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USA 1989-1990
Originaltitel:Simpsons, The
Alternativtitel:Simpson, Los
aka. Simpsonovi
Länge:287:16 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 12 Jahre
Regie:David Silverman, Wesley Archer, Gregg Vonzo, Kent Butterworth, Rich Moore, Milton Gray, Brad Bird
Buch:Matt Groening, James L. Brooks, Mimi Pond, Jon Vitti, Jay Kogen, Wallace Wolodarsky, Al Jean, Mike Reiss, John Swartzwelder, Sam Simon, George Meyer
Musik:Danny Elfman, Alf Clausen, Richard Gibbs, Arthur B. Rubinstein
Darsteller:(Originalstimmen) Dan Castellaneta, Julie Kavner, Nancy Cartwright, Yeardley Smith, Harry Shearer, Hank Azaria, Jo Ann Harris, Pamela Hayden, Chris Latta, Marcia Wallace, Russi Taylor, Susan Blu, Miriam Flynn, Sam McMurray, Ron Taylor, Albert Brooks, Maggie Roswell, Tress MacNeille, Christian Coffinet, Paul Willson, Penny Marshall, June Foray
Vertrieb:20th Century Fox
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:1.33:1 (Vollbild)
Tonformat:Dolby Digital 5.1
Sprache:Dolby Digital 5.1
Untertitel:Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
Verpackung:DigiPack im Pappschuber
DVD-Start:27.09.2001 (Kauf)
Specials:
  • 8seitiges Booklet
DVD 1:
  • Audiokommentar zu jeder Episode
  • Drehbuch zu "Bart wird ein Genie" (102 Seiten)
  • Drehbuch zu "Bart schlägt eine Schlacht" (109 Seiten)
DVD 2:
  • Audiokommentar zu jeder Episode
  • Drehbuch zu "Lisa bläst Trübsal" (94 Seiten)
DVD 3:
  • Audiokommentar zu jeder Episode
  • Ausschnitt aus einer nicht ausgestrahlten Version von "Der Babysitter ist los" (5:03 Min.)
  • Animatic aus "Bart schlägt eine Schlacht" (1:51 Min.)
  • Making Of "The Simpsons - America's First Family" (4:50 Min.)
  • Internationale Clips:
    • Frankreich (1:05 Min.)
    • Italien (1:05 Min.)
    • Spanien (1:05 Min.)
    • Japan (1:05 Min.)
    • Portugal (1:05 Min.)
  • Tracey Ullman "Good Night Simpsons" (1:58 Min.)
  • Simpsons-Kunstgalerie:
    • Erste Skizzen und Zeichnungen (1 Seite)
    • Titelseiten (36 Bilder)
  • Drehbuch zu "Der Babysitter ist los" (116 Seiten)
  • Hidden Features
Es Weichnachtet schwer / Simpsons Roasting on an Open Fire (22:16 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 06.12.1991
US-Erstausstrahlung: 17.12.1989


Weihnachten steht vor der Tür - und bei den Simpsons herrscht das übliche Chaos. Lisa wünscht sich wieder mal ein Pony, Bart will ein Tattoo. Patty und Selma, die kratzbürstigen Schwestern von Marge, kündigen ihren Besuch an. Und nachdem Mister Burns seinen Angestellten das Weihnachtsgeld gestrichen hat, will Homer etwas dazuverdienen. Ob der Job als Kaufhaus-Weihnachtsmann sich dafür eignet?


Bart wird ein Genie / Bart the Genius (22:11 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 10.09.1991
US-Erstausstrahlung: 14.01.1990


Lesen, Schreiben und Rechnen sind nicht gerade Barts Stärken. Das zeigt sich nicht nur beim Scrabble-Spiel, sondern auch in der Schule. Bis Bart auf die Idee kommt, sich an Martin, dem Klassenstreber, zu rächen: Nach einem IQ-Test vertauscht er einfach die Fragebögen - mit sensationellem Erfolg! Ist Bart Simpson etwa ein verkanntes Wunderkind? Eine Schule für Hochbegabte soll das Problem lösen.


Der Versager / Homer's Odyssey (22:13 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 11.10.1991
US-Erstausstrahlung: 21.01.1990


Bart macht mit seiner Klasse einen Ausflug: Vorbei an der Giftmüllhalde führt der Weg - genau: ins Atomkraftwerk! Dort dürfen die Kinder einen lustigen Film mit dem Titel "Atomenergie - unser verkannter Freund" ansehen. Bei der anschließenden Besichtigungstour trifft Bart seinen Dad, der vor lauter Wiedersehensfreude prompt einen Reaktorunfall verursacht ...


Eine ganz normale Familie / There's no Disgrace like Home (21:30 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 13.09.1991
US-Erstausstrahlung: 28.01.1990


Es ist wieder so weit: Das Atomkraftwerk von Springfield veranstaltet sein jährliches Picknick, an dem alle Angestellten mit ihren Familien teilnehmen. Mit dabei sind natürlich auch Homer Simpson, seine reizende Gattin und die wohlerzogenen Kinder, die auf Homers Boss den allerbesten Eindruck machen. Zumindest war das der Plan. Es kommt natürlich ganz anders. Marge betrinkt sich mit Punsch, Bart jagt die Schwäne im Park - und Homer beschließt, mit einem neidischen Blick auf das Familienglück seiner Kollegen, dass es so einfach nicht weitergehen kann.


Bart schlägt eine Schlacht / Bart the General (21:46 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 27.09.1991
US-Erstausstrahlung: 04.02.1990


Es ist nicht leicht, ein Mann zu sein! Schon gar nicht, wenn man Bart Simpson heißt und eine Schwester hat, die ihrer Lehrerin zum Geburtstag Schoko-Muffins gebacken hat. Erst will Lisa Bart nichts davon abgeben - nicht einmal, als er sie als Fußabtreter, Spulwurm und Speichellecker beschimpft! Und kaum hat Bart sich doch einen Muffin erkämpft, kommt ein Typ daher und nimmt Lisa die ganze Schachtel weg! Ehrensache, dass Bart den Kerl verprügelt - doch der ist ausgerechnet ein Freund von Nelson Muntz, dem Schrecken der Schule ...


Lisa bläst Trübsal / Moaning Lisa (22:13 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 04.10.1991
US-Erstausstrahlung: 11.02.1990


Lisa ist ein Jazz-Genie! Leider ist der einzige Erfolg ihrer eigenwilligen Improvisationen, dass man sie aus dem Schulorchester schmeißt. Die Welt ist einfach noch nicht reif für Lisas künstlerische Darbietungen. Da kann nur einer helfen: ein alter Blues-Saxophonist namens "Paradontose-Murphy", der Erfinder des "Ich hatte nie einen italienischen Anzug"-Blues.


Vorsicht, wilder Homer! / The Call of the Simpsons (22:11 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 29.11.1991
US-Erstausstrahlung: 18.02.1990


Voller Stolz führt Nachbar Flanders sein neues Wohnmobil vor: Großbildschirm, Friteuse... Homer wird grün vor Neid. Ein Wohnmobil muss her! Da das allergrößte (mit vier Friteusen und eigenem Satelliten!) leider auch zu teuer ist, lässt sich Homer eine schrottreife Uralt-Kiste andrehen. Dank Homers Fahrkünsten haben die Simpsons nicht lange Freude an dem guten Stück. Statt dessen winkt das Abenteuer Wildnis - hautnah!


Bart köpft Ober-Haupt / The Telltale Head (22:06 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 08.11.1991
US-Erstausstrahlung: 25.02.1990


Mitternacht in Springfield: Durch stille Straßen schleichen zwei Gestalten mit einem großen Paket. Es sind Bart Simpson und sein Vater. Das Paket enthält den Kopf von Jebediah Springfield, dem legendären Gründer der Stadt! Warum das Oberhaupt nicht mehr auf der Statue sitzt wissen Bart und Homer, wie sie jedoch der bis an die Zähne bewaffneten Bürgerwehr entkommen wollen, das ist noch die Frage ...


