(Return of the Jedi, USA 1983)
Rückkehr der Jedi-Ritter, Die
aka. Star Wars: Episode VI - Return of the Jedi
aka. Star Wars VI: Return of the Jedi
Regie: Richard Marquand, Lawrence Kasdan
Drehbuch: George Lucas
Spezialeffekte: Industrial Light & Magic
Freigabe: ab 12 Jahre
Genre: Science-Fiction, Drama
Kamera: Alan Hume
Musik: John Williams, Jerry Hey, Joseph Williams
Produzent: Jim Bloom, Howard G. Kazanjian, George Lucas, Robert Watts, Rick McCallum (Special Edition)
Länge: ca. 131 Minuten
Dt. Start: 09.12.1983
Cast: Mark Hamill, Harrison Ford, Carrie Fisher, Billy Dee Williams, Anthony Daniels, Peter Mayhew, Sebastian Shaw, Ian McDiarmid, Frank Oz, James Earl Jones, David Prowse, Alec Guinness, Kenny Baker, Michael Pennington, Kenneth Colley, Michael Carter, Denis Lawson, Timothy M. Rose, Dermot Crowley, Caroline Blakiston, Warwick Davis, Jeremy Bulloch, Femi Taylor, Annie Arbogast, Claire Davenport, Jack Purvis, Mike Edmonds, Jane Busby, Malcolm Dixon, Mike Cottrell, Nicholas Read, Adam Bareham
Das Imperium rüstet sich zur alles entscheidenden Schlacht. Die Rebellen sollen mit Hilfe des neuen Todessterns für immer vernichtet werden. Obwohl sie sich größter Gefahr aussetzen, begeben sich Luke Skywalker und Prinzessin Leia zum Wüstenplaneten Tatooine. Hier gelingt es ihnen, Han Solo aus den Klauen des widerlichen Gangsters Jabba the Hutt zu befreien. Wieder vereint reisen sie zum Mond des Planeten Endor, um dort gemeinsam mit ihren Verbündeten, den Ewoks, der imperialen Übermacht entgegenzutreten. Das schwerste Gefecht von allen steht jedoch dem jungen Luke bevor: Ein Zweikampf mit seinem Erzfeind und Vater Darth Vader, der das Schicksal der gesamten Galaxie für immer besiegeln könnte.
Es war der Film, der eine 10jährige Arbeitsperiode abschließen sollte. Vor allem aber war es eine der meisterwarteten Fortsetzungen aller Zeiten:
"Star Wars Episode VI: The Return of the Jedi". Aus der kleinen Idee
George Lucas' wurde die lange Zeit erfolgreichste Trilogie der Filmgeschichte, eine Summe aus Mythen, die längst selbst ein Mythos war, ehe der Abschluss, das Ende der ganzen Geschichte 1983 in die Kinos kam. Zu diesem Zeitpunkt war
"Star Wars" freilich bereits ein Milliarden schweres Imperium, dessen allumfassende Vermarktung entschiedenen Anteil an der Kommerzialisierung des Mediums hatte.
Für das große Finale waren viele Regisseure, darunter
David Cronenberg (
"eXistenZ") und
David Lynch (
"Dune") im Gespräch, die aber wohl wenig Interesse an einer durch
Lucas stark eingeschränkten künstlerischen Freiheit hatten. Dieser wünschte sich ursprünglich, dass sein Freund und vielfacher Arbeitskollege
Steven Spielberg den Film inszenieren würde. Durch seine Mitgliedschaft in der Gewerkschaft, aus der
Lucas zuvor - erbost über die strengen Auflagen und Strafgebühren, weil auch
"Episode IV: The Empire Strikes Back" ohne Credits begann - ausgetreten war, kam
Spielberg jedoch nicht in Frage für das Engagement. Die Wahl fiel letztlich auf den besonders im Bereich der visuellen Effekte unerfahrenen Schotten
Richard Marquand (
"Jagged Edge"), der mehr noch als
Irvin Kershner, Regisseur des Vorgängers, streng genommen nur die Funktion des ausführenden Gehilfen von
Lucas innehatte:
"Ich musste einen Regisseur finden, der seine Macht mit mir teilt, bereits ist, mit mir zusammenzuarbeiten, was sehr günstig war. Für ihn ist es natürlich auch ein großer Karrieresprung. Er wird viel Geld damit machen und plötzlich in die Riege der Topregisseure katapultiert, was seinen Marktwert in die Höhe treibt. Das ganze hat auch eine sehr pragmatische Seite. Es ist einfach ein guter Job. Man ist zwei Jahre damit beschäftigt, aber es ist eine gute Arbeit. Das kann man nicht bei vielen anderen Filmen behaupten." (Lucas 1983: zitiert nach Chris Salewicz: 104)
Die Geschichte, die in seinem Kopf bereits seit Jahren umhergeisterte, fasste
Lucas noch einmal in der ersten Drehbuchfassung zusammen, den Rest erledigte erneut
Lawrence Kasdan. Alle Fäden und Stränge der vorigen beiden Filme sollten in
"Episode VI" zusammengebracht und gelöst werden. Tatsächlich beläuft sich alles eigentlich vielmehr auf den dramatischen Konflikt zwischen Luke und Anakin Skywalker, der im ersten Sequel mit der berühmten Wendung zusätzlich geschürt wurde. Der Film sollte zum Ende des Kampfes zwischen der Allianz der Rebellen und dem faschistischen Imperium, dem Titel gebenden
"Krieg der Sterne", führen. Die weiterentwickelte Dimension der Episode ist dabei die Sinn übertragende Verknüpfung dieses Krieges mit der Darstellung des Schicksals von Darth Vader. Bei all der imposanten Science-Fiction, die der Film bietet, liegt die wahre Bedeutung - ähnlich wie im Vorgänger - beim menschlichen Drama, dem innerlichen Konflikt von Gut- und Böse, Vater und Sohn. Die jeweils schockierenden, völlig unerwarteten Entwicklungen der vorherigen
"Star Wars"-Episoden führen nun zu einer emotionalen Entladung, einem wahrhaft großen Finale, das alle Komponenten der Serie vereint und perfektioniert.
