It’s a trap!
"Certainly there is no hunting like the hunting of man and those who have hunted armed men long enough and liked it, never really care for anything else thereafter", schrieb
Ernest Hemingway in seiner Kurzgeschichte
"On the Blue Water", die 1936 im Esquire erschien. Ein Zitat, dass es in
Robert Rodriguez’ Fortsetzung
"Predators" geschafft hat, dem dritten Film über eine außerirdische Rasse von (Menschen-)Jägern. Vor über zwanzig Jahren wurde mit dem Predator ein Exemplar dieser Rasse auf den über-Mensch an sich,
Arnold Schwarzenegger, losgelassen. Seither genießt der Predator Kultstatus neben seinem älteren Bruder, dem Alien. Einer der Gründe, weshalb beide Figuren anschließend aufeinander losgelassen wurden und es damit zuletzt auch zu zwei Kinofilmen brachten. Ein Unterfangen, dass beiden Wesen mehr Schande als Ruhm einbringen wollte, weshalb sich ihre Anhänger - auf der einen Seite
"Alien"-Schöpfer
Ridley Scott, auf der anderen Seite
Robert Rodriguez - nun mit individuellen Se- oder Prequels anschicken, ihre Ehre wieder herzustellen.
Die Geschichte von
Rodriguez und
"Predators" ist eine Längere, typisch Hollywood und wie viele andere solcher Geschichten fast ihren eigenen Film wert. Vor sechzehn Jahren sollte der Mexikaner bereits das Drehbuch für einen dritten Teil schreiben, das Projekt verlief sich dann im Sande - typisch Hollywood eben. Was lange währt, wird also endlich gut.
Rodriguez durfte das Drehbuch schreiben, den Film in seinen eigenen Troublemaker Studios produzieren und ein illustres Ensemble engagieren, angeführt vom Oscarpreisträger
Adrien Brody. Die Regie übernahm
Nimród Antal, ein ebenfalls erklärter Fan des ersten Teils und inzwischen etablierter Retro-Regisseur in der Traumfabrik. Nach dem Old-School-Horror-Thriller
"Motel" und dem Old-School-Actioner
"Armored" nun also sein Sequel zu einem Klassiker aus den Achtzigern. Was jedoch bereits in seinen vergangenen Filmen lediglich im Ansatz gelang, vermag ihm auch in
"Predators" nicht vollends zu gelingen. Schuld hieran trifft jedoch auch
Rodriguez’ überladenes Drehbuch.
Dabei ist die Prämisse des Filmes viel versprechend, auch wenn der Einstieg aufgrund seiner schlechten digitalen Effekte (vielleicht, weil
Rodriguez sie selbst überwachte?) nur bedingt gefällt. Eine Gruppe von militärisch geschultem Personal landet in einer Dschungellandschaft. Wie sind sie hierhergekommen? Und zu welchem Zweck? Ein beliebtes Schema, zuletzt eher mittelmäßig in "Unknown" umgesetzt, überzeugender dagegen 1997 im Indie-Hit
"Cube". Da gibt es den RUF-Kämpfer aus Sierra Leone, der nach einer Stadt in Kenia benannt ist (
Mahershalalhashbaz Ali), einen russischen Soldaten, der passender Weise auf den Namen Nikolai hört (
Oleg Taktarov), einen mexikanischen Kartell-Vollstrecker, der "Chuchillo" (dt. Messer) heißt, aber mit zwei Wummen rum rennt (
Danny Trejo), einen japanischen Yakuza namens Hanzo (
Louis Ozawa Changchien) und dann schließlich noch drei Figuren, mit verhältnismäßig normalen Namen: US-Serienkiller Stans (
Walton Goggins), die israelische Scharfschützin Isabelle (
Alice Braga) und Söldner Royce (
Adrien Brody).
Die glorreichen Sieben, zu denen sich mit dem Arzt Edwin (
Topher Grace) ein unscheinbarer Achter dazugesellt, der relativ früh veranschaulicht, wie unausgegoren
Rodriguez’ Drehbuch ausgefallen ist. Zwischen all den geschulten Killern, auf ihre Art und Weise von
Bragas Figur im Film selbst als
Predators ausgemacht, platzieren die außerirdischen Menschenjäger nun also einen Hänfling. Dessen Anwesenheit wird nicht einmal dann von den anderen Figuren hinterfragt, als diese bereits Sinn und Zweck ihrer Anwesenheit ausgemacht haben (
"This planet is a game reserve. And we're the game"). Dementsprechend hat Edwin natürlich eine eigene Geschichte und ist - zumindest bis diese erzählt ist - quasi für die Predators
untouchable. Was Jagdszenen auf ihn dementsprechend die Luft aus den Segeln nimmt.
