(Death Proof, USA 2007)
Quentin Tarantino's Death Proof
aka. Quentin Tarantino's Thunder Bolt!
aka. Quentin Tarantinos Death Proof - Todsicher
aka. Thunder Bolt
aka. Grindhouse - Death Proof
Regie: Quentin Tarantino
Drehbuch: Quentin Tarantino
Spezialeffekte: Andy Schoneberg
Freigabe: ab 16 Jahre
Genre: Action/Thriller
Kamera: Quentin Tarantino
Musik: -
Produzent: Elizabeth Avellan, Robert Rodriguez, Erica Steinberg, Quentin Tarantino, Bob Weinstein, Harvey Weinstein
Länge: 114 Minuten
Dt. Start: 19.07.2007
Cast: Kurt Russell, Rosario Dawson, Vanessa Ferlito, Jordan Ladd, Rose McGowan, Sydney Tamiia Poitier, Tracie Thoms, Mary Elizabeth Winstead, Zoe Bell, Michael Parks, James Parks, Quentin Tarantino, Eli Roth
"These 8 Women Are About To Meet 1 Diabolical Man!"
Gemessen an dem, was
Quentin Tarantinos neuer Film vermutlich sein möchte, nämlich nicht nur eine ehrenwerte Verbeugung vor den sleaze movies der Grindhouse-Ära, sondern ganz sicher auch eben selbst ein Vertreter des schmuddeligen Exploitation-Kinos, scheitert er grandios.
"Death Proof" wäre so und wohl bestimmt auch nicht so ähnlich kaum in einem schäbigen Double Feature mit urigen Zombies, irren Highwaykillern oder satanischen Teufelsweibern gelaufen, denn er ist ganz einfach - viel zu gut. Und das ist in der Tat ein Problem: Da kann
Tarantino das Filmmaterial so kokett verunstalten wie es ihm beliebt, hier einen Drop Out reinsetzen und da ein paar Cigarette Burns platzieren, den Ton knacksen und springen lassen oder das Bild auch mal eben beabsichtigt unbeabsichtigt schwarzweiß tünchen. Doch das nimmt seinem Film nicht jene Widersprüchlichkeit, die ihm den angepeilten Status eines Klassikers verwehren wird.
Ganz egal, ob es sich nun um
"Vanishing Point",
"Gone in 60 Seconds" oder
"Death Race 2000" handelt, sie alle besitzen etwas, das
"Death Proof" ganz gewiss fehlt: Nichts. Mit geringen Budgets, wenig talentierten Darstellern und meist überaus beschränkten Dialogen sind sie doch nur auf das Wesentliche aus, ohne geistige Umschweife und ohne Rücksicht auf Verluste - Sex(ismus) und Gewalt(verherr- lichung) bestimmen die Handlung, das Mittel als Zweck begriffen, um in den Mitternachtsvorstellungen ein paar schnelle Dollar zu scheffeln. So arbeitet
Tarantino nicht, trotz seiner enormen Sympathie fürs Genre. Sein Film orientiert sich nur in der amüsant infantilen Dramaturgie an den Vorbildern, manch ästhetische Verunglimpfung inbegriffen (das überrote Blut, das in gleichmäßigen Streifen auf den Scheiben des Autofensters klebt, zählt noch zu den gelungenen Details), und stellt sich mit bemerkenswertem Bewusstsein gewohnt selbst aus:
Wir machen hier Old School-Retro-Grindhouse- Kino, ganz postmodern und selbstreflexiv. Basta!
Nur hätte es da ein wenig mehr Konsequenz gebraucht.
Tarantinos Dialoge sind viel zu clever, mehrdeutig und verschachtelt, sein visueller Stil wesentlich zu elegant, gerissen und ausgefeilt, um auch nur für eine Minute als Möchtegern-Schund funktionieren zu können. Sein Gespür für den richtigen Ton einer jeden Szene, die großartige Musikauswahl und überhaupt die Fähigkeit, etwas grund- sätzlich Banales zum Gegenstand eines ganzen Handlungsabschnittes zu machen und somit quasi aus dem Nichts heraus eine innere Spannung zu evozieren, das alles ist eben nicht sleazy, campy oder cheap, sondern einfach wunderbar unterhaltsam, sympathisch, hochwertig. Und auch wenn
Tarantinos Film bestenfalls als Edel-Hommage durchgeht, so ist er als Nicht-Grindhouse-Film letztlich sogar Teil eines eigenständigen, (post)modernes Actionkinos, als Film mit unbestrittenen Qualitäten, die für sich genommen viel zu erwähnenswert sind, als dass sie einfach ignoriert werden könnten.
"A White-Hot Juggernaut At 200 Miles Per Hour!"
Da tut es
"Death Proof" womöglich nur gut, dass er nach dem katastrophalen Einspielergebnis des Double Feature-Projekts ähnlich wie auch
Robert Rodriguez’ "Planet Terror" separat vermarktet wird, in einer längeren und souveräneren Version. Denn einerseits erscheint die Ambition des Films nicht mehr ganz so misslungen, wenn er aus dem Kontext des
"Grindhouse"-Spektakels gelöst wird, vor allem aber gliedert sich
"Death Proof" für sich genommen bereits in zwei Teile. Nachdem
Kurt Russell, der lange nicht mehr so gut war wie in der Rolle des
Maniac on the Loose Stuntman Mike, die drei vermeintlichen Heldinnen zur Strecke gebracht hat, erzählt der Film die nahezu gleiche Geschichte noch ein zweites Mal, mit anderen (starken) Frauen im Mittelpunkt und einem irren Schlussgag. Was sich hier irgendwo zwischen quietschenden Autoreifen, augenzwinkerndem Feminismus und schwungvollen Jukebox-Plattitüden bewegt, ist nichts weiter als gewollter, aber doch schwer amüsanter Retro-Trash, der
Tarantinos Versprechen nach dem zweigeteilten
"Kill Bill" dann sogar doch noch ein wenig einlöst: Zwei Filme zum Preis von einem. Danke vielmals.