Yellow? What does that mean?
Der Giallo ist ein Genre im Genre, also ein Sub-Genre, wenn es so sehen will. Begründet von
Mario Bava in den sechziger Jahren erhielt der Giallo seinen Ursprung in Pulp-Romanen, die seiner Zeit einen gelben Umschlag hatten. Insofern ist das italienische
giallo (dt. gelb) der Namensgeber dieses Genres, welches neben
Bava mit
Dario Argento einen nicht minder bekannten Namen hervorgebracht hat. Dessen
"Suspiria" gilt bei Fans des Genres weithin als Meisterwerk. Umso natürlicher, dass mit
Argentos neuestem Giallo, der bezeichnenderweise auch
"Giallo" heißt und das Namensspiel noch etwas weiter treibt, große Erwartungen verknüpft sind. Auch wenn der legendäre Regisseur für einige Fans bereits "tot" ist, da er seit Jahren seiner Hochphase von vor zwei Jahrzehnten hinterher hechelt. Dabei enthält
"Giallo" eigentlich alle Zutaten, die man den Gialli zuschreibt. Es gibt einen Serienmörder, der hübsche Frauen jagt, und einen polizeilichen Ermittler, der versucht dies zu unterbinden. Da ließ es sich Oscarpreisträger
Adrien Brody (
"King Kong") nicht nehmen, neben seiner Funktion als Produzent auch noch die Rolle des Protagonisten wie Antagonisten zu spielen.
In Turin sterben hübsche Ausländerinnen, die des Nachts von einem mysteriösen Taxifahrer verschleppt und von diesem später misshandelt werden, ehe er ihnen die Lebenslichter ausbläst. Eine von ihnen ist das französische Topmodel Celine (
Elsa Pataky), die jedoch noch kurz mit ihrer großen Schwester Linda (
Emmanuelle Seigner), einer Flugbegleiterin, die zu Besuch ist, per Handy telefonieren kann. Am nächsten Tag sucht Linda dann die örtliche Polizei auf, wird von dieser jedoch nicht ernst genommen. Schließlich verweist man sie an Inspektor Enzo Avolfi (
Adrien Brody), der mit dem ominösen Taxi-Mörder-Fall betraut wurde. Gemeinsam beginnen Avolfi und Linda ihre Ermittlungen, die über eines der Opfer schließlich zum Krankenhaus führt. Wie es scheint, entpuppt sich der Mörder als Nierenkranker, der dank seiner Gelbsucht passender Weise Giallo getauft wird. Doch können Avolfi und Linda noch rechzeitig Giallo stoppen, ehe auch Celine das Schicksal der anderen Opfer blüht?
Zu Beginn ist
"Giallo" noch relativ solide.
Argento fabriziert einige ungewöhnliche Kameraeinstellungen und die Handlung lässt sich noch als solche titulieren. Nach einer Viertelstunde jedoch beginnt der Film sich allmählich von etwas, das man "Qualität" nennen könnte, zu verabschieden. Giallo, der von
Brody unter einem Anagramm und Pseudonym
Byron Deidra ebenfalls gespielt wird, wird ziemlich früh ein Gesicht gegeben und dazu noch eines, das aussieht wie John Rambo mit Gelbsucht. Der Antagonist verkommt hier zum degenerierten Spinner, der zu Porno-Comics grunzt und sich einen auf die selbstgeschossenen Bilder seiner Opfer runterholt. Wieso Giallo so
giallo ist, erklärt dann eine Rückblende, in welcher offenbart wird, dass seine Mutter einst während der Schwangerschaft Drogen gespritzt hat. Daher wohl die geistige Zurückgebliebenheit und die Nierenerkrankung. Ein traumatisches Mama-Erlebnis sorgt dann auch für die Motivation von
Brodys anderem Charakter, wobei Avolfis Rückblenden sogar noch lächerlicher sind als bei Giallo der Fall.
Dass er als Kind seine Mutter sterben sah, ist dabei nur das kleinste Übel. Später darf dann ein jugendlicher Avolfi jedoch den Mörder seiner Mutter in einer Metzgerei abschlachten, was vom Polizisten Mori (
Robert Miano) nicht nur beobachtet, sondern auch toleriert wird. „He understood", erklärt Avolfi schließlich Moris Reaktion, nachdem der Bub seine Sicht der Dinge erklärt hat. Nur eine von vielen Lächerlichkeiten in
Argentos Film, der mit dem idiotischen Höhepunkt aufwartet, dass Avolfi und der Leichenbeschauer während einer Autopsie genüsslich rauchen und der Leiche den Zigarettenrauch ins Gesicht pusten. Vielleicht liegt es im Genre des Giallo und dessen Pulp-Ursprüngen begründet, dass das Drehbuch möglichst dämlich sein soll, umgesetzt mit miesen Dialogen und noch mieseren Schauspielern. Dabei mag man sich streiten, ob
Brody als Avolfi noch schlechter spielt als in seiner Rolle des Serienmörders. Da wünscht man sich in der Tat, dass
Ray Liotta doch den Part von Avolfi übernommen hätte. Unterboten wird
Brody dann nur noch vom katastrophalen Spiel von
Emmanuelle Seigner, die mit dieser Leistung wohl den Tiefpunkt ihrer Karriere erreicht hat. Vorausgesetzt, wie gesagt, dass ein Giallo per se nicht seine Klasse daraus bezieht, dass alles an ihm möglichst schlecht sein soll.
Insgesamt betrachtet ist
"Giallo" ein furchtbarer Film, der die meiste Zeit total unstimmig daherkommt. Ist er zu Beginn noch ernst und relativ gelungen, driftet die Szenerie immer mehr ins Lächerliche. Die Ermittlungen von Avolfi sind ein Witz, das große Aufspüren von Giallo eine Ohrfeige für den Verstand des Publikums. Dass
Argento dann dennoch das Finale nochmals hinauszögert, kann daher nur als Beleidigung verstanden werden. Hinzu kommen die etlichen Echos von Avolfis Rückblende. Selbst beim Ende seines Filmes verpasst der Italiener noch den richtigen Absprung und ereifert sich stattdessen erneut in einer absurden Szene, die einzig und allein für einen potentiell harmonischen Ausklang sorgen soll. Wahrscheinlich reiht sich
Argento in die Schlange großer Regisseure wie
Spielberg,
Scorsese oder
Coppola ein, die ihren schöpferischen Höhepunkt vor etlichen Jahren hatten und nun verzweifelt versuchen an alte Stärken anzuknüpfen. Gelingen mag dies allerdings nicht und so kann man eigentlich nur dankbar sein, dass
"Giallo" schließlich nach anderthalb Stunden sein mehr als fälliges Ende findet. Da hat es der Film dann auch nicht einmal mehr verdient, dass man ihm Respekt zollt und den Abspann verfolgt.