"There's an old saying: Keep your friends close, keep your enemies closer." - Blade
Die Welt hat ein neues Problem, ein vampirartiges Wesen, das auf den Namen "The Reaper" hört, verbreitet Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Durch den enormen Blutdurst, den der Reaper verspürt, kommt es schnell zu einer Serie an grauenvollen Morden unter Menschen wie auch Vampiren. Jedes

Opfer des Reapers wird nach dem Verzehr zu einem Seinergleichen. Das Problem bleibt nicht lange geheim und so kommt es, dass Blade sich der Sache annimmt, der Tage vorher herausgefunden hat das Whistler noch lebt und ihn gerettet hat.
Blade wird von Shadow Council, einem mächtigen Vampir beauftragt, das Treiben des Reapers zu stoppen. Und schon geht die Jagd auf den Reaper los. Das Team von Blade zusammen mit Whistler und seinen neuen Waffenexperten Scud schließen sich dem "Bloodpack" an, eine Gruppe von Vampiren, die es sich zur Aufgabe gemacht haben genauso wie Blade die Welt vor dem Bösen zu beschützen. Es dauert nicht lange bis das Team ein erstes Treffen mit dem mächtigen Wesen hat und sich gegen ihn behaupten muss. Das Team merkt schnell, dass sie es nicht gerade mit einem leichten Gegner zu tun haben und zu härteren Mitteln greifen müssen. Doch als Whistler vom Reaper erfährt, dass das Treiben einen ganz anderen Grund hat, wendet sich das Blatt und Blade steht einem neuen Weltuntergang gegenüber, den er mit allen Mitteln verhindern muss.
"Like my daddy said right before he killed my mom,
'If ya want somethin' done right, ya gotta do it yourself'. He also said ..." - Reinhardt
"Can you blush?" - Blade
"Blade 2" ist der unangefochtene beste Actionfilm des Kinojahres 2002. Nachdem mir der erste Teil weniger gefiel, bin ich mit Vorurteilen an die Fortsetzung gegangen, welche in der Regel meist schlechter ausfällt. Der Film belehrte mich aber eines besseren, denn ich sah den wohl

besten Actionfilm der letzten Jahre. Der zweite Teil ist nicht, wie viele dachten, ein Prequel sondern ein Sequel und beginnt mit der Befreiung Whistlers durch Blade. Etwas weit hergeholt, aber auf Grund der erstklassigen Inszenierung verzeiht man diese schwache Idee. Ihre Erzfeinde, die Vampire, treten an sie heran, da sie einen Feind haben, der sich bisher nur auf das Töten von Vampiren beschränkt. Eigentlich für Blade etwas Positives, doch irgendwann wird die Armee der Mutanten zu groß. Also das Übel gleich im Keim ersticken. Zusammen mit einer Eliteeinheit von Vampiren tritt er gegen die "mutierten" Vampire (Reapers) an, um sie auszulöschen.
Man darf und kann
"Blade 2" nicht mit seinem Vorgänger vergleichen, weil Regisseur
Del Toro einen ganz anderen Stil hat und so auch einen ganz anderen Weg einschlägt. Er übernimmt bis auf die bekannten Charaktere kaum etwas vom Vorgänger und taucht den Film in eine sehr düstere Atmosphäre. Der Film spielt komplett bei Nacht, was die dichte und bedrohliche Atmosphäre des Films noch verstärkt. Auch auf Charakterzeichnung, wie zum Beispiel die bekannten Erklärungen aus dem ersten Teil um die Identität Blades, wird hier verzichtet. Selbst für Vampirmythen, die im Vorgänger noch zaghaft angerissen wurden, bleibt kein Platz mehr. Menschen braucht man in dieser Fortsetzung erst Recht nicht mehr, denn man befindet sich über die komplette Spielzeit sowieso in der Vampirwelt. Die Effekte des Films wurden etwas verfeinert,

