"Some have even died in their reckless pursuit of this angel." - Werbezeile
Die Schulzeit ist eine harte Zeit, vor allem in den USA. Cliquenwirtschaft existiert während der Pubertät, man versucht sich selbst zu finden und sammelt sich mit Leuten, die gleich oder ähnlich denken wie man selbst. Wer seit zwanzig Jahren Kinofilme kennt, der weiß, dass dies in den amerikanischen High Schools noch etwas versierter ist, als hier in Deutschland. Dort hat es die Football-Spieler, die quasi die Könige der Schule sind und ihre Königinnen bestehen aus den Cheerleaderinnen. Prestige ist alles, Aufmerksamkeit auch und diese holt man sich wenn nötig. Auch auf die rabiate Weise. Und wenn es Könige gibt, existieren auch Narren, die Nerds, Freaks, Streber der Schule. Die Dicken, die Bebrillten, die Schmächtigen, sie werden von den Sportlern und Attraktiven als "Tunten", "Schwuchteln" und "Loser" bezeichnet.
Dieses Klischee einer High School lebt in den meisten Teenager-Filmen fort und wurde auch durch TV-Serien wie
"Beverly Hills 90210" bestärkt und getragen. Eine dieser gemobbten Charaktere ist Emmet (
Michael Welch,
"Day of the Dead") und die Tatsache, dass er auf der Pool-Party von Schulschönling Dylan ist, verdankt er lediglich seiner Jugendfreundin Mandy Lane (Amber Heard,
"Alpha Dog"). Mandy Lane wird von ihren männlichen Mitschülern zum heißesten Mädchen der Schule verklärt, doch hierbei spielt nicht ausschließlich ihr Aussehen mit rein, sondern auch, dass sie scheinbar noch jungfräulich ist. Folglich ist sie für Dylan und seine Freunde Bird (
Edwin Hodge,
"The Alamo"), Red (
Aaron Himmelstein) und Jake (
Luke Grimes) eine Art Trophäe, die es zu ergattern gilt. Auf Dylans Poolparty kommt es schließlich zu einem Unfall, der auch Emmet und Mandy Lane auseinander treiben wird. Fortan versucht sich Mandy im neuen Freundeskreis um die eingebildete Chloe (
Whitney Able). Gemeinsam soll zum Ferienhaus von Red gefahren werden, doch bereits in der ersten Nacht eskaliert die Situation. Ein Mörder sucht das Anwesen heim und beginnt sich der Teenager zu entledigen, einem nach dem anderen.
Hinter
"All the Boys Love Mandy Lane" verbirgt sich eine Gruppe von Filmhochschulabsolventen, von denen im Grunde alle einen Master of Fine Arts in ihrem jeweiligen Metier erlangt haben und rund die Hälfte beim American Film Institute studiert hat. Hierzu zählt auch Regisseur
Jonathan Levine, der mit
"Mandy Lane" sein Regiedebüt feiert.
"Wenn das Publikum ‚All the Boys Love Mandy Lane’ sieht, soll es sich daran erinnern, wie schrecklich es doch war, ein Teenager zu sein", beschreibt
Levine seinen Film.
"Mandy Lane" somit ein großes Ganzes über das Leben in der High School? Die seltensten Schülerinnen und Schüler dürften während eines Ferienausflugs von einem wahnsinnigen Mörder gejagt worden sein, somit dürfte dies sehr viel weniger mit Levines eigener Schulerfahrung zu tun haben, die er mit seinem Film in Verbindung bringt.
Dafür dass die Macher mit
"Mandy Lane" eher eine "Highschool-Geschichte" denn einen Horrorfilm erzählen wollten, überraschen sie mit extrem naiver Einfallslosigkeit. Das Schulleben, das man hier sieht, konnte man bereits in den
"American Pie"-Filmen oder
Robert Rodriguez’
"The Faculty" sehen, sowie in zwei Dutzend anderer Teenie-Filme aus dem Land hinter dem Ozean. Sexgeile Schönlinge, die jedem Rock hinterher jagen und Mädchen, die Wert auf ihr Aussehen und die Gunst der Jungen legen. Dazu Sex, Petting, Fellatio, Drogen, Alkohol und laute Musik. Neue Sichtweisen kann
Levines Film folglich nicht bieten, sondern bedient sich freizügig beim allseits bekannten Klischeepool des Genres, nicht nur in dieser Hinsicht. Auch die Idee eines Serienmörders, der Kinder in ihrer Freizeit heimsucht - am meisten drängt sich
"Freitag der 13." auf - ist so altbacken, dass es für den Zuschauer vollständig vorhersehbar ist. Wer der Täter ist und was seine Motivation, das weiß man bereits nach fünf Minuten, daher ist die Luft aus
Levines Film bereits heraus, ehe dieser richtig losgegangen ist.
