"They survived the terror ... but they can't escape their destiny."
Nach den immer schlechter werdenden
"Halloween"-Fortsetzungen, denen
"Halloween: Ressurection" die Krone aufsetzte, brachte
Rob Zombies Neuinterpretation frischen Wind in die seit Jahren verwesenden Filmreihe. Bei Kritiker und Fans stieß die 2007er Version jedoch auf unterschiedliche Meinungen, denn wer mit dem Stil
Zombies bzw. seinen vorherigen Filmen schon nichts anfangen konnte, der hatte für seinen
"Halloween" ebenfalls nicht viel übrig. Dabei zeigte der ambitionierte Regisseur sein Talent fürs Filmemachen mehr als deutlich und bewies, dass die Reihe einen neuen Anstrich und neue Ideen mindestens seit dem
dritten Aufguss mehr als nötig hatte.
Zombie schuf dabei seine eigene Welt, die aufgrund
Carpenters Original jedoch gewissen Regeln unterlag - zumindest in den Köpfen der Fans. Er kopierte nicht einfach das Original, sondern wagte den großen Sprung und strukturierte
"Halloween" nahezu komplett neu. Sein Alptraumszenario ist das eines kleinen blonden Jungen, der in einer Welt jenseits von Gute-Nacht-Geschichten und Plätzchen unter dem Weihnachtsbaum aufwächst. Die Auswüchse dieser Fußboden-Gesellschaft zeigten sich in
Zombies Verfilmung, denn es herrschen rohe Gewalt und ungezügelte Aggression vor, vermischt mit stinkenden Schweiß und harter Rock-Musik. Es wird gezeigt, was ein zerrüttetes Familienhaus aus einem ohnehin schon labilen, jungen Menschen machen kann und damit Michael Meyers' Vergangenheit durchleuchtet.
Man sprach damals von "Gotteslästerung", von einer Demontage eines Klassikers, doch das mag auf fast jede Fortsetzung der Reihe zutreffen (ausgenommen der wirklich gute
"H20"). Dennoch,
Rob Zombie erschuf mit seiner 2007er Verfilmung etwas ganz besonderes, nämlich einen Teil der Reihe, der mit seinem Original zwar nicht mehr viel gemein hatte, aber doch unverkennbar ein echter
"Halloween" ist. Er öffnete damit Tür und Angel für seine ganz eigene Interpretation des Stoffes, die neben
Carpenters
Original zu den besten Filmen dieser Horror-Reihe gehört. Willkommen in der Welt des
Rob Zombie ...
Trotz aller Kritiken schlug
Zombies Reboot ein wie eine Bombe. Es war also nicht verwunderlich, dass eine Fortsetzung nachgeschoben wird.
Zombie verweigerte sich vorerst, hatte aber bereits ein Skript für einen weiteren Film fertig und wollte nun verhindern, dass seine Idee von einem anderen Regisseur zerstört werden würde. Somit übernahm er zwar wieder den Regiestuhl, kündigte im Vorfeld jedoch an, dass er für den geplanten dritten Teil definitiv nicht mehr zur Verfügung stünde.
Bei den Fans und den Kritikern stieß
"Halloween 2" auf Ablehnung und konnte im Gegensatz zu seinem Vorgänger nicht einmal an den Kinokassen den erhofften Erfolg erzielen. In Deutschland hat sich (vermutlich deswegen) noch kein Verleiher gefunden - und das kurz vor Halloween. In den Niederlanden und in England startet der Film jedoch noch diesen Oktober offiziell im Kino.