Der schöne Jacques / Life on the Fast Lane (22:12 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 18.10.1991
US-Erstausstrahlung: 18.03.1990


Für die Rolle des aufmerksamen Ehemanns ist Homer eine glatte Fehlbesetzung. Das wissen nicht nur Marges Schwestern Patty und Selma: Auch Marge muss das ausgerechnet an ihrem 34. Geburtstag [erfahren, d. Verf.]! Homer hat den großen Tag buchstäblich verpennt. Und was ist sein Geschenk? Natürlich das, was er selbst am liebsten haben möchte: eine neue Bowling-Kugel. Das reicht. Marge schwört Rache. Und lernt den schönen Jacques kennen, der ihr beibringt, die seidige Oberfläche der Bowling-Bahn zu streicheln ...


Homer als Frauenheld / Homer's Night Out (22:10 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 25.10.1991
US-Erstausstrahlung: 25.03.1990


Seit Wochen hat Bart auf sie gewartet - jetzt ist sie endlich da: Seine Spion-Kamera im Miniformat. Und Bart wäre nicht Bart, wenn diese Anschaffung nicht auf direktestem Weg zum K.O. für den Familienfrieden führte. Denn irgendwie schafft er es, ein Foto zu machen, das seinen dickbäuchigen Dad beim heißen Tanz mit einer ziemlich leicht bekleideten Dame zeigt. Und irgendwie kriegen nicht nur Barts Freunde dieses Foto zwischen die Finger, sondern auch deren Väter - und schließlich ganz Springfield ...


Tauschgeschäfte und Spione / The Crepes of Wrath (22:16 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 13.12.1991
US-Erstausstrahlung: 15.04.1990


Nichts als Ärger mit Bart: Zuerst fällt Homer über das Skateboard, das sein Sohn im Flur herumliegen ließ. Und dann kommt auch noch Direktor Skinner: Bart und seine Kumpels hatten die echt coole Idee, eine angezündete Kirsch-Bombe durch den Abfluss der Damen-Toilette zu jagen - ausgerechnet in dem Moment, als Skinners Mutter das Örtchen aufsucht. Um die Schule für eine Weile von dieser Plage zu befreien, schlägt Skinner vor, Bart zum Schüleraustausch nach Frankreich zu schicken. Die Simpsons sollen dafür einen Jungen aus Albanien aufnehmen ...


Der Clown mit der Biedermaske / Krusty Gets Busted (22:13 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 15.11.1991
US-Erstausstrahlung: 29.04.1990


Auf dem Weg nach Hause macht Homer einen Zwischenstopp im Kwik-E-Mart und wird Zeuge eines bewaffneten Raubüberfalls. Der Täter ist ganz eindeutig Krusty der Clown, das Idol von Bart und vielen anderen Kindern! Ein Skandal! Alle Krusty-Figuren und Poster werden in einer großen Aktion öffentlich verbrannt. Der Einzige, der sich über das Ganze wirklich freut, ist Side-Show Bob, den Krusty immer durch die Kanone gefeuert hat. Und der Einzige, der noch an Krustys Unschuld glaubt, ist - Bart Simpson!


Der Babysitter ist los / Some Enchanted Evening (21:59 Min.)
Deutsche Erstausstrahlung: 22.11.1991
US-Erstausstrahlung: 13.05.1990


Marge Simpson hat die Nase voll: Ihre Kinder sehen sie nur als Essensbeschafferin, ihr Mann vergisst sogar den morgendlichen Abschiedskuss. Als sie kurz entschlossen bei einem Radiosender anruft, gibt man ihr den Rat, Homer zu verlassen. Doch der kommt ihr gerade noch zuvor: Er hat die Sendung zufällig gehört und steht mit Blumen und Pralinen in der Tür. Noch mehr: Er lädt Marge zum Abendessen mit anschließender Übernachtung im Luxushotel ein. Für die Kinder wird sich schon ein Babysitter finden ...


Gibt es eigentlich tatsächlich noch Menschen auf Gottes weiter Erde, die nicht die Simpsons kennen? Eigentlich kaum vorstellbar, denn die satirische Cartoonserie des Amerikaners Matt Groening (geb. 1954 in Portland, Oregon) gehört zu den Neunzigern wie die Butter aufs Brot. Natürlich hat jede Legende irgendwo ihren Anfang. Bei Groening war es ein Comicstrip namens "Life in Hell", der erstmals 1978 im "L.A. Reader" erschien und noch heute in Hunderten von Zeitungen auf der ganzen Welt veröffentlicht wird.
Um nicht auf einer Stelle zu treten und sein Repertoire auszuweiten, entwickelte er bald neue Figuren, angelehnt an seine eigene Familie. "Ich fühlte mich nicht besonders kreativ in jenen 15 Minuten", sagt er über die Entwicklungszeit der Familie Simpson, deren Mitglieder Homer, Marge, Lisa und Maggie nach der eigenen Familie benannt wurden. Im Endeffekt also eine recht bodenständige Erklärung für das Kuriosum, dass dem größten Dummkopf der Comic-Geschichte, Homer Simpson, nun ein Name anhaftet, der einst mit einem großen Denker und Dichter konnotiert wurde. Lediglich Barts Name ist der Phantasie entwachsen, wobei die Figur an sich das kleine Alter Ego des Matt Groening ist, nur war ihm "Matt" als Name dann doch zu offensichtlich.
Das Familienkonzept fand Zuspruch und Anerkennung: Die Show der britischen Sängerin und Schauspielerin Tracey Ullman nahm sich des Konzeptes im Shorty-Format an und verwendete es als Pausenfüller. Bei Fox wurde das Interesse geweckt, so dass man unter einem gewissen Risiko die Kurzfilme zu einer eigenen TV-Serie weiterkonzipierte. 1987 begann das Projekt, ab 1989 flimmerten die ersten 13 Folgen über die amerikanischen Fernsehbildschirme.

Jene Folgen sind es, die man im hier besprochenen Box-Set erwirbt. Die Simpsons, wie sie noch etwas unbeholfen ihre ersten Watschelschritte auf eigene Faust unternehmen. Wie sie die große Welt erkunden und sich aufmachen, die Unabhängigkeit zu entdecken.
Für Simpsons-Nostalgiker steht von vornherein fest, dass sich dieser Trip in die frühen Neunziger ohne zu überlegen lohnt. Doch was erwartet - sofern es noch welche gibt - Neulinge, und vor allem: Was lässt sich bei den ersten Folgen schon alles an Sozialkritik herauspressen, für die Matt Groenings Serie so populär geworden ist? Wie hat man sich inzwischen animationstechnisch weiterentwickelt? Unter welchen Bedingungen ist die Serie entstanden, und was war Matt Groening und seinen Mitarbeitern bei der Konzeption besonders wichtig? Diesen und ähnlichen Fragen soll in einer ausführlichen Einzelbesprechung aller 13 Episoden unter Rückgriff auf die begleitenden Audiokommentare der Beteiligten nachgegangen werden.

