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CAN, USA 1999
Originaltitel:Boondock Saints, The
Alternativtitel:Mission des dieux
aka. Los elegidos
Länge:104:03 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:SPIO/JK geprüft, strafrechtlich unbedenklich
Regie:Troy Duffy
Buch:Troy Duffy
Kamera:Adam Kane
Musik:Jeff Danna
SFX:Chris Ervin, John MacGillivray, Michael Kavanagh, Dawn Rivard
Darsteller:Willem Dafoe, Sean Patrick Flanery, Norman Reedus, David Della Rocco, Billy Connolly, Brian Mahoney, Bob Marley, Richard Fitzpatrick, Robert Pemberton, Bill Craig, Dot Jones, Scott Griffith, Layton Morrison
Vertrieb:Helkon/Columbia
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch für Texteinblendungen
Specials:
  • 4seitiges Booklet
  • Audiokommentar
  • Vorwort des Regisseurs (4 Seiten)
  • Geschnittene Szenen:
    • Rozengurtle Baumgartner (2:54 Min.)
    • Anruf von Mom aus Irland (5:48 Min.)
    • Greenlys Theorie (3:04 Min.)
    • Verdienter Respekt (0:24 Min.)
    • Reiß dich zusammen! (0:45 Min.)
    • Das Porno Business (0:58 Min.)
    • Smeckers Beichte (4:49 Min.)
  • Verpatzte Szenen (1:31 Min.)
  • Musikvideo "The Boondock Saints" (5:56 Min.)
  • Probeaufnahmen (9:54 Min.)
  • Trailer (2:04 Min.)
  • Fotogalerie (6 Bilder)
  • Cast & Crew:
    • Willem Dafoe (4 Seiten)
    • Sean Patrick Flanery (4 Seiten)
    • Norman Reedus (4 Seiten)
    • Troy Duffy (3 Seiten)
  • Weitere DVDs:
    • Rollerball (2:04 Min.)
    • Heavy Metal F.A.K.K. 2 (1:43 Min.)
    • Fatal Blade (1:54 Min.)
    • Whitmans Rückkehr (2:11 Min.)
    • Defender - Der Schutzengel (1:56 Min.)
  • Hidden Feature
Boston, am Abend des St. Patrick's Day. Als die Schläger der Russen-Mafia ihre Lieblingskneipe schließen wollen, setzen sich die Brüder Connor (Sean Patrick Flanery) und Murphy McManus (Norman Reedus) zur Wehr. Zurück bleiben drei tote Russen, und die irischen Jungs gelten plötzlich als Heilige in ihrem Viertel. Während die Polizei vor einem Rätsel steht, hat der exzentrische FBI-Agent Paul Smecker (Willem Dafoe) sehr schnell durchschaut, wer hier mit Brachialgewalt im Namen des Herrn zu Werke geht. Connor und Murphy, tiefgläubig und trinkfest, haben jetzt eine Mission zu erfüllen. Sie wollen mit dem gesamten organisierten Verbrechen der Stadt aufräumen. Das Russen-Syndikat wird direkt im eigenen Hauptquartier erledigt. Und dem Paten der Mafia soll ebenfalls das Blutgericht gemacht werden.
"The Boondock Saints" ist die visuelle und erzählerische Schnittmenge aus "Pulp Fiction" (wird allmählich inflationär, diesen Namen noch zu erwähnen) und Guy Ritchies Filmen wie "Snatch" oder "Lock, Stock...". Zumindest optisch ist er stark an ihnen orientiert, auch wenn sich die Story an Kompaktheit und Komplexität nicht mit den anderen Filmen messen kann. Dennoch weist die Storyumsetzung dermaßen viel Finesse auf, dass einem die Simplizität gar nicht mehr auffällt. Dafür kann man schon mal den Hut ziehen.