"Look at me, what is going on? Just let me call my dad, okay? We can talk to him." - Annie
"You know what, I have a message for your dad! Tell him that Angel says "Fuck you!" - Laurie
"Who is Angel? Laurie!" - Annie
Wirklich nachvollziehbar sind die schlechten Kritiken nicht, denn im Grunde ändert sich nicht viel im Vergleich zum Vorgänger, außer dass
Rob Zombie sich nun komplett von seinen Ketten löst und dem Zuschauern eine Version vorsetzt, die absolut nichts mehr mit
Carpenters Original zu tun hat. Er hält keine der ungeschriebenen Regeln seiner Vorgänger ein, zeigt dafür immer öfter Michael ohne seine Maske und geht noch tiefer auf seine Psyche ein. Zudem ist die Fortsetzung des Remakes noch düsterer, brutaler und vulgärer als sein Vorgänger, denn obwohl vieles nur außerhalb der Kamera passiert, schmeckt man förmlich das geronnene Blut. Mit der grobkörnigen Optik eines 16mm-Films entführt uns
Zombie für 98 Minuten in eine neue Dimension des Terrors, bei der sein Michael Meyers voller Wut und Gewalt gegen seine Opfer vorgeht. Es gibt keine Stalking-Szenen mehr, stattdessen taucht er hinter seinem Opfer auf und mäht es förmlich um. Er begnügt sich nicht mehr mit kurzen Einstichen, sondern hört selbst nach dem offensichtlichen Tod nicht auf, den blanken Stahl in die Eingeweide zu treiben. Zudem hören wir erstmalig in einem
"Halloween"-Film Myers bei den Attacken Geräusche von sich geben. Wenn er fünfzehnmal hintereinander auf sein am Boden liegendes Opfer einsticht, wird seine Anstrengung und Wut für den Zuschauer hörbar. Ein Stilbruch? Vielleicht! Doch all das macht die neue Figur so interessant.
Bevor
"Halloween 2" nahtlos an seinen Vorgänger anknüpft, sehen wir eine kleine Rückblende mit dem jungen Michael Meyers, der diesmal von
Chase Wright Vanek verkörpert wird (sein Vorgänger war
Daeg Faerch). Gründe für den Darstellerwechsel lassen sich nicht finden, jedoch macht auch
Chase seinen Job sehr gut. Zusammen mit seiner Mutter (erneut
Sheri Moon Zombie) sitzt der junge Michael in der Psychiatrie und vermittelt ihr, dass er nach Hause will. Wir erfahren von seinen Träumen, in dem ein Geist in einem weißen Kleid mit einem weißen Pferd zu ihm kommt und ihn den Weg nach Hause zeigt.
15 Jahre später: Wir sehen wie Laurie Strode (
Scout Taylor-Compton) absolut desorientiert, mit einer Pistole in der Hand und blutüberströmt nachts über die Straße läuft. Sheriff Leigh Brackett (
Brad Dourif) findet sie und bringt sie ins nächste Krankenhaus. In schneller Schnittfolge werden die Ärzte gezeigt, die versuchen sie wieder zusammen zu flicken. Ihr Körper gleicht einem Schlachtfeld: gebrochene Knochen, tiefe Schnittwunden, Blutergüsse am ganzen Körper. Zur gleichen Zeit wird Dr. Loomis ebenfalls in ein Krankenhaus eingeliefert und Michael Meyers' angeblicher Leichnam wird mit einem anderen Transport abgefahren. Dieser hat, wie sollte es auch anders sein, einen Unfall (diesmal ganz ohne Einwirkung von Meyers). Und der Horror beginnt von vorn ...
"You know who I am, Angel. Now, repeat after me: I love you, Mommy." - Deborah Myers
"I LOVE you, Mommy." - Deborah Myers
"I love you, Mommy." - Laurie Strode
Die ersten 10 Minuten sind ein Augenschmaus und stellen
Rob Zombies inszenatorisches Können unter Beweis. Das Krankenhaus wird für Laurie Strode zur Todesfalle, denn auf der Flucht vor ihrem Peiniger dezimiert Meyers das halbe Personal. Dies geschieht mit einer Brutalität, die es in sich hat, jedoch ohne jemals selbstzweckhaft oder übertrieben zu wirken. Wie oben bereits erwähnt, geschehen die meisten Morde im Off, wurden schnell geschnitten und sind sehr dicht an der Person dran, wodurch die Kamera verwackelt und der Zuschauer das Gefühl bekommt, direkt daneben zu stehen.
