(The Empire Strikes Back, USA 1980)
Star Wars: Episode V - The Empire Strikes Back
aka. Krieg der Sterne: Episode V - Das Imperium schlägt zurück
aka. Star Wars: Episode V - The Empire Strikes Back
aka. Star Wars V: The Empire Strikes Back
aka. Imperio contraataca, El
Regie: Irvin Kershner
Drehbuch: George Lucas, Leigh Brackett, Lawrence Kasdan
Spezialeffekte: Industrial Light & Magic
Freigabe: ab 12 Jahre
Genre: Science Fiction
Kamera: Peter Suschitzky
Musik: John Williams
Produzent: Jim Bloom, Gary Kurtz, George Lucas, Robert Watts, Rick McCallum (Special Edition)
Länge: ca. 124 Minuten
Dt. Start: 11.12.1980
Cast: Mark Hamill, Harrison Ford, Carrie Fisher, Billy Dee Williams, Anthony Daniels, David Prowse, Peter Mayhew, Kenny Baker, Alec Guinness, Jeremy Bulloch, John Hollis, Jack Purvis, Des Webb, Kathryn Mullen, Kenneth Colley, Julian Glover, Michael Sheard, Michael Culver, John Dicks, Milton Johns, Mark Jones, Oliver Maguire, Robin Scobey, Bruce Boa, Christopher Malcolm, Denis Lawson, Richard Oldfield, John Morton, Ian Liston, John Ratzenberger, Jack McKenzie
Nach einer verheerenden Niederlage in der Schlacht um ihren Stützpunkt auf dem Eisplaneten Hoth sind die Rebellen auf der Flucht vor den imperialen Truppen. Während sich Han Solo mit Prinzessin Leia in die Wolkenstadt Bespin rettet, reist Luke Skywalker zu den düsteren Sümpfen von Dagobah. Nur hier kann er von Jedi-Meister Yoda in die Geheimnisse der Macht eingeweiht werden. Lukes neu erlernte Fähigkeiten werden jedoch schnell auf eine harte Probe gestellt, denn Darth Vader setzt alles daran ihn zur dunklen Seite der Macht zu ziehen. Ein Duell auf Leben und Tod bringt die Entscheidung... und enthüllt die unglaubliche Wahrheit über Lukes Familie.
Das Konzept von Regisseur
George Lucas ging auf: Den 11 Millionen Dollar, die
"Star Wars Episode IV: A New Hope" verschlang, standen 1977, also noch vor den Wiederaufführungen, über 300 Mio. Dollar Einspiel allein in den USA gegenüber. Der Film brach nicht nur alle Kassenrekorde, sondern wurde zu einem popkulturellen Phänomen, das sich in zahllosen Medien niederschlug. Die gewaltigen Merchandise-Einnahmen von Soundtracks über Spielzeug bis hin zu allerlei Anziehsachen flossen dabei jedoch nicht in die Taschen der 20th Century Fox, sondern
Lucas selbst wurde mit diesem einen Film über Nacht zum Milliardär.
"Star Wars" glich einem filmwirtschaftlichen Wunder: Die Trickschmiede ILM avancierte zur führenden Instanz im Spezialeffektbereich, Skywalker Sound sollte künftig zahlreiche Blockbuster vertonen, ebenso wie das THX Soundsystem nach und nach in die Kinos dieser Welt einzog (und erst durch die Einführung von DTS gebremst wurde), ganz zu schweigen von der Revolution des Computerspielmarktes, auf dem LucasArts eine bedeutende Rolle spielt. Actionsequenzen wie die Zerstörung des Todessterns beeinflussten mit ihrem Ablauf maßgeblich die Dramaturgie von Videospielen. Aus der Abneigung gegenüber Hollywood kreierte
Lucas mit seiner gewonnenen Unabhängigkeit vom Studiosystem paradoxerweise ein ebenso dominantes Imperium mit mehreren Tausend Beschäftigten. Ein weiterer Widerspruch besteht darin, dass Lucas seit seinem Austritt aus der Gewerkschaft, die ihn mit strengen Regeln künstlerisch immer wieder behinderte (beispielsweise in Form einer Klage, weil der Film über keine Anfangscredits verfügte), von der Traumfabrik mehr oder weniger geächtet wird, diese wiederum jedoch nicht unerheblich von den durch ihn entwickelten technischen Filmprozessen abhängig sind.