Es Weichnachtet schwer

Der erste Eindruck zählt! Wenn das auch auf die Simpsons zutrifft, dürfen wir einerseits froh sein, denn das Weihnachtstreiben der gelben Familie ist als erster Eindruck unheimlich liebenswert. Andererseits sind das noch nicht die Simpsons, die wir jetzt nach so vielen Staffeln kennen. Am Anfang des Weges steht noch alles im Zeichen der Orientierung, wie auch Matt Groening selbst anmerkt. Aber es ist eben jene Fehlbarkeit, die uns die Simpsons näherbrachte und ihnen Staffel für Staffel immer wieder die Chance gab, weitere rund 24 Abenteuer im Jahr zu erleben.
"Es weihnachtet schwer" tastet noch etwas die Grenzen des Zeichentrickfilms ab und ist mit der Dynamik heutiger Episoden nicht zu vergleichen. Frisch aus der "Tracey Ullman Show" entflohen, hatte man sich zunächst einmal als eigenständiges Produkt im Free-TV zu behaupten. In der Konzeption, die Simpsons bei ihrer ersten Vorstellung als Familie mit beschränkten Mitteln, aber viel Zusammenhalt zu präsentieren, war man sehr bemüht, sich an der Familie Matt Groenings zu orientieren. Die sehr banale Story lebt deswegen vor allem durch die vielen liebevollen Marotten, die dem realen Leben entlehnt sind. Das "Aua, lass das", als Lisa und Maggie Bart mit seiner entzündeten Tätowierung ärgern, ist beispielweise auf Matt Groenings Geschwister, ebenfalls namens Lisa und Maggie, zurückzuführen. Derweil bekommt Homer inspiriert durch den ein oder anderen Mitarbeiter schon einige seiner kleinen Ticks mit auf den Weg, wie das nervöse Spiel mit den Fingern. Die anfänglichen Bedenken Groenings, eine derart absurd gezeichnete Familie könne womöglich kein Identifikationspotential zum Zuschauer bieten, erwiesen sich daher recht schnell als unbegründet. Die Identifikation mit dem Zuschauer wurde sogar zu einer der größten Stärken der Serie. Ein Aspekt, den zuletzt die digitalen Animationsfilme wieder aufgriffen.
Strukturell orientierte man sich an Sitcoms der 50er und 60er Jahre, um diese dann weiterzuentwickeln. Gleichzeitig stand man in direkter Konkurrenz mit der "Bill Cosby Show", was schon für sich ein Erfolg war, wenn man von einer Zeichentrickserie behaupten konnte, dass sie sich mit einer Realserie misst. Tatsächlich schaffen es die Drehbuchautoren schon hier, die Ausweglosigkeit des Weihnachtsfestes ausgesprochen elegant zu einem Happy End zu drehen und gleichzeitig noch (unbewusst, wie der Audiokommentar verrät) die problematische Situation um die Haltung von Windhunden zu Rennzwecken anzuschneiden. Die erste Episode endet mit der Komplettierung der Familie Simpson durch das Haustier Knecht Ruprecht, nachdem zuvor Stück für Stück sämtliche Mitglieder vorgestellt wurden (Grampa Simpson übrigens nur durch ein Foto).
Optisch bleibt alles noch sehr grobschlächtig. Barney läuft noch mit blonden Haaren herum, Moe mit schwarzen, und Menschenmassen bewegen sich stets gleich. Allerdings gibt es schon diverse interessante Kameraeinstellungen zu bestaunen, die sich über die Eintönigkeit von Hanna/Barbera-Trickfilmen weit hinaushoben. Wobei man diese durchaus würdigte: So ist Barney in seiner Funktion als Homers Kumpel nach Barney Geröllheimer von der "Familie Feuerstein" benannt (und Milhouse übrigens nach dem Mittelnamen von Richard M. Nixon, der bei den Simpsons und auch bei "Futurama" immer wieder sein Fett wegbekam).
Die Deutschen bekamen allerdings einen anderen Ersteindruck von den Simpsons: "Es weihnachtet schwer" wurde in Deutschland erst als Staffelabschluss zur Weihnachtszeit gezeigt.


Bart wird ein Genie

"Bart wird ein Genie" ist die erste reguläre Episode, was bedeutet, dass der legendäre Vorspann mit den zu Feierabend nach Hause flüchtenden Simpsons und dem stets variierten Sofa-Gag seinen Einstand feiert, welcher übrigens durch das "Flintstones"-Intro inspiriert wurde. Zur Motivation des Plots bemerkt Groening: "One of the great things about cartoons ... It's vengeance." Gemeint damit ist die Tatsache, dass Groening in seinen Figuren die Möglichkeit sieht, sich an Leuten aus seinem Umfeld zu rächen, indem er sie in seinen Figuren verarbeitet. Hier müssen seine Lehrer und Rektoren dran glauben, die in dem besserwisserischen Rektor Seymour Skinner vereint wurden. Und zwar tut Skinner alles dafür, Bart aus der Schule zu befördern. Später wird das in der Schüleraustausch-Episode noch deutlicher. Hier begibt sich Bart zunächst einmal aufgrund einer Verwechslung in eine Schule für Hochbegabte.
Die Sozialkritik ist erstmals deutlich spürbar, wenn Bart zwischen den Fronten steht und einerseits von den Genies wegen seiner Dummheit, andererseits von seinen früheren Kumpels wegen seines Genie-Status diskriminiert wird. Die soziale Ausgrenzung am Indikator Bildung ist ein greifbares Thema, das auch gerade in den USA ein großes Problem war und nach wie vor ist. Das Scrabble-Spiel zu Beginn verdeutlicht dabei die Lage innerhalb der Familie. Von Homer, der das wie auf dem Präsentierteller liegende Wort "oxidize" vor sich nicht erkennt, erfahren wir, dass er dumm wie Stroh ist; ebenso wie sein Sohn, der aber prächtig damit umzugehen weiß, indem er rotzfrech das legendäre Wort "Kwyjibo" erfindet, das er nach einem Blick auf seinen Vater mit "Ein fetter, blöder, nordamerikanischer Affe ohne Kinn" definiert. Lisa dagegen ist die Vernünftige, wird sofort misstrauisch und schlägt im Duden nach, was einen ersten Hinweis auf ihr Wesen gibt - obwohl sie in der Oper bei den Albernheiten von Homer und Bart noch mitlacht. Ganz nebenbei erstellt die kleine Maggie mit ihrem Buchstabenwürfel die Wortkombination "EMCSQU" ("E=MC²"). Entsprechend der Thematik gibt es immer wieder Anspielungen auf berühmte Schriftsteller oder bedeutende literarische Werke. Gleichzeitig ergibt sich die Gelegenheit, Kritik daran zu üben, dass Comics als Kunstform nicht anerkannt werden - was aber zunächst genau gegenteilig aufgefasst wurde, als die Lehrerin der Begabtenschule das Comic-Heft in den Müll warf. Vielleicht war die Welt damals noch nicht reif für das enorme Ausmaß an Satire, das schon in den frühen Simpsons steckte. Bezüglich der Animation gibt es mit dem durch einen Chemie-Unfall grün gefärbten Bart ein besonderes Highlight zu bestaunen. Auch die Figuren in Aktion sind diesmal sehr gut gelungen; sei es der nackt durchs Wohnzimmer rennende Bart oder der Baseball spielende Homer. Zudem wurde erstmals mit Schatten experimentiert. Insgesamt eine sehr gelungene Episode, die den Spagat zwischen Anspruch und Unterhaltung sehr elegant aus großer Höhe ausführt.


