(House Of The Devil, The, USA 2009)
Regie: Ti West
Drehbuch: Ti West
Spezialeffekte: Quantum Creation FX
Freigabe: ungeprüft
Genre: Horror
Kamera: Eliot Rockett
Musik: Jeff Grace
Produzent: Josh Braun, Larry Fessenden, Roger Kass, Peter Phok
Länge: 93 Minuten
Dt. Start: 23.08.2009 (Fantasy Filmfest)
Cast: Jocelin Donahue, Tom Noonan, Mary Woronov, Greta Gerwig, AJ Bowen, Dee Wallace, Heather Robb, Darryl Nau, Brenda Cooney, Danielle Noe, Mary B. McCann, John Speredakos, Lena Dunham, Christina Sciongay, Kamen Velkovsky
Ein süße kleine Brünette mit großen und unschuldigen Rehaugen. Ein Aushilfsjob den man besser nicht angenommen hätte. Eine alte und düstere Villa außerhalb der urbanen Metropole. Ein dunkle, von einem Wald umgebene Straße, die zu dem alten Gemäuer führt. Ein düsterer Friedhof der auf dem Weg liegt. Ein älterer und bärtiger Mann, freundlich und zurückhaltend, in schwarz gekleidet, der sich schwer auf seinen Gehstock stützt, nebst seiner noch freundlicheren Frau. Kommt euch das bekannt vor? Ja? Völlig richtig und so ist es ja auch gedacht.
"The House of the Devil" erzählt nicht nur von einer düsteren Horror-Geschichte die angeblich auf wahren Tatsachen beruht, sondern beschwört gleichzeitig auch die Geschichte des Horror-Films an sich. Regisseur
Ti West, der auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest gleich mit zwei seiner Filme vertreten ist, nämlich zum Einen mit dem an dieser Stelle zu besprechenden
"The House of the Devil", sowie zum Anderen den noch zu zerreißenden
"Cabin Fever 2", hat mit dieser kleinen horrorlastigen Episode einen Beitrag abgeliefert, der allein schon auf Grund seiner nostalgischen Natur als charmant zu bezeichnen ist.
"The House of the Devil" überzeugt dabei in der ersten Hälfte vor allem durch das Spiel mit den gängigen Chiffren und Klischees des Genres, die von
West immer wieder zitiert werden, womit er dem Zuschauer immer wieder ein belustigt-wissendes Kopfschütteln abluchsen kann.
Und so beginnt getreu den Gesetzmäßigkeiten des Genres auch alles ganz harmlos. Die junge Studentin Samantha (
Jocelin Donahue) steht kurz vor der Erfüllung ihres größten Traums: Raus aus dem Studenten-Wohnheim und rein in die erste richtige und vor allem eigene Wohnung. Doch wie das bei Studenten so ist, das Geld ist knapp. Wie gut, dass sie just in diesem Moment am schwarzen Brett ein Inserat mit einem Babysitter-Annonce entdeckt. Ohne eine Sekunde zu zögern, wählt Samantha die angegebene Nummer, doch es nimmt keiner ab. Als sie sich anschickt die öffentliche Telefonzelle, von der sie den Anruf getätigt hat, zu verlassen klingelt auf einmal der Apparat. Sie nimmt ab und wenig später hat sie den Job. Ihre beste Freundin fährt sie dann Abends zu der im Vorigen genannten wenig vertrauenerweckenden Hütte, wo sie schon erwartet wird. Doch dann die große Überraschung: Ein Kind gibt es nicht in diesem Haus, nur die bettlägerige Mutter des auch schon betagten Gastgebers Mr. Ulman (
Tom Noonan). Er hätte bezüglich der Anzeige ein wenig flunkern müssen, erklärt ihr der Alte weinerlich, keiner wollte den Job haben und ausgerechnet für diesen Abend bräuchte er ganz dringend Jemanden. Trotz der Warnungen ihrer Freundin lässt sich Samantha (natürlich) am Ende von den angebotenen 400 Dollar für das reine in der Gegend herum sitzen, denn immerhin - so verspricht ihr ihr Gastgeber - hätte sie ja eigentlich nichts zu tun, da seine Mutter ohnehin nicht gestört werden wolle, breitschlagen und nimmt den Job an.
