(Bronson, UK 2009)
Regie: Nicolas Winding Refn
Drehbuch: Brock Norman Brock, Nicolas Winding Refn
Spezialeffekte: -
Freigabe: ungeprüft
Genre: Action
Kamera: Larry Smith
Musik:
Produzent: Daniel Hansford, Rupert Preston, Thor Sigurjonsson, Nick Love, James Richardson
Länge: 92 Minuten
Dt. Start: 19.08.2009 (Fantasy Filmfest)
Cast: Tom Hardy, Matt King, Amanda Burton, James Lance, Hugh Ross, Kelly Adams, Juliet Oldfield, William Darke, Katy Barker
"You fucking cunts!"
Vor neun Jahren widmete
Andrew Dominik mit
"Chopper" Australiens berühmtesten Gefängnisinsassen
Mark "Chopper" Read einen Film. Sieben Jahre später würde sich
Dominik mit dem amerikanischen Westernhelden
Jesse James erneut des Lebens eines Kriminellen annehmen. Große Kriminelle eignen sich in manchen Fällen - man sah es dieses Jahr in
Michael Manns "Public Enemies" - durchaus zu Helden oder zumindest zum Stoff für Legenden. Daher war es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, ehe sich jemand an der Lebensgeschichte von
Michael Peterson versuchen würde, der in den Medien als Großbritanniens gewalttätigster Gefängnisinsasse gilt. Peterson, eher bekannt durch sein Boxerpseudonym "Charles Bronson", verbrachte 34 seiner 57 Lebensjahre in britischen Gefängnissen und erhält in diesem Jahr vom dänischen Regisseur
Nicolas Winding Refn, bekannt geworden durch seine
"Pusher"-Trilogie, ein filmisches Denkmal. Dieses wird bisweilen sogar als
"Uhrwerk Orange" des 21. Jahrhunderts bezeichnet.
Eigentlich stammt Michael Peterson (
Tom Hardy) aus einer gut situierten, mittelständischen Familie. Dennoch prügelt er sich schon in der Schulzeit sowohl mit Mitschülern als auch mit Lehrern. Nachdem er mit 22 Jahren eine Postfiliale für keine hundert Mark überfällt, landet Peterson schließlich im Knast. Hier bleibt Peterson ein derart unbequemer Zeitgenosse, dass er von Vollzugsanstalt zu Vollzugsanstalt weitergeschoben wird. Als es Vater Staat zu viel wird, steckt man Peterson der Einfachheit halber in die Klapsmühle, wo er mit Hilfe von Medikamenten ruhig gehalten wird. Doch Peterson lässt sich nicht aufhalten und schafft es sogar kurzzeitig - und nach einer Millionen teuren Revolte - auf freien Fuß gesetzt zu werden, ehe es ihn keine siebzig Tage und einen neuen Namen später erneut ins Gefängnis verschlägt. Erzähler der Geschichte ist dabei Peterson bzw. Bronson selbst, der bisweilen direkt in die Kamera oder zu einem Theaterpublikum gerichtet spricht. Dabei bewegt sich der gesamte Film stets auf einem schwarzhumorigen Level.


Entgegen der Proklamation zu Beginn, dass das Folgende auf "wahren Begebenheiten" basiert, nimmt sich
Winding Refn sehr viele Freiheiten in der Darstellung von
Peterson heraus. Etliche Darstellungen wie die Entlassung als geistig gesund und Petersons kurze Romanze mit einer vergebenen Frau scheinen der Phantasie des Dänen entsprungen zu sein. Generell fühl sich
"Bronson" daher wohl eher durch das Leben des britischen Häftlings gelegentlich inspiriert als dass er dieses möglichst authentisch einfangen möchte. Denn von dem Menschen
Michael Peterson erfährt der Zuschauer im Grunde gar nichts. Wieso wandte sich der Junge der Gewalt zu und wieso verlängerte er durch seine Eskapaden stets seine Haftdauer? Was geht in
Michael Peterson vor, was sind seine Ängste, was seine Wünsche?
Winding Refn missbraucht lediglich
Petersons Leben, um eine zynische Gefängnischose zu erzählen, die letztlich nicht einmal wirklich etwas über das Gefängnis erzählen will, sondern sich ausschließlich auf Gewalt als cooles Ausdrucksmittel eines introvertierten Mannes beschränkt.
Dabei schadet es
"Bronson" am meisten, dass er keine wirkliche Geschichte zu erzählen hat, auch nicht in kleinen Episodenformen. Stattdessen verliert sich
Winding Refn in redundanten Bildern von Petersons verschiedenen Geiselnahmen, die schließlich nur in ebenso redundanten Bildern von Schlägereien mit dem Gefängnispersonal münden. Eine Ähnlichkeit mit
Stanley Kubricks "Uhrwerk Orange" ist da nur marginal und dient wohl ausschließlich als kurze Referenz wie auch die Szenen in der Irrenanstalt von
Milos Formans
"Einer flog übers Kuckucksnest" entlehnt zu sein scheinen. Hätte sich der Däne wenigstens daran versucht, einige zusammenhängende Bilder mit Hilfe einer kohärenten Erzählung zu verknüpfen, könnte sein Film auch mitunter das Potential ausschöpfen, das fraglos in einer derart ambivalenten Figur wie
Peterson vorhanden ist. Denn so ist Bronson nur ein Mann, dessen Handeln keinen Sinn zu ergeben scheint, wenn er sich beispielsweise auch an Männern gewaltsam vergeht, die ihm eigentlich aufrichtig helfen wollen.
Getragen wird der Film daher zum einen von der gelungenen musikalischen Untermalung, die Lieder wie "It's a sin" von den Pet Shop Boys bereit hält, und zum anderen von dem die meiste Zeit in der Tat großartigen Spiel
Tom Hardys.
Hardy, der am ehesten durch seine Antagonistenrolle im vorletzten
"Star Trek" bekannt sein dürfte, hat für die Rolle nicht nur ordentlich Muskelmasse, sondern auch schauspielerisches Gewicht zugelegt. Nur die Szenen im Theater, in denen er das Publikum direkt anspricht, wollen nicht so recht überzeugen. Ansonsten gelingt ihm die Darstellung des zynischen Humors in Verbindung mit den brachialen Szenen überaus glaubwürdig und allen voran auch äußerst sympathisch. Doch auch
Hardy vermag
"Bronson" nicht vor seiner durchschnittlichen Qualität zu bewahren, sodass der Film am Ende zwar ein bisweilen gelungenes Portrait einer zumindest in England wohl außerordentlich bekannten Figur geworden ist, was jedoch nicht zu kaschieren weiß, dass es
Winding Refn versäumt hat, seiner illustren Persönlichkeit auch eine ebenso illustre Handlung zu schenken.