(Fanboys, USA 2008)
Regie: Kyle Newman
Drehbuch: Ernest Cline, Dan Pulick, Adam F. Goldberg
Spezialeffekte: Solventdreams
Freigabe: ab 12 Jahre
Genre: Komödie
Kamera: Lukas Ettlin
Musik: Mark Mothersbaugh
Produzent: Kevin Mann, Dana Brunetti, Evan Astrowsky, Matthew Perniciaro, Kevin Spacey
Länge: 90 Minuten
Dt. Start: 30.07.2009
Cast: Sam Huntington, Chris Marquette, Dan Fogler, Jay Baruchel, Kristen Bell, Seth Rogen, Jaime King, Ray Park, Carrie Fisher, William Shatner, Danny Trejo, Christopher McDonald, Billy Dee Williams, Nate Hartley, David Denman, Jason Mewes, Kevin Smith
Nobody calls Han Solo a bitch!
Fanboy. Die Internetrecherche ergibt unterschiedliche Treffer, die letztlich aber alle in dieselbe Richtung gehen und sich wie folgt erklären lassen: jemand, der enthusiastisch/blind einem - in diesem Fall - Film bzw. einer Filmreihe folgt. Quasi ein Fan über alle Maße. Jemand, der sich lautstarke Diskussionen mit Freunden hingibt, die sich um Nebensächlichkeiten drehen. Menschen, die sich am helllichten Tag einer Massenschlägerei mit Anhängern einer konkurrierenden Filmreihe hingeben. Oder auch Personen, die Petitionen einreichen, um fiktive Elemente eines Filmes ins das reale Leben übernehmen zu lassen.
Seit dem Jahr 2001 geben zum Beispiel zahlreiche Menschen im britischen Commonwealth bei Befragungen ihre Religion als Jediismus an. Es handelt sich um ... Fanboys! Anhänger von
George Lucas' Schöpfung
"Krieg der Sterne" und seinen beiden Fortsetzungen der Ursprungstrilogie. Ende des vergangenen Jahrhunderts spielte für diese Menschen ein potentieller Weltuntergang am Millennium keine Rolle. Für sie zählte nur ein Datum: der 19. Mai 1999.
"Krieg der Sterne" kehrte zurück.
"Krieg der Sterne" kehrte, auf eine Art und Weise, nach Hause.
Nun drehte
Kyle Newman mit
"Fanboys" einen Film von Fanboys über Fanboys für Fanboys. Die Geschichte einer Gruppe von vier Kumpels, die eines Abends beschlossen quer durch Amerika zu
George Lucas' Skywalker Ranch zu fahren, um einen Rohschnitt von
"Die Dunkle Bedrohung" zu sehen, sollte eigentlich bereits letztes Jahr im Kino laufen. Wäre da nicht
Harvey Weinstein gewesen. Der personifizierte und auf Erden wandelnde Teufel wollte den Film nach Testvorführungen umschneiden lassen und ihn seiner Ausgangslage berauben. Denn ausschlaggebend für Erics (
Sam Huntington), Hutchs (
Dan Fogler) und Windows (
Jay Baruchel) Roadtrip ist die Krebserkrankung - und der bevorstehende Tod - von ihrem Kumpel Linus (
Chris Marquette).
Dieser wird die Premiere von
"Episode I" nicht mehr erleben, weshalb sich Eric, der zuletzt vor drei Jahren mit seinem ehemaligen besten Freund Linus Kontakt hatte, zu der wahnwitzigen Aktion überreden lässt. Doch wer will schon über Krebs lachen, dachte sich
Weinstein. Wie er sich bereits zuvor dachte, dass wohl kaum jemand den ursprünglichen
"GrindHouse"-Film von
Tarantino und
Rodriguez sehen wollte.
"Fanboys" wurde umgeschnitten, boykottiert und kommt nun letztlich in seiner originalen Fassung in die Kinos. Jene Fassung, die sogar von
Lucas' - selbst nicht weniger diabolisch, wenn es um Geldscheffelei geht - abgesegnet wurde.
Allerdings sollte man sich nichts vormachen.
"Fanboys" erzählt im Grunde keine wirkliche Geschichte, verfügt eigentlich nicht mal über ein richtiges Drehbuch. Ähnlich wie
Kevin Smiths "Jay & Silent Bob Strike Back" ist
"Fanboys" primär eine Ansammlung von Szenen und Sequenzen, die sich zuvorderst an die Fans richten. Dies fängt hier bereits damit an, dass das Logo der Weinstein Company mit Lichtschwerter-Sound untermalt wird. Oder sich auch sonst durch den ganzen Film hindurch - dank
Lucas - Soundeffekte der Sci-Fi-Oper finden. Sei es R2D2s Geschrei oder die Jubelarien eines Tusken Raiders. Wer sich im
"Krieg der Sterne"-Universum auskennt, dem wird hier ob der vielen liebevollen Einbindungen das Herz aufgehen.