Zwar stellt sich das Massaker im Krankenhaus als immer wiederkehrender Alptraum heraus, doch da Meyers Leiche nie gefunden wurde, lebt Laurie auch ein Jahr später in Angst. Sie besucht eine Psychiaterin und versucht verzweifelt ihr normales Leben wieder aufzunehmen. Zusammen mit ihrer Freundin Annie (
Danielle Harris), die das Halloween-Fest vor einem Jahr ebenfalls überlebt hatte, wohnt sie bei dessen Vater, Sheriff Leigh Brackett, der versucht, die beiden das Vergangene vergessen zu lassen. Doch Annie verlässt nicht einmal mehr das Haus und Laurie versucht ihr Trauma mit Pillen zu kontrollieren. Da trifft es Dr. Loomis (erneut gespielt von
Malcolm McDowell) deutlich besser. Er ist der einzige, der aus den Vorfällen in Haddonfield Profit schlägt, Bücher veröffentlicht und in Talkshows auftritt. Er beteuert zwar immer wieder, dass ihm das Massaker sehr nahe geht, doch es scheint ihm im Grunde vollkommen egal zu sein, was damals passierte. Er weist sogar jegliche Schuld von sich - zumindest solange bis bei einer Autogrammstunde ein Vater ihm das Bild seiner toten Tochter auf den Tisch legt und kurz darauf versucht ihn zu erschießen.
"White Horse - linked to instinct, purity and the drive to the phsical body to release powerful and emotional forces, like rage with chaos and destruction." - excerpt from "The Subconscious Psychosis of Dreams"
Rob Zombie legt in seinem Sequel sehr viel Wert auf Charakterzeichnung. Für jede seiner Figur kreiert er eine eigene Hölle, die dieser zu durchgehen hat und verleiht der Geschichte somit ungeahnte Tiefe. Damit sagt er sich komplett vom Original los, wird noch düsterer und versprüht eine sehr depressive Stimmung. Mittels kurzer "heiterer" Momente, die Laurie mit ihren Freundinnen haben darf, wird die Stimmung zwar etwas angehoben, aber nur, um in der nächsten Sekunde die Aussichtslosigkeit sämtlicher Charaktere zu zeigen - spätestens sobald sie Meyers gegenüber stehen. Zudem hat der Film im Gegensatz zu vielen seiner Genre-Kollegen und Vorgängern keinerlei Hänger. Es stimmt einfach alles: vom Spannungsaufbau, über das Timing, bis hin zum nervenaufreibenden Score von
Tyler Bates, der auf das bekannte Thema verzichtet (nur im Abspann zu hören). Auch "Laurie's Theme" taucht nur ein einziges mal im Film auf. Dieser Stilbruch schadet
"H2" nicht - ganz im Gegenteil: Zusammen mit dem ohnehin fantastischen, weil konsequenten Ende stellt er den grandiosen Abschluss von
Rob Zombies Version dar und erzeugt in dem Moment, in dem die Credits die Leinwand herunterlaufen, eine wohlige Gänsehaut. Das schmeckt vielleicht nicht jedem, die meisten werden es sogar hassen, doch was der Mann hier tut, ist konsequent und absolut fantastisch.
Auch die Szene mit Michaels Mutter im weißen Gewand und dem weißen Pferd, die auf starke Proteste stieß, ist einfach eine konsequente Schlussfolgerung und eins der wichtigsten Elemente zu Charakterisierung von Michaels Psyche. Anhand einer Texteinblendung zu Beginn des Filmes (siehe Tagline) und dem Gespräch zwischen ihm uns seiner Mutter gut erläutert, ist sie fast immer da wenn Michael in Aktion tritt. Sie führt ihn, den kleinen unschuldigen Jungen, nach Hause und beschützt ihn vor all dem Bösen in der Welt. Das ist nicht nur visuell hervorragend umgesetzt, sondern bietet emotional packende Momente. Besonders zum Ende hin, wenn Laurie erfährt, dass sie Michaels kleine Schwester ist, erschließt sich uns ein grandioses Finale, welches nicht besser hätte sein können. Der Kreis schließt sich, die Familie ist wieder vereint ...
Das
Tyler Mane zum zweiten Mal in die Rolle des Michael Meyers schlüpft, stellt eine Premiere dar, schließlich spielte in den bisherigen Filmen immer jemand anders diese Rolle. So musste
Mane sich nicht umstellen, sondern konnte seine Figur unter der Maske weiterentwickeln, was der gesamten darstellerischen Leistung Meyers zugute kommt.
Mane Verkörperung des Bösen wird somit zur besten Meyers-Darstellung bislang. Es stört auch zu keinem Moment, dass Michael oftmals ohne Maske zu sehen ist, denn seine Antlitz wird gezielt durch Licht und Schattenspiele mystifiziert. Zudem ist das Design Meyers, welches zusammen mit
Mane und
Zombie entwickelt wurde, ein (Alp)Traum, weil absolut Furcht einflößend.