"The House of the Devil" zeichnet sich zu Beginn erst einmal durch genau eine Sache aus: Es passiert einfach gar nichts. Mit anderen Worten:
Ti West nimmt sich alle Zeit der Welt die Geschichte voranzutreiben und seine Charakter zu präsentieren. Dass diese Untätigkeit an dieser Stelle nicht sofort mit harscher Kritik bedacht wird, ist der Tatsache geschuldet, dass
West auf dem Weg zu seinem Showdown geradezu genüsslich mit den Erwartungen und dem Vorwissen seines Publikums spielt. Und wie im Vorigen schon einmal kurz angedeutet, dieses Spiel funktioniert ganz und gar vorzüglich, sofern man sich im Genre einigermaßen auskennt und noch dazu eine Vorliebe für den eher subtilen Horror besitzt. Es macht einfach unheimlich viel Spaß Samantha auf ihrem zwangsläufigen Weg in den Untergang zu begleiten. Schon allein deshalb, weil ihr der Zuschauer unterschwellig immer einen Schritt voraus ist. Dass diese Methode funktioniert hat
"The House of the Devil" dann auch seiner stimmigen Inszenierung zu verdanken, die sich in Optik und Setting ganz dem gewollt nostalgischen Tenor des Films verschrieben hat. Das beginnt mit dem Intro und endet mit der stimmigen 80er Jahremusik, die
"The House of the Devil" auch musikalisch in die Dekade verortet, in der der Film spielt.
Weitere Pluspunkte kann der Film ohne jeden Zweifel mit seiner Hauptdarstellerin sammeln.
Jocelin Donahue präsentiert sich auf ganz und gar wunderbare Weise als die süße Unschuld von der Stadt, die von nichts eine Ahnung hat - und so eine Protagonistin braucht es eben auch für einen Film wie
"The House of the Devil". Ein Horror-Spaß, der dann mit vorrückender Spielzeit langsam aber sich die Daumenschrauben anzieht. Wasserhähne tropfen, Dielen knarzen und Vasen gehen zu Bruch. Es deutet sich an, dass so langsam aber sicher der große Spaß beginnen kann.
"The House of the Devil" steht somit in gewisser Weise in einer Reihe mit
Sam Raimis
"Drag Me To Hell", der in diesem Jahr ebenfalls vergangene Zeiten des Horror-Kinos beschworen hat. Beide Filme arbeiten mit einer höchst eindrucksvollen Soundkulisse, die zum elementaren Mittel des Spannungsaufbaus wird. Mag sich
Ti West zu Beginn ausgesprochen viel Zeit nehmen, so geht er im Angesicht des großen Showdowns dann ordentlich in die Vollen. Mit anderen Worten: Wenn das diabolische Spiel mit der armen Samantha erst mal richtig in Fahrt gekommen ist, dann knallt es und zwar so richtig. Es wird blutig, teuflisch und erschreckend. Dämonische Fratzen blitzen in Sekundenbruchteilen über die Leinwand, der Puls steigt, das Finale Furioso entlädt sich und dann ist es, natürlich mit einem im Genre üblichen teuflischen Happy End auch schon wieder vorbei. Am besten vergleicht man
"The House of the Devil" mit der Fahrt in einer Achterbahn: Der Weg bis zum höchsten Punkt ist lang und auf dem Weg dorthin beschäftigt man sich mit den Dingen, die dann noch kommen werden. Wenn es dann aber an die Abfahrt geht, man in die Tiefe stürzt und der Nervenkitzel seine Wirkung entfaltet, geht alles ganz furchtbar schnell. So ungefähr fühlt sich
"The House of the Devil" an, der nicht weniger als eine schöne und kleine Hommage an das Genre ist.