(Trick'r Treat, USA 2008)
Süßes, sonst gibt's Saures!
aka. Trick or Treat
aka. Trick'r Treat - Die Nacht der Schrecken
Regie: Michael Dougherty
Drehbuch: Michael Dougherty
Spezialeffekte: Patrick Tatopoulos Design, Rainmaker Animation & Visual Effects, New Deal Studios
Freigabe: keine Jugendfreigabe
Genre: Horror, Komödie
Kamera: Glen MacPherson
Musik: Douglas Pipes
Produzent: William Fay, Dan Harris, Jon Jashni, Bryan Singer, Alex Garcia
Länge: 87 Minuten
Dt. Start: 20.08.2009 (Fantasy Filmfest)
Cast: Quinn Lord, Brian Cox, Dylan Baker, Leslie Bibb, Rochelle Aytes, Anna Paquin, Moneca Delain, Tahmoh Penikett, Lauren Lee Smith, Britt McKillip, Isabelle Deluce, Jean-Luc Bilodeau, Alberto Ghisi, Samm Todd, Connor Christopher Levins, Brett Kelly
Am 31. Oktober wird überall in den USA Halloween gefeiert. Ausgehölte Kürbisse, ausgelassene Festivitäten, und nicht zuletzt das tradionelle "Trick or Treat" (zu Deutsch: "Süßes oder Saures") gehören dabei zum klassischen Kanon der gruseligen Feier. Auch wenn Halloween mittlerweile ebenso zu einer kommerzialisierten Veranstaltung verkommen ist wie zum Beispiel Weihnachten, so hat der ganze Spaß natürlich auch seinen historischen Hintergrund. Einst glaubte man, dass am 31. Oktober, dem Ende der jährlichen Erntesaison (deswegen auch die Kürbisse), die Grenzen zwischen der Welt der Lebenden und der Toten verschwimmen. Und damit die Toten nicht von den Lebenden Besitz ergreifen, versuchte man sie mit allerlei Opfergaben und rituellen Festen zu besänftigen. Mittlerweile werden wohl keine Geister mehr besänftigt, höchstens kleine Quälgeister, die sich von den Erwachsenen die Taschen mit Süßigkeiten füllen lassen, damit diese von den sonst obligatorischen Streichen der Kleinen verschont bleiben.


Vor diesem Hintergrund hat sich
Michael Dougherty bei seinem Regiedebut einen kleinen, aber feinen Film einfallen lassen, der vor bitterbösen, dabei aber auch zugleich überaus erheiternden Momenten nur so strotzt. Weniger als durchgängige Geschichte angelegt, sondern viel mehr als ineinander verwobener Episodenfilm reüssiert
"Trick' R Treat" als gelungener Mix aus harmlos anmutender kunterbunter Bonbon-Optik und geschmacklos-blutigen Elementen. Und so erleben ein verliebtes Pärchen, eine Gruppe nach Mutproben strebender Kinder, ein seltsamer Vater und sein noch seltsamerer Sohn, nebst dem Hallowenn hassenden Nachbarn, sowie eine Horde notgeiler junger Frauen am diesjährigen Halloween überaus saure Überraschungen. Die Prämisse des Films ist dabei ebenso genial, wie simpel: An Halloween sieht dich keiner sterben.
Und es ist in der Tat schon von einer herrlichen Skurillität gekennzeichnet, wenn sich ein blutverschmiertes Opfer auf der Suche nach Hilfe mitten durch die Menschenmassen der Parade schleppt, aber niemand von dem armen Mädchen Notiz nimmt, weil sowieso jeder im Rahmen seines Konstüms mit (Kunst-)Blut besudelt ist. Vor allem lebt
"Trick' R Treat" von dem Gespür seines Regisseurs, der mit den gängigen Genre-Erwartungen des Zuschauers spielt, um sie dann ironisierend zu brechen. Es gibt mehr als einen Moment, in dem man das eine ganz klar erwartet, dann aber etwas völlig anderes herauskommt, was nicht weniger, sondern wahrscheinlich sogar umso lustiger ist. Bei all den guten Ansätzen verliert der Film in der zweiten Hälfte ein wenig an Schwung, was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass er seine besten Episoden schon zu Beginn in die Wagschale geworfen hat. Dies ist dann in der Tat Jammern auf ziemlich hohem Niveau, entpuppt sich
"Trick' R Treat" in der Summe doch als ein recht aufgeweckter Spaß, der nach dem eher durchschnittlichem Trailer so nicht unbedingt zu erwarten war.
Dieses Lob verdient sich
"Trick' R Treat" auch deshalb, weil sich der Film nicht auf die im Genre der Horror-Komödie - und dies ist
"Trick' R Treat" ohne jeden Zweifel - manchmal so beliebten Kotz- und Fäkalwitze beschränkt. Diese werden zum Glück schnell zurückgelassen, so dass
Doughertys Debut auch keinesfalls mit der
"Scary Movie"-Reihe in Verbindung gebracht werden sollte, die sich gerne böse gibt, während
"Trick' R Treat" tatsächlich böse ist. Dabei kann dieser kleine Halloween-Spaß sogar mit einer Riege von Darstellern aufwarten, von denen zumindest zwei einem größeren Publikum bekannt sein dürfte:
Brian Cox und
Anna Paquin. Gerade letztere, bekannt als Roque in
"X-Men", weiß als verschüchterter Rotkäppchenverschnitt zu gefallen, die auf der Suche nach einem etwas Anderem "Ersten Mal" ist.
Insgesamt weiß
"Trick' R Treat" somit wirklich zu überzeugen: Sowohl das Setting, die Atmosphäre, als auch der im Film immer wieder eingestreute tiefschwarze Humor, der fast britische Töne erkennen lässt, bilden in der Summe ein ganzes Sammelsurium an guten Gründen, dem Film beim nächsten Halloween-Fest eine Chance zu geben. Das Publikum sah das im Übrigen ähnlich:
"Trick' R Treat", der beim
Fantasy Filmfest in der "Fresh Blood"-Rubrik antritt, wurde während und vor allem nach dem Film mit mehr als nur warmen Applaus bedacht. Und dem ist dann in der Tat nichts mehr hinzuzufügen.