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USA 2004
Originaltitel:American Splendor
Länge:96:59 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:Shari Springer Berman, Robert Pulcini
Buch:Harvey Pekar, Joyce Brabner, Shari Springer Berman, Robert Pulcini
Kamera:Terry Stacey
Musik:Eytan Mirsky, Mark Suozzo, Rupert Holmes
Darsteller:Paul Giamatti, Harvey Pekar, Shari Springer Berman, Earl Billings, James Urbaniak, Judah Friedlander, Robert Pulcini, Toby Radloff, Hope Davis, Joyce Brabner, Donal Logue, Molly Shannon, James McCaffrey, Madylin Sweeten, Danielle Batone
Vertrieb:Sunfilm
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1, DTS 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Specials:
  • 24 Seiten Comic-Booklet
  • Audiokommentar mit den Regisseuren und Darstellern
  • Originaltrailer:
    • Deutsch (2:17 Min.)
    • Englisch (2:20 Min.)
  • Bio-/Filmografien:
    • Shari Springer Berman & Robert Pulcini
    • Harvey Pekar
  • Behind the Scenes:
    • Paul & Hope (1:15 Min.)
    • Genuie Nerd (1:01 Min.)
    • Robert Crump (0:55 Min.)
    • Blue Screen (0:56 Min.)
    • Title Sequence (0:47 Min.)
  • Featurette "Road to Splendor: Cannes Film Festival" (3:46 Min.)
  • Produktionsnotizen (7 Textseiten)
  • Trailershow:
    • Grand Thief Parsons (2:23 Min.)
    • Machuca (1:20 Min.)
    • Code 46 (2:04 Min.)
Bio-Pic über den Underground-Comictexter Harvey Pekar: Pekar (Paul Giamatti) ist ein zutiefst unzufriedener Jedermann mittleren Alters aus Cleveland, Ohio. Ständig mit dem Leben an sich und seinem im Besonderen hadernd, hat er bereits zwei gescheiterte Ehen hinter sich und arbeitet sich durch einen langweiligen Job als Angestellter im Krankenhausarchiv. Angeregt durch die Bekanntschaft mit Robert Crumb in den 70ern, aber unfähig, auch nur einen Pinselstrich zu zeichnen, fängt er in den 80ern an, seine Alltagserlebnisse und zutiefst schräg-normalen Gedanken aufzuschreiben und diese von Bekannten wie Crumb aufzeichnen zu lassen. Der Titel des Comics: American Splendor. Die Bücher werden ein Hit, obwohl der von seinen Ängsten und Spleens gebeutelte Pekar seinem Alltagsleben treu bleibt. Bis die ebenfalls vom Leben nicht verwöhnte Joyce (Hope Davis) mit ihm Kontakt aufnimmt, der Anfang einer seltsamen Ehe und einer noch spröderen Liebesgeschichte ...
"What a year - his movie year!"

Es bedarf schon eines besonderen Sinns für Humor, um wirklich schätzen zu können, was "American Splendor" für ein Kleinod an satirischem Blick in den Alltag ist und das auch noch in einer Filmbiographie. Dargestellt ist die Lebens- oder Leidensgeschichte von Harvey Pekar, seines Zeichens Angestellter der Ablage in einem Clevelander Krankenhaus, der seinen Alltagsfrust und seine Lebensängste schließlich in Form von Comictexten zum Erfolg macht - ohne sich darüber wirklich zu verändern.
Harvey, dargestellt von Paul Giamatti, ist ein typischer Everyman mit all den Lebensängsten, Zwangsneurosen und Frustauslösern, die uns alle in unserer kleinen Existenz manchmal anfallen. Unordentlich, neurotisch, ein zwanghafter Sammler, schludrig und schmuddelig, erträgt er seinen langweiligen Bürojob nur, weil der seinem Leben eine gewisse Form aufzwingt.
Wenn er dann, aus zeichnerischen Mängeln beginnt, die Geschichte seines Lebens zu texten, die dann Freunde wie Robert Crumb und andere mit Bildern illustrieren, ist dies auch für ihn ein Befreiungsschlag, der jedoch nicht die Wirkung erbringt, die man von so einem Film vielleicht erwarten könnte. Sein Leben ändert sich nämlich dadurch nicht, oder zumindest nicht offensichtlich. Erst als seine spätere Frau Joyce in sein Leben tritt und dies mit ihrer spröden, melancholisch-kühlen Art noch weiter zu komplizieren scheint, passiert für ihn hin und wieder etwas.



