine Freundin Amy lieber mit ihm kuscheln möchte, sondern ein heranwachsender Jugendlicher, der die Last der Welt auf seinen Schulter zu tragen glaubt. Er lebt mit seiner Mutter (bezaubernd, aber zu wenig Screentime
Toni Collette,
"The Sixth Sense") allein in einem kleinen Vorort von Las Vegas, ist schwer verliebt in die hübsche Amy (
Imogen Poots) und möchte alles, nur kein Außenseiter wie sein einst bester Freund Ed sein. Aber gerade Ed sucht immer wieder den Kontakt zu Charley. Als immer mehr Jugendliche verschwinden, was leider im Film zu wenig thematisiert wird - es wundert irgendwie niemanden, dass komplette Familien verschwinden -, ist Ed sich sicher: Ein Vampir treibt in der Nachbarschaft sein Unwesen.
Somit ist der Ausgangspunkt der Geschichte ein gänzlich anderer. Die Idee, Charley Brewster zu Beginn als Ungläubigen hinzustellen, der erst durch Eds verschwinden auf seine gruseligen Nachbarn aufmerksam wird, ist durchaus nett, wirkt in der Umsetzung aber etwas holprig. Dies geht zu Lasten der Glaubwürdigkeit, muss sich dem ohnehin etwas zu hastigen Anfang unterordnen und dient nur dazu, Brewster schnell auf die Spur des Vampirs zu bringen. Ed, gespielt von
Christopher Mintz-Plasse (
"Kick Ass") wird dafür bereits im ersten Drittel (vorerst) aus dem Rennen genommen, als er eine unliebsame Bekanntschaft mit Charleys Nachbarn Jerry macht.
Das ist insofern nicht schlimm, weil
"Fright Night" trotz einiger etwas ungeschliffener Erzählweisen genügend Eigenständigkeit besitzt und komplett neue Ideen vorzuweisen hat. So hat Charleys Nachbar hier keinen Gehilfen und sein begehbarer Kleiderschrank entpuppt sich als Gefängnis für seine Opfer. Zudem spielt Jerry von Anfang mit dem Jungen, der in dessen Haus einbricht und ein Mädchen befreit, während Jerry gesättigt von ihr, vor dem Fernsehen hockt, sich Talkshows anschaut und genüsslich einen Apfel isst. Was Charley nicht weiß: Das Mädchen ist bereits infiziert und draußen ist soeben die Sonne aufgegangen ...
Von hier an geht es auch schnell rund in
"Fright Night". Man darf insbesonders von
Colin Farrells Leistung positiv überrascht sein. Er spielt den Vampir mit Eleganz und steht
Chris Sarandons Spiel in nichts nach, muss sich aber leider den nicht immer gelungenen CGI-Effekten geschlagen geben. Im
Original war
Chris Sarandons Make-Up zwar auch etwas albern, aber dafür Hand gemacht. Hier wirken die hässlichen Vampirfratzen ähnlich misslungen wie bereits in
"Van Helsing". Weniger ist manchmal mehr.
Chris Sarandon bekommt übrigens ein sehr schönes und überraschendes Cameo, was bei Kennern des
Originals für Begeisterung sorgen wird. Das jüngere Publikum wird dies leider nicht wahrnehmen und demzufolge auch nicht zu würdigen wissen.
Trotz aller CGI-Lastigkeit in
"Fright Night" darf die bekannte
KNB-FX Group ein wenig "Handmade"-Effekte einbauen, welche dann überwiegend auf die Sequenz mit "Evil Ed" zutreffen, der im zweiten Akt noch seinen großen Auftritt bekommt. Dabei spielt
Christopher Mintz-Plasse den verschrobenen Nerd von nebenan so, wie man es von ihm gewohnt ist - er scheint sich für immer in diesem Rollenschema festgefahren zu haben. So darf
Mintz-Plasse genauso übertrieben agieren wie damals
Stephen Geoffrey, nur dass diesmal auf die etwas übertriebene Werwolf-Szene verzichtet wird. Wobei es auch hier einen Verweis auf das Original gibt, als die hübsche
Imogen Poots in Peter Vincents Memorabiliensammlung einen alten, mit Silberkugeln geladenen Revoler auf Jerry richtet, abdrückt und dieser ihrer Aktion nur mit einem müden Lächeln und einem kurzen Spruch kommentiert.
Poots selbst spielt das Mädchen an Charleys Seite, wirkt aber durchaus tough und stellt eine Bereicherung im Cast dar. Die zwei Jahre nach dem
Original durch
"Eine schrecklich nette Familie" bekannt gewordene
Amanda Bearse war hingegen nervig. Sie ist wegen ihrer Rolle als Marcy D'Arcy heutzutage noch weniger zu ertragen als damals. Hier hat man gut daran getan
Poots (
"28 Weeks later") Rolle mehr Stellenwert zu geben, so dass sie sich zu Beginn zumindest gegen Jerry wehren kann. Die Discoszene von damals wurden im Übrigen in ähnlicher Weise übernommen, nur dass Charley diesmal von der Security aufgehalten wird und mit ansehen muss wie Jerry seine Geliebte beißt und verschleppt.
Brewster wird von
Anton Yelchin verkörpert, der als Kyle Reese aus
"Terminator: Die Erlösung" bekannt wurde und aktuell als Chekov im neuen
"Star Trek"-Franchise zu sehen war. Er entpuppt sich wesentlich weniger als jene Fehl Fehlbesetzung, als die man ihn anfänglich betrachtete.
