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D, UK 2004
Originaltitel:Creep
Alternativtitel:Cellar Dweller
aka. Here Kitty Kitty
aka. Horunder
aka. One Track Mind
aka. Piccadilly Nightmare
Länge:82:03 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Christopher Smith
Buch:Christopher Smith
Kamera:Danny Cohen
Musik:The Insects
SFX:Mike H.G. Bates
Darsteller:Franka Potente, Sean Harris, Vas Blackwood, Jeremy Sheffield, Ken Campbell, Paul Rattray, Kelly Scott, Craig Fackrell
Vertrieb:X-Verleih/Warner
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Deutsch
Specials:
  • Making Of (34:14 Min.)
  • Featurettes - Die Ausstattung (10:43 Min.)
  • Featurettes - Make Up Effekte (10:22 Min.)
  • Storyboards - Alternativer Anfang (4:16 Min.)
  • Storyboards - Alternatives Ende (3:31 Min.)
  • Frightfest 2004 (11:04 Min.)
  • Entfernte OP-Szene (2:17 Min.)
  • Trailer (1:45 Min.)
  • Biografien (Texttafeln):
    • Franka Potente
    • Sean Harris
    • Vas Blackwood
    • Jeremy Sheffield
    • Ken Campbell
    • Paul Rattray
    • Kelly Scott
    • Christopher Smith
Beim Warten auf die Londoner U-Bahn schläft das Model Kate ein. Als sie wieder aufwacht ist die letzte Bahn bereits gefahren und alle Ausgänge der Station wurden zugemacht. Nun sitzt sie in der Falle und wenn das nicht schon schlimm genug wäre, kommt dann doch noch eine Bahn eingefahren, die eine seltsame Gestalt mit sich bringt. Als Kate diesen schwerer Atem und die dumpfen Schritte der mysteriösen Person hört, kriegt sie es mit der Angst zu tun, springt auf die Gleise und rennt los ...
"Homeless people don't go missing, homeless people *are* missing." - Jimmy

Sie zog einst aus, um der neue deutsche Star am Hollywood-Himmel zu werden: Franka Potente ("Lola rennt", Interner Link"Anatomie"). Doch zu mehr als Nebenrollen in Hits wie "The Bourne Identity" oder kleineren Auftritten in "Blow" reichte es nie und so kehrte sie der Traumfabrik enttäuscht wieder den Rücken, um sich in heimische Gefilde zurückzuziehen. Wohl der berechende Versuch wieder auf sich aufmerksam zu machen, trieb sie nach Interner Link"Anatomie", ihrem damaligen Durchbruch, wieder zurück in den Horrorsektor, geradewegs in die Arme von "Creep". Die deutsch-britische Co-Produktion bietet sich dank grafischer Brutalität, fehlender Selbstironie und vorhandenem Skandalpotential dafür aber auch an.