Man spürt schon, das ist kein Film für Leute, die sich im Plot von Höhepunkt zu Höhepunkt hangeln. In erster Linie muss man erst mal akzeptieren, was hier eigentlich vorgeht. Erst wenn man bereit ist, zu schlucken, dass es so überaus gewöhnlich ist, bemerkt man den feinen Humor in den Szenen. Es ist nicht viel los, aber es ist verdammt treffend geschildert in seiner frustrierten Beliebigkeit. Die "Liebesgeschichte", wenn man sie pro forma mal so nennen will, ist eine schräge Kuriosität zwischen zwei Personen, die sich zwar brauchen, gleichzeitig aber auch wieder nicht, weil sie eigentlich beide nicht für den anderen verändern wollen. Dass dieses Paar am Ende sogar eine Tochter hat (allerdings die Tochter eines befreundeten Comiczeichners, der befindet, dass sie dort am besten aufgehoben ist) und eine echte Familie darstellt (wenn auch vordergründig dem Klischee nach disfunktional), ist die reine Ironie. Das Besondere an diesem Film ist, dass er sich den gängigen Konventionen meist verweigert. Schon der Vorspann ist teilweise gezeichnet und in Comic Panels gefasst. Während man noch Wahrheit oder Illusion spielt, springt der Film plötzlich aus der Handlung und präsentiert uns den "wahren" Harvey Pekar, der es sich nicht nehmen lässt den Off-Kommentar selbst zu sprechen und während des Films immer wieder für Interview-Zwischenspiele auch die anderen "echten" Charaktere des Films vorstellt, wie z.B. den Kollegen-Nerd Toby, die echte Joyce oder auch die Tochter im Teenageralter. Die episodische Handlung springt bisweilen vor und zurück und lässt den Zuschauer sich fühlen, als wäre er in einer "Movie graphic novel" - welche von Pekar, wie das Schlussbild zeigt, dann auch tatsächlich produziert wurde ("My Movie Year").
Im letzten Drittel gibt es dann doch noch ein paar dramaturgische Anleihen bei üblichen Biographien, Eheprobleme, Harveys Krebserkrankung, die Auftritte und der Tumult bei Letterman. Als Spiegelung des Realen sind die Auftritte bei Letterman sogar die Originalausschnitte (Joyce beobachtet also am Fernseher nicht Giamatti, sondern den echten Pekar, bis er wieder den Raum betritt), bis auf den finalen Eklat, als er den Talkmaster provozierte und beleidigte. (Der Sender gab die Bänder dafür nicht frei, die Szenen wurden nachgestellt.) Trotzdem ist nichts davon spektakulär, aber dafür überraschend anrührend, wenn man bedenkt, dass der Mann nun wirklich kaum etwas Sympathisches an sich hat. Doch seine Umwelt ist fast noch schlimmer - und auch nicht unsympathisch, trotz der offensichtlichen Abstrusität. Letztendlich kann sich jeder darin wiederfinden, die schrägen Kollegen, die komischen Liebschaften, die seltsamen Leute auf der Straße, die einen stören - es ist eine Abbildung der Realität, so wie es "American Splendor" als Comic ist.
Insofern sind hier die Medien zu einer neuen Kunstform verschmolzen und die Figur Harvey Pekar kompromitiert kaum den Menschen Harvey Pekar (der sich in einer Traumsequenz allerdings berechtigt fragen darf, wer er eigentlich ist), sondern bildet in über weite Strecken biographisch genau ab. Und wenn man darüber noch permanent schmunzeln kann, dann ist die Mission erfüllt.



