UK, USA 1995
Originaltitel:GoldenEye
Alternativtitel:Golden Eye
aka. Bond 17
Länge:124:40 Minuten (ungekürzt)
Freigabe:ab 16 Jahre
Regie:Martin Campbell
Buch:Ian Fleming, Michael France, Jeffrey Caine, Bruce Feirstein
Kamera:Phil Meheux
Musik:Eric Serra, Tina Turner
SFX:Cinesite, Framestore, General Screen Enterprises, Moving Picture Company, The Graphic Station, The Magic Camera Company, The Magic Model Company
Darsteller:Pierce Brosnan, Izabella Scorupco, Sean Bean, Famke Janssen, Joe Don Baker, Judi Dench, Gottfried John, Robbie Coltrane, Alan Cumming, Tchéky Karyo, Desmond Llewelyn, Samantha Bond, Michael Kitchen, Serena Gordon
Vertrieb:MGM
Norm:PAL
Regionalcode:2
Bildformat:2.35:1 (anamorph)
Tonformat:Dolby Digital 5.1 (Deu, En), DTS 5.1 (Deu)
Sprache:Deutsch, Englisch
Untertitel:Englisch, Deutsch, Deutsch für Hörgeschädigte, Türkisch
Verpackung:DigiPack
DVD-Start:13.10.2006 (Verleih) / 13.11.2006 (Kauf)
In Russland ist der kalte Krieg einem skrupellosen Spiel um Profit gewichen. GoldenEye, eine streng geheime Waffenentwicklung, ist verschwunden. Hat die Russenmafia sie in ihre Gewalt gebracht? Ein Fall für Bond ... James Bond.
Sechs Jahre sind seit
Timothy