Christopher Smiths Regie- und Autordebüt erinnert mit seiner erzählerischen Stringenz, die für sich gar keinen Background oder gar wirkliche Charaktere einfordert, an die Slasher-Formeln der Achtziger. Die Prämisse steht, der Mörder wird vorstellig und alsbald wird nur noch geflüchtet und blutig gestorben. Jedenfalls hat Smith sich seinen Film wohl so vorgestellt. Mit 78 Minuten bleibt er ganz ohne Nebenschauplätze eng bei der Sache, kümmert sich nur vage um, inzwischen bei gängigen Genrekollegen ja schon elementare, Aspekte wie die Identität des Killers und konzentriert sich auf puren Horror, womit er auch überraschend gut fährt. Der Mann hat definitiv seine Hausaufgaben gemacht, die Vorbilder studiert, bedient sich auch derer Ideen, schafft es aber innerhalb der U-Bahn-Katakomben von London seine eigene, reichlich finstere Welt auf den Zuschauer loszulassen. Die Dunkelheit gehört bekanntlich zu den Urängsten von uns Menschen und die versteht Smith für sich zu instrumentalisieren.
Nach dem traditionsbedingten Appetizer, der zwei Inspekteure der Kanalisation zeigt, werden wir mit einer extrem selbstbewussten Frau namens Kate (Potente, etwas zu nuttig geschminkt) konfrontiert. Sie, besser ihr Charakter, mag nicht dem Typus einer Traumfrau entsprechen, doch als Mitarbeiterin einer Modellagentur wähnt sie sich zumindest sicher genug, um George Clooney, der zufällig just an diesem Abend in London eine Party besucht, abzuschleppen. Der Weg dorthin führt, weil die Freundin schon früher verduftet ist, über die U-Bahn und einen Schluck Alkohol, der sie schließlich schläfrig werden lässt. Als sie aufwacht, ist der Bahnhof verrammelt und verriegelt und kein Mensch mehr dort unten. Ein letzter, scheinbar leerer Zug fährt ein und sie entgeht nur knapp der Vergewaltigung eines Lustmolchs. Warum? Weil der Creep ihn sich holt und von nun an steht für Kate verzweifeltes Flüchten mit allem was dazu gehört auf dem Programm: Hysterisches Kreischen, Verzweiflung, lähmende Angst und der primitive Trieb zur Selbsterhaltung. Am letzten Fingerspitzengefühl, um die Anspannung kontinuierlich aufzubauen mangelt es Smith, der fast umgehend in die Vollen (u.a. wird der Creep früh und später dann auch zu oft gezeigt) geht, zwar, aufgrund der Kürze des Films fehlte ihm aber wohl auch die Zeit dafür.
Mit den düsteren, dreckigen und unüberschaubaren, labyrinthartigen Tunnelsystem Londons hat er sich immerhin eine urbane Location ausgesucht, die hervorragendes Potential für so eine Hetzjagd um Leben und Tod bietet. Schauplätze, wie das Gefängnis und der sicke Operationsraum des degenerierten, entstellten Creeps, der jedem Backwoodthriller im übrigen alle Ehre machen würde, sind mit Liebe zum Detail (u.a. Embryonen in Petroleumgläsern) reichlich siffig, widerlich und unsteril kreiert. Meist tappen die Protagonisten oder besser Opfer im Dunkeln, verirren sich hoffnungslos, werden dabei von der Kamera aus der gern angewandten Perspektive des heimlichen Beobachters gefilmt und rennen dabei ein ums andere Mal in eine Sackgasse. Wer sich darauf einlässt, dem sind Schweißpfoten und eine erhöhte Herzfrequenz zumindest garantiert.


Wie oben schon erwähnt, konzentriert sich Smith auf das Wesentliche, was sich auch in der enorm kurzen Laufzeit widerspiegelt. Weitere Erklärungen bezüglich der Identität des Killers fallen hier genauso weg, wie selbstreflexiver Humor. "Creep" sieht sich als blanken Horror und schreckt dabei auch nicht vor der Anwendung äußerst expliziter Goreeinlagen, die mit Sicherheit eher eine Freigabe "Keine Jugendfreigabe" rechtfertigen würden, zurück, die zarten Gemüter schon mal, auch aufgrund ihrer instinktiven, drastischen Durchführung, an die Nieren gehen kann. Sicher werden hier auch Fragen bezüglich des Unerklärlichen, weil sich unterscheidenden Umgangs des perversen Creeps mit seinen Opfern aufgeworfen, doch das soll hier kein Anlass zur Kritik sein, steht doch Spannung und Dramatik im Vordergrund. Die genreüblichen Fehler, den Killer, wenn man ihn denn schon mal angeschlagen am Boden hat, nicht endgültig zu töten, lassen einmal mehr sauer aufstoßen. Verdammt, so blöd ist in Wirklichkeit doch kein Opfer!
Um in den Genreolymp aufzusteigen haftet "Creep" zu wenig Unverwechselbarkeit an. Ohne Frage ist er dank seiner Location atmosphärisch und der exzellenten Inszenierung spannend, aber Innovationen sucht man hier vergebens und so kommt letztlich dabei nur ein, wenn auch gut umgesetzter, handelsüblicher Slasher heraus. Wenn man eine Frau durch dunkle Gänge um ihr Leben rennen und vor einem krankhaften Mörder flüchten lässt, muss man sich heutzutage mehr einfallen lassen. Nichtsdestotrotz hält Smith die Schlagfrequenz bis zum Schluss hoch und den Zuschauer damit bei Laune. Wirklich böse kann man ihm auch gar nicht sein, bei seinem Regiedebüt auf Bewährtes gesetzt zu haben, anstatt sich mit Experimenten die weitere, verheißungsvolle Karriere zu verbauen. Die Schocks sind handelsüblicher Natur und das Spannungspotential sinkt für wenige Minuten auch mal ab, doch im Guten und Ganzen kann man "Creep" schon allein weil so konsequent durchgezogener Horror im Kino heute selten geworden ist, als gelungen bewerten.