Der meist umstrittene Charakter im neuen
"Fright Night" wird Peter Vincent sein, der im
Original vom großartigen
Roddy McDowall verkörpert wurde. Die alternde Horrorfilm-Ikone, die in
Hollands
Film von Charleys Freunden arrangiert wurde, um zu beweisen, dass dessen Nachbar kein Blutsauger ist, bekommt im 2011er Remake eine komplette Frischzellenkur und ist jetzt nicht nur um einiges jünger, sondern auch kein Horrorfilm-Darsteller mehr.
Klingt erst einmal gewagt, aber wenn man sich darauf einlässt, dann ist Peter Vincent 2.0 ein Charakter, den man schnell lieb gewonnen hat. Er versteckt sich hinter einer Maske aus Arroganz, Selbstverliebtheit und ersäuft sich in Alkohol. Zudem ist sein ganzer Auftritt nur reine Fassade. An ihm ist nichts echt. Weder Haare, Bart, Piercings, noch die Tattoos. Doch für Charley scheint er trotzdem die einzige Rettung zu sein, denn wenn ihm nicht Peter Vincent, der in Las Vegas mit seiner Magic-Horror-Show "Fright Night" Millionen macht und einen riesige okkulte Antiquitätensammlung sein Eigen nennt, glaubt, wer dann? Der Trunkenbold lässt Charley abblitzen, ändert aber später seine Meinung, da Jerry der gleiche Vampir ist, der Vincents Eltern getötet hatte. Irgendwoher muss die Motivation ja kommen und dabei ist es ganz egal aus welcher Mottenkiste die Autoren diese Idee heraus kramen.
Gespielt wird Peter Vincent von
David Tennant. Der gebürtige Brite, der bis 2009 noch den Doktor in
"Dr.Who" miemte, neigt hier eindeutig zum Overacting wie man es schon bei seiner Serie liebte. Leider ist das erste Zusammentreffen mit Brewster arg aufgesetzt und etwas gezwungen, wobei
Tennant hier einen wirklich tolle Szene spielen darf, in dem er sich vor Charley langsam vom Großen "Star" Peter Vincent in das "Große" Arschloch Peter Vincent verwandelt (einfach genial wie er sein Kostüm nach und nach ablegt) und ihm am Ende seinen künstliches Piercing entgegen wirft.
Es wird sicherlich einige geben, die sich über
"Fright Night" aufregen, den Film schlecht reden und verteufeln. Man mag vom Film halten was man will, doch man muss den Machern zugute halten, dass
"Fright Night" konsequent in der Umsetzung ist, das Original mit Respekt behandelt, teilweise weniger kitschig ausfällt und nicht mit blutigen Effekten geizt, was man von einer
Disney Produktion nicht erwartet hätte.
Das Ende erinnert ein wenig an
"The Lost Boys", wenn beide sich in voller Montur auf den Weg machen um Charleys Freundin zu retten. Doch gerade hier bietet der Film noch einen kleine Überraschung für die beiden Vampirjägern und natürlich auch den Zuschauer ...
Der Sprung von 1985 ins Jahr 2011 ist durchweg gelungen. Der neue Jerry ist böser und aggressiver als seine 80er Jahre-Version. Wie er es schon sagte:
"Wo kein Haus ist, muss ich auch nicht um Einlass bitten.".
Ferrell spielt den bösen Vampir überraschend gut. Man hätte ihm aber mehr Freiraum lassen sollen, sprich: weniger CGI-Effekte zugestehen sollen. Die Action funktioniert und ist spannend inszeniert.
Man verzichtet auf einen allzu hektischen Schnitt und hat viele langsame Kamerafahrten eingebaut, u.a. in der Verfolgungsjagd Richtung Las Vegas. Auch die Sequenzen in Peter Vincents Apartment, als der versoffene Star sich im Panik Room verbarrikadiert und die beiden Kids allein mit zwei psychophatischen Vampiren lässt, ist ebenso spaßig wie das Finale, als
Tennant so richtig die coole Sau rauslassen darf, mit einem antiken Pflockgewehr herumballert und über eBay schimpft, als seine Waffen mittendrin den Geist aufgibt.
Der Humor ist sicherlich nicht subtil, aber gut platziert. Wer allerdings erwartet, dass hier das Rad neu erfunden wird, sollte lieber zuhause bleiben. Wer nicht damit zurecht kommt, dass das Remake alles anders macht und dennoch das
Original zitiert, soll es gleichtun. Im übrigen war die 1988er
Fortsetzung im weitesten Sinne auch nichts anderes als ein Remake.
"Fright Night" gehört zu den besten Remakes der letzten Jahre. Ihm gelingt es, 106 Minuten prächtig zu unterhalten, er wird niemals langweilig, hat viele Verweise zum
Original und ist weit entfernt vom derzeit so beliebten
"Twilight"-Kitsch. Mit diesem wurde der Film vorab verglichen, ohne dass ihn bis dahin irgendwer in Deutschland gesehen hatte. Regisseur
Craig Gillespie zeigt den
Robert Pattinson geschädigten Kids endlich mal, wie ein guter Vampirfilm auszusehen hat, und das muss man ihm hoch anrechnen. Leider sehen die Amerikaner das komplett anders, denn dort scheint der Film gerade ein großer Flop zu werden. Man darf gespannt sein, wie die deutschen Besucher im Oktober auf
"Fright Night" reagieren werden.
Ich würde es dem Film wünschen, ein Kassenerfolg zu werden, auch wenn die 3D-Technik mittlerweile mehr abschreckt als die Leute wirklich ins Kino lockt. Zu hohe Eintrittspreise und nur mäßige Effekte machen die Technik nicht gerade attraktiv, zumal
"Fright Night" auch nur in 3D konvertiert wurde. In 2D werden die meisten aber durchaus ihren Spaß haben. Für mich ist
"Fright Night" auf jedenfall einer der unterhaltsamsten Horrorfilme des Jahres und das mit allen seinen Stärken und Schwächen.