Merkmal dieser Produktion, ist der Tabubruch im modernen Pop-Art-Clip-Stil. Der Film ersäuft fröhlich vor sich hin in einem menschenverachtenden Zynismus und das so gekonnt und unterschwellig fröhlich, dass es noch Stunden so weitergehen könnte. Der Plot ist eine simple Selbstjustizstory zweier Brüder (sowas ähnliches gibt es in "Twin Town"), die sich, eh gläubige Katholiken, von Gott berufen fühlen mit dem Abschaum des organisierten Verbrechens (und was sonst noch so nebenbei läuft) aufzuräumen und abzurechnen.


Das wäre auch was für Charlie Bronson oder Dudikoff gewesen, so abgenudelt wäre der Stoff. Also aufpeppen, die Chose ...
Und Troy Duffy hat die nötigen Ideen auf dem Kasten. Vor allem kurios müssen sie sein. Abstrus, abgefahren, denkwürdig. Während Ritchie den Witz, die Ironie seiner Figuren mit inszeniert und Tarantino eh nur ein Schundabziehbild schafft (aber was für ein Gekonntes ...), bleibt Duffy bei der Erzählweise straight, der Ton weitestgehend ernst. Nur der schiere Irrsinn der Story, die Art der Inszenierung, der Umgang der Figuren macht den Film zum Fest für die Zuschauer.
Die wiederum werden einiges hieran nie vergessen. Das fängt schon beim ersten Gewaltausbruch an, der wie so viele Sequenzen von hinten nach vorne erzählt wird. Duffy präsentiert uns die Ausgangslage (Russische Mafia macht Trouble in einer irischen Bar) und das Ergebnis am nächsten Tag (zwei tote Russen). Was dazwischen liegt, findet für uns ein findiger, von sich überzeugter und verdammt exzentrischer Willem Dafoe als schwuler Ermittler im organisierten Verbrechen heraus, der den tumben Bostoner Polizisten erstmal ihre eigene Blödheit auseinandersetzt. Eine Rückblende klärt uns dann über die wahren Vorkommnisse auf, die dermaßen unvergesslich sind (eine Toilette als Wurfgeschoss), dass die Bilder auch später noch haften bleiben.


Auf diese oder ähnliche Weise reiht sich Set Piece auf Set Piece, Dafoe immer den entscheidenden Schritt hinter den Brüdern, die bald noch einen Kumpanen aus der Italo-Mafia mitmachen lassen, während selbst Dafoes Smecker bald vertraut sympathische Gefühle für unsere Helden in sich spürt.
Diese Sympathie ist dann auch der große Rutschfaktor in dieser Produktion, die zum Schluss auf der Straße Umfragen betreibt, ob sie das Verhalten der Brüder gutheißt oder nicht, denn wenn das Ergebnis zählt, was kümmern da noch die Mittel. Doch Duffy scheint zu viel Freude an der Produktion zu haben, um sich um so etwas zu kümmern und ballert auf alles, was irgendwie ein Ziel abgibt. Hier bekommt jeder mal sein Fett weg.


Kein Set Piece, in dem nicht irgendein denkwürdiges Bild im Gedächtnis zurückbleibt, zwischendurch immer wieder krasse Bilder oder Überraschungen, die einen aus dem Sessel treiben (Ausbrennen von Wunden mit einem heißen Bügeleisen / die Erschießung der Katze). Die reichlichen Schießereien sind knallig und blutig, mit immer neuen visuellen Schmankerln angereichert (spät im Film erklärt Dafoe den Hergang des Gefechts und taucht für den Zuschauer in die Szenerie ein, dirigiert schließlich die Ballerorgie zu klassischer Musik), die Dialoge reichlich pointiert und immer für einen Witz gut ist.


"Der blutige Pfad Gottes" ist gleichzeitig ein frischer Wind in den Videotheken und ein Schlag in die Magengrube, da können die Komödienfreaks ebenso drauf pochen wie die Gegner explizierter Gewaltverherrlichung, die hier nun wirklich ganz dick über dem Eingang steht.
Leider hat der Segen am Ende keinen knalligen Abschluss, sondern läuft zahmer und ruhig aus, als der Film manchmal zwischendurch war. Aber allein für die Leistung von Willem Dafoe, der vermutlich Jahre auf so eine Rolle hat warten müssen (allein sein überheblich-kompetenter Umgang mit den Polizisten, denen er für Aufträge den Arm um die Schultern legt und seine deduktiven Fähigkeiten dürfen in Endlosschleifen laufen), sollte man hier nicht vorbeigehen.