Die unserer Rezension vorliegende DVD überzeugt durch satte und kräftige Farben, sowie einem überaus gelungenen Kontrast. Die Farbgebung wechselt dabei ständig und Regisseur Christopher Smith hat scheinbar keine Gelegenheit ausgelassen seinen Horror-Schocker mit einer ganzen Palette an Farbfiltern auszustatten. Neben dem typischen kühlen Blaustich verwendet Smith auch grüne, sowie gelbe Farbtöne, welche je nach Sequenz variieren. Der Kontrast ändert sich ebenfalls recht häufig, erreicht dabei nie Referenzwerte, was jedoch an den häufigen Veränderungen liegen dürfte. Der wechselnde Schwarzwert ist nur eine der vielen Regiespielereien und obgleich der Film überwiegende im Dunklen spielt, werden keine Details verschluckt.
Die Schärfe ist jedoch wieder ein Fall für sich. Hier wirkt der Transfer überwiegend weich, aber nie wirklich unscharf. Die Detailschärfe ist hierbei nur befriedigend und lediglich in Nahaufnahmen wird das Bild deutlich plastischer, ohne dabei aber wirklich knackig scharf zu wirken. Zudem scheint man hier etwas nachgewürzt zu haben, was an dem leichten Kantenflimmern zu erkennen ist. Nicht wirklich störend, dennoch erwähnenswert. Störendes Bildrauschen wurde gänzlich eliminiert und die Kompressionen arbeiten ebenfalls recht ruhig, bis auf gelegentliches Blockrauschen im Hintergrund. Defekte und Verschmutzungen sind hierbei nicht auszumachen.

Tonal brauch sich "Creep" ebenfalls nicht zu verstecken, obgleich wir direkt mit dem größten Mangel anfangen: Der Dialogwiedergabe. Neben einer wirklich grauenhaften deutschen Synchronisation für Franka Potente (unmotivierter geht es wohl kaum und dabei spricht sie sich selbst), wurden die Dialoge zwar klar verständlich, aber fast schon zu dominant abgemischt und möchten sich nicht wirklich in das Klangbild der Dolby Digital-Spur einleben. Ansonsten gibt es kaum etwas zu bemängeln. Die Abmischung ist mit Sicherheit nicht perfekt, geschweige denn referenzenverdächtig, aber sorgt für die nötige Atmosphäre und gerade die Rearspeaker werden sauber für Umgebungsgeräusche (diese gibt es in einer Kanalisation zur Genüge), sowie einigen dynamische Effekteinlagen genutzt. Neben einen räumlichen Klangbild, welches lediglich durch die etwas unpassende Dialogabmischung gemildert wird, darf der Zuschauer sich ganz dem düsteren, ja sogar bedrohlich wirkenden Klangbild hingeben, welches durch den passenden Score noch um einige verstärkt wird. Hin und wieder darf der Subwoofer dann auch aus den Vollen schöpfen und spendiert uns gerade im Tiefton-Bereich einige wuchtige Einlagen. Insgesamt vielleicht noch zu zahm, aber für einen Horrorfilm eine mehr als akzeptable Leistung. Der englische Track unterscheidet sich bis auf die Dialoge, welche hier ein Hauch zu hell klingen, kaum von der deutschen Version. Optional lassen sich deutsche Untertitel hinzuschalten.


