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UK 2003
Originaltitel:Fatigue
Länge:80:48 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:Keine Jugendfreigabe
Regie:Michael Blackwod Barnes
Buch:Mark Faiers, Michael Blackwood Barnes
Kamera:Michael Blackwod Barnes
Musik:Michael Blackwod Barnes, HD64
SFX:Chris Dawson, Mark Faiers
Darsteller:Mark Faiers, Chris Dawson, Simon Spree, Sophie Coryndon, Keith Dickenson, Alan Smith, Ross Cowley, Michael Barnes, Ian Culverhouse, Chris Forster, Martin McClure, Kalib Tanner, Richard Harrington, Ruth Pelopider
Vertrieb:I-On
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.56:1 (Letterbox)
Tonformat:Dolby Digital 5.1, Dolby Digital 2.0
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Specials:
  • Interview (45:44 Min.)
  • Video Scrapbook (8:47 Min.)
  • Animated Production Stills (2:55 Min.)
  • Deleted Scene (1:14 Min.)
  • Trailershow:
    • Black Angel (1:03 Min.)
    • Black Angel 2 (1:10 Min.)
    • Casshern (1:59 Min.)
    • Dead or Alive Final (1:29 Min.)
    • Eko Eko Azarak: Wizard of Darkness (2:02 Min.)
    • Eko Eko Azarak: Birth of the Wizard (1:29 Min.)
    • Eko Eko Azarak: The Dark Angel (2:06 Min.)
    • Ghost (1:36 Min.)
    • No Blood No Tears (1:56 Min.)
    • Save the Green Planet (2:14 Min.)
    • Scarlet Letter (2:19 Min.)
    • Sympathy for Mr. Vengeance (1:43 Min.)
    • The Happiness of the Katakuris (2:06 Min.)
    • Una des Zombies (1:58 Min.)
Obwohl Mitchell Willow mit seiner kriminellen Vergangenheit abgeschlossen hat, zwingt ihn der Gangster Heaver zu einem letzten Job. Doch der eigentlich narrensichere Unterweltdeal verläuft völlig anders als geplant und Willow sieht sich plötzlich im Besitz einer Handvoll gestohlener Diamanten. Seine Entscheidung diese Chance zu einem besseren Leben zu nutzen, erweist sich als fataler Fehler, denn die Mafia nimmt schon bald seine Spur auf. Eine brutale Hetzjagd nimmt ihren Lauf, bei der Willow nicht nur um sein eigenes Leben kämpfen muss ...
"Fatigue" bedeutet soviel wie "Erschöpfung" bzw. "Ermüdung" und dies war auch mein Stichwort nach der Sichtung dieses Independent-Films aus den britischen Landen. Ich war aber mehr erschöpft als ermüdet, stellenweise etwas angespannt und unkonzentriert. Doch woran lag es? Lag es vielleicht daran, dass es langsam Herbst wird und draußen die letzten Sonnenstrahlen die Erde erwärmen, meine Wenigkeit diesen Artikel aber rechtzeitig fertig bekommen muss und mich deshalb vor die Glotze quäle? Oder liegt es doch an Michael Barnes Gangsterfilm, der einem die letzte Kraft raubt? Sagen wir einfach mal, von jedem ein bisschen.



"Fatigue" ist ein kompromissloser Thriller, ein Low-Budget Movie und so ganz untypisch für einen britischen Film. Todernst, blutig und fies, dabei aber nicht unbedingt originell und stellenweise recht langsam erzählt, präsentiert uns Michael Barnes einen schonungslosen, recht fiktiv wirkenden Einblick in die britische Unterwelt. Dabei geht es um Mitchell Willow, seines Zeichens Ex-Gauner und stark Suizid gefährdeter Alkohol-Afficionado. Seine ständigen Anrufe an seine Ex-Freundin finden kein Gehör und er scheint am Wendepunkt seines Lebens angekommen. Nie wieder Kriminalität, nie wieder Verbrechen! Doch durch einen Job als Kurier für ein Verbrechersyndikat erhofft er sich bald genug Geld zu haben und zu seiner Ex zurückkehren zu können. Es scheint zu Beginn auch alles perfekt zu laufen, bis zu dem Moment als ein Deal völlig aus den Fugen gerät und Mitchell plötzlich stolzer Besitzer eines kleinen Beutels mit Diamanten ist. Von nun an ist die halbe Unterwelt hinter ihm her und er sucht Zuflucht in London bei seiner Ex, mit deren Hilfe er ein neues Leben beginnen will. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Von nun an gibt es kein Zurück mehr ...