Eine „raffinierte Story" wird dem Publikum versprochen, der Film soll
"den Touch eines spätsommerlichen Feel-Good-Werbespots" erzeugen. Ein Horrorfilm über die schlechten Erfahrungen in der Schule. Ein Widerspruch in sich. Auch die Aussage des Regisseurs, während der Drehzeit mit 2 Stunden Schlaf pro Nacht ausgekommen zu sein. Viel Lärm und nichts dahinter. Der Film weiß zwar mit einem netten Plottwist aufzuwarten - welcher jedoch ebenfalls vorhersehbar ist -, doch rettet dies das Gesamtbild des Filmes nicht. Dennoch ist der Plottwist sicherlich der Höhepunkt und weiß zu retten, was zu retten ist, einfach da er durch seine Inkonsequenz zu gefallen weiß. Was dem Film jedoch davor bewahrt in sich zusammen zu brechen, ist der Soundtrack, der gerade das gewollte Feel-Good-Gefühl wecken kann.
Ironischerweise ist er nicht im Handel erhältlich, aus welchen Gründen auch immer, denn der US-Independent-Film, der jetzt erst in Deutschland startet, ist nicht aktuell, war letztes Jahr bereits auf dem Fantasy Film Fest zu bewundern. Man muss es den Filmhochschulabsolventen allerdings zu Gute halten, dass sie - so einfallslos wie ihr Film ist - diesen optisch und technisch zumindest überzeugend transferieren konnten. Auch das Casting für die eindimensionalen Figuren ist als gelungen zu bezeichnen, stellt allerdings auch keine zu großen Anforderungen an die jungen Darsteller, von denen manche (z.B.
Edwin Hodge) bereits seit dem Kindesalter als Schauspieler arbeiten.
Woher die Affinität zu diesen 08/15-Teenie-Slasher-Filmchen stammt, bleibt wohl ein Geheimnis, vor allem da sie alle identisch miteinander sind. Sei es
"Halloween H20",
"Ich weiß noch immer was du letzten Sommer getan hast" und dergleichen, sie alle konzentrieren sich auf eine Gruppe Teenager, die von einem Mörder heimgesucht werden. Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen um die Schönen und Doofen der Schule, die Sportler, Cheerleaderinnen und Mobber. Dies lässt darauf schließen, dass die Macher dieser Filme früher einst Nerds und Freaks waren, Leute die gehänselt wurden und sich nun an ihren ehemaligen Peinigern "rächen" möchten. Wann wurde schon einmal eine Gruppe Jugendlicher auf einer LAN-Party abgestochen? Nein, es sind die oberflächlichen und selbstverliebten Teenies, die sich dem Tod gegenübersehen müssen. Überleben dürfen immer diejenigen, die doch nicht so böse und gemein sind, wie man eigentlich dachte. Diejenigen, die früher mal selbst Nerd waren, oder mit einem eine Freundschaft eingegangen sind. Diese macht man ebenfalls zu Beginn der jeweiligen Filme aus, somit weiß man, wer in
"All the Boys Love Mandy Lane" überleben, wer sterben und wer der Mörder sein wird. Außerdem weiß man, aus welchen Beweggründen heraus der Mörder mordet. All das ist einem nach 10 Minuten bekannt, die restlichen achtzig Minuten verlaufen dann so, wie man sich das denken kann, wenn man in seinem Leben bereits einen Horrorfilm gesehen hat.
Dafür, dass der Film das erste Werk einiger Absolventen ist, kann man diesen ihr Ergebnis noch einmal verzeihen, schlimmer wäre es, wenn ein alteingessesener Regisseur diese Geschichte verzapft hätte. Wer seinen Spaß an Slashern wie
"Freitag der 13." oder seinen Genrevertretern hatte, der kommt auch bei
"All the Boys Love Mandy Lane" auf seine Kosten. Für alle anderen dürfte der Film kaum bis wenig Neues bieten, nicht überraschen und kaum erschrecken - der Soundtrack aber, der ist wirklich gut. Hoffentlich kommt der noch auf den Markt.