Der Versager

"Der Versager" handelt im Wesentlichen von Verantwortung. Dafür ist natürlich Homer der ideale Protagonist, ist er doch die so ziemlich verantwortungsloseste Figur im gesamten Groening-Universum. Weiterhin ist es eine Episode über die Bewältigung von Schuld. So ist Homer tatsächlich schon in der dritten Episode aus seinem Job gefeuert und selbstmordgefährdet. Ein beachtlicher Auftakt für eine Cartoonfigur.
Hervorstechend ist die sehr typische Struktur der Episode. Stets in drei Akte aufgeteilt, hat es sich recht schnell so eingefahren, dass eine Substory mit einem vollkommen anderen Thema in den eigentlichen Plot einleitet. So ist es diesmal ein Schulausflug von Bart zum Atomkraftwerk, in dem sein Vater arbeitet. Dieser Teil nimmt, obwohl er nur zum eigentlichen Thema hinführt, einen kompletten Akt in Anspruch. Dass Homer der eigentliche Protagonist ist, wird deswegen vorerst überhaupt nicht deutlich. Diesmal teilt sich aber sogar nochmals der zentrale Plot in zwei voneinander unabhängige Aspekte auf, wobei Homer zunächst versucht, sein Leben zu beenden, um schließlich durch göttliche Eingebung (nicht seine letzte) Verantwortung zu übernehmen und aktiv zu werden.
Erstmals tritt die Bevölkerung Springfields als der berüchtigte Pöbel in Erscheinung, der er seit jeher ist. Das wankelmütige Volk, das sich von einem Redner, egal wie dumm er ist, in kürzester Zeit vernebeln lässt und ihm auf dem Fuße folgt. Hier richtet man sich auch ein wenig an den Zuschauer, der nicht blind alles schlucken soll, was Autoritätspersonen ihm weismachen wollen. Etwas ungewöhnlich wirkt die geschickte Diplomatie, die Homer anwendet, als er seinen Job vom fiesen Mr. Burns wiederbekommt unter der Voraussetzung, dass er dem Pöbel sagt, das Kraftwerk sei sicher. Den finalen Tanz auf der Fassade des Kraftwerks kann man eigentlich beinahe als Parodie auf Interner Link"Last Boy Scout" interpretieren; womöglich ist das aber purer Zufall, denn im Audiokommentar kommt da abgesehen von einem herzhaften Lachen keine weitere Reaktion.
Insgesamt eine ansehnliche Episode, wobei der Selbstmordversuch Homers gewöhnungsbedürftig ist und seine Diplomatiekenntnisse etwas unglaubwürdig erscheinen. Dafür darf Mr. Burns zum ersten Mal Homer mit seinem berühmten "Endlich treffen wir uns" begrüßen.


Eine ganz normale Familie

Da beklagen sich die Simpsons-Macher in ihren Audiokommentaren ständig über die Lahmarschigkeit und Harmlosigkeit der ersten Staffel, und dann kommt diese Episode. Eine Familie, die Chaos und Pein en masse produziert, bis der ganze Staat ohne Strom dasteht.
Für die Deutschen war es auch noch die allererste "unheimliche Begegnung der gelben Art". "Eine ganz normale Familie" war die erste in Deutschland ausgestrahlte Episode. Nachdem man sich die Weihnachtsfolge für die Weihnachtszeit aufgespart hatte, war das eigentlich keine schlechte Wahl, da hier zum zweiten Mal die Familie im Vordergrund steht und nicht einzelne Figuren. Jedoch ist der erste Eindruck der Charaktere so daneben wie nie. Wer langjähriger Simpsons-Fan ist und sich nach ewigen Zeiten nochmal diese Folge ansieht, wird sich erstaunt die Augen reiben. Marge besäuft sich auf der Firmenparty ihres Bosses? Lisa hat mehr noch als ihr Bruder nix als Unsinn im Kopf und geht mal eben in Burns' Springbrunnen baden? Ausgerechnet Homer ist es, der als einziger nicht nur gesittet sein Abendmahl zu sich nimmt, sondern sich auch noch Gedanken über die moralische Einstellung und den Zusammenhalt seiner Familie macht? Hilfe! Wer ist das? Was haben die mit den Simpsons gemacht?
Man kann nun so argumentieren, dass sich die Familienmitglieder in ihrem Verhalten voll und ganz der Story unterwerfen. Denn diese beschäftigt sich einmal mehr mit ausgewogener Sozialsatire, indem gesellschaftliche Konventionen unter die Lupe genommen werden. Auf der Burns-Party stehen da zunächst einmal die Berufshierarchie und die Benimmregeln gegenüber Vorgesetzten auf dem Plan, bevor Homer sich und seine Familie in einem Anflug aus Selbstkritik zum Psychiater schickt. Die Antwort - und hier sind wir erstmals bei der TV-Medien-Kritik - findet Homer im Fernsehen. Dort taucht auch die geniale "Tom & Jerry"- und Disney-Parodie "Itchy & Scratchy" zum ersten Mal auf. Passend dazu gibt es diverse Filmanspielungen: Zum ersten Mal rückt der vielzitierte "Citizen Kane" (neben de Interner Link"Der Pate" wohl der von den Simpsons meistzitierte Klassiker) ins Bild, zudem noch die "Freaks" (In einer optisch furiosen Höllenvision Homers ruft ihm seine Familie zu: "One of us!") und nicht zuletzt die eigentlichen Vorbilder für das Serienkonzept, nämlich "Die Waltons", die "Die Brady-Familie" & Co. Letztere sind das perfekte Beispiel für die intelligente Verbindung von Hommagen mit der Story, denn die Vorzeigefamilien, bei denen Homer & Co. durchs Fenster lugen, sind bewusst als Gegenkonzeption zur nicht ganz so perfekten, aber umso identifikationswürdigeren Simpsons-Familie ausgelegt.
Das Finale bei Psychiater Dr. Marvin Monroe haut dann richtig auf den Putz. Da wird nix ausgelassen. In einer Stromschlacht sieht man sogar die kleine Maggie Funken sprühen. Und die Pointe ist einfach wundervoll. Im Sinne des Happy Ends finden die Simpsons zwar wieder zusammen, aber nicht so, wie es eigentlich gedacht war ...


Bart schlägt eine Schlacht

Groening & Co. schöpfen aus dem Vollen und versuchen, gleich in der ersten Staffel alle möglichen Themen anzuschneiden. Noch war alles unverbraucht; ein Problem, mit dem die heutigen Staffeln zu kämpfen haben.
Diesmal geht es um Krieg, Diplomatie und Rhetorik. Das spielerische Mini-Universum der Springfielder Kinderschar fungiert als Modell für die Gegebenheiten auf globaler Ebene. Gerade heute ist das Thema wieder aktueller denn je: "Weltpolizei" Amerika gegen die "Schurkenstaaten", die Vereinten Nationen als schlichtende Alternative, große gegen kleine Mächte.
Zum Vorbild nahm man sich Kriegsfilmklassiker, allen voran "Patton", "Der längste Tag" und Interner Link"Full Metal Jacket". Jene Filme wurden dann auch durch musikalische Untermalung und Szenennachstellungen zitiert. Als "Stichwortgeber" tritt einerseits Grampa Simpson, andererseits der einarmige Militärwarenhändler Herman in den Vordergrund. Von letzterem haben sich Trey Parker und Matt Stone ganz offensichtlich beim Entwurf der Figuren Jimbo und Ned inspirieren lassen, was bei deren politischen Ambitionen für sich spricht. Geradezu erstaunlich sind nun die im Kinderkrieg stets zu entdeckenden Gesten und Parallelen zur großen Maschinerie des Militärs und der Politik, wenn Bart beispielsweise seine Überzeugungsrede im Baumhaus hält, wenn Grampa ihn über die moralischen Gesetze über die Behandlung von Rekruten aufklärt, wenn die Unterdrückten zur Rebellion aufrufen und sich durch zahlenmäßige Überlegenheit den Sieg sichern oder sich am Ende beide Parteien per Vertrag zu einem Friedensstillstand einigen.
Rein optisch ist "Bart schlägt eine Schlacht" in seiner Kreativität herausragend, denn sehr oft wird mit Kameraperspektiven experimentiert. Die Traumsequenz, in der Bart gegen den immer größer werdenden Nelson ankämpft, glänzt mit grenzenlosem Erfindungsreichtum, und die Ego-Perspektive aus der den Bürgersteig hinunterrollenden Mülltonne ist das kameratechnische Highlight. Eine denkwürdige und in der Season 1 herausragende Episode, was sich wohl auch die Macher dachten, denn der Vorspann fiel fast komplett weg, damit man das Geschehen länger genießen durfte.