Vier Jahre hat man dank akutem Geldmangel für die Fertigstellung von "Fatigue" gebraucht und in der Hoffnung einen zweiten "El Mariachi" auf die Beine zu stellen, ist aus einem kleinen Gangsterfilm ein schier nie enden wollendes Filmprojekt geworden, in dem Michael Barnes nicht nur für die Regie zuständig war, sondern auch für das Drehbuch, den Schnitt, die Beleuchtung und die Kamera. Es gab also nichts was Barnes in den vier Jahren nicht gemacht hätte und trotz dieser langen Produktionszeit ist "Fatigue" gar nicht mal schlecht geworden. Die Story ist zwar weitestgehend bekannt und bietet kaum innovative Einfälle, jedoch hat der Film irgendetwas Magisches. Die Idee mit den abgeschnittenen Fingern, die Willow ohne es zu wissen, in Umschlägen ausliefern muss, ist nett gedacht, aber ohne Substanz. Hier wird man das Gefühl nicht los, als diene das Plakatmotiv mit dem Daumen als Lockmittel und dürfte somit als reiner Abklatsch an die Motive von "Saw" fungieren. Dabei hat der Daumen keine wirkliche Bedeutung im Film und man erhoffte sich ständig irgendwas in dieser Richtung, jedoch ließ man uns diesbezüglich enttäuscht zurück. Weiterhin schaffte man es nicht die Charaktere etwas zu festigen, ihnen mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen und gerade Willows Person etwas interessanter zu gestalten. Genügend Zeit war da, jedoch ist hierbei nicht mehr als ein Kratzen an der Oberfläche übrig geblieben und man nimmt Willow seinen Wandel einfach nicht ab. Er wirkt wie alles und nichts. Mal eiskalt, dann wieder ruhig, verwirrt oder gar schüchtern, bis er im nächsten Moment wieder einen cooler Killertyp darstellt. Irgendwie musste man nicht so recht, wie man Willow darstellen sollte oder man hat es in den Jahren einfach verpasst auf einem Level zu bleiben. Wo "Fatigues" Schwächen in der Handlung und Charakterisierung liegen, da sind die Stärken in der für einen Independentfilm hervorragende Kameraführung zu finden. Ein düsterer, kalter Look sorgt für die nötige, teilweise trostlose Atmosphäre und obgleich man Probleme mit der richtigen Ausleuchtung hatte, schaffte man es dank der richtigen Einstellung nicht nur die Optik des Films überraschend authentisch darzustellen, sondern findet die ideale Mischung aus langsamen Kamerafahrten bis hin zu einem schnellen Schnitttempo, welches überraschend professionell wirkt. Hierbei hat man sich sichtlich Mühe gegeben, trotz des geringen Budgets darauf zu achten, dass "Fatigue" optisch überzeugen kann. Hinzu kommen die teilweise recht blutigen Shoot-Outs, welche nicht mit Blut geizen, aber zumindest nie selbstzweckhaft wirken. Viel mehr erscheint die Gewalt in dem Film als nötiges Übel, fernab der menschlichen Moralvorstellung. Ein Mensch setzt sich zur Wehr und hinterlässt folglich ein Blutbad, ohne dabei aber seine Menschlichkeit zu verlieren. Willows drastische, wenn gleich nicht ganz glaubhafte Wandlung, die Gewalt aus der Not heraus und das etwas markante "zu sich selbst Finden" zeichnen den Film aus. Der düstere, gar schmutzige Look, die Aussichtslosigkeit und der Ausbruch aus seinem Gefängnis hat man versucht in "Fatigue" umzusetzen. Die Ermüdung im Geiste, das Aufgeben seiner selbst und das Finden neuen Mutes, könnte die Botschaft sein, wenn man denn nach einer suchen möchte. Mit Sicherheit lässt sich diese Wandlung auch ohne Blutbad vollziehen, ist aber im Kontext zu der Geschichte absolut legitim. Michael Barnes schaffte einen realitätsnahen Action-Thriller zu kreieren, hart und schroff. Ein zermürbendes Erlebnis für die einen, erschöpfend für die anderen. Blutige, aber dafür ungeschliffene Bilder, mit einem kommerziell absoluten indiskutablen, aber vielleicht deshalb so schockierenden Ende. Ein Ende, welches uns zurückschrecken lässt, anwidert und fasziniert. Zum anderen erscheint dieses Ende im Vergleich zu Willows filmischen Wandel absolut deplaziert, widerspricht allem Vorhergegangenen und dürfte auch der eigentliche Grund sein, warum der Film in Deutschland ein KJ-Siegel bekommen hat. Ein positives Ende, in dem das "Gute" gegen das "Böse" siegt, um selber zum "Bösen" zu werden. Mit anderen Worten ein Tritt in die Weichteile eines jeden Zuschauers.