Robert Rodriguez’ Bohai um Edwins Hintergrund ist dann wahrlich erschreckend naiv, lässt seine Anwesenheit inmitten der Anderen doch nur einen wirklichen Schluss zu, der sich schließlich natürlich auch bewahrheitet.
Eine primäre Funktion erfüllt Edwin also eher als Identifikationsfigur, als Normalo unter lauter "Wilden", der durch einige schiefe Blicke und manches "Fuck!" den Zuschauer im Geschehen ersetzen soll. Ob das von Nöten gewesen wäre, ist dagegen die andere Frage. Es ist daher weniger Edwins Anwesenheit, die stört, als vielmehr jenes fehl platzierte Bohai seines Schöpfers. Bei einer anderen Figur lässt sich dies noch nicht einmal sagen.
Laurence Fishburne, von
Antal aus dessen
"Armored" ins Boot geholt, gibt mit seinem Noland eine 1.0-Variante der restlichen Charaktere. Einen Veteran im Kampf gegen die Predators, seit zehn (Jagd-)Saisons auf dem Planeten - auch wenn dies, man erfährt es zum Schluss, nicht viel heißen muss. Eine vielleicht nicht nutzlose, aber doch verschenkte Figur, die wenig Interessantes beizutragen hat -
Bragas Charakter liefert die essentiellen Hintergrund-Fakten - und somit eigentlich ihre Daseinsberechtigung verwirkt. Umso erschreckender, dass
Rodriguez über ein Noland-Prequel zum Sequel nachdenkt.
In weitere Hinsicht folgt der neue
"Predator"-Teil den Vorgaben anderer Drittteiler wie
Joe Johnstons
"Jurassic Park III". Hier bedarf es einer neuen Rasse beziehungsweise eines anderen Stammes von Predators, was hinsichtlich der Tatsache, dass sie mit derselben Technik jagen und ohnehin ihre Gesichter hinter Masken verbergen, wenig Sinn ergeben will (selbst der "Plottwist" - bewusst in Anführungszeichen gesetzt - entschuldigt dies nicht). Hinzu kommen Predator-Hunde und Predator-Falken, die jedoch wie
Fishburne oder
Trejo kaum Etablierung ins Geschehen erfahren und rasch zu den Akten gelegt werden. Der strukturelle Aufbau von
"Predators" wirkt so bisweilen reichlich gehetzt, sowohl im Einzelnen, wie Ganzen betrachtet. In Anbetracht der Tatsache, dass sieben ausgebildete Killer plötzlich nicht nur auf Jemanden, sondern auf Fremde angewiesen sind, spart
Rodriguez jegliches Konfliktpotential aus (konträr dazu werden Stans und Mombasa mittels eines Kampfes eingeführt, dessen Ursache der Zuschauer nie erfährt).
Kurzum: der Film hätte besser sein können, schon allein durch Verzicht auf die Figuren von Noland und Edwin. Ansonsten ist
"Predators" jedoch ganz nett ausgefallen. Nicht überragend, nicht im Gedächtnis bleibend, aber auch kein sonderliches Ärgernis.
Rodriguez baut einige nette Verweise ein, beispielsweise darf
Fishburne
"Apocalypse Now" zitieren und auch
"Das Imperium schlägt zurück" erfährt eine amüsante Referenz. Das Ensemble wiederum erscheint gelungen besetzt, von
Taktarov über
Trejo bis hin zur (wie immer) leckeren
Braga und Oscarpreisträger
Brody, der eine glaubhafte Transformation zum Actionhelden erfährt. Weniger gelungen sind die Effekte von
Señor Rodriguez ausgefallen, auch
Antals Musikwahl im Abspann wirkt ziemlich befremdlich. Grundsätzlich bleibt jedoch bestehen, dass die Prämisse des Filmes Potential hat. Weshalb die Möglichkeit bestünde, dieses in einer weiteren Fortsetzung (und bitte kein Noland-Prequel) entsprechend auszuschöpfen. Denn die Ehre von
"Predator" ist hiermit noch lange nicht wiederhergestellt.