(Final Destination, The, USA 2009)
Final Destination 4: Death Trip 3D
aka. Final Destination: Death Trip
aka. Final Destination: Death Trip 3D
Regie: David R. Ellis
Drehbuch: Eric Bress, Jeffrey Reddick
Spezialeffekte: Amalgamated Pixels, CafeFX, Cinema Production Services, Gradient Effects, Hybride Technologies
Freigabe: keine Jugendfreigabe
Genre: Horror, Thriller
Kamera: Glen MacPherson
Musik: Brian Tyler
Produzent: Walter Hamada, Tawny Ellis, Richard Brener
Länge: 82 Minuten
Dt. Start: 30.08.2009 (Fantasy Filmfest) / 03.09.2009 (Deutschlandstart)
Cast: Bobby Campo, Shantel VanSanten, Nick Zano, Haley Webb, Mykelti Williamson, Krista Allen, Andrew Fiscella, Justin Welborn, Stephanie Honore, Lara Grice, Jackson Walker, Phil Austin, Monique Detraz, Chris Fry, Tina Parker, Cecile Monteyne
"I was meant to see this movie!"
Es gibt eine Parabel von einem Mann, der auf einem überfüllten Basar den Tod erblickt und dieser ihm zuwinkt. In Panik ergreift der Mann die Flucht, verlässt die Stadt und reist mehrere Kilometer in eine entlegene Stadt. Dort trifft er am Abend erneut den Tod und fragt ihn total erschöpft, warum dieser ihm zugewinkt hatte. Worauf der Tod entgegnet, dass er überrascht war den Mann auf dem Basar zu sehen, wo er doch wusste, dass er ihm am Abend in eben jener Stadt treffen sollte. Die Geschichte lässt sich in verschiedene Richtungen lesen. Zum einen könnte man argumentieren, dass der Mann dem Tod nicht entfliehen konnte. Andererseits steht es zur Diskussion, ob der Mann nicht durch seine Angst vor dem Tod, diesen erst bewirkt hätte. Lässt sich der Tod austricksen? Das ist die große Frage, der sich bereits Bill und Ted
einst stellen mussten und die auch
James Wong im Jahr 2000 dazu brachte, mit
"Final Destination" eine der populärsten Horror-Reihen der Gegenwart in die Kinos zu bringen.
Der vierte Teil beschreitet nun neue Wege, kommt er doch erstmals in 3-D daher. Daher auch der passende Titel
"Final Destination 4: 3-D". Ansonsten ist in der Kult-Reihe jedoch alles beim Alten geblieben. Eine tödliche Vision zu Beginn sorgt dafür, dass eine Gruppe Auserwählter ihrem Schicksal entgeht und anschließend nach dem Zehn-Kleine-Jägermeister-Prinzip auf möglichst kreative Art und Weise abgemurkst wird. War es vor neun Jahren noch ein Flugzeugabsturz, der unter anderem
Seann William Scott und
Ali Larter (kurzfristig) von der Todesliste strich, so kamen in den Jahren danach noch eine Massenkarambolage auf der Autobahn und ein Achterbahnunglück hinzu. Dieses Mal besuchen Nick (
Bobby Campo) und drei seiner Freunde ein Autorennen. Ironischerweise kommt Nicks Kumpel Hunt (
Nick Zano) nur her, um einen Unfall zu sehen. Eben jenen Unfall wird es auch geben, jedoch in weitaus schwerwiegenderer Form. Fliegende Reifen werden Köpfe ab- und Maschenzäune Menschen durchtrennen. Neben Nick und seinen Kumpels muss auch eine Mutter (Ex-Pornodarstellerin
Krista Allen), ein afroamerikanischer Sicherheitsbeauftragter (
Mykelti Williamson), sowie ein Mechaniker und ein Rechtsradikaler das Zeitliche sehnen.
In seiner Exposition ähnelt
David R. Ellis' zweiter Anlauf nach
"Final Destination 2" sehr dem ersten Teil. Die Vision sorgt für Panik, der ein Handgemenge folgt, welches die unterschiedlichen Parteien aus der Gefahrenzone befördert. Zu Beginn weiß
Ellis' Film auch erstaunlich gut zu überzeugen.
"Final Destination 4" macht sich gar nicht erst die Mühe, so originell zu sein wie der beliebte Erstling. Ohnehin hat die Reihe spätestens seit
"Final Destination 3" weniger mit dem Horror- als vielmehr mit dem Komödiengenre gemein. Das merkt man am deutlichsten, wenn sich der Tod - der hier im Vergleich gerade zum ersten Teil eine weitaus unprominentere Rolle spielt - schließlich den Rechtsradikalen (
Justin Welborn) vorknöpft. Als dieser sich an
Williamsons Figur, der er den Tod seiner Frau anlastet, rächen will, wird er zu den Klängen von Wars "Why Can't We Be Friends" in Flammen aufgehend die Straße hinuntergeschleift. In der Tat zählt der vierte Ableger der muntersten Horror-Reihe neben
"Saw" in seinen ersten zwanzig Minuten zu den amüsantesten Filmen des bisherigen Kinojahres.