Lisa bläst Trübsal

Dies ist die Show für die Sensiblen, für die Frauen und Frauenversteher. Und für die Serie ist sie von essenzieller Bedeutung, denn hier findet Lisa sich selbst und entdeckt ihre wahre Persönlichkeit, die sie für immer beibehalten wird.
Es gibt Menschen, die sind so intelligent, so fernab des Durchschnitts, dass niemand sie versteht. Lisa war stets die Figur in der Serie, an der dieses Problem klargemacht wurde. Wo Homer und Bart das Leben mit einer eher wünschenswerten Gelassenheit in Angriff nehmen, findet man sich selbst in Lisa stets wieder. Dazu muss man nicht einmal im Allgemeinen ein von Idealismen träumender, überdurchschnittlich intelligenter und von chronischem Unverständnis geplagter Mensch sein, denn wir alle gehen letztendlich alleine durchs Leben und finden früher oder später immer die Zeit, über uns selbst nachzudenken. Und Lisa bietet dafür eine Identifikationsplattform.
Was durch "Lisa bläst Trübsal" deutlich wird, ist die symbiotische Beziehung der einzelnen Simpsons-Mitglieder, das Ying und das Yang. Die Folge baut auf zwei voneinander unabhängigen Handlungssträngen auf, welche am Ende höchst intelligent zusammengeführt werden. In einer Story tragen Homer und Bart einen ihrer banalen Zweikämpfe aus, und zwar über ein Computerspiel. In der anderen begibt sich Lisa mit Hilfe ihrer Mutter auf den Pfad der Selbstfindung. Der Kontrast darin ist das Anziehende: Homer wacht nachts schweißgebadet auf wegen einer Sache, die an Belanglosigkeit kaum zu überbieten ist. Der Job, die Familie, sein ganzes Leben gerät in den Hintergrund in dem Ziel, endlich den Sohn im virtuellen Aufeinandertreffen zu besiegen. Derweil gibt es auf der anderen Seite tiefe semantische Schluchten: Lisa bemüht den Jazz, eine besonders epische Kunstform, erhält darüber hinaus von ihrer Mutter Ratschläge, die selbst noch mit ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen hat. Man ist hin- und hergerissen zwischen der Einfachheit des Lebens und seiner gleichzeitigen Kompliziertheit. Schließlich wird der Handlungsstrang der beiden Publikumslieblinge Homer und Bart zurückgefahren und Platz gemacht für Lisa, die in der Präsentation eines eigens komponierten Jazz-Songs durch Zahnfleischbluter-Murphy aufgeht und für einen Moment die volle Aufmerksamkeit genießt.
Rein optisch ist "Lisa bläst Trübsal" abgesehen von den gelungenen Computerspielsequenzen eine der unauffälligsten Episoden; strukturell gehört sie aber nach wie vor zu den besten.


Vorsicht, wilder Homer!

Der Charakterstudie von Lisa folgt eine von Homer. Die Top-Wissenschaftler aus aller Welt kommen am Ende zu folgendem Schluss: "Das fragliche Wesen ist entweder ein unterbelichtetes menschliches Wesen oder eine geniale Bestie."
"Vorsicht, wilder Homer" ist damit perfekt platziert, denn wo die Vorgängerepisode "Lisa bläst Trübsal" noch tiefsinnige Melancholie versprühte, gibt es hier einen angenehmen Kontrast: Der Ausflug der Simpsons in die Wildnis ist locker, leicht und verstärkt auf Slapstick aus. Der Originaltitel trifft es deutlich besser: "Call of the Simpsons", das spielt an auf "Call of the Ktulu", der Ruf der Wildnis. Zu Beginn geht es um Massenkonsum und Statussymbole, als Flanders mit einem riesigen Wohnmobil aufkreuzt und Homer sich dazu veranlasst sieht, den nervigen Nachbarn zu toppen. Dann geht's ab zum Autohändler, wo die zwielichtigen Machenschaften und Tricks der Autohändler unter die Lupe genommen werden. All dies dient als Gegenstück zum folgenden Treiben in der freien Natur.
Nach sechs Folgen konnte man sich endlich mal aus dem Haus in der Evergreen Terrace wagen. Die Figuren waren soweit etabliert, dass man sie aus ihrem Umfeld nehmen konnte. Und zwar zum Zwecke der Verdeutlichung unserer Wurzeln bzw. unserer Ursprünge. Da bietet sich Homer an, der schon in seinem Enddesign an der Körperhaltung eines Neandertalers angelehnt ist. So versucht er sich gegenüber seinem Sohnemann auch als Survival-King, ist tatsächlich aber der Umwelt gnadenlos ausgeliefert, während die Frauen ihre Sache deutlich besser machen.
Nun bieten sich diverse Möglichkeiten für Situationskomik an. Selbst nach fünfzehn Staffeln in dieser Kategorie immer noch ein Highlight ist der Hase, der durch Homers Falle nicht etwa gefangen, sondern kilometerweit weggeschleudert wird. Ich könnte mich jedenfalls jedesmal beömmeln, wenn das kleine Tier, welches übrigens im Design auf Groenings Durchbruch-Comic "Life in Hell" anspielt, durch die Lüfte fliegt und damit dem einfachen Zwecke von Homers provisorischer Fallenbaut spottet. Zudem unterstützt die von dem Schleudergeräusch und dem Aufprallgeräusch abgesehen komplette Stille die Wirkung dieser Szene. Auch sonst gibt es denkwürdige Momente wie etwa der, als sich Homer von kleinen Nagetieren befallen auf dem Boden wälzt oder mit dem Mund voll Honig und Bienen in den Schlamm stürzt.
Dann wird nach Angaben der Macher die Berichterstattungswut der Sender über Big Foots und ähnliche Monstergeschichten auf den Arm genommen, welche offenbar zu der Zeit besonders stark ausgeprägt war. Nebenbei wird Homer und sein primitives Denken aufgezeigt und damit der Neandertaler in uns allen, die wir versunken in unseren Millionen-Metropolen vielleicht schon unsere Ursprünge vergessen haben.