Kommen wir nun zu den Extras, welche neben einem wirklich ansprechenden Menü auch zu gefallen wissen. Natürlich dürfen wir hier kein umfangreiches Zusatzmaterial à la Hollywood-Blockbuster wie Interner Link"Herr der Ringe" oder "Matrix" erwarten, wobei die Masse an Extras sich teilweise nur auf PR-Spots beschränken, welche aber kaum wirkliche Infos von sich geben. Im Falle "Creep" wird überwiegend auf ein werbelastiges Bonusmaterial verzichtet. Den Anfang macht ein knapp 34minütiges "Making of", welche zwar einiges an Interview-Blöcken zu bieten hat, aber leider viel zu wenig "Behind the Scene"-Material und dafür zu viele Filmausschnitte zeigt. Dennoch eins der besseren Making-ofs, vor allem da die Interviews ohne das übliche PR-Gequatsche auskommen. Ebenfalls sehr interessant sind die darauf folgenden Featurettes, welche sich mit dem Look und der Ausstattung des Filmes beschäftigen ("Featurette: Die Ausstattung" [10:42 Minuten]), sowie den gut gemachten Spezialeffekten ("Featurette: Make-up Effekte"[10:22 Minuten]). Weiter geht es mit einem Mitschnitt vom "FrightFest 2004", bei welchem Franka Potente und Regisseur Christopher Smith Fragen des Publikums beantworten. Sehr amüsant und interessant zugleich.
Bevor das Bonusmaterial mit diversen "Biografien" als Texttafeln und dem obligatorischen "Kino-Trailer" (anamorph und in Dolby Digital 5.1) beendet wird, dürfen wir uns noch zwei "Storyboards" widmen, welche vom Regisseur dokumentiert werden und zum einen den "alternativen Anfang" und zum anderen das "alternativen Ende" zeigen. Wer es dann noch etwas heftiger mag, kann sich noch die "entfernte OP-Szene" anschauen. Eine durch und durch verstörende Szene, welche für eine Kinoauswertung zu hart war. Wie sie ihren Weg auf eine FSK16-DVD fand ist uns zwar ein Rätsel, genauso wie die niedrige Freigabe für den Film selbst, welcher schon teilweise ein ziemlich fieser Terrorfilm darstellt. Das gesamte Bonusmaterial wurde optional deutsch untertitelt, was man bei Warner ja nicht immer erleben darf. Somit dürfen wir mit den Extras recht zufrieden sein. Leider fehlt mal wieder ein Booklet bzw. ein Kapiteleinleger, obwohl so etwas mittlerweile eigentlich Standard sein sollte.


"You're a hefty, Fuckin' bitch do you know that?" - Jimmy

"Creep" ist ein Genre konformer Slasher-Horror mit hervorragenden Make Up-Effekten und absolut flottem Ablauf, der hier kein Motiv, geschweige denn sein Metier neu erfindet, dafür jedoch über die volle Distanz sich selbst treu bleibt und kompakte Grusel-Unterhaltung abliefert. Festgehalten in einer düster-schmutzigen und hin und wieder auch unterkühlten Optik, versetzt mit richtig eingesetzten Toneffekten, gestaltet der Horrorthriller sich, trotz der üblichen Defizite (oberflächliche Charaktere, etc.) als europäische Alternative. Schauspielerisch gibt es im Slasher-Bereich bekanntlich selten mehr als Kreischen, panisch Schauen und Laufen zu tun, weswegen Franka Potente hier auch schwer zu bewerten ist. Ohne zu glänzen, schlägt sie sich als blondiertes Opfer zumindest brauchbar. Wenn auch lediglich die Standardformel umsetzend, empfiehlt sich Regisseur Christopher Smith mit "Creep" für weitere Projekte. Atmosphäre und Spannung sind hier jedenfalls genauso vorhanden wie detaillierte Sterberituale. Auch wenn der letzte Schliff noch fehlt, bleibt nur die Empfehlung für einen unbequemen Gruselabend.
Auch bei der DVD-Umsetzung kann eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen werden, auch wenn Technik-Freaks bei den leichten Mängeln im Bereich Bild und Ton etwas auf der Strecke bleiben. Das Ergebnis ist durchweg positiver Natur und Horrorfans dürfen einen Blick riskieren.


Film++++--
Bild++++--
Ton+++++-
Bonus++++--


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