Das anamorphe Bild ist mit einer guten, aber nicht überragenden Schärfe aus einem doch etwas rauschenden Material ausgestattet, die hin und wieder etwas verschwimmt. Das Rauschen sieht man vor allem auf hellen Flächen, wo die Partikelbewegung zwar nicht Details angreift, aber doch sehr heraustritt. In Bewegungen ist das Bild durch stehendes Rauschen leicht behäbig, aber ein Fehler setzt dem sonst guten Bild zu: Der Kontrast ist unausgeglichen, die Farben insgesamt zu dunkel und matt und ein heller Hintergrund zu überstrahlend. So hat man das Gefühl, vor einem Kinoprint zu sitzen, denn die Schatten sind oft ein Stück zu groß und machen den Film älter als er ist. Die Kompression spielt problemlos mit und Verschmutzungen sind eher selten anzutreffen, doch die Digitalisierung enthält einige flimmernde Kanten und Treppen, auch wenn das weniger oft in Erscheinung tritt. Bedenkt man, dass der Titel als eher kleine Produktion an den Start ging, wären knapp 4 Punkte noch drin gewesen. Wenn man aber erst mal den hervorragend aussehenden Trailer angeschaut hat, dann muss man diese Wertung zur schlechteren Note hin korrigieren. Schade, aber ich denke, hier folgt noch mal ein etwas frischerer Transfer.


Genauso wie beim Bild ist auch der Ton nicht perfekt und bleibt ein wenig hinter dem zurück, was er leisten könnte. Die Musik ist klanglich hervorragend und raumfüllend, der Soundtrack bringt sogar richtig Bewegung und Dynamik in die Sache. Es fehlt etwas an Bass, richtig auffällig ist aber die etwas dünne Front bei den Dialogen. Da glaubt man teilweise, der Dialogtrack wäre aus einer anderen Quelle hinzugemischt worden. Es ist nicht so schlimm, dass man den Ton als schlecht einstufen müsste, für eine DVD eines Majorlabels ist es aber ein wenig ungebührlich. Wie auch immer, die Effekte werden von der Musik gestellt und das macht es noch 4 Punkte wert. Der englische Track ist gleichwertig, aber ein wenig realistischer in den Dialogen. Deutsche Untertitel gibt es nicht, nur für einige englischsprachige Texttafeln schalten sich diese kurz zu.


Dickes Ding! Obwohl nicht "Special Edition" draufsteht, ist das Bonusmaterial doch überzeugend. Wir haben ein Booklet mit Bildern aus dem Film und Kapitelstruktur und einen souveränen Audiokommentar des Regisseurs, der leider wie auch die geschnittenen Szenen nicht deutsch untertitelt wurde. Diese haben es übrigens in sich und wenn sie auch dem Gesamtwerk auch etwas an Fahrt genommen hätten, sind sie durchaus witzig anzuschauen. Das Gleiche gilt für die verpatzten Szenen, bei denen besonders Willem Dafoe einen Brüller abliefert. Das Musikvideo von "The Boondock Saints" stammt vom Regisseur selbst, der hier an der Gitarre sitzt und singt. Das Stück ist mit einigen Folklore-Elementen versetzt und gut abgefilmt. Troy Duffy scheint übrigens ein richtig netter Typ zu sein, wie er im Audiokommentar und seinem Vorwort (wahlweise als Text in Englisch oder Deutsch) blicken lässt. Unter den restlichen Extras sind auf jeden Fall noch die Probeaufnahmen interessant, bei denen die Gesichter einiger Darsteller (möglicherweise die, die ihre Rollen nicht bekommen haben) verpixelt werden, was auf rechtlichen Gründen basiert und mit einer einleitenden Texttafel erklärt wird. Auch der Trailer ist einen Blick wert, denn die Bildqualität hier ist durch ordentlichen Kontrast und schillernde Farben bestechend, auch wenn es nur eine Vollbildversion ist. Den Rest machen eine kleine Bildergalerie, Infos zu den drei Hauptdarstellern und den Regisseur sowie ein paar Trailer und ein nicht besonders gut verstecktes, aber einzigartiges Hidden Feature. Bei der Covergestaltung haben sich die kreativen Köpfe dieser DVD allerdings wenig mit Ruhm bekleckert, denn die Collage besteht aus 3 amateurhaft zusammengestückelten Screenshots, die noch dazu völlig verpixelt aussehen.


