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als sich ihnen ein seltsam aussehender Fremder nähert, der plötzlich über Barbara herfällt. Johnny, der ihr zur Hilfe kommt, wird von dem Angreifer getötet. Das Mädchen flieht in Panik in ein einsames Haus, wo sie kurz darauf auf Ben (Duane Jones) trifft. Doch im Keller des Hauses haben sich schon weitere Menschen eingefunden - Harry Cooper (Karl Hardmann) mit seiner Frau Helen (Marilyn Eastman) und deren Tochter, sowie das junge Paar Tom (Keith Wayne) und Judy (Judith Ridley) - während draußen immer mehr Schrecken erregende Gestalten um das Gebäude wandeln.
Aus den Nachrichten erfahren die Eingeschlossenen, dass die Strahlung einer auf die Erde zurückgekehrten Venussonde die Toten wieder zu einer Art Leben erweckt hat. Ein unbewusstes Leben mit nur einem Trieb: dem Hunger nach Menschenfleisch. Die Untoten, die nur durch eine primäre Verletzung des Gehirns ausgeschaltet werden können, fressen die Lebenden, wo sie ihrer habhaft werden können - und die Getöteten werden ihrerseits zu Zombies. Verzweifelt warten die verbarrikadierten Menschen auf Polizei und Nationalgarde, während die Schar der Zombies um sie herum immer größer und angriffslustiger wird ...
denn Gruselstimmung und Monster hatten die Menschen seit jeher in die Kinos gelockt. Obwohl dem Filmteam nur sehr geringe finanzielle Mittel zur Verfügung standen - die Angaben schwanken zwischen 110.000 und 125.000 US-Dollar -, fiel nach dreimonatiger Vorbereitungszeit die erste Klappe zu "Night of the Flesh Eaters", wie der Arbeitstitel zum anfänglichen Zeitpunkt des Entstehens lautete. Der Titel wurde jedoch aufgrund der Ähnlichkeit zu dem 1964 inszenierten "The Flesh Eaters" von Jack Curtis in "Night of the Anubis" geändert. Erst nachdem der Film fertig gestellt war und man sich auf die Suche nach einem Verleih begab, wurde er in "Night of the Living Dead" endgültig umgetauft.
Dabei unterscheiden sich Russos und Romeros Kreaturen erheblich vom klassischen Bild der so genannten Zombies. Aus näherer Betrachtung sind diese Kreaturen schon gar nicht mehr mit jenen durch Voodoo-Rituale und anderem Hokuspokus zum willenlosen Leben wiedererweckten Toten gleichzusetzen. Nicht nur, dass sie nicht mehr auf einer einsam gelegenen Pazifikinsel, sondern in unserer modernen Welt wandeln, ist diesmal eine wissenschaftlich erklärbare Ursache für die Wiederauferstehung nachweisbar, vor der die verantwortlichen Parteien hilflos kapitulieren müssen. Auffällig ist daher auch, dass die Zombies als solche nicht bezeichnet werden. Im Film werden sie nur "Dinger" genannt und im Abspann taucht der Begriff Ghoul auf; und damit liegt der Kern des Ganzen gar nicht so verkehrt. Sonach besitzen die lebenden Leichen hier einen ausgeprägten Appetit auf Menschenfleisch. Ein Ghoul ist bekanntlich ein abscheuliches Wesen, das Menschen (meistens tot) verspeist. Diese kannibalische Eigenschaft kommt in Romeros Werk deutlich zum Tragen und schockierte das Publikum mit unappetitlichen Fressorgien und anderen verstörenden Bildern, die seinerzeit für heftige Diskussionen sorgten - "Der härteste Film aller Zeiten" urteilte die offizielle Filmkritik. Im Mittelpunkt steht demzufolge eine Szene, in der das von Keith Wayne und Judith Ridley gespielte Pärchen in dem explodierten Lieferwagen gebraten und nachfolgend von den Untoten verschlungen werden. So konnte man verschiedene Diffamierungen wie "primitiver, billiger Horrorfilm ohne irgendwelchen materiellen oder künstlerischen Aufwand" und "unappetitlich und brutal" oder "ausgespielte Kannibalismus-Szenen und Dialog der Befreier nehmen dem Film jeden Unterhaltungswert" u.a. von Seiten der katholischen Filmkritik lesen. Andere Stimmen waren wiederum wohlwollender und sprachen von einer "subtil aufgebauten Spannung", während in den Zombies "Symbole für die in uns schlummernde Gewalt" liegen würden. Eine nicht wurzellose Interpretation, denn in diesem Film geht es nicht um vordergründige Effekte, wofür ja nicht mal das Geld vorhanden war - z.B. wurden dem Filmteam die Fleischstücke und Tierinnereien von einer ortsansässigen Fleischermarktkette zur Verfügung gestellt -, sondern mit Phantasie und Improvisationsgabe seiner Macher, die mit den wenigen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen, einen ehrlichen und kompromisslosen Horrorfilm zu drehen. Die ernsthafte Herangehungsweise lässt das Filmgeschehen nicht lächerlich wirken und bietet genug Interpretationsmöglichkeiten - und diese gibt es derweil viele.
