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HK 1987
Originaltitel:Gaam yuk fung wan
Alternativtitel:Jian yu feng yun
aka. Prison Turbulence
Länge:98:10 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Ringo Lam
Buch:Nam Yin
Kamera:k.A.
Musik:Lowell Lo
Darsteller:Roy Cheung, Chow Yun-Fat, Ho Ka-Kui, Tony Leung Ka-Fai, Shing Fui-On, Tommy Wong Kwong-Leung, Victor Hon, Frankie Ng Chi Hung, Joe Chu
Vertrieb:e-m-s
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1,85:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1 (Upmix)
Sprache:Deutsch, Kantonesisch
Specials:
  • vierseitiges Booklet
  • Original-Trailer:
    • deutsch (5:01 Min.)
    • kantonesisch (5:01 Min.)
  • Biografie/Filmografie:
    • Chow Yun-Fat
    • Tony Lueng Ka-Fai
    • Ringo Lam
  • Trailershow:
    • R-Point (1:49 Min.)
    • Prison on Fire 2 (2:58 Min.)
    • The Machinist (0:55 Min.)
    • Evil (2:00 Min.)
    • Inugami (0:39 Min.)
    • Wishing Stairs (1:59 Min.)
    • Ginger Snaps 2 (1:18 Min.)
    • Ginger Snaps 3 (1:53 Min.)
    • Into the mirror (1:46 Min.)
Der Werbefachmann Lo Ka Yiu (Tony Leung) kommt wegen Totschlags für drei Jahre ins Gefängnis. Dort wird ihm schon bei der Ankunft nacheinander seine Selbstständigkeit, Identität und Würde genommen; die letztere soll er erst später mühsam zurückerkämpfen. Sein nicht abgelegter Drang nach Gerechtigkeit verschafft ihm sofort erste Probleme im Gefängnis, er muss sich nicht zu Unrecht als Kameradenschwein und Petze titulieren lassen und wird auch so behandelt. Langsam gelingt es ihm, eine tiefe Freundschaft mit Ah Ching (Chow Yun-Fat) aufzubauen, der ihm auch mehrmals den Rücken stärkt und rettet. Zusammen geraten sie in einen Machtkampf zwischen den auch im Gefängnis herrschenden Gangsterbossen Micky (William Ho) und Bill (Tommy Wong); dazu mischt der unerbittliche Sicherheitsoffizier "Scarface" Hung (Roy Cheung) seine eigenen Karten. Ein Gewaltausbruch innerhalb der Gitter ist die Folge...
"I always talk so loud. I talk loud. Doesn't mean I'm rude. Sir!" - 41671

Gefängnisfilme als ihr beinah eigenes Genre existieren auch in HK wie Sand am Meer. Als bekanntester und ernstzunehmender Vertreter - "Story of Ricky" und "Bamboo House of Dolls" fallen also heraus - gilt Ringo Lams "Prison on Fire", der direkt nach der erfolgreichen Zusammenarbeit bei "City on Fire" von Regisseur und seinem Hauptdarsteller Chow Yun-Fat gedreht wurde.
Das Erstlingsskript von Lams Bruder Nam Yin erzählt dabei nicht wirklich Neues, die Geschichten innerhalb eines Gefängnisses lassen sich wohl auch schwerlich neu erfinden; der Regie gelingt es aber, in eindrucksvoller Manier die Begebenheiten zu einem einheitlichen und vor allem stimmigen Ganzen zusammenzufügen und gleichzeitig so etwas wie die Quintessenz des Subgenres zu bilden. Dabei wird ein wichtiger und sonst zumeist angesprochener Aspekt gar nicht behandelt: die Flucht.



Die Credits beim Vorspann geben als Zeit- und Ortsangabe der Handlung nur "Prison" und "Summer" an, mehr braucht man als rudimentäre Einführung aber nicht; der folgende ständige Blick durch Gitter und Zäune schlägt sich auch bereits in der ersten Sekunde durch, die Silhouette Hongkongs wird vom einschneidenden Titel versperrt.
Nach einer kurzen Einführung in den folgenden Schauplatz anhand der Ankunft von Lo wird auch gleich knapp seine Vorgeschichte erzählt: Als das Lebensmittelgeschäft seines Vaters ausgeraubt und dieser verletzt wird, folgt Lo den jugendlichen Tätern und legt sich mit denen an; im folgenden Gerangel stößt er einen davon vor einen herankommenden Bus. Viel wichtiger als das und die wenige Male besuchende Familie von Lo ist aber sein neues Leben, das sich erst einmal nur in Befehle befolgen und Schikanen ertragen erschöpft. Auch mit Ah Ching gerät er während seiner Tätigkeit auf der Krankenstation zweimal hintereinander in Scherereien. Er deckt ihn nicht beim Zigarettenschmuggel, dieser weiß allerdings, wie er die Wachen zu nehmen hat und bekommt keine Bestrafung. Bei der folgenden Essensausgabe gibt's weiteren Ärger. Ching mokiert sich über sein zu fettes Stück Fleisch und tauscht es einfach bei Lo gegen seinen Willen um. Es sieht nicht wirklich rosig für ihn aus, dessen Tränen beim Toilettenputzen werden aber von Ching registriert, dieser versucht ihn aufzubauen und hält ihn während der nächsten Tage immer wieder aus Schwierigkeiten heraus. "Prison on Fire" ist ein zwischen Härte und etwas Sentimentalität pendelndes Drama, das in minimalistischer Weise die Routine, Eintönigkeit und Isolation im Gefängnis ebenso aufzeichnet wie die Machtstrukturen; dabei wird sich allein auf den Freiheitsentzug und die unterschiedliche Solidarisierung der Kriminellen konzentriert. Die Handlung wird langsam und damit sehr sorgfältig aufgebaut, die Intensität steigert sich in merklichem Maße, um nach einigen kurzen Eruptionen zu einer unerbittlichen Explosion zu führen. Dabei ist der Film selten gewalttätig und zeigt dann auch nicht wirkliche Brutalität, wirkt aber aufgrund der raurealistischen Atmosphäre und der trockenen Präsentation umso mehr, was durch den dramatischen Ansatz und der emotionalen Beteiligung an den Charakteren noch verstärkt wird. Diese sind zwar teilweise relativ einfach gestrickt, aber dann immer noch so direkt und überzeugend porträtiert, um glaubhaft zu wirken. Außerdem werden sie nicht in exploitationhafter Weise ausgenutzt, sondern als menschliche Wesen und damit auch ernst genommen; selbst der hinterhältige Micky kämpft eigentlich nur um sein Überleben.
Getragen wird der Film dann auch vor allem von den Darstellerleistungen, wobei Tony Leung als anfänglicher Nerd die meiste Entwicklung durchmacht, ihm der wirbelige und erst in Gefahrensituationen ernste Chow Yun-Fat aber sicherlich die Show stiehlt. Mag dessen Charakter eigentlich über weite Strecken zu sorglos und beschwingt agieren, so wird das durch sein im Notfall überzeugendes Spiel wettgemacht; er steht als einziger Halt für Lo und als feste Basis ihrer Männerfreundschaft immer für ihn da.
"Scarface" Hung wird durch Roy Cheung zwar ebenso einfach, aber dafür wirklich eindringlich böse gespielt, die Kritik an einem gewalttätigen System bezieht sich auch allein auf ihn. Zu Recht gingen auch weitere Schauspielnominierungen bei den "7th Annual Hong Kong Film Awards" an die Mitspieler William Ho und den Neuling Tommy Wong.



Regisseur Lam blieb dem Szenario in zwei weiteren Werken treu: der direkten Fortsetzung "Prison on Fire 2", ebenfalls mit Chow, und dem im Ostblock angesiedelten "In Hell - Rage Unleashed", der schon wieder zu trostlos und eintönig gehalten ist, aber die Gratwanderung zwischen Gewalt und Drama auch gut schafft. Die ab 2001 gleichnamige Spielfilmreihe "Prison on Fire" hat außer dem Schauplatz und einigen mitwirkenden Schauspielern hiermit nichts mehr zu tun.



Es hat ja lange genug gedauert, bis dieser Klassiker eine deutsche Veröffentlichung spendiert bekommt. Nach der "A Chinese Ghost Story"-Trilogie und "Hard-Boiled" ist "Prison on Fire" die vierte DVD aus dem Hause e-m-s, die aufwendig remastered wurde. "High Definition Remastered" prangt auf dem Cover und in der Tat, der anamorphe Transfer kann sich gerade im Bereich Detailschärfe sehen lassen. Leider ist die Kantenschärfe nicht sonderlich überzeugend ausgefallen und zeigt deutliche Treppenmuster und Doppelkonturen. Zudem wirkt das Material sehr körnig, was dem Bild in den Totalen etwas an Schärfe raubt. Der Kontrast ist ebenso wie die Farbgebung sehr ansprechend ausgefallen, wirkt in einigen Szenen aber etwas zu dunkel und verschluckt einige nötige Details. Ebenfalls sehr auffällig ist der "milchige" Look in einigen Szenen und das starke Überstrahlen in hellen Flächen. Dies kann aber durchaus ein Stilmittel sein und fällt auch nur in den ersten Minuten wirklich störend auf. Defekte oder anderweitige Verschmutzungen oder Kratzer fallen nicht auf und auch die Kompressionen arbeiten unauffällig im Hintergrund. Lediglich leichte Bewegungsunschärfen sind in einigen Szenen auszumachen. Insgesamt also ein guter Transfer; vor allem wenn man die unsägliche HK-DVD im Vergleich sieht, kann man den deutschen DVD-Anbieter bei der Umsetzung nur gratulieren.
Die deutsche Dolby Digital 5.1-Spur klingt durchweg solide und wartet mit einer guten Sprachverständlichkeit auf. Leider klingt die Abmischung sehr frontlastig und die Rears werden hier lediglich für den Score eingesetzt und im dezenten Rahmen für die Umgebungsgeräusche. Räumlichkeit kommt hierbei leider nicht auf und auf Surround-Effekte muss man komplett verzichten. Der kantonesische 5.1-Track klingt natürlicher und etwas räumlicher als die deutsche Synchronisation. Hier werden die Effektlautsprecher auch dann eingesetzt, wenn die deutsche Fassung nur die Frontlautsprecher bedient.Dies hat zufolge, dass der gesamte Track weiträumiger erscheint, weniger dumpf wirkt und nicht sich nicht nur auf die Frontkanäle bezieht wie die deutsche Tonspur. Zwar dürfen wir auch hierbei kein Surround-Wunderwerk erwarten, aber insgesamt klingt das Ergebnis sehr ansprechend. Optional lassen sich zudem deutsche Untertitel hinzuschalten.
Bonusmaterial war einfach nicht mehr aufzutreiben, weshalb es auch nur den deutschen und kantonesischen "Trailer" zu sehen gibt, sowie drei "Biografien/Filmografien" der Cast & Crew. Neben einer obligatorischen e-m-s "Trailershow" liegt der DVD noch ein vierseitiges, sehr informatives Booklet von Ralph Umard bei.



Actionfans werden hier zwar nicht auf ihre Kosten kommen, dafür ist "Prison on Fire" einfach zu anspruchsvoll. Wer aber Hongkong Cinema einmal etwas anders erleben möchte, dem sei Ringo Lams Gefängnisdrama wärmstens empfohlen. Ebenso die DVD aus dem Hause e-m-s, welche trotz nicht übersehbaren Mängel in der Bildqualität versucht, das Beste aus dem Ausgangsmaterial herauszuholen und sich somit in die Regale der HK-Fans einreihen sollte. Endlich mal eine deutsche DVD, welche deutlich besser ist als ihr asiatisches Pendant.


Film+++++-
Bild++++--
Ton+++---
Bonus+-----


Druckbare Version
Prison on Fire II
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