(Sexykiller, morirás por ella, ESP 2008)
Sexy Killer
aka. Sexy Killer: You'll Die for Her
aka. Barbykiller, morirás por ella
Regie: Miguel Martí
Drehbuch: Paco Cabezas
Spezialeffekte: Molinare
Freigabe: ungeprüft
Genre: Horror, Komödie
Kamera: Carles Gusi
Musik: Fernando Velázquez
Produzent: Jaume Roures, Tadeo Villalba hijo, Juan Carlos Caro, Javier Méndez
Länge: 100 Minuten
Dt. Start: 20.08.2009 (Fantasy Filmfest)
Cast: Javier Ambrossi, Macarena Gómez, César Camino, Ángel de Andrés, Juan Carlos Vellido, David Tenreiro, Alejo Sauras
Männer sind ja so berechenbar und Chauvinisten noch dazu. Jedenfalls sollte kein männlicher Zuschauer, das macht Barbara (
Macarena Gómez) schon mal von Beginn an klar,
"Sexykiller" mit der Hoffnung besuchen, einen jener typischer Genre-Filme zu sehen, in der junge Frauen von einem Psychopathen reihenweise um die Ecke gebracht werden. In diesem Film, das ist ja wohl klar, tötet nur eine: Barbara. Warum? Naja, das sei ja sowieso schon mal völlig egal. Die entscheidende Frage sei viel mehr: Warum nicht? Es ist nicht zuletzt der inszenatorische Handgriff des Regisseurs
Miguel Marti von Beginn an die Dimensionen zu brechen und seine Protagonistin, die sich der Kamera und des Zuschauers somit völlig bewusst ist, direkt zum Publikum sprechen zu lassen, der von Beginn an aufgeht. Man merkt schnell, dass die an
"Sexykiller" Beteiligten darüber nachgedacht haben, was sie an dieser Stelle für einen Film drehen wollen und sich nicht nur darauf beschränkt haben, ihre Hauptdarstellerin in ein möglichst knapp geschnittenes Outfit zu stecken. Doch bevor jetzt an dieser Stelle allgemeine Verunsicherung aufkommt: Keine Panik,
"Sexykiller" hält auch in dieser Hinsicht was der Titel verspricht. Aber zurück zum Wesentlichen, und da soll ja begründet werden, warum man schnell erkennen kann, dass man bei
"Sexykiller" seinen Spaß haben wird. Dies ist nämlich bereits beim wunderschön stimmigen Vorspann abzulesen, so dass in diesem Fall mal wieder eine alte These bestätigt worden ist: Wenn sich ein Film schon beim Vorspann Mühe gibt, dann ist die Chance groß, dass man sich auch vom Rest einiges versprechen kann.


Auf den ersten Blick ist Barbara eine ganz normale Medizinstudentin mit einer Schwäche für Barbies gelackten Freund Ken. Und man sollte es tunlichst vermeiden, diesen in der Gegenwart Barbaras als schwul zu bezeichnen. Dann kann es nämlich passieren, dass man am nächsten Morgen nicht mehr unter den Lebenden verweilt. Und von den unerfreulichen Dingen, die einem blühen, sollte man das Schoßhündchen Barbaras über den Haufen fahren, ist an dieser Stelle noch nicht einmal die Rede gewesen. Da es also ziemlich einfach ist, die heißblütige Ibererin zur Weißglut zu bringen, sieht sich das sonst so friedliche Universitätsstädtchen mit einer ellenlagen Mordserie konfrontiert, die es für die Ermittler zu lösen gilt. Doch die Polizei tappt bei ihren Ermittlungen unentwegt im Dunklen, sind ihre Experten doch der Meining, dass der Täter männlich, groß, sowie zwischen dreißig und vierzig Jahre alt sein muss. Erst ein Experiment zweier Medizinstudenten erweist sich als geeignet ein wenig Licht in die Angelegenheit zu bringen. Einstweilen also genug Zeit für Barbara, dem geneigtem Publikum ihre Lebensgeschichte zu erzählen, die eigentlich einen ganz normalen Anfang genommen hat.
Um es mal in einem Satz auf den Punkt zu bringen:
"Sexykiller" ist ganz ganz gewaltiger Schwachsinn, aber der macht zumindest in der ersten Hälfte unfassbar viel Spaß. Da wird
"I'm a barbie girl, in a barbie world" ein ums andere geträllert, während sich Barbara die dicken Wummen in die modisch-glitzernden Holster steckt, um ihrer blutigen Arbeit nachzugehen. Und blutig ist
"Sexykiller" in der Tat, der sich somit wohltuend von seinen im Zuge einer FSK12-Freigabe glattgebügelten Artverwandeten unterscheidet.
"Sexykiller" will böse sein, ist böse, weiß um seine Bösartigkeit und hat keine Hemmungen, diese auch gebührend zu zelebrieren.
Miguel Marti ist sich seiner (vor allem männlichen) Zielgruppe wohl bewusst und bedient gekonnt deren Erwartungen. Nebenbei gefällt die spanische Produktion aber auch mit seinen zahlreichen Anspielungen, Reminiszenzen und Parodien auf das Genre. Dass die Narration dabei nicht immer luzide, sondern sprunghaft ist, kann durchaus verschmerzt werden. Getragen wird der Film dabei vor allem durch eine völlig enthemmt aufspielende
Macarena Gómez, die an ihrer Rolle sichtlich Spaß gefunden hat und mit Verve damit beschäftigt ist notgeilen Professoren den Absatz ihrer Stilletos bis zum Ansatz in die Schläfe zu rammen, oder schlechte Liebhaber mit einer Plastiktüte über den Kopf ausgestattet per gepflegtem Tritt in den Hintern aus dem dritten Stock zu befördern. Wenn das mal nicht am Ende Emanzipation in ihrer Reinkultur ist.
Leider übernimmt sich
"Sexykiller" dann in der zweiten Hälfte ein wenig was die Bandbreite der aufgegriffenen Themen angeht. Relativ unvermittelt wird dann nämlich aus dem ohnehin schon hanebüchenen Schwachsinn noch groteskerer Schwachsinn, wenn sich der Streifen unvermittelt von der Serienkillerin-Biographie zur ultimativen Zombieshow wandelt. Im letzten Teil des Films darf dann also auch noch diesem Genre gehuldigt werden. Dies allerdings funktioniert bei weitem nicht mehr so gut, wie noch in der ersten Hälfte von
"Sexykiller", mit dem Ergebnis das der Film dann doch etwas an Fahrt verliert. Im Übrigen müßig zu erwähnen, dass natürlich auch Barbara nur ein ganz normales Mädchen ist, dass nach der einen großen Liebe strebt, oder doch nicht? Der Abschluss des Film, der vor dem aufgegangenem Mond ein wenig anders als sonst ausfällt und in einem schön stilisierten Bild endet, hinterlässt dann noch mal einen ganz besonderen positiven Eindruck von
"Sexykiller" mit dem man viel Spaß haben kann, wenn man dazu bereit ist sich auf diesen Nonsens einzulassen.