Kommen wir zur DVD aus dem Hause I-ON New Media. Das Bild der DVD ist schwer zu bewerten, da viel zu wechselhaft ausgefallen. Neben einem deutlichen Bildrauschen im Hintergrund, ist vor allem die Schärfe sehr unausgewogen. Überwiegend von unscharfer Natur, wirkt das Bild in den wenigsten Fällen scharf und bis auf einige Nahaufnahmen nie wirklich detailliert. Zudem fällt eine leichte Bewegungsunschärfe auf und die Kompressionen arbeiten ebenfalls nicht ganz sauber, offenbaren von daher etwas Blockrauschen im Hintergrund. Die Farben wirken überwiegend blass und tendieren ins Bräunliche. Ein Stilmittel des Regisseurs und Resultat geringer finanzieller Mittel, weshalb der Kontrast ebenfalls nicht immer überzeugen kann, das Bild stellenweise etwas milchig erscheinen lässt und helle Flächen deutlich zu steil erscheinen. Für einen Independent-Film dennoch akzeptabel, man darf nur nicht mehr erwarten. Bleibt noch zu erwähnen, dass das Bild auf dem Cover als anamorphes Vollbild angepriesen wird. Das ist natürlich Quatsch, ebenso wie es in anderen Magazinen als anamorphes Widescreen-Bild in 1.85:1 gewertet wird. Das Format liegt uns in etwa 1.56:1 vor und zwar nur Letterbox, eine anamorphe Abtastung fand nicht statt.
Der deutsche Dolby Digital 5.1 Mix klingt recht zurückhaltend und dumpf. Es fehlt an Dynamik und einem kräftigen Bass. Zwar lassen sich Dialoge gut verstehen und die Rears werden gleichermaßen für Umgebungsgeräusche, Musik und Effekte genutzt, wobei hier anscheinend der rechte und linke Frontkanal auf die Rears gelegt wurde und auf einen reinen Upmix schließen lassen, da aus den Rears bis auf die Dialoge die selbe Klangkulisse, nur etwas dezenter hallt. Der englische Surround Track klingt eine Spur frischer, dafür weniger weiträumig. Optional lassen sich deutsche Untertitel hinzuschalten.
Die Extras sind zwar nicht sonderlich umfangreich, bieten dafür aber knapp 1 Minute an "geschnittenen Szenen", ein 8minütiges "Video Scrapbook (Tagebuch)" in dem wir viele unkommentierte Einblicke hinter die Kulissen zu "Fatigue" bekommen. Zum Schluss gibt es noch drei sehr informative "Interviews" mit einer Gesamtlaufzeit von knapp 45 Minuten, optional mit deutschen Untertitel. Leider kann man hier die drei Interviews nicht einzeln anwählen. Eine "animierte Bildergalerie" darf ebenso wenig fehlen, wie die obligatorische "Trailershow" mit 14 Trailer aus dem Hause I-On. Ein Trailer zum Film selbst gibt es nicht, dafür ist das Menü ansprechend animiert und in Dolby Digital 5.1 unterlegt. Wie üblich ziert ein schöner Schuber die normale Amaray-DVD.

"Fatigue" ist ein kleiner fieser und zudem schmutziger Independent-Film aus England geworden. Kompromisslos und hart, brutal und schroff. Zum anderen aber auch etwas langwierig und für Mainstream-Gucker sogar langweilig und zermürbend. "Fatigue" ist genau so, wie er sein soll: unbequem!


Film++++--
Bild++----
Ton++----
Bonus++----


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Matthias Paul am 23.10.2005
Bewertung:

Vom Delirium ins Diamantenfieber (ab)geschossen
"Mittendrin statt nur dabei", scheint die Kamera sagen zu wollen, die stets so nah am Geschehen ist, dass man Bewegungen der Darsteller vom Sessel aus nachzuahmen droht. "Fatigue" besitzt die kreative Quirligkeit, die man von manchem Jungfilmer in seinem Erstlingsprojekt erwartet, dabei ist hier schon alles sehr ausgereift. Neben der etwas hektischen Bildkomposition, die durchaus den oft gezeigten Stroboskopeffekten nachahmt, sind es vor allem die Abschweifungen in seltsame Details innerhalb einiger Szenen und überleitende Kollagen, die gleichfalls Experimentierfreudigkeit als auch Low Budget-Herkunft bezeugen, aber die Geschichte ist derart professionell erzählt, geschnitten und teils auch dargestellt, dass man trotz geringer Möglichkeiten von einem nahezu perfekten Actionthriller sprechen kann. Einem sehr blutigen noch dazu, denn wo geschossen und gestochen wird, da wird auch kräftig entsaftet, denn ebenso wie Willow mit seinen Mafiahetzhunden umspringt, gehen auch diese selten zimperlich mit ihm um. Dabei ist der herzensgute Junge nur ein Opfer seiner Umstände, derer er sich später immer besser zu erwehren weiß, auch wenn es bald so aussieht, als ob das alles gar nicht gut enden will. Begebt euch ruhig auf diesen rasanten, räudigen Gangstertrip, der irgendwie ganz anders als Hollywood ist, weil man den Film auf einer sehr intensiven Ebene verfolgen kann - schaut ihn euch an, wenn euch nach frischem Blut im Independent-Action-Sektor dürstet.



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