Der amerikanische Traum entpuppt sich als Illusion und wurde dermaßen unwiderruflich zerlegt, wie es die Filmwelt zuvor noch nicht gesehen hatte. Die geliebten Freunde und Verwandten, die kurz zuvor verstarben und sich nun steif auf die Nahrungssuche begeben, lassen den friedliebenden Menschen als beinahe gewissenloses Monster agieren. Dies gipfelt in einer bedenklichen Gradwanderung, die den Menschen viel schlimmere Taten ausführen lässt, als die von ihnen verabscheuten Zombies. Gerade im ziemlich erschütternden Schlussteil wird das mehr als deutlich: Die Hilfsleute des Sheriffs knallen in ihrer Hatz auf die lebenden Toten alles ab was ihnen vor den Lauf kommt, und erwischen dabei auch schon mal einen Lebenden. In diesem für Hollywood absolut untypischen negativen Ende gibt es keinen Sieg des "Guten" über das "Böse", sondern stellt den Anfang einer apokalyptischen Zukunftsvision dar, die mit Romeros Fortsetzungen
"Dawn of the Dead" ("Zombie", 1978) und
"Day of the Dead" ("Zombie 2 - Das letzte Kapitel", 1985) konsequent weitergeführt wird.
Zum Beispiel berichtet John Russo von einem zunächst vorgesehenen Ende, in dem Barbara nicht von ihrem Bruder ergriffen wird und mit Ben im Keller überlebt. Während Ben aber dennoch von den Schergen des Sheriffs erschossen wird und man schon den Lauf auf die verängstigte Barbara richtet, fängt diese an zu weinen. Sie wird in Sicherheit gebracht ist aber bereits dem Wahnsinn verfallen. Karl Hardmann hatte eine weitere Alternative vor Augen: Nachdem Ben erschossen und alle lebenden Toten vernichtet wurden zieht der Sheriff mit seinen Leuten ab und während sie in der Ferne verschwinden, tritt das kleine, durch einen Biss der Toten infizierte Mädchen ins Blickfeld der Kamera und schaut ihnen nach. Alles interessante Ideen, welche sicherlich eine ebenso gelungene Schlusssequenz abgegeben hätten wie das, was wir seit über 30 Jahren kennen.
"L'ultimo umomo della Terra / The Last Man on Earth" von Ubaldo Ragona und Sydney Slakow und mit Vincent Price in der Hauptrolle. Ein hervorragender B-Film der die Blutsauger von ihrer Körperlichkeit als auch vom minimalen Bewusstsein ebenso darstellt wie Romero seine wandelnden Toten und damit auch als Vorreiter der zukünftigen Darstellungsweise der Zombies gelten kann. Ein anderes kleines Meisterwerk, das Romero im optischen Sinne prägte, war Herk Harveys
"Carnival of Souls" ("Karneval der toten Seelen", 1962), der mittlerweile Kultstatus besitzt und ebenfalls zum Genreklassiker avancierte. Hier wird in Schwarzweiß-Bildern der surreale Albtraum einer jungen Frau erzählt, die zwischen der Welt der Lebenden und Toten wandelt. Und die dort in Szene gesetzten toten Seelen gleichen in gewisser Weise den Untoten aus "Night of the Living Dead".