"The Return of the Jedi" gelingt daher das Unmögliche: Er überflügelt seine Vorläufer trotz kleinerer inszenatorischer Schwierigkeiten merklich.
Zu den Highlights zählt bereits die Eingangssequenz im Palast Jabba the Hutts auf Tatooine, wo noch immer der in Carbonit eingefrorene Han Solo gefangen gehalten wird. Die Funktion des Prologs, den Cliffhanger des Vorgängers zu lösen, ist damit zweifellos klar. So phantasievoll, naiv und verspielt, ja geradezu cartoonhaft war
"Star Wars" jedoch selten zuvor: Eine Anzahl kunterbunter und verschiedenster Wesen tummelt sich hier im Partygedöns, während riesige Ungeheuer im Untergeschoss auf Opferjagd gehen - natürlich vor dem Publikum der reizenden Gesellschaft um Gangsterboss Jabba. Auch wenn sich die ganze Sequenz letztlich von der eigentlichen Handlung isoliert, sind allein diese 30 Minuten beispielhaft für die unzähligen Genreeinflüsse der Filme und ein ideenreiches letztes Wiedersehen mit all den Kreaturen, die uns einst das erste Mal in der Mos Eisley-Bar begegneten. Nur Boba Fetts verhältnismäßig unspektakulärer Abgang erscheint aus heutiger Sicht, sprich mit Kenntnis der Prequel-Trilogie, für eine derartige Figur etwas unzureichend.
"Your thoughts betray you, Father. I feel the good in you, the conflict." -
"There is no conflict." -
"You couldn't bring yourself to kill me before and I don't believe you'll destroy me now." -
"You underestimate the power of the Dark Side. If you will not fight, then you will meet your destiny."
Die tatsächliche Handlung des Films beginnt also erst nach diesem Einstieg und verläuft ähnlich den Vorgängern parallel. Luke tritt seine eigene Reise an, die ihn zu neuen Erkenntnissen und der finalen Konfrontation mit seinem Vater bringen wird. Dabei begeben wir uns ein letztes Mal nach Dagobah zum Jedi-Meister Yoda, der hier seinen letzten, zurückhaltenden, aber doch ergreifend inszenierten Auftritt hat. Mit dieser Sequenz deutet
Lucas bereits an, dass dies ein Film der Abschiede wird, mit großen Festen und Siegen zwar, aber ebenso schmerzhaften Verlusten. Im zweiten Erzählstrang landen Han, Leia und die anderen mithilfe eines gestohlenen imperialen Space-Shuttles auf dem Planeten Endor, um über die dortige Basisstation den zweiten, noch gefährlicheren Todesstern angreifbar zu machen. Beide Handlungsteile führen vor Ende nur kurzzeitig zusammen und werden überwiegend parallel inszeniert, wobei der dramaturgische Schwerpunkt auf dem Kammerspiel zwischen dem Imperator (der erste Auftritt des großartigen
Ian McDiarmid, abgesehen von der Special Edition des zu vorigen Films), Vader und Luke liegt, während der Rest der Gruppe lediglich mit rasanten und schnell geschnittenen Actionszenen beschäftigt ist.