Mit
Danielle Harris ist eine Darstellerin an Bord, die bereits in drei weiteren
"Halloween"-Filmen mitspielte (
"Halloween 4 - Die Rückkehr des Michael Myers",
"Halloween V - Die Rache des Michael Myers" und das
Halloween-Remake) und hier ihre Rolle als Lauries Freundin wieder aufnimmt. Sie bekommt eine fantastische und sehr emotionale Szene, bei der selbst der Zuschauer schlucken muss. Es fällt nicht einmal auf, dass sie fast 13 Jahre älter ist als
Scout Taylor-Compton. Die Laurie Strode mit sehr viel Enthusiasmus und Aufopferungsbereitschaft spielt, weil ihr die Regie viel abverlangt. Sie hat durchaus das Zeug zu einer neuen Scream-Queen, denn dass was sie hier an Schmerzen und Leid über sich ergehen lassen muss, hat es wirklich in sich. Es gibt kaum eine Minuten, in der sie nicht schreiend durch das Bild rennt und um ihr Leben winselt.
Malcolm McDowells Charakter des Dr. Loomis wird dem Zuschauer mit sehr viel Antipathie vermittelt. Er spielt den selbstsüchtigen und geldgeilen Doktor mit einer Überzeugung, wie es besser nicht sein könnte und darf sich am Ende seiner Nemesis stellen. Die starke charakterliche Veränderung ist ebenfalls ein konsequenter Schritt in
Zombies Interpretation, schließlich galt Dr. Loomis einziger Lebensinhalt im Original der Vernichtung des Bösen.
Brad Dourif hat deutlich mehr Screentime bekommen und spielt seinen Charakter genauso wie alle anderen Darsteller im Film, nämlich sehr überzeugend. Das gilt auch für potenzielle Opfer wie
Brea Grant und
Angela Trimbur - insgesamt ist die Darstellerriege deutlich besser ausgefallen als beim ersten Teil. Es fehlen lediglich Cameos. Die sind zwar keine Pflicht, doch es wäre schön gewesen wie angedacht
John Carpenter in einer kleinen Gastrolle zu sehen. Leider ist aus diesem Vorhaben nichts geworden.
"Family Is Forever..."
"Halloween 2" ist ein beeindruckender, weil konsequenter Abschluss von
Zombies "Halloween"-Interpretation, der sich erfrischend anders gibt und doch unverkennbar ein echter
"Halloween" bleibt. Dank dem Losreißen von diversen, für Fans so wichtigen Aspekten wie Musik und Meyers Optik, sowie dem Verleihen von Tiefe und Emotionen ist es genau das, was der Reihe all den Jahren gefehlt hat: Seele. Die fehlt der Serie nach
Carpenters Original mit all den auf Zelluloid gerotzten Fortsetzungen nämlich.
Mit
"Halloween 2" kann
Zombie seinen Vorgänger um Längen toppen, zeigt einen harten, durchweg kompromisslosen Slasher, der düsterer nicht hätte sein können. Zudem ist die Wahl des Endes ein perfekter Schachzug, an dem sich nachfolgende Regisseure und Drehbuchautoren die Zähne ausbeißen dürfen. Würde
Zombie einen dritten Teil drehen, könnte man sich gut vorstellen, dass dieser ähnlich wie
"Season of Witch" in eine gänzlich andere Kerbe schlagen würde, was genau das Passende als Abschluss einer Trilogie wäre. Doch
Rob Zombie ist raus, Teil 2 gefloppt und mit
Patrick Lussier (
"My Bloody Valentine 3D") wurde eine neuer Regisseur gefunden. Der Titel steht auch schon fest:
"Halloween 3D". Und somit wird auf einen Zug aufgesprungen, der vermutlich entgleisen wird. Damit wird versucht konkurrenzfähig zu bleiben und den Verlust des zweiten Teils wieder einzufangen, anstatt die Probleme an anderer Stelle zu suchen, z.B. der Kinostart im Sommer und nicht zu Halloween. Das Drehbuch wurden in wenigen Wochen fertig gestellt, doch bisher ist noch nicht sicher, inwiefern
Zombies Ende aufgegriffen wird.
Dieser sitzt im Übrigen gerade an seinem Director's Cut, der zusammen mit der Kinofassung auf DVD und Blu-ray erscheint und eine gänzlich neue Schnittfassung des Filmes beinhalten soll. Es hört sich sehr interessant an ...