Bart köpft Ober-Haupt

Mit "Bart köpft Oberhaupt" wagten sich die Macher etwas aus dem eingefahrenen Erzählschema, indem eine Szene, die beinahe am Ende stattfindet, vorweggenommen wird, um die eigentliche Story im Anschluss daran ablaufen zu lassen. Das geschah natürlich nicht nur einfach so im Sinne der Abwechslung, sondern erfüllt auch seinen inhaltlichen Zweck: Es ist eine Geschichte über Vorurteile. Und indem wir Bart und Homer quasi auf frischer Tat ertappen und sie bei fehlenden Hintergrundinformationen schon vorweg verurteilen, so wie der aufgebrachte Springfield-Pöbel, bilden wir uns auch schon ein Urteil, bevor wir eigentlich wissen, worum es geht. Und dieses Gefühl soll durch die Erzählweise hervorgerufen werden. Die von Bart am Fuße der geköpften Statue erzählte Geschichte soll sein Handeln nachvollziehbar machen, und wir sollen ihm vergeben.
Ob sich die Macher über die Wirkung dieser Erzählstruktur jedoch im Klaren waren, bleibt unklar, denn im Audiokommentar heißt es: "Es ist eine alte Methode im Fernsehen. Ich weiß nicht, wozu sie gut ist." Passend dazu jagt jedenfalls die Bürgerwehr Springfields Bart und seinen Vater mit aufgebrachten Schreien und lodernden Fackeln durch die Nacht; ein Bild, das deutlich Bezug nimmt auf "Frankenstein" und damit anspielt auf die Blindheit der Masse, wie sie einstmals von Gustave Le Bon festgestellt wurde.
Die Begründung für die deutlich zum Skandal aufgebauschte unüberlegte Tat ist der soziale Druck: Bart will beliebt sein und versucht, die Rowdys um Jimbo & Co. zu beeindrucken. Über die Folgen seiner Taten war er sich also nicht im Klaren, und die Reaktionen der Bevölkerung wachsen ihm über den Kopf. Für den Endbetrachter stellt sich nun also mit Erleichterung heraus, dass das Köpfen der geradezu heiligen Gründerstatue kein Akt der Bosheit war, sondern nur die Tat eines Kindes, das es nicht besser wusste.
Die Animationen sind diesmal insgesamt nicht allzu gut gelungen. Die Nachtszenen wirken etwas grobschlächtig und gewöhnungsbedürftig, wobei die Masse nur unzureichend detailliert wurde; besonders das Gesicht von Mr. Burns ist hier ziemlich verzerrt. Einzig die Bart-Ninja-Szene und ein paar Einzeleinstellungen wurden sehr gut animiert.


Der schöne Jacques

Jetzt geht's ans Eingemachte: Die Ehe zwischen Homer und Marge ist zum ersten Mal in Gefahr. Der Grund: Homer, sein Egozentrismus und seine fehlenden Fähigkeiten als fürsorglicher Ehemann. Wie durch Ironie legt ausgerechnet Homer durch seine Selbstsucht den Grundstein dafür, dass ein zweiter Mann ins Spiel kommt, nämlich der Bowler und Franzose (obwohl ursprünglich als Schwede konzipiert) Jacques (gesprochen von Albert Brooks).
Mit Eheprüfungen in Sitcoms tut sich das Publikum immer etwas schwer, weshalb "Der schöne Jacques" wohl auch nicht zu den Lieblingsfolgen der Fans gezählt werden darf. Tatsächlich sind auch die späteren Ehe-Ausflüge von Homer dramaturgisch etwas besser gelungen. Nicht vergessen darf man dabei jedoch die inszenatorische Klasse der Folge. Ein Parallelschnitt zwischen der bowlenden Marge und dem Kinder versorgenden Homer verdeutlicht die Distanz des Ehepaares; eine Traumsequenz nimmt die Farbtechnik von Interner Link"Sin City" bereits vorweg; eine Straßengabelung mit Richtungsschild symbolisiert den Scheideweg, an dem sich Marge für eine Richtung entscheiden muss.
Humor und kameratechnische Experimente haben darunter leider etwas zu leiden, wenngleich zumindest für die Macher einer der ganz großen Brüller der Serie gegeben ist, wenn Jacques laut nach vier Zwiebelringen schreit und darüber seinen französischen Akzent verliert. Ansonsten ist es eine etwas mühsame, aber sehr liebevolle Episode, wobei Homers Monolog über Marges Kunst der richtigen Herstellung eines Erdnussbutter-Gelee-Sandwiches dauerhaft im Gedächtnis bleiben wird, weil es die Tiefe der Beziehung mit den einfachen Worten Homers perfekt ausdrückt.


Homer als Frauenheld

Und wieder werden zwei und mehr Themen in eine Episode gesteckt. Für Homer ist es zunächst die Frage nach seiner Männlichkeit und seiner Wirkung auf das weibliche Geschlecht, in Bezug auf Bart wird es schließlich eine Episode über die Vaterrolle und die Vorbildfunktion, die sie mit sich trägt. Und es geht noch weiter: Am Ende ist es eine Mahnung, Frauen nicht bloß als Objekte, sondern als Menschen zu sehen - als Mütter, Freundinnen, Schwestern oder Ehefrauen.
Über dieser Themenvielfalt wirkt das Script von Jon Vitti sicherlich etwas wirr, zumal wieder ein Subplot mit Bart und seiner Spionkamera vorangesetzt wird. Im Endeffekt fügen sich die Themen aber allesamt stimmig aneinander und strahlen sogar so etwas wie Interdisziplinarität aus, ein wechselhaftes Wirken von männlichem Selbstbewusstsein, der teils freiwillig angewandten, teils auch aufgezwungenen Rolle der Frau als Sexobjekt und der Erziehung des Nachwuchses, der in jene Konventionen hineingeboren wird und schließlich selbst dazu tendiert, als Mann Frauen als Sexobjekt zu betrachten und als Frau den Sexappeal auch zum eigenen Vorteil auszunutzen.
"Homer als Frauenheld" ist eine recht gewagte Folge mit durchaus einigen Tabubrüchen, wenn Bart etwa seine Familienmitglieder in intimen Situationen mit der Spion-Kamera ablichtet oder Homer in einer von Rauch und Biergestank durchzogenen Kneipe mit einer Stripperin tanzt. Doch macht genau dies den Biss der Serie aus und gibt ihr eine Konsequenz, die sie von vielen anderen Zeichentrickserien abhebt.
Für die Zeichner war die Thematik eine ganz besondere Herausforderung, galt es doch, die weiblichen Figuren trotz der insgesamt schrulligen Animationsarbeit sexy zu gestalten, was nach eigener Aussage Groenings schon immer ein Problem für ihn war. In der Hinsicht hat man tatsächlich inzwischen deutlich dazugelernt, denn Prinzessin Kashmir und ihre Kolleginnen hätten durchaus noch etwas Feinschliff vertragen können, wenn man sich heute mal die Affären von Bürgermeister Quimby ansieht; oder auch schon die Countrysängerin Lurleen, die Homer in der dritten Staffel den Kopf verdreht.
Dennoch hat sich insgesamt animationstechnisch seit den ersten Staffeln schon viel getan, was sich auch bis zum Ende noch fortsetzen wird.


Tauschgeschäfte und Spione

In erster Linie waren die Simpsons stets ein Zerrspiegel für Amerika. Homer und sein Anhang, das sind die typischen Amerikaner: Football, Fernsehen, Duff-Bier, Bowling und Fast Food. Vermutlich aus einem Gefühl der Verantwortung gegenüber der restlichen Welt heraus orientierte man sich aber auch recht schnell schon international, zum ersten Mal in "Tauschgeschäfte und Spione".
Vorgestellt werden mit Albanien und Frankreich gleich zwei Länder. Auf Albanien kam man nach einem ähnlichen Konzept wie in Barry Levinsons "Wag the Dog" - niemand kennt es. Während das aber in Levinsons Film dazu verwendet wurde, um das Land der unwissenden Allgemeinheit als ominösen Kriegsgegner zu verkaufen, war man hier bemüht, authentisch zu sein, weshalb unter anderem die albanische Sprache korrekt wiedergegeben wurde.
Auf der anderen Seite wird Frankreich als Vertreter des westlichen Kerneuropas die größere Aufmerksamkeit zuteil, da Bart hier zu Gast ist und der Zuschauer im Gegensatz zu Albanien mehr Impressionen vom Land und seinen fremden Kulturen in sich aufnehmen kann. Man schaute sich sogar einen französischen Flughafen an, um auch hier Authentizität zu gewähren. Brillant ist die Fahrt zum "Chateau Maison" mitten durch die französische Idylle, die an berühmte Gemälde angelehnt ist und damit ein Stück Kultur wiedergibt.
Nun kann man diese Episode natürlich sehr einfach attackieren, indem man darauf hinweist, dass die Kontaktpersonen - sowohl der albanische Adil als auch die beiden Franzosen - nichts Gutes im Sinn haben, während die beteiligten Amerikaner durch die Bank gute Absichten haben. Allerdings hat man daran gedacht, jene Kriminellen als Einzelfälle darzustellen, indem man kompetente Behörden sowohl auf albanischer wie auch auf französischer Seite einführte. Zudem zeigt Adil Tugenden, die Bart einfach fehlen und Bart kommt mit kultureller Weiterbildung wieder zurück aus Frankreich. Und Homer repräsentiert die Naivität des Durchschnittsamerikaners, der eigentlich überhaupt nicht weiß, was los ist.
"Tauschgeschäfte und Spione" ist also in erster Linie eine Geschichte über kulturelle Differenzen, die aber zwischenmenschliche Gleichklänge zwischen verschiedenen Kulturen nicht ausschließen müssen. Alleine durch den optischen Aufwand der Darstellung Frankreichs hebt sich die Folge daher deutlich vom Restfeld ab.