Denn von etwaigen Darstellungen der Serie (
Carrie Fisher,
Billy Dee Williams,
Ray Park) bis hin zu Ewoks und Seitenhieben auf Jar Jar Binks haben sich die Autoren
Ernest Cline und
Adam F. Goldberg weiß Gott nicht lumpen lassen. Und mit den Referenzen an
"Krieg der Sterne" allein hört es nicht auf, quillt
"Fanboys" vor nerdigen Anspielungen doch nur so über. Egal ob
"RoboCop",
"Terminator 2" oder zahlreiche Marvel-Comis - wer selbst Nerd ist findet sich hier wieder und amüsiert sich an den dutzenden Seitenhieben, Querverweisen und Hommagen. Dabei nutzt
"Fanboys" den Moment sogar, um eine andere Filmreihe unverhohlen zu
bitchslappen.
Als großer Konkurrent wird
"Star Trek" aufgebaut und dieses auch genüsslich durch den Kakao gezogen (
Captain Picard is not gay. He's British. -
Come on. "Make it so!"?). Dummerweise müssen sich
Newmanund Co. zu Schulde kommen lassen, dass sie den zu Beginn noch gelungenen Gag durch erneutes Aufbringen zu Beginn des dritten Aktes leider etwas totreiten. Hier macht sich auch die zu lang - und vielfältig - geratene Präsenz von
Seth Rogen bemerkbar, der momentan wohl aus keiner US-Komödie wegzudenken ist. Dabei ist er letztlich nur einer von vielen Prominenten, die sich hier die Klinke in die Hand geben. Von
Shooter McGavin über
James T. Kirk bis hin zu den Lagerarbeitern aus
"The Office", um es dem Trailer entsprechend auszudrücken.
Von diesen zahlreichen Cameos sind nüchtern betrachtet jedoch nur die wenigsten wirklich gelungen. Zumindest hinsichtlich ihrer Einbindung in das ziemlich dünne Handlungsgerüst. Während dies bei
Danny Trejo oder
Danny R. McBride noch halbwegs funktioniert, wirken die durch Nachdrehs eingefügten
Kevin Smith und
Jason Mewes (obschon das
Smith-Fan-Herz etwas schneller schlägt) deutlich fehl am Platz. Im Nachhinein sind aber auch sie wie der Rest des Filmes nichts als eine einzige nerdige Anspielung, die man nicht zu hinterfragen hat.
So ist
"Fanboys", wie es der Titel bereits verrät, zuvorderst ein Film für Fans (von
"Krieg der Sterne"). Diese werden auch gnädig über die nicht wirkliche vorhandene Handlung hinwegsehen, wie auch über die etwas plumpen und altbackenen Gags. Denn dafür sind einem als Fanboy die Fanboys (und -girls,
Kristen Bell soll nicht außen vor bleiben) auf der Leinwand viel zu sympathisch. Ihr Enthusiasmus hinsichtlich
"Die Dunkle Bedrohung" (erst zum Schluss zeichnet sich die prophetische Befürchtung ab, der Film könnte eine Enttäuschung darstellen) und all die Widrigkeiten, die sie auf dem Weg dorthin auf sich nehmen müssen. Wie bei TV-Serien wie
"Chuck" oder
"The Big Bang Theory" lacht der Nerd am liebsten über sich selbst. Schon alleine, weil er sich wiedererkennt. Man lacht über Verweise auf den Flux-Kompensator oder wenn Hutch sich plötzlich mit den Worten "Snikt!" in den Kampf stürzt.
Hier mag der ein oder andere Zuschauer - speziell das jüngere Publikum - sicher verdutzt dreinblicken, doch was wissen die schon? Denn welche Filmreihe eignet sich heute noch zum Fanboytum?
"Saw" ganz sicher nicht, am ehesten noch
"Herr der Ringe". Doch glücklicherweise hat
Kevin Smith bereits in
"Clerks 2" vor Augen geführt, weshalb es dennoch nur die eine, die unvergleiche Trilogie gibt. Und mit ihr diese einzigartige Filmreihe.
"Krieg der Sterne" ist die Heimat des Fanboytums. Und
"Fanboys", ja,
"Fanboys" ist letztlich dann auch irgendwie, wie nach Hause zu kommen.