(Van Helsing, USA/Tschechien 2004)
Regie: Stephen Sommers
Drehbuch: Stephen Sommers
Spezialeffekte: Industrial Light & Magic, Illusion Arts
Freigabe: ab 12 Jahre
Genre: Fantasy, Horror, Action
Kamera: Allen Daviau
Musik: Alan Silvestri
Produzent: Stephen Sommers, Bob Ducsay, Sam Mercer
Länge: 127 Minuten (PAL)
Dt. Start: 06.05.2004
Cast: Hugh Jackman, Kate Beckinsale, Richard Roxburgh, David Wenham, Shuler Hensley, Elena Anaya, Will Kemp, Kevin J. O'Connor, Alun Armstrong, Silvia Colloca, Josie Maran, Tom Fisher, Samuel West, Robbie Coltrane, Stephen Fisher
In den 90ern reichte es
Stephen Sommers, eine klassische Figur des Horrorkinos zum digitalen Leben zu erwecken und damit Millionen Zuschauer zu begeistern. Nach seinen zwei
"Die Mumie"-Filmen kommt nun ein neues Effektfeuerwerk auf den Popcorn mampfenden Zuschauer zu ...
Im 3. Jahrtausend bringt der Regisseur und Drehbuchautor gleich einen ganzen Haufen von bekannten Mythen und Monstern auf die Leinwand. Dracula, Dr. Frankenstein samt Monster, Werwölfe - und in kleinen Nebenrollen Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Draculas Bräute und

zahlreiche Zwerge. Soweit, so gut: Für eine spannende, unterhaltsame und trashige Grundstimmung ist also bestens gesorgt. Wie in den Zeiten des klassischen Gruselfilms bedeutet das Aufeinandertreffen mehrerer Publikumsgiganten auch heute noch beste Unterhaltung (im wahrsten Sinne des Wortes - also ohne Tiefgang, aber auch ohne Langweile). Zumindest in den meisten Fällen - Ausnahmen, gibt es leider immer.
Kurz zur Handlung, so sie denn von Interesse ist: ein mysteriöser, von Gedächtnisschwund geplagter Held namens Van Helsing arbeitet im Auftrag einer christlichen Geheimorganisation daran, Dämonen, Monster und anderes Getier zu vernichten. Unkonventionell, tödlich und von normalen Menschen als Mörder gebrandmarkt (immerhin erhalten die Gegner Van Helsings nach dem Tod ihre frühere Gestalt wieder ...) führt er ein einsames Leben. Immer auf der Suche nach seiner Vergangenheit. Alles ändert sich, als er nach Transsylvanien geschickt wird. Das Land wird von einem grausamen und scheinbar unbesiegbaren Vampir namens Graf Dracula terrorisiert. 400 Jahre lang dauert seine Schreckensherrschaft - unterstützt von drei Vampirbräuten, Werwölfen und einem künstlich erschaffenen Menschen.
Tja, und jetzt geht das fröhliche Gejage und Gemetzel los. Schnelle Sprünge über riesige

Logiklöcher, ungeachtet digitaler Fehlkonstruktionen und quer über platte Schauspieler dehnt sich der Film. 130 lange Minuten wird der Zuschauer bombardiert von einem gnaden- und seelenlosen Abklatsch der schwarz-weißen Universal-Monster-Filme. Wie Hohn erscheint
Sommers Idee, die Eröffnung als Hommage an
"Frankenstein" eben in schwarz-weiß zu drehen - samt aufgebrachten Dorfbewohnern, einem riesigen Labor und der brennenden Mühle. Doch schon hier weiß man genau, dass man sich in 2004 befindet - wo jeder uninspirierte Regisseur sich mit einem hölzernen Drehbuch an Millionen-Budgets vergreifen darf.
Besonders peinlich wirkt die digitale Spielerei, mit der jede einzelne Szene zugeklatscht wurde. Hier riesige Gebirge, dort alte Häuser oder dunkle Wälder. Nichts wirkt greifbar, echt oder mit Liebe gemacht - alles kommt aus dem Computer und erscheint platt und uninspiriert. Selbst die wenigen geschickten Gags - etwa ein im Bau befindlicher Eifelturm - werden sofort durch die penetrante, klischeehafte Verwendung diverser Symbole des Beginnenden 20. Jahrhunderts verdrängt. Nahezu unerträglich oft sieht man die Protagonisten etwa Absinth trinken - man merke: 1904, im Osten von Europa und in farbenfrohem Grün gehalten ist es wohl das einzige Getränk armer Dorfbewohner gewesen.
Die ganze lächerliche Ausstattung und aufkommende Langweile wäre ja gerade zu

verkraften, wenn durch Schauspieler und Dialoge zumindest ein Hauch von Spaß aufkommen würde. Doch auch hier versagt der Film völlig: Eine nervtötend-dilletantische
Kate Beckinsale hopst in grauenvoller Lederkluft durch das Pseudo-Rumänien, und ein zumindest maskuliner
Hugh Jackman wäre doch besser der emotionslose Wolverine aus
"X-Men" geblieben. Gefühle spielen liegt ihm wirklich nicht.
Bleibt also festzuhalten, dass
Stephen Sommers nach den wohl zu Recht erfolgreichen Mumienfilmen, hier jeden Kredit verspielt. Weder gibt es beeindruckende Effekten zu sehen, noch kommt eine Abenteuerstimmung auf. Zugekleistert von einem brodelnden Score kämpfen die Schauspieler gegen ein unterdurchschnittliches Script an. Schade, denn mit den ganzen Mythen, die hier verwoben werden, könnte man viel mehr Begeisterung erzielen.
Trotzdem:
"Van Helsing" wird mit Sicherheit ein kommerzieller Erfolg. Ab 12 freigegeben zieht er dank guter Promotion sicher genug jugendliche Zuschauer ins Kino. Traurig genug.