The Adventure Continues...
Lucas hatte die Fäden nun also in der eigenen Hand und konnte die Fortsetzung
"Episode V: The Empire Strikes Back" selbst finanzieren. Da die Dreharbeiten zum vorherigen Film nicht ohne Spuren an ihm vorbeizogen - ein Herzinfarkt, Schwächeanfälle und andauernde Erkältungskrankheiten waren die Folge des langen Entstehungsprozesses - wollte
Lucas das Sequel weder schreiben, noch inszenieren, entwickelte er die Geschichte doch bekanntlich bereits Jahre zuvor und konnte so auf den ungeliebten Prozess des Drehbuchschreibens verzichten, behielt er letztlich zudem ohnehin die völlige kreative Kontrolle über das Endprodukt. Das Script wurde von Kinolegende
Leigh Brackett (
"The Big Sleep") entworfen, die den klassischen Hollywoodstil herber Dialoge und charismatischer Typen in den Film brachte, jedoch kurze Zeit später an Krebs starb, weshalb
Lawrence Kasdan (
"Body Heat") das Drehbuch beendete. Für die Regie wurde
Irvin Kershner (
"The Return of a Man Called Horse") verpflichtet, dessen Inszenierungsstil in vielen Bereichen konträr zu dem von
Lucas ist.
"Trotz der Komplexität und Schwierigkeit war die Arbeit an 'Empire' eine sehr gute Erfahrung. Ich fühlte mich zu jeder Zeit von meinen Mitarbeitern und Kollegen (wie George Lucas) verstanden und unterstützt. Das war ein ziemlicher Kontrast zu dem gewöhnlichen Hollywood-Alltag, wo Vorgesetzte meistens nicht verstehen, wovon sie eigentlich sprechen und bei Problemen während der Produktion nicht behilflich sein können. Du musst stattdessen aufpassen, niemandem auf die Füße zu treten. Für gewöhnlich ist eine Menge Ego im Spiel, aber das war nicht so bei 'Empire'. Das Motto lautete: 'Gib dein bestes.' Das war das wichtigste - und jeder in unserem Team wusste es." (Kershner 1997, zitiert nach Pete Hull: 63)
"Episode V" gilt in der Filmgeschichte als ein Musterbeispiel für die Gestaltung einer Fortsetzung und wurde von der Überzahl der Fans und Kritiker als bester Teil der Serie gefeiert. Zwar hat das Sequel den logischen Vorteil, keine Zeit mit der Einführung der Figuren "verschwenden" zu müssen, sondern sich direkt auf dramatische Entwicklungen und dynamisches Tempo konzentrieren kann, nichtsdestotrotz aber erweitert der Film in beachtlicher Weise sowohl formal als auch inhaltlich das im Vorgänger entworfene Modell über die Erwartungen hinaus und übertrifft
"Episode IV" somit zweifellos. Selten zuvor knüpfte eine Fortsetzung so konsequent an die Dramaturgie ihres Originals an, trieb die Entwicklung ihrer Figuren so stark voran und konzentrierte sich ausschließlich auf den inhaltlichen Ausbau einer stringenten Idee.
"The Empire Strikes Back" ist großartig und mit sicherer Hand inszeniert, er ist unvergleichlich schnell erzählt, beeindruckend photographiert, glaubwürdig, mitreißend und voller Ideen und emotionaler Wendungen. Durch die Parallelstränge, die erst im dramatischen Schlussteil zusammenführen, entstehen nahezu keinerlei Verschnaufpausen.
Kershner und
Lucas ergänzen sich erstaunlich fruchtbar, wenn die Experimentierfreude des einen (Improvisationen, Offenheit) auf die sichere, zielgenaue Kenntnis des anderen trifft. Der Film ist dabei spürbar lockerer als
"A New Hope", gleichzeitig aber auch ernster, teilweise düsterer.
"Obi-Wan never told you what happened to your father."
"He told me enough. He told me you killed him."
"No. I am your father."