Hardman, der später zusammen mit Marilyn Eastman in den eigenen Hardman Eastman Studios Werbepräsentationen produzierte, mimt den negativen Part, wenn man denn das so sagen darf. Sein Protagonist Mr. Cooper ist alles andere als kooperativ und zeigt ein selbstsüchtiges und herrisches Wesen, das ihm letztlich ein bitteres, aber zu erwartend gerechtes Ende beschert. Hier zeigt sich die große Schwäche der Menschen gegenüber den lebenden Toten: Sie können sich in katastrophalen Situationen nicht auf das Wesentliche konzentrieren und schaffen es nicht als kollektive Einheit zu funktionieren und sind vielmehr mit ihrem persönlichen Konkurrenzkampf beschäftigt. Ein Tatbestand, den Romero in seinen nachfolgenden Filmen noch deutlicher thematisiert. O'Dea glänzt als naive Barbara, die durch den Schock, der ihr die über sie hereinbrechende Situation zufügt, nahe dem Wahnsinn verfallen ist und im späteren Verlauf der Geschichte von ihrem eigenen untoten Bruder Johnny in die Fänge der Zombies gerissen wird. Diesen Brudenpart übernahm Produzent Russell W. Streiner, der seiner Schwester auf dem Friedhof ironischerweise das prophezeit, was bald eintreten sollte. Unvergessen bleibt auch Bill Hinzman in der Rolle des "Ghouls" der ersten (Film-)Stunde.
"The Flesheater / Zombie Nosh" versuchte Hinzman, seitdem in der Werbebranche tätig, nochmals einen Teil seines "Ruhmes" auszuschlachten doch scheiterte kläglich. Drei Jahre zuvor übernahm er den Regiestuhl zum klischeehaften Slasher-Streifen
"The Majorettes", der sozusagen ein Gemeinschaftsprojekt von Russel W. Streiner als Darsteller und Drehbuchautor John Russo ist, der nach "Night of the Living Dead" ebenfalls in der
Werbebranche und im Low-Budget-Filmgeschäft in der Mittelmäßigkeit unterging. Die verbliebenen Akteure wirken, vielleicht noch mit Ausnahme von Keith Wayne, etwas statistisch im Vergleich zu den bereits Genannten. Einen albtraumhaften Eindruck hinterlässt jedoch ohne Zweifel Kyra Schon, die als Zombiekind zunächst ihren Vater verspeist und schließlich in einer sehr bedrückenden Szene ihre eigene, vor Todesangst schreiende Mutter abschlachtet - eine schockierendes Familiendrama ohnegleichen. In diesem Talentzusammenhang sollte die Besetzung des kühl informierenden TV-Reporters nicht unerwähnt bleiben, zumal hier der Bogen zum späteren Ende von Romeros Untoten-Saga geschlagen wird. Der hier zu sehende Bill Cardille, der aufgrund seiner damaligen Samstag-Nacht-Horrorfilm-Show "Chiller Theatre" den Spitznamen "Chilly Billy" bekam, ist nämlich der Vater von Lori Cardille, die 17 Jahre später in Romeros Trilogieabschluss "Day of the Dead" die weibliche Hauptrolle zugeschrieben bekam.
Nach mehreren Problemen und Anlaufschwierigkeiten mit amerikanischen Verleihfirmen lief der Film als "Die Nacht der lebenden Toten" ziemlich verspätet auch in den deutschen Kinos an. Wie bereits geschrieben verriss die Kritik den Film. Doch das war keinesfalls ein rein deutsches Phänomen, denn auch in den Staaten brauchte die offizielle Filmkritik viele Jahre, um das Potential dieser Pionierarbeit zu erkennen. Und mittlerweile hat es dieses Meistwerk sogar geschafft in das New Yorker Museum of Modern Art aufgenommen zu werden und damit offiziell als Kunstwerk gehandelt wird - die höchste Ehrzuteilung, die ein Film erhalten kann. Bekannter weise existieren zwei Alternativfassungen. Zum einen eine nachkolorierte Fassung, die zu rein finanziellen Zwecken von Romero abgesegnet wurde, um überhaupt etwas Geld mit dem Film zu verdienen. Für ein farbverwöhntes Publikum durchaus interessant, aber für Puristen des Originals ein Graus. Zum anderen produzierte man zum 30. Geburtstag eine Spezial-Edition, für die exklusives Material von insgesamt 15 Minuten nachgedreht wurde. Für diese Szenen wurden alte entfernt und der Film bekam einen neuen Soundtrack von Scott Vladimir Licina. Für diese Fassung gilt das gleiche wie für die farbige: Überflüssig für die Anhänger der Originalversion. Mittlerweile ist man in Deutschland sogar soweit den Film in ungeschnittener Form (u.a. sogar während einer TV-Ausstrahlung des Kultursender ARTE!) zu präsentieren, war der Film doch jahrelang nur in einer gekürzten Fassung zu sehen. Bleibt nur zu hoffen, dass mit der Zeit das Horrorkino nicht mehr so stiefmütterlich behandelt wird, wie es bis in die jüngste Vergangenheit geschehen ist.