Sicherlich kann man das hier ideologisch noch diskutieren, aber letztendlich ist das auf Unterhaltung zugeschnittene B-Ware mit hohem Gewaltlevel und wunderbar dahinkrachenden und treibendem Soundtrack. Gerät also zur Nebensächlichkeit. Die Zielgruppe dürfte trotzdem sehr speziell sein. Aber auch sehr treu. Ein wildes Ding!


Film+++++-
Bild+++---
Ton++++--
Bonus+++---


Druckbare Version
News"Der Blutige Pfad Gottes" als Mediabook (Blu-ray & DVD) im Dezember
"The Boondock Saints" Unrated Ende Mai
Blutige Pfad Gottes, Der
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Rajko Burchardt am 27.03.2006
Bewertung:

Wer a flüstert, muss auch b schreien
"The Boondock Saints“ ist ein klassisches Kind der in erster Linie durch Quentin Tarantino geprägten Welle an Pulp-Movies in den 90ern, das eben genau in die Fallen tappt, die der "Reservoir Dogs“-Regisseur so meisterlich umging und sich in der Summe als zu penetrant getrimmter Kultfilm erweist.

Allzu verliebt in seine eher durchschnittliche Ästhetik, verlässt sich Debüt-Regisseur Troy Duffy auf ein Coolness durchtränktes, aber erstaunlich mageres, weil wenig komplexes Drehbuch, das viel verschenkt und die Möglichkeiten einer solchen Geschichte nicht ausnutzt. Dem herben Witz, der stellenweise zu stark im Zeichen des schlechten Geschmacks steht, werden keinerlei pfiffige Twists oder Entwicklungen gegenübergestellt – eine Mischung, die zumindest dem ähnlich überbewerteten „Snatch“ gelungen ist. Die kühle Stilisierung der Gewalt wird in einem erschreckend belanglosen Rahmen präsentiert, der ohne Reserven auskommen muss und abermals deutlich ersichtlich werden lässt, welch magere Grundlage die Idee, zwei "Hirten“ gegen die Unterwelt antreten zu lassen, darstellt - sofern sie ohne Rückgrat präsentiert wird. Zwar können die Shoot-Outs selbstredend überzeugen, doch sind dies kurze Momente, eingebettet in viel Schall und Rauch und ohne die nötige ironische Distanz, die Tarantino so eindrucksvoll zu kombinieren verstand.

Duffys Konzept eines blasphemischen Pulpfilms hat nur an der Oberfläche Bestand, zu trivial ist das ganze, zu wenig kann man es ernst nehmen und zu verhalten ist der ironische Bruch mit dieser Idee. Der Effekt, die Bluttat immer erst nach dem Auffinden des Tatorts folgen zu lassen, nutzt sich schnell ab und wird nicht durch clevere Einschübe erweitert oder abgelöst. Überzeugen können demgegenüber einige Spielereien mit der Kamera, die in den Ermittlungssequenzen ständig quer durch die Achsen springt und den Inhalt formal adäquat begleiten kann.

Warum sich "The Boondock Saints“ trotz seiner mangelnden Originalität geringfügig über verwandte Tarantino-Klons wie "In China essen sie Hunde“ absetzen kann, liegt einzig und allein im unfassbar guten Willem Dafoe begründet. Seine Rolle als schmierig-schwuler Detective ist die einzige Figur in einem sonst sehr lahm angelegten Ensemble, die nicht nur Spin-Off tauglich ist, sondern so viel Profil besitzt, dass sie den Film fast allein trägt.



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