Kommen wir nun zu DVD aus dem Hause Sunfilm. Um es direkt vorweg zu nehmen: Die Optik der Verpackung ist wieder einmal hervorragend. Wie schon bei "Zug des Lebens", Interner Link"Dolls" und Interner Link"Cabin Fever" hat man sich zu der Verpackung Gedanken gemacht und lässt "American Splendor" in einem schönen Media Book mit Schuber daher kommen. Dieser Schuber ist aber dieses mal nicht aus Pappe, sonder aus transparenten Kunststoff und zeigt zwei gezeichnete Mädels, welche das "normale" Cover auf dem Media Book passend ergänzen. Zudem ist die Hülle ganz im Comic-Look designt, was ebenfalls sehr schön anzusehen ist. Zudem gibt es noch als kleine Beilage ein von Sunfilm selbst produziertes "American Splendor"-Comic inkl. Biografie. Auch das DVD-Menü ist wie ein Comic aufgemacht und hebt sich somit von den übliche DVD-Menüs ab. Die Extras an sich hätten aber etwas großzügiger ausfallen dürfen. So ist der Audiokommentar von Shari Springer Burman, Robert Pulcini, Harvey Pekar, Paul Giamatti, Joyce Brabner und Toby Radloff sehr interessant ausgefallen, aber durch die fehlenden deutschen Untertitel uninteressant für die Masse der DVD-Käufer. Weiter geht es unter "Specials" mit dem Originaltrailer zum Film, sowie zwei Bio- und Filmografien. Unter dem Auswahlpunkt Behind the Scenes findet wir lediglich fünf kurze Interviews mit Cast & Crew, von denen keins länger als eine Minute geht. Die Einblicke hinter die Kulissen sind dabei sehr rar gesät. Weiter geht es mit dem knapp 4minütigen Featurette "Road to Splendor: Cannes Film Festival", in dem wir einige Ausschnitte aus Cannes sehen, bei dem auch Harvey Pekar zugegen war. Nicht sehr informativ, aber schön anzusehen. Zum Schluss gibt es noch sehr interessante Produktionsnotizen in Form von sieben Texttafeln, sowie die obligatorische Sunfilm-Trailershow.
Kommen wir nun zu Bildqualität. Zu allererst fällt auf, dass der anamorphe Transfer zwar nahezu kein Bildrauschen aufzeigt, dafür aber mit der Schärfe zu kämpfen hat. Hier wurde es mit dem Rauschfilter etwas zu gut gemeint, was dem Transfer deutlich an Detailschärfe vermissen lässt. Somit wirkt das Bild zwar noch angenehm scharf, aber vor allem in den Totalen erscheint es recht weich. Die Farbgebung wirkt überwiegend natürlich und stellenweise sehr kräftig. Andere Szenen wirken wiederum erdig und offenbaren einen recht kühlen Look, welcher als Stilmittel des Regisseurs anzusehen ist. Lediglich der Kontrast schwächelt hierbei etwas und verschluckt in dunklen Szenen einige Details. Defekte oder Verschmutzungen sind kaum auszumachen und auch die Kompressionen arbeiten sehr unauffällig im Hintergrund. Lediglich leichtes Nachziehen bei schnellen Kameraschwenks trüben den Sehgenuss etwas und lassen auf eine nicht ganz gelungene NTSC-PAL-Wandlung schließen.
Der deutsche Ton liegt hier einmal in einem 5.1 Mix vor, sowie in DTS. Letzteres wirkt lediglich etwas lauter und eine Spur dynamischer, gebraucht hätte man diese zusätzliche Tonspur aber nicht. Dafür sind die Dialoge gut zu erkennen und man bietet uns eine saubere Front. Die Rearspeaker werden hierbei überwiegend für den Score und einige Umgebungsgeräusche genutzt. Richtige direktionale Effekte dürfen wir allein schon Themen bedingt bei dieser Produktion nicht erwarten. Insgesamt wirkt die deutsche Spur im Gegensatz zum englischen Track einfach zu frontlastig und lässt in puncto Räumlichkeit etwas zu wünschen übrig. Die englische Spur wirkt deutlich weiträumiger und auch die Rears werden effektiver genutzt. Aber auch hier dürfen wir kein Surroundgewitter erwarten. Für die englische Tonspur liegen natürlich deutsche Untertitel vor.



"American Splendor" ist eine etwas ungewöhnliche Komödie und ebenso ungewöhnliche Verflimmung des Lebens eines "normalen" Amerikaners. Wer Sinn für unterschwelligen Humor und Spaß an einer ruhigen Inszenierung hat wird hiermit Sicherheit gut unterhalten werden. Sicherheitshalber sollte man aber eventuell vorher Probeschauen, denn "American Splendor" ist kein Film für Jedermann. Die DVD bietet eine solide Bild- und Tonqualität, nette aber viel zu kurze Extras und eine schöne Umverpackung, welche fast schon einen Blindkauf rechtfertig.


Film+++++-
Bild++++--
Ton++++--
Bonus+++---


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