Danach baut
Ellis bedauerlicherweise Stück für Stück ab. Zwar kann man nicht behaupten, dass zu Beginn so etwas wie ein wirkliches Drehbuch vorgelegen hat, aber gerade in der zweiten Hälfte wirken die verschiedenen Ereignisse (lies: Todesfälle) mehr schlecht als recht zusammengeschustert. Wo sich
Wong seiner Zeit noch mit Hinterfragungen und liebevoll inszenierten Morden befasste, bleibt
Ellis dies weitestgehend schuldig. Nicht einmal ansatzweise getrauert wird, wenn jemand aus dem Freundeskreis schließlich auf blutige Art und Weise aus der Filmhandlung scheidet. Stattdessen wird der Mund abgewischt und es wird weitergemacht. Das wirkt selbst in einer sich nicht ernst nehmenden Reihe wie
"Final Destination" etwas befremdlich und lässt auch seine Hauptfigur Nick eher wie ein herzloses Arschloch erscheinen, als jemanden, dem man das Überleben wünscht. Und auch die "Unfälle" selbst sind eher Mittel zum gorelastigen Zweck, als dass sie um ihrer selbst Willen inszeniert werden.
Ellis springt flugs von einem "Unfall" zum Nächsten, lässt sich zum einen kaum großartig Zeit - man denke nur daran, wie spielerisch einst
Chad Donella im Bad stranguliert wurde - und konstruiert die Todesfälle zum anderen erstaunlich einfallslos. Da fliegt mal ein Stein durch den Kopf, dann wird jemand vom Bus überfahren. Eher zum Gähnen mutet diese Todesursachen an, bedenkt man dass im Vorgänger der Tod von einer Sonnenbank verursacht wurde. Ehe man sich versieht sind die ohnehin schon wenigen Personen dabei, sich die Radieschen von unten anzusehen und der Film torkelt seiner Klimax entgegen. Hier macht sich überdeutlich bemerkbar, dass das, was die Macher als Drehbuch bezeichnen, nur eine willkürlich zusammengeklebte Masse von einzelnen Einstellungen ist. Wie ein kopfloses Huhn rennt die Handlung durch die Gegend und will auch nicht so recht durch das doppelte Finale überzeugen, selbst wenn hier - nach einiger Zeit - mit dem Höhepunkt im 3-D-Kino wieder mal eine selbstironische Anspielung stattfindet.
Die 3-D-Technik selbst erweist sich mal wieder - trotz des Zusatzes, dass es dieselbe Technik sei, wie sie bei
James Camerons
"Avatar" verwendet wurde - als reine optische Spielerei, die dann und wann mal für ein "Oh" oder "Ah" im Publikum gut ist, wenn ein Nagel, Pflock oder sonstiger spitzer Gegenstand derart mit der Kamera eingefangen wird, dass er anschließend in die Augen des Zuschauers zu fliegen scheint. Die Euphorie hält sich jedoch in Grenzen und noch scheint 3-D nicht der Stein der Weisen zu sein, als der er momentan speziell im Horror-Genre verkauft wird. Da wäre es wirksamer gewesen, wenn sich die Macher mehr auf ein halbwegs solides Drehbuch oder zumindest spritzigere Todesursachen konzentriert hätten, als auf Schraubenzieher, die Richtung Reihe F fliegen. So ist
"Final Destination 4" gerade auch, aber nicht nur wegen seiner 3-D-Inszenierung eher ein durchwachsenes Erlebnis. Nach dem unterhaltsamen Beginn dümpelt das Ganze immer mehr vor sich hin. So weiß am Ende weder die Handlung zu überzeugen, noch die Schauspieler, mit denen es zu leiden gilt. Am ehesten eignet sich noch
Shantel VanSanten als Sympathieobjekt, wobei auch sie von
Ellis zur Stichwortgeberin des etwas überforderten
Campo - er kann sich im Finale trotz der "dramatischen" Szene einmal fast ein Grinsen nicht verkneifen - verkommt. Wie beim Kollegen
"Saw" verkommt
"Final Destination" inzwischen zur Stückware. Als Nicht-Fan der Reihe dürfte der neueste Ableger jedoch wohl kaum zu Begeisterungsstürmen führen.