sind aber noch immer recht künstlich. Da
"Blade" aber nun mal auf einem Comic fußt, kann man dieses Manko ruhig unberücksichtigt lassen. Dass man an den sterbenden Vampiren nicht viel ändern wollte, fällt beim Zusehen auf, daher darf man von Absicht ausgehen. Wer hier ein ausuferndes Gorefestival à la
"Braindead" erwartet, wird also enttäuscht sein, denn Blut wird genauso in Maßen verwendet wie im Vorgänger. Eigentlich lässt der Film sich auf 4 Locations beschränken: Blades Basis, die Disco, die Abwasserkanäle und das Vampirquartier. Während man Blades Hauptquartier größtenteils im bekannten Zustand belies, hat man die Disco "normaler" gestaltet. Abgeschirmt durch meterdicke Stahlsperren und ohne sichtbaren Wächter wirkt das Szenario realistischer als der Schlachthof. Die Abwasserschächte sind hingegen neu und erinnern ein wenig an
Del Toros
"Mimic". Auch hier schafft er es wieder den schmutzigen und düsteren Abwasserschächten, nicht zuletzt dank des kaum vorhandenen Lichts und der geringen Sicht, eine beklemmende und bedrohliche Atmosphäre zu verpassen. Der Vampirkomplex macht nach außen den Eindruck einer Firma, ist aber innen eher ein futuristischer Komplex, der an ein riesiges Labor erinnert und einen schicken Blutwhirlpool zu bieten hat.
"Fuck! It's not silver, but it still hurts like hell!" - Rush
Musikalisch bewegt der Film sich klar am Erstling. Schnelle Musik aus den Bereichen Techno, Rave und Metall begleiten die rasanten Verfolgungsjagden und Kämpfe. Man hat es sogar geschafft gleichwertigen Ersatz für solche Blockbuster wie "Confusion" zu finden und sie genauso stilvoll auf die

Szenen zu beziehen. Da wird einem richtig kribbelig im Bauch. Weitere Pluspunkte macht der Film bei den Nebencharakteren rund um
"Blade" in Bezug auf den Vorgänger. Blade hat, weil Whistler nun mal abwesend war, einen neuen, jungen Mechaniker. Beide Helfer beschwören anfangs erst mal einen augenzwinkernden Generationskonflikt herauf, versöhnen sich aber, um dann zusammen neue Erfindungen zu basteln. Aus lauter durchgeknallten Figuren besteht aber das "Bloodpack", die Spezialeinheit der Vampire. Reinhardt (schicker, deutscher Name) ist der Anführer und muss sich mit Blade arrangieren. Da Reinhardt (
Ron Perlman) Blade nicht sonderlich sympathisch ist, führt der Daywalker ihn anfangs auf einer sehr amüsante Art und Weise vor. Kenner der Westernkomödien von
Terence Hill dürfte diese Szene bekannt vorkommen. Imposant ist auch Lighthammer, dessen Waffe nur ein riesiger Hammer ist und Snowman. Gespielt von
Donnie Yun zeigt er ähnlich wie in
"Highlander: Endgame" ein paar tolle Actionszenen, kommt aber leider zu selten vor die Kamera um glänzen zu können. Eine größere Rolle hätte ihm schon zugestanden. Die Hingucker des Films ist die Amazonenvampirin Nyssa, welche sich mit Blade scheinbar ziemlich gut verständigen kann. Alle sind in eleganten, schwarzen Lederklamotten gekleidet und erinnern in Look und Auftreten an Spezialeinheiten wie man sie aus
"Predator" und
"Jason X" kennt.
Der größte Teil des Films besteht aus Kämpfen und Schießereien. Wenn mal pausiert wird, seziert man halt mal einen toten, mutierten Vampir, rüstet sich neu aus und klopft coole Machosprüche. Die Kämpfe in
"Blade 2" dürften neue Maßstäbe setzen, auch wenn man die "Künstlichkeit" bemängeln könnte. Aber hey, muss in einer Comicverfilmung etwa alles echt und realistisch aussehen? Im Film wird erschossen, geköpft, zerschnitten, gestochen,