Der Clown mit der Biedermaske

Welcome to the Show! In "Der Clown mit der Biedermaske" handelt alles von den Irrungen und Wirrungen des Showgeschäftes, von Popularität und deren Tücken, von Neid und Missgunst, und schlussendlich von der uneingeschränkten Vertrauensseligkeit auf die Reinheit der TV-Figuren durch das Fan-Publikum, das von Bart repräsentiert wird.
Die vorletzte Episode der ersten Staffel ist deswegen knallbunt und schwankt zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Das Kunst-Klischee vom weinenden Clown bekommt eine völlig neue Nuance ab, wenn Krusty, dessen Job es ist, immer fröhlich zu sein, im wirklichen Leben in höchsten Schwierigkeiten steckt und offenbar alles gegen ihn spricht. Eingeführt wird nebenbei sein Gehilfe Sideshow Bob, der im Laufe der Serie zur sehr vielschichtigen Figur des intellektuellen Bösewichtes wurde, der in einem Anflug von Lebensironie in der unwürdigen Rolle des Klamauk-Assistenten gefangen war und seinen wahren, nahezu poetischen Bedürfnissen nicht frönen durfte - was einen Groll hervorrief, der sich schließlich in einer Erzfeindschaft mit Bart entlud. Und wie diese Erzfeindschaft entstand (welche später mit der Interner Link"Kap der Angst"-Parodie eine der besten Simpsons-Episoden hervorbrachte), wird hier erzählt.
Aufgebaut ist das Ganze wie ein klassischer Krimi. Alles scheint auf die Schuld von Krusty hinzuweisen, in erster Linie ein Überwachungsvideo, wobei Homer einen wundervollen Angsthasen-Auftritt hinlegt. Entsprechend des Gemütes der Springfielder Bevölkerung - und hier werden frühe Elemente der Serie geschickt mit aktuellen Plots verbunden und damit gefestigt - wird Krusty natürlich sofort vorverurteilt. Der Hass auf den Clown führt schließlich zu einer zeremonialen Verbrennung aller Krusty-Artikel, was einerseits historische Assoziationen zu Nazi-Bücherverbrennungen hervorruft, andererseits auch Medienkritik ist, da die verbrannten Artikel alle aus Krusty-Werbe-Schund bestehen. Und während Krusty ins Gefängnis verlagert wird, stehen schon neue Artikel bereit, alle mit dem Konterfei von Sideshow Bob. Das ist gewissermaßen auch selbstbezogen, denn auch die Simpsons boten sich seit jeher an, um für jeden und alles zu werben und aus jedem Schund noch Geld zu ziehen.
Das Sammeln von Beweisen für die Unschuld von Krusty erweist sich als sehr kreativ, wobei Bart davon überzeugt ist, dass "gute Menschen kleine Füße haben". Gleichzeitig wird die Passivität der Springfielder Polizei um Chief Wiggum deutlich, denn die sitzen herum und verputzen Donuts, während zwei Kinder ihren Job machen.
Unter dem Strich eine sehr schön strukturierte Episode, die sich bei näherem Hinsehen vor allem als Archetyp für diverse Verhaltensweisen und Running Gags erweist, wie sie all die Jahre beibehalten wurden.


Der Babysitter ist los

Mit "Der Babysitter ist los" schließt die erste Season ab. Und ähnlich wie der deutsche Opener "Eine ganz normale Familie" ist es eine etwas kuriose Folge, die nicht so ganz in das Gesamtbild passen mag.
Das beginnt schon bei der Animation, die derart verspielt und comichaft ist, dass sie sich deutlich von dem unterscheidet, was man in den vorhergehenden Folgen sehen konnte. Maggie fällt weitaus öfter um als gewöhnlich, Bart springt mit wild gestikulierenden Armen und Beinen durch das Haus wie eine der ungeliebten Elfen, einige Hintergründe bestehen aus nichts als einem farblichen Übergang von rosa zu weiß. Auch Homer und Marge wirken in manchen Einstellungen ungewohnt. Der Tanz im Lokal ist schon sehr trashig, und die beim Schminken und mit Lockenwickler animierte Marge sieht auch eher wie ein Zerrbild ihrer selbst aus. Das ist alles irgendwie witzig, und manche Zeichnungen lassen einen ob ihres komischen Aussehens laut prusten.
Die Story macht da keine Ausnahme: "Der Babysitter ist los" ist eine verhältnismäßig plumpe Interner Link"Kevin - Allein zu Haus"-Variation (die aber natürlich noch vor besagtem Film entstand) und hat nur wenig von der ansonsten schon in der ersten Staffel oft auftretenden Sozialsatire in petto. Sehr merkwürdig wirkt auch die Herleitung der Situation, dass Homer und Marge die Nacht woanders verbringen und einen Babysitter rufen. Zunächst scheint das Ganze nämlich eine weitere Eheproblem-Story zu sein, doch das Problem löst sich so schnell, dass es schon fast etwas eigenartig wirkt.
Dennoch geht auch von der letzten Folge des ersten Jahrs viel Unterhaltungswert aus, der sich nur diesmal ungewöhnlich stark über die Trash-Schiene ziehen lässt.




Matt Groening erwähnt es ja bereits, dass die erste Staffel ihm zwar nach wie vor gefällt, aber besonders auf technischer Seite nicht mit späteren Werken mithalten kann. Das gilt irgendwie auch für die DVD-Box, bei der Fox noch nicht wirklich etwas rausgeholt hat. Das liegt zu erst einmal am noch etwas krakeligen Zeichenstil, der gerade die Konturen nur mäßig begrenzt und noch einige Probleme mit der Kompression aufzeigt. Diese äußert sich in kleineren Säumen, aber auch in etwas Blockrauschen. Das sieht dann etwa so aus, als ob der Hintergrund leicht zittert. Die Farben machen bereits einen guten Eindruck, was aber nicht in jeder Folge der Fall ist. Etwas kräftiger könnten sie insgesamt sein, das Gelb schimmert noch nicht richtig und manchmal werden sie sogar etwas blass. Die Detailschärfe lässt sich kaum einschätzen, da der Zeichenstil für so etwas nicht ausgelegt ist. Wegen der Konturen ist daher das Vollbild höchstens auf TV-Niveau - kein sonderlich hohes. Schmutz oder Rauschen ist eigentlich nicht vorhanden, wovon man ausgeht. Etwas störend ist noch die Bewegungsunschärfe, die wohl aus dem NTSC-Transfer entstand und etwas zu deutlich auffällt.