Diese Vorgehensweise ist jedoch völlig legitim, sogar notwendig. Die Geschichte der Sidekick-Charaktere wurde soweit eben einfach bereits erzählt: C3PO, R2D2 oder Chewbacca erfüllen ihre Aufgaben, um die Handlung voran zu bringen, Han Solo und Lando Calrissian standen ebenfalls nie im Zentrum tieferer Charakterisierung bzw. erlebten in
"Episode V" eine ausreichend ambivalente Darstellung und Prinzessin Leia erfährt indirekt über den Konflikt Vader/Skywalker die nötige Tiefe bzw. wird über unscheinbare, aber effektive Details als eine herangereifte Frau porträtiert. Tatsächlich arbeiteten die vorherigen Filme doch nur auf den besagten Konflikt hin, das war schon zum Beginn des Originals ersichtlich, als Luke gegenüber Obi-Wan entsetzt fragt: "Sie kannten meinen Vater?". Wenn der Film deshalb deutlich auf das Treffen von Vater und Sohn hinarbeitet, macht er aus inhaltlicher Notwendigkeit formale Konsequenz: Die anderen Figuren waren eben nie mehr als auflockerndes Beiwerk. Die Kritik, der Erzählstrang auf Endor sei lediglich Effekthascherei, verläuft deshalb im Nichts, ebenso der unsinnige Vorwurf, der neue Todesstern sei Ausdruck eines Mangels an Ideen. Die inhaltlichen Wiederholungen (vgl. auch die Meteoritenfelder in den Episoden II und V) sind ein dialektisches Prinzip der
"Star Wars"-Filme, erleben die Helden doch die immer gleichen variierten Abenteuer, die das Genre bestimmen, aber stets unerwartet enden können. Um den Punkt der unzutreffenden Kritik, die es reichlich gab und gibt, abzuschließen, seien die viel gerügten Bewohner Endors - die kleinen Ewoks - erwähnt, deren Einsatz weniger einer Merchandising orientierten Entscheidung, als einem notwendigen kindlichen Ausgleich zur tiefdüsteren Parallelhandlung entspricht:
"Wir trauten uns etwas Niedliches. Das schlimmste, was passieren kann, ist, dass wir Kritik ernten. Viele Leute werden sich an den Ewoks stören. Viele sagen ja, dass die Filme nur als Vorwand für die Vermarktung von Produkten dienen: 'Lucas macht sein Geld jetzt mit Teddybären.' Viel dürfte dabei nicht raus springen, Teddybären gibt es genug, das ist wirklich nichts Einzigartiges. Wenn ich tatsächlich etwas mit Blick auf den Markt entwickeln würde, dann würde ich mir etwas Besseres ausdenken." (Lucas 1983, zitiert nach Chris Salewicz: 105).
"The Return of the Jedi" beendet die Entwicklung Luke Skywalkers zum Jedi-Ritter, die letztlich nichts anderes als die Reifung zu einem Erwachsenen ist. Die Auseinandersetzung mit seinem Vater Darth Vader in einem unerbittlicher Kampf ist der Höhepunkt der Trilogie, der dem Film eine emotionale Tiefe verleiht, die in
"The Empire Strikes Back" bereits angedeutet, mit seinen überwiegend temporeichen Handlungssträngen aber noch nicht in Einklang mit der Action gebracht wurde. Diese Balance gelingt dem Abschluss nun jedoch meisterlich. Es ist eine tragische, schwerfällige zweite Hälfte, die unter Einsatz der phänomenalen Musik
John Williams' und den überzeugenden Leistungen von
Mark Hamill,
Sebastian Shaw und
Ian McDiarmid eine dramatische Wirkung entfacht, die erstmals dem starken, sehr Akt bezogenen Aufbau der Filme gerecht wird. Das musikalische "Emperor"-Motiv füllt diese Momente, gibt dem Konflikt eine subtile Eindringlichkeit, um sich im letzten Laserschwertduell des Films zu entladen.
John Williams hat mit seiner Komposition großen Anteil an
"Star Wars", im Finale jedoch läuft er zur Hochform auf, nie waren die starken Kontrapunkte effektiver. Dass eine Saga, die mit ihrer technischen Brillanz Maßstäbe setzte, ein leises, menschliches Ende nimmt, ist das wunderbare Ehrliche an diesem großartigen Film.
Mit einem Budget von 32 Millionen US-Dollar war
"Episode VI" der teuerste der Trilogie, spielte mitsamt den Wiederaufführungen allein im Kino weltweit über 475 Mio. Dollar ein und war somit erfolgreicher als
"The Empire Strikes Back". Doch der enorme Erfolg der
"Star Wars"-Filme ist unwesentlich in Relation zu ihrer künstlerischen Bedeutung: Eine in sich logische, konsequent konstruierte Trilogie, die fantasievolle Science-Fiction über die Genregrenzen hinaus zum Leben erweckte. Damit sollte
Lucas' Universum zur Grundlage einer Formel werden, die nie wieder so überzeugend Anwendung erfuhr, nicht zuletzt weil formale Innovation, progressive Filmtechnik, selten so gekonnt mit inhaltlichem Drama kombiniert wurde.
"Star Wars" ist bei all der kommerziellen Intention ein Märchen für alle Altersgruppen, das vom unschuldigen, skurrilen Weltraumabenteuer zur ernsthaften Paraphrase des Menschen gereift ist. Wahre Kinomagie eben.