(Lascars, Les, FR, D 2009)
Lascars
Regie: Emmanuel Klotz, Albert Pereira-Lazaro
Drehbuch:
Spezialeffekte: Julien Baret, Michel Pecqueur
Freigabe: ungeprüft
Genre: Animation, Komödie
Kamera:
Musik: Lucien Papalou, Nicholas Varley
Produzent: Philippe Gompel, Roch Lener, Emmanuel Franck
Länge: 96 Minuten
Dt. Start: 20.08.2009 (Fantasy Filmfest)
Cast: (Stimmen) Vincent Cassel, Diane Kruger, Omar Sy, Gilles Lellouche, Diam's, Hafid F. Benamar, Fred Testot, Frédérique Bel, Izm, Katsumi
"Pas de vacances pour les vrais gars!"
Als
gangsta hat man es nicht leicht, denn auch
gangsta müssen eine bestimmte Erwartungshaltung erfüllen. Da versteht es sich von selbst, dass man auch als
street thug mal Abstand braucht von seinem Straßenviertel. Und wo kann man besser entspannen als im karibischen Santo Rico? Als die beiden Pseudo-Gangster Narbé und Sammy am Flughafen jedoch wieder hinaus geschmissen werden, geht es um ihre
street credibility. Um also ihren Ruf zu retten, quartieren sie sich kurzerhand in einem tropischen Wasserpark mitten in Paris ein und schicken MMS an ihre
homiez im Viertel. Auch für die beiden Kumpel und aufstrebenden Rapper Tony und José gibt es dieses Jahr keinen Strandurlaub. Selbst wenn Tony alles versucht, um doch noch an das nötige Geld zu kommen. Selbst wenn er dafür fünf Kilo Hasch innerhalb weniger Tage für den richtigen Viertelgangster Zoran verticken muss. José versucht sich daran, für einen städtischen Richter dessen Sauna zusammen zu bauen. Schließlich ist Clémence, des Richters Tochter, ein ganz heißer Feger. Doch am Ende kommt ohnehin wieder alles ganz anders als alle Beteiligten denken.
In Frankreich begeisterte
"Lascars", so der Originaltitel von
"Round da Way", eine halbe Million Französinnen und Franzosen. Das Filmkonzept selbst basiert dabei auf der gleichnamigen Serie, die 1998 und 2007 in einer jeweils eigenen Staffel ausgestrahlt wurde. Größtes Merkmal des Animationsfilmes ist seine ... sagen wir zeitgenössische Sprache, die sich am jugendlichen Hip-Hop-Slang versucht. Doch nicht überall wo Ghetto draufsteht, ist auch unbedingt Ghetto drin. Im Gegenteil, abgesehen von Zoran - der selbst nur eine Karikatur eines Drogenbosses ist - will an sich so gar niemand der Beteiligten ins Ghetto passen, wie auch das Ghetto selbst lediglich eine Wohnhaussiedlung darstellt. Die Tatsache, dass sich (ursprünglich) sowohl José und Tony als auch Narbé und Sammy Tickets nach Santo Rico leisten konnten, spricht ebenfalls für sich bzw. gegen die proklamierte Ghettomentalität. Somit ist
"Lascars" letzten Endes dann doch nichts weiter als eine reine Milieu-Komödie, die sich bevorzugt über ihre eigenen Figuren lustig macht (allerdings in einem positiven Sinne).
Beginnt sich der Film ab einem gewissen Zeitpunkt etwas in unterschiedliche Richtungen zu bewegen, da jede der Figuren ihr eigenes Süppchen kocht, laufen die verschiedenen Handlungsstränge dann doch stets kurz wieder ineinander. Dabei fokussiert sich
"Lascars", das merkt man schon am Vorspann und dem Plakat, primär auf die von
Vincent Cassel gesprochene Figur des Tony. Dieser ist gleich an drei Fronten beschäftigt, wenn er neben seinen Momenten mit Kumpel José auch noch den Fängen von sowohl Zoran als auch seiner stalkenden Polizistenfreundin Manuella entkommen muss. Während es das Leben somit nicht wirklich gut zu Tony zu meinen scheint, wendet sich das Blatt für die anderen drei verhinderten Strandurlauber aus dem Ghetto. Narbé und Sammy stolpern zu Beginn des Dritten Aktes in einen Pornofilmdreh - zu dessen Crew sie plötzlich dazuzählen - und auch die Rechnung von José scheint zu seiner eigenen Freude aufzugehen. Ein missglückter Abend endet dann doch noch im Bett mit Clémence, die hier von
Diane Kruger gesprochen wird, deren Französisch weitaus erträglicher ist, als ihr Englisch oder ihre Heimatsprache Deutsch.
Insgesamt ist
"Lascars" sicherlich ein recht charmanter Film. Der Animationsstil kann sich sehen lassen und ist in Zeiten von Volldigitalisierung der Häuser
Pixar und
DreamWorks mal etwas erfrischend anderes. Dass die Figuren - wie so oft in Komödien - lediglich eindimensionale Klischees sind, stört die meiste Zeit nicht sonderlich. Dafür entwickelt der Film bisweilen zu viel
flow als dass man sich darüber mokieren würde, dass der ehrwürdige Richter gleich zwei
gangsta während seiner Abwesenheit in sein Haus lässt. Da wundert sich das Kinopublikum noch am wenigsten, wenn der Film schließlich in einer großen und brachialen Sause kulminiert. Dabei regt das Gesehen durchaus hier und da zum Mitlachen an, will als harmonisches Ganzes jedoch nur bedingt funktionieren. Dafür sind Figuren wie Narbé und Sammy zu sehr reiner
comic relief oder andere Charaktere wie Momo oder Casimir für die eigentliche Handlung vollkommen belanglos. Nett weggucken lässt sich
"Lascars" aber allemal.