Beim Ton darf sich jeder Simpsons-Fan natürlich über die unnachahmliche Originalsynchro freuen, die noch etwas mehr nach Cartoon klingt als die deutsche Version. Das mag beispielsweise an Homers weicherer, trottliger Stimme liegen, die dann auch öfter das berühmte "Doh!" hervorstößt. In Sachen Übersetzung schlägt sich die deutsche Fassung wacker, versucht unübersetzbare Gags umzuschreiben und bleibt trotzdem relativ nah am Original. Beide Sprachen sind im 5.1-Modus drauf, wobei die hinteren Lautsprecher nach dem Intro still bleiben. Selbst während der Titelmusik kommt dort nicht viel herüber, nur ein paar zarte Schläge aus dem Bass machen sich bemerkbar. Wer also an Effekte denkt, der wird vielleicht etwas enttäuscht sein. Die Sprache ist dagegen relativ klar, auch wenn alles noch etwas kräftiger klingen sollte. Es bleiben auch Kratzen und andere Alterserscheinungen beim O-Ton aus. Die kurzen Jingles während der Folgen sind auch keine Möglichkeit, die Rears zu füllen, weswegen man von einem den Umständen entsprechend guten Stereoton sprechen kann. Nervig könnte der Umstand sein, dass die Sprachen und die zugehörigen Untertitel nur übers Menu angewählt werden können.

Mit der ersten Staffel der Serie auf DVD hat sich Fox nicht lumpen lassen. Der Pappschuber wurde mit Glitzereffekt versehen und besitzt eine Aussparung, durch die man das darunter liegende DigiPack mit dem Motiv der Simpson-Familie betrachten kann. Im Innenteil des Digis ist eine Ansprache von Matt Groening abgedruckt, der die DVD-Premiere mit viel Humor ankündigt, und es liegt ein Booklet bei, welches Inhaltsangaben auflistet.
Auf den Discs erwartet uns der jeweils der Titeltrack der Serie in voller Wucht. Die Menus sind bis auf die Kapitelanwahl zwar sehr statisch ausgefallen, dafür aber kunterbunt und mit verschiedensten Motiven der Serie angereichert. Zu jeder Episode gibt es einen Audiokommentar der Macher in unterschiedlicher Besetzung, den man sich als Fan der gelben Horde dringlichst anhören sollte. Neben obligatorischem Infomaterial wird eine Menge Spaß unter die hungrige Meute gebracht. Das Feature kann natürlich deutsch untertitelt werden. Negativ fällt auf, dass die Klangqualität, auch wenn es nur ein Audiokommentar ist, relativ niedrig ausfällt, möglicherweise wegen der niedrigen 96kBit-Stereospur. Auf Disc 2 und 3 befinden sich neben jeweils 5 Episoden noch insgesamt drei Bildergalerien mit den kompletten Drehbüchern zu einzelnen Folgen, die man sich als Bildergalerie anschauen kann. Hierin befinden sich teilweise noch Kritzeleien und Vermerke für die eigentliche Folge. Verständlicherweise gibt es dieses Extra nur in englischer Sprache, sämtliche anderen Goodies haben deutsche Untertitel bekommen.
Disc 3 hält dann das eigentliche Bonusmaterial, was aber im Vergleich zu den Audiokommentaren und den Skripten etwas kurz ausfällt. Die nicht gezeigte Szene ist tatsächlich ein Zusammenschnitt aus mehreren nicht verwendeten Szenenabfolgen, die sich scheinbar aber nur minimal von der Originalfolge unterscheiden und in ziemlich bescheidener Qualität auf DVD vorliegen. Der Animatic ist eine animierte Konzeptzeichnung für zwei Szenen der Folge, die später dem fertigen Werk gegenübergestellt und von Matt Groening und David Silverman kommentiert werden. Das anschließende Making Of fällt dann mit einer Laufzeit von 5 Minuten mehr als nur kurz aus. Hier hat Fox wohl einen Teaser zusammengestellt, um entweder die Serie im TV oder auf DVD zu promoten. Zumindest sieht man die Macher mal in kurzen Interviews. Wer hören möchte, wie die Simpsons in anderen Ländern synchronisiert werden, der kann sich den etwa 1minütigen Ausschnitt aus einer Episode in 5 Sprachen unter "Internationale Clips" anschauen. Auch einen Ausschnitt aus der "Tracey Ullman Show", in der die Simpsons als Pausenfüller liefen, ist mit dabei. Bei der Bildergalerie mit "Skizzen und Zeichnungen" scheint ein Fehler unterlaufen zu sein, denn dort wird nur der Comicstrip "Life in Hell" abgebildet. Dafür ist die Rubrik "Titelseiten" mit jenen Konzeptzeichnungen gefüllt. Zuletzt darf man auf noch einen Einblick in ein weiteres Drehbuch werfen und vielleicht begibt man sich noch auf die Suche nach den Ostereiern, die auf den Discs versteckt sind.
Insgesamt ein gelungenes Package, nur wären mehr hier ein längeres Making Of einfach Pflicht gewesen. Das schuldet Fox der erfolgreichen Serie.


Tja, was ist nun nach 13 Folgen als Fazit zu ziehen? Fakt ist, dass die Blütezeit etwa mit der vierten Staffel begann, während die erste Staffel rückblickend immer noch etwas belächelt wird. Natürlich, die Animationen sind krakelig, mitunter bizarr, teilweise sehr belustigend, für manchen Betrachter auch etwas unschön. Auch Groening und Co. zählen bei der Betrachtung alter Folgen gerne visuelle Unstimmigkeiten auf, wobei zu den meistgenannten stets der "Twisted Mouth", der Zerrmund gezählt wird. Nimmt man jedoch mal die Plots und ihre sozialkritische Essenz unter die Lupe, kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, dass eben gerade jene optische Unvollkommenheit zumindest heute einer der Hauptaspekte ist, die dafür sorgen, dass die "Season 1" als relativ gesehen schwach betrachtet wird. Dabei ist die Animation für Veteranen und Nostalgiker sogar etwas ganz Wunderbares; ich würde jedenfalls nur ungerne auf die frühen "Twisted Mouths" und ihre Artverwandten verzichten wollen.
Und was den sozialkritischen, teils sogar philosophischen Unterbau betrifft, ist man rückblickend erstaunt, wie viel Essenz schon den ersten Folgen anhaftet. Sicherlich hatte man sich noch zu orientieren, was auch ganz verständlich ist. Thematisch wollte man so viele Richtungen wie nur möglich abdecken, während die Figuren sich noch in der Entwicklung befanden. Vom Charakterdesign her ist die erste Staffel daher eine Art metamorphoses Gebilde, denn die Simpsons etwa aus "Eine ganz normale Familie" oder aus "Der Babysitter ist los" haben nichts mit denen zu tun, die in "Lisa bläst Trübsal" oder "Vorsicht, wilder Homer" ihr Unwesen treiben. Dazu gehört sicherlich auch die Selbstfindung der Synchronisation: Homer-Sprecher Dan Castellaneta findet beispielsweise erst gegen Ende der Staffel zu der typischen Weinerlichkeit, bringt auch erst hier dauerhafte Eigenimprovisationen wie das legendäre "D'OH!" mit ein. Selbst im Deutschen hören wir einen sehr gemäßigten Norbert Gastell als Homer, der noch etwas später als sein US-Pendant seinen Weg fand.
Das kann aber alles nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Die Simpsons" seinerzeit unbändiges Potential in sich vereinten, was glücklicherweise mit entsprechenden Publikumszahlen und Kritiken gewürdigt wurde - denn sonst wären uns viele Jahre bester Unterhaltung verloren gegangen. Und resultierend daraus kann man einfach nicht anders, als eine uneingeschränkte Empfehlung dafür auszusprechen, sich den 13-teiligen Simpsons-Archetyp möglichst nach Hause zu holen. Eine Sünde wäre es, dies nicht zu tun.


Film++++++
Bild+++---
Ton+++---
Bonus++++--


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