Berühmt geworden, weil haufenweise zitiert und parodiert, ist die Enthüllung der Identität Darth Vaders, der vor dem Aufstieg des Imperiums einst der Padawan Anakin Skywalker war und sich als Vater des angehenden Jedi-Ritters Luke erweist. Dieser Bahn brechende Kniff verleiht der ohnehin komplexen Geschichte eine menschliche Eindringlichkeit, eine inhaltliche Wende, die die Figuren des Films um die notwendige Ambivalenz bereichert, die im darauf folgenden Teil noch intensiviert wird. Nicht nur werden dadurch Motivationen und Handlungsweisen der
Lucas'schen Charaktere verständlicher und glaubwürdiger, der Film greift damit auch in die Bedeutung des Vorgängers ein und evoziert eine noch deutlichere Identifikation mit dem Geschehen. Sukzessiv ist diese Ebene eine meisterliche und vor allem eigenständige Vertiefung der auf Mythen und klassischen Archetypen aufbauenden Idee des Vorgängers.
"The Empire Strikes Back" mag ein visuell herausragender, mit spektakulären, nie zuvor gesehenen Effekten brillierender Film sein, seine Stärke jedoch ist die Geschichte mit all ihren fesselnden Entwicklungen, ihrer Dramatik und den fantastischen, wahrhaft lebendigen Figuren.
"I can't. It's too big." -
"Size matters not. Look at me. Judge me by my size, do you? Hmm? Hmm. And well you should not. For my ally is the Force, and a powerful ally it is. Life creates it, makes it grow. Its energy surrounds us and binds us. Luminous beings are we, not this crude matter."
Eine der schönsten Episoden dieser Fortsetzung spielt auf dem Sumpfplaneten Dagobah, wo der in die Jahre gekommene kleine Jedi-Meister Yoda die Ausbildung Lukes beginnt. Die von Regisseur und Schauspieler
Frank Oz (
"Little Shop of Horrors") bewegte und gesprochene Figur mit der eigenwilligen Grammatik zählt zu den beliebtesten Puppen der Filmgeschichte. Tatsächlich liegt das nicht unerheblich an der faszinierenden, glaubwürdigen Ernsthaftigkeit, mit der Yoda zum Leben erweckt wurde. Seine weise, buddhistische Assoziationen hervorrufende Erscheinung zählt zu den Höhepunkten der Serie, nicht zuletzt deshalb, da die Bedeutung der Figur besonders in der Prequel-Trilogie ausgebaut wird. Das herausragend geschriebene "Yoda-Thema" von
John Williams unterstreicht mit all den gemischten Motiven der
"Star Wars"-Melodien die Hoffnung, Angst und ungewisse Zukunft, die der kleine Jedi gegenüber Luke zum Ausdruck bringt. Noch deutlicher als in
"Episode IV" personifiziert
Williams seine Musik, die gewohnte, aber auch völlig neue Klänge ertönen lässt. Mit dem martialischen "Imperial March", der die dunkle Bedrohung Darth Vaders ankündigt, übertrifft er dabei noch einmal den bereits herausragenden Soundtrack zum Vorgänger und begleitet auf formaler Ebene die Entwicklungen der Geschichte.
Entgegen
"A New Hope" endet
"Episode V" mit einem Cliffhanger, kann angesichts der neu gewonnenen Sichtweisen jedoch auch kein in sich geschlossener Film mehr sein, da die Thematik nunmehr erst richtig in Gang gesetzt wurde. Die Fortsetzung war noch vor Kinostart beschlossen. Der 18 Mio. Dollar teure Film konnte mit einem weltweiten Kinoeinspielergebnis von insgesamt fast 540 Mio. Dollar zwar nicht an seinen Vorgänger anknüpfen, rangierte aber unmittelbar nach diesem auf Platz 2 der Liste der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, bis zur Veröffentlichung von
Steven Spielbergs Kassenknüller
"E.T.". Die Merchandise- und Video/DVD-Einnahmen übersteigen diese Zahl jedoch bei weitem.
Der Erfolg ist nicht unberechtigt:
"The Empire Strikes Back" ist eine Fortsetzung, die das Original weder kopiert noch abwertet, sondern vorbildhaft um neue Dimensionen bereichert, sowie komplexer und vielschichtiger gestaltet. Es ist mit seiner ungewöhnlichen Struktur (das Finale wird streng genommen an den Anfang gesetzt, das Ende ist nicht mehr als ein Cliffhanger) vor allem ein mutiges Sequel, das einen neuen Weg zum inneren Aufbau von Filmtrilogien ebnete, dabei aber nie wieder erreicht wurde. Trotz der technischen Perfektion dominiert auch in dieser märchenhaften Weltraumsaga eine menschliche Geschichte, deren Wirkung sich zu entziehen beinahe unmöglich ist.