geschlagen, zerhäckselt und zerschossen, dass einem schier die Augen rausfallen. So ein Feuerwerk an ununterbrochener Action gab es bisher noch nie. Viel furioser und schneller sind die Kämpfe geworden. Die Vampire fliegen durch die Luft, lösen sich auf wenn sie getroffen wurden, während schon wieder neue Gewehrsalven durch die Gegend surren. Bei der Jagd auf die Gegner wird auch keine Rücksicht auf unbeteiligte Vampire genommen (Wie war das noch? Kollateralschaden? ;-)), die müssen halt auch dran glauben. Denn Gegner, die nur durch Sonnenlicht zu töten sind, bekommt man leider recht schwer klein. Im Mittelpunkt immer der ruhige und extrem coole Blade, der meist Herr der Lage ist und nie in Gefahr zu schweben scheint. Streckenweise glaubt man sich eher in einem Kriegs- statt in einem Actionfilm wiederzufinden so lang und ausführlich sind Schießereien. Ihren Teil tragen auch die Waffen dazu bei, welche diesmal vielfältiger und teilweise auch großkalibriger sind.
Furios sind aber auch die Kämpfe ohne Waffen oder halt nur mit Schwert. Blade und sein jeweiliger Gegner fliegen durch die Luft, bekämpfen einander, rutschen über den Boden, um sofort wieder blitzschnell aufzustehen und zueinander zu eilen. Kann auch schon mal passieren, dass dabei Arme oder andere Gliedmaßen brechen oder abgetrennt werden. Alles so schnell und aus den unmöglichsten Winkeln geschnitten und gefilmt, dass man sich im Kinosessel festhalten muss, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Es kann einem wirklich schwindelig werden.
Gelungen und überraschend ist die eigentlich sich ankündigende Wende des Films, die man zwar erwartet, aber genau dann Eintritt, wenn man nicht damit

rechnet. Das Grundmotiv ist leider wieder das selbe, aber die weiterführende Idee ist diesmal ausgefuchster und bösartiger. Sogar für einen dramatisch, tragischen Schluss ist diesmal gesorgt. Die obligatorische Endsequenz, wie man sie schon aus dem Original kennt, darf auch hier nicht fehlen, nur diesmal noch besser ...
Wesley Snipes schlüpft mit gewohnter Coolness in die Rolle von
"Blade". Ob nun sein extrem, cooler und überzogener Genickknacker, bevor er die Vampire zum Kampf fordert, oder die Szene, in der Whistler ihm vor dem Kampf noch lässig die Sonnenbrille zuwirft: Snipey beherrscht diese Figur dank Ausstrahlung und nicht zuletzt dank seiner überzeugenden Martial Arts-Künste wie kein anderer. Er überzieht seine Darstellung zwar, aber welche Comicfigur sollte denn realistisch sein?
Kris Kristofferson schlüpft wieder in den granteligen, meist miesgelaunten, aber schlitzohrigen Whistler und hilft Blade mal wieder aus der Patsche. Die Figur hat man im ersten Teil schon liebgewonnen, daher konnte
Kristofferson nicht viel falsch machen. Sehr gut gefiel mir auch
Ron Perlman als unsympathischer Anführer des "Bloodpacks". Er glänzt wie schon in
"Alien 4" mit lockeren Sprüchen und bietet ein prima Gegenstück zu Blade. Schade, dass er sonst nur in B-Filmen zu sehen ist. Erwähnenswert noch, dass der Exportdeutsche
Thomas Kretschmann den bösen Vampirlord spielt. Deutsche (
Jürgen Prochnow,
Götz Otto) scheinen in Hollywood dafür prädestiniert zu sein...
"Vampires... I hate vampires..." - Nomak
"Blade 2" besitzt keinen Tiefgang könnte man sich jetzt beschweren. Dafür wartet dieser Film aber über die volle Spielzeit mit harter und furioser Nonstopaction auf, wie man sie noch nie gesehen hat. Langweilig wird es unter Garantie nie. Vergleichen kann man ihn mit dem ersten Teil kaum noch, da man hier einen ganz anderen, viel düsteren Weg einschlug, der sich wirklich bezahlt macht. Einer der wenigen Fortsetzungen, die besser als das Original ist. Gebt mir Teil 3 ...