"Perhaps you're imagining things".
Der Weltraum. Unendliche Weiten, wie es so schön in
Gene Roddenberrys Kultserie
"Star Trek" hieß. Als Mutter aller Weltraumfilme gilt im Grunde
Ridley Scotts
"Alien" mit dem plakativen Untertitel, dass einen im Weltraum keiner schreien hören würde. Nun gibt es mit
"Alien"-Filme, die ganz neue Grenzen unseres Universum ausloten, aber auch Filme wie
"Event Horizon" oder
"2001: Odyssee im Weltraum", die sich mit Reisen zu unseren Gasriesen begnügen. Während
Danny Boyle vor zwei Jahren eine Mission gen Sonne schickte, beschränkt sich der britische Regisseur
Duncan Jones dieses Jahr auf den Erdtrabanten. Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah - scheint das Motto hier gewesen zu sein. War der Mond zuvor hauptsächlich zum Zielobjekt für Filme über die Apollo-Missionen geeignet, etabliert
Jones mit
"Moon" nun seine eigene, kleine, persönliche Hommage an die Science-Fiction-Filme seiner Jugend auf dem Trabanten. Dabei finden sich viele kleine Referenzen, unter anderem zu
"2001", aber auch zu Filmen wie
"Outland" oder
"Lautlos im Weltraum".
Nun sollte man auf dem Mond allerdings keinen Luna Park erwarten, wie man ihn in
Matt Groenings "Futurama" beobachten konnte. Der Trabant ist und bleibt eine ziemlich trostlose Umgebung, die für die Erde den einzigen Zweck hat, das Energieprodukt H3 abzubauen. Passender- bzw. etwas überraschenderweise langt für dessen Abbau eine einzige Person, was bei einer Mondfläche von beinahe 38 Millionen km² doch verwundert. So verkommt Sam Bell (
Sam Rockwell) zum Mann im bzw. auf dem Mond, der die letzten Wochen seines Dreijahresvertrags zu überstehen versucht, ehe er zurück zu Frau und Kind auf die Erde darf. Sams Arbeit ist einfach, muss er doch lediglich gelegentlich raus zu den "Erntefahrzeugen" fahren, um dort die H3-Behälter einzusammeln und von seiner Basis aus nach Hause zu schicken. Doch in den letzten zwei Wochen stellen sich leichte körperliche Beschwerden bei Sam ein, die schließlich in einem Unfall im Mondbuggy münden. Als er in seiner Basis erwacht und sich zurück an die Unfallstelle bemüht, trifft er auf einen weiteren Verletzten, der zu Sams Erstaunen nicht nur genauso aussieht wie er selbst, sondern auch
er selbst zu sein scheint.
Im Folgenden gilt es für die beiden Sams jeweils zu begreifen, was genau vor sich geht und wie es sein kann, dass das, was passiert, auch tatsächlich passiert. Ist einer der beiden eine Manifestation des Anderen und wenn dem so ist, wer manifestiert dann wen? Auch die künstliche Intelligenz GERTY (gesprochen von
Kevin Spacey) kann oder will nicht wirklich weiterhelfen, was die Lage für Sam und Sam nicht verbessert. So gelungen
Jones' "Moon" auch letztlich geworden ist, versäumt der Film es gerade im Mittelteil dem Potential dieses Psychospiels gerecht zu werden. Relativ früh kommt einer der beiden Sams mit einer möglichen Lösung daher, die sich kurz darauf dann auch als Realität herausstellt. Hier wäre, insbesondere durch die vorab schon platzierten Halluzinationen von Sam, zu Beginn sehr viel Luft nach oben gewesen, um den Film gegebenenfalls - er hätte hierzu jedoch eine andere Richtung einschlagen müssen - am Ende in einem
dick'schen Mindfuck-Ende ausklingen zu lassen. Nun kann man zwar auch nicht sagen, dass es sich
Jones besonders einfach machen wollte, hat er schließlich bewusst diese Wende für seinen Debütfilm vorgesehen. Verschenktes Potential ist es nichtsdestotrotz.
Denn auch die eigentliche Auflösung des ganzen Szenarios hat dann einen etwas faden Beigeschmack, da sie ebenso wie schon die Prämisse des Filmes irgendwie nicht besonders logisch - oder freundlich ausgedrückt: naheliegend - erscheint. Dabei spart es sich
"Moon" auch, seiner Exposition mehr Zeit einzuräumen, um die Einsamkeit von
Rockwells Figur etwas intensiver einzufangen. So widmet sich der englische Regisseur der Einführung seiner Titelfigur nicht wirklich länger als man es seiner Zeit mir der Fernsehfigur Desmond aus der Kultserie
"Lost" getan hat. Ein, zwei Videobotschaften hier und etwas Gezicke mit dem
HAL-artigen GERTY kratzen im Nachhinein lediglich an der Oberfläche von Sams Charakter. Hier hätte sich
Jones gerne noch fünf bis zehn Minuten mehr seinem Protagonisten widmen können, da der Film weitestgehend derart faszinierend inszeniert ist, dass sich keine Längen einstellen.
Clint Mansell untermalt hier die Bilder fast schon erstaunlich ruhig mit sehr spielerischen Klängen, die sich gerade in der Exposition mit den wunderbar photographierten Bildern der Mondoberfläche zu verbinden wissen.
Jones ist ein überzeugender Science-Fictioner gelungen, der durchgehend die nötige Weltraum-Atmosphäre - weniger in Bezug auf den Weltraum, denn auf das Genre - zu erzeugen weiß. Schauspielerisch überzeugt auch
Sam Rockwell in seiner Doppelrolle, auch wenn die euphorischen Bekundungen im Trailer etwas über das Ziel hinausschießen. Heimlicher Star ist zudem
Spacey, der den gerade in der zweiten Hälfte sympathisch verunsicherten GERTY mit entsprechendem Leben einhaucht. Erfreulich ist auch - trotz des verschenkten Potentials -, dass
"Moon" durchweg seinen ruhigen und besonnen Charakter beibehält, ohne wie
"Sunshine" in seinem Finale in ein Horror-Schema zu verfallen. Im Gegenteil,
Jones inszeniert, als wäre dies alles, aber nicht sein Spielfilmdebüt. Insofern lässt sich seinem Film eine gewisse Schönheit nicht absprechen, selbst wenn er dann doch nicht so philosophisch daherkommt, wie er es vielleicht gern gewollt hätte.