"Like Father, Like Daughter."
Nachdem
"Saw" bereits 2004 sein Publikum zu begeistern wusste, war es nur eine Frage der Zeit bis eine Fortsetzung des beinharten Thrillers auf sein Publikum losgelassen werden würde. Oktober 2005 war es dann soweit und das Sequel durfte ebenfalls Kasse machen und der immense Erfolg des inhaltlich doch recht schwachen zweiten Teils öffnete sämtliche Türen für eine weitere Fortsetzung, welche exakt 1 Jahr nach Teil zwei ebenfalls die Kinokassen stürmen sollte. Der Erfolg gab den Machern mal wieder recht, denn auch der dritte Aufguss der mittlerweile zum mehr als gewinnträchtigen Franchise mutierten Saga schlug ein wie die sprichwörtliche Bombe und brachte am Startwochenende ganze 34,3 Millionen Dollar in die Kinokassen. Das Ergebnis war dann auch der Startschuss für den US-Vertrieb
Lions Gate, welche kurz nach Bekanntgabe der Einspielergebnisse einen vierten Teil bestätigen, welcher pünktlich zu Halloween 2007 die Geldbeutel der Produzenten füllen wird.
Doch lasst uns nicht allzu weit in die Zukunft blicken und derweilen lieber beim dritten Teil bleiben, welcher eigentlich als Abschluss einer Trilogie gesehen werden kann. Stammautor
Leigh Whannel muss für eine weitere Fortsetzung tief in die Trickkiste greifen, um da noch etwas Sinniges bei heraus zu holen, sollte er überhaupt noch mal für einen weiteren Teil zu Verfügung stehen.
Zusammen mit
James Wan (
"Dead Silence"), welcher bereits mit
Whannel zusammen das Skript des wirklich grandiosen ersten Teils schrieb, ist die Serie sichtlich bemüht, das Schema würdig weiterzuführen und bricht dafür gleich zwei ungeschriebene Regeln der Reihe: Zum einen wäre da der urplötzlich so simpel ausfallende Plot, welcher das Publikum kaum überfordern dürfte. Nein, hier wird der Zuschauer nicht wie in den anderen Teilen in die Irre geführt, alles bleibt geradlinig und wirkt derweilen stark konstruiert, setzt dafür aber direkt am Ende des zweiten Teils ein, als Inspektor Eric Matthews (
Donnie Wahlberg,
"Bullfighter"), dessen Sohn mit einigen anderen Teenagern und Verbrechern in einem Haus gefangen gehalten wurde, auf der Suche nach ihm in eine Falle des Jigsaw-Killers geriet. Wie die Opfer des erstens Teils befindet sich Eric in dem alten Kellergewölbe und trägt eine Eisenkette als Fußfessel. Einziges Manko: Es gibt keinen Schlüssel, nur eine Säge ...
"Sometimes Rules Are Meant To Be Broken ..."
Der Anfang lässt hoffen, doch anstelle treu dem Motto "weniger ist mehr" das wirklich intensive und unangenehme Intro ausklingen und auf das Publikum wirken zu lassen, blendet man über zu seiner Kollegin Kerry, welche hier zum dritten Mal von
Dina Meyer (
"Starship Troopers") verkörpert wird. Sie stürmt zusammen mit einem Sonderkommando eine Schule und findet in einem Klassenzimmer die verstümmelte Leiche eines weiteren Jigsaw-Opfers. Hier wird dann auch gleich die zweite Regel gebrochen, denn aller guten Dinge sind bekanntlich drei und aufgrund der dünnen Story müssten die Macher zumindest die ersten 15 Minuten so blutig wie nur möglich überbrücken.
So bekommen wir dann plötzlich eine Rückblende gezeigt, in der wir das vermeidliche Opfer Jigsaws in Ketten gelegt in einem Raum stehen sehen. Anstelle dass die Ketten durch Hand- und Fußfesseln ihn seine Freiheit berauben, wurden riesige Eisenringe durch diverse Körperteile gestoßen. Dass dies schmerzlich ist, brauche ich kaum zu erwähnen und mit Piercing hat das ganze ebenfalls reichlich wenig zu tun. Er hat jedoch keine Zeit mehr, sich über seinen neuen Körperschmuck Gedanken zu machen, denn Jigsaw will mit ihm spielen und übermittelt ihm per Videoübertragung, dass er nur wenige Sekunden Zeit hat, den Sprengsatz vor ihm zu deaktivieren, bevor er in tausend Stücke zerfetzt wird. Nun, das Ergebnis haben wir ja bereits auf dem Boden liegen sehen - er schafft es nicht, dafür haben wir aber wieder einen hervorragend und derbe inszenierte Sequenz zu Gesicht bekommen, welche aber wie eigentlich der ganze Anfang nicht sonderlich dienlich für den weiteren Verlauf der Geschichte ist und den Film sogar stark ausbremst, bevor er überhaupt richtig begonnen hat.
Doch das ist noch nicht alles: Da man keinen Platz mehr für die attraktive
Dina Meyer im völlig überfüllten und innerhalb von knapp 6 Tagen hingerotzten Drehbuch hatte, verheizt man sie wenige Sekunden später auch in bester Jigsaw-Manier, womit wir es gleich mit drei Opfern direkt am Anfang zu tun bekommen, was bei weitem nicht so effektiv ist wie in den ersten beiden Teilen, wo jeweils nur eine unglückliche Person den Beginn des Filmes einläuten darf. Aber was soll's, denn
Dina Meyer hat bisher sowieso nur die zweite Geige in der Serie gespielt und auch wenn sie diesmal eine größere Rolle verdient hätte, lässt man sie lieber auf blutige und sadistische Art und Weise ums Leben kommen.
Wie gesagt:
"Aller guten Dinge sind drei und Regeln sind da um sie zu brechen". Doch leider bringen diese blutigen ersten 15 Minuten dem Film rein gar nichts, außer dass dem Publikum gezeigt wird, dass die Macher immer noch regelmäßig MTV schauen, auf überhastete Stakkatoschnitte stehen und gerne mit Innereien herumspielen. Dabei hätten wir mit Eric einen sehr schönen morbiden Anfang gehabt ...
Die ersten Minuten dürfen also als pure Reizüberflutung aus einer mittlerweile standardisierten MTV-Ästhetik und
"Saw" typischen Mordvariationen über das Publikum herein brechen, versprechen den Zuschauern mehr, als sie schließlich geboten bekommen und schleudern sie mit einem Fußtritt zurück in die bittere Realität. Der weitere Verlauf der Geschichte darf im Vergleich zum ersten Teil und sogar zum bereits reichlich konstruiert wirkenden Sequel als wirklich schwach und ideenlos bezeichnet werden.
Der an Krebs erkrankte und vom Arm des Gesetzes gejagte John alias Jigsaw zieht sich mit seiner Schülerin Amanda (erneut
Shawnee Smith,
"The Blob") in ein verlassenes Domizil zurück, was beide aber nicht davon abhält ihre blutigen Spielchen fortzusetzen. Diesmal haben sie es auf die Ärztin Dr. Lynn Denlon (routiniert
Bahar Soomekh,
"M:I:3") abgesehen, welche den im Sterben liegenden Jigsaw-Killer mittels einer rettenden Operation vor einem qualvollem Tode bewahren soll. Zugleich entführt man auch ihren Ehemann Jeff (
Angus Macfadyen,
"Equilibrium"), welcher in einer Kiste aufwacht und sich seinen Weg durch ein Labyrinth hindurch kämpfen muss, in dem ihn einige perverse Spiele der beiden Psychopathen erwartet. Doch Jeff braucht kaum um seine Gesundheit bangen, denn er ist es, der hier über Leben und Tod, Schuld und Unschuld, sowie Vergebung zu entscheiden hat.
Seit dem Tod seines 8jährigen Sohnes ist Jeff nur noch ein Schatten seiner selbst und stark Suizid gefährdet. Er vergisst dabei sogar seine kleine Tochter. Nun hat er die Möglichkeit über die Menschen zu richten, die maßgeblich am Tod seines Sohnes beteiligt waren. Er hat die Macht, sie aus den perfiden Fallen der Jigsaws zu befreien, wenn er ihnen vergibt, doch die Zeit läuft und Jeffs Hass scheint stärker als seine Vernunft.
Derweilen zwingt Amanda die Ärztin, Johns unheilbar diagnostizierten Krebs zu heilen. Mit einer Apparatur auf dem Kopf, welche auf die Herzfrequenzen ihres Patienten abgestimmt ist, muss sie Jigsaw operieren. Sollte er sterben und sein Herz zum Stillstand kommen, so ist dies auch ihr Todesurteil und ein Sprengsatz in ihrer "eisernen Maske" detoniert.
Keine erfreulichen Aussichten, doch ihr bleibt nicht mehr viel Zeit den Tumor aus Johns Schädel heraus zu holen. Sie beginnt die Operation mit einer Ausrüstung, die nicht sonderlich steril und deutlich für Grobmotoriker gedacht ist. Mit der Bohrmaschine in der einen und einer Kreissäge in der anderen Hand macht sie sich auf, den Krebs zu bekämpfen.
"Pain: it's part of the puzzle. Blood: it's the price of freedom. Death: it's not that easy."
Auch wenn sich das ganze gar nicht mal so schlecht anhört, entpuppt sich
"Saw 3" als langatmiger Schnellschuss, der im Gegensatz zu seinen Vorgängern kaum Spannung aufbaut und dank expliziter Gewaltexzesse nicht selten selbstzweckhaft wirkt. Zudem fehlt es an Bezugspersonen, denn im Grunde sind dem Zuschauer sämtliche Charaktere im Film egal. Zwar versucht der Regisseur, den Jigsaw-Killer als Sympathieträger davon kommen zu lassen, doch das wirkt dermaßen zwanghaft, dass es schon weh tut.
Niemand will einen sterbenden Jigsaw sehen; das menschliche Wesen, was hinter den sadistischen Morden steckt, interessiert einfach nicht. Man raubt John seiner Erhabenheit und kratzt an dessen Mythos. Zugleich versucht man anhand von unzähligen schnell geschnittenen Rückblenden seiner Vergangenheit auf den Grund zu gehen, findet schließlich aber nur ein sperriges Gebilde, welches die Logiklöcher der ersten beiden Teile zu kaschieren versucht.
So erfahren wir z.B., dass Amanda bereits seit dem ersten Teil die hiesige Schule der Jigsaws besucht und ihren Mentor abgöttig anbetet. Sie kann nicht ohne ihn und wird sogar auf die Ärztin eifersüchtig - eine Todsünde, die ihr zum Verhängnis wird, denn im Grunde ist das ganze Leben ein einziger Test ihres Meisters ...
Das Grundkonzept des Filmes ändert sich kaum, denn das Produzententeam weiß, was die Fans von ihnen erwarten. Der morbide Look der Vorgänger bleibt erhalten, die unsägliche MTV-Ästhetik wird ebenfalls wieder bis zum Erbrechen zelebriert und ist in einer solchen Produktionen kaum noch wegzudenken. Und ganz nach dem Motto: "Fällt uns nichts mehr ein, so setzen wir auf Ekel", legt das Horrorfilm erprobte Team in puncto sadistischer Morde und Brutalität noch eins drauf. Schließlich kann eine gehörige Portion Blut so einiges wieder gut machen.
Die Gore-Effekte sind hart und im Grunde das einzige, auf das sich die Zuschauer "freuen" können. Fiese Fallen, reichlich roter Lebenssaft und vor allem die explizite Gehirnoperation, welche wahrlich als Highlight des gesamten Filmes gewertet werden kann, haben es ins sich. Werden die Morde durch schnelle Schnittfolge etwas "entschärft", hält Regisseur
Darren Lynn Bousman hierbei voll drauf, bis auch der letzte Zuschauer sein Popcorn wieder rückwärts isst. Diese Sequenz ist detailliert wie selbstzweckhaft, dem Verlauf der Story nicht einmal dienlich und wird das einzige sein, woran man sich am Ende noch erinnern wird. Eine dermaßen "realistische" und eindringliche OP-Sequenz habe ich bisher in einem Horror-Thriller noch nicht zu Gesicht bekommen und auch wenn diese Szene unter die Haut geht, reicht es nicht, die restlichen Schwächen des dritten Teils allesamt wieder wett zu machen.
"Saw 3" wird künstlich in die Länge gezogen und hätte in zwanzig Minuten erzählt werden können. Zudem dient Jeffs Rolle nur als Mittel zum Zweck, damit die Produzenten, ungeachtet der Logik, die kruden Effektsequenzen rechtfertigen können. Wie konnte Amanda die ganzen Fallen, welche hinter dermaßen ausgetüftelten Konstruktionen stecken, alleine aufbauen? Das verlangt mehr als technisches Geschick. Nehmen wir z.B. die "Ganzkörperpresse", die wohl größte Maschine im ganzen Film. Wie hat sie ihr Opfer dort hineinbekommen? Effekthascherei zu lasten der Logik? Nun, wer weiß, vielleicht sehen wir im vierten Teil, dass sie doch nicht allein war und der Sohn von Inspektor Eric Matthews ihr geholfen hat. In der Not denkt man sich sowieso den größten Mist aus.
"Legends never die."
Es will einfach nicht passen: Egal ob einem der Score wieder eine angenehme Gänsehaut herbeizaubert und die Effekte allesamt hervorragend umgesetzt sind, dafür aber nur zum Selbstzweck inszeniert wurden, oder aber
Tobien Bell (
"Black Mask 2") als Jigsaw-John abermals eine tolle Performance abliefert, obgleich er an ein Krankenbett gebunden ist - letztlich trägt das Erfolgsrezept aber keine Früchte und selbst der obligatorischen Rundumschlag Jigsaws am Ende des Filmes wirkt aufgesetzt und unglaubwürdig.
Spannung wird kaum erzeugt und rein emotional ist
"Saw 3" der Verlierer, wobei zumindest die Darstellerriege eine sehr gute Leistung abliefert. Doch auch wenn man wieder etwas mehr in Richtung des ersten Teils zu gehen versucht, dafür aber die Effektsequenzen um ein Vielfaches verschärft und dank einer morbiden Optik zumindest etwas für's Auge zu bieten hat, bleibt
"Saw 3" ein absolut vorhersehbares Produkt, welches, sollte man die Goresequenzen allesamt herausnehmen, nichts weiter als ein recht bemühter Thriller mit einem guten Cast geworden ist.
"Saw 3" ist nur darauf ausgelegt, dem Publikum Ekeleffekte zu servieren. Aus der einst innovativen Idee, der klaustrophobischen Stimmung des Beinahe-Kammerspiels ist nicht anderes als ein Torso übrig. Man hätte aufhören sollen, als es noch am schönsten war, doch des lieben Geldes wegen fährt man eine Serie mit Vollgas gegen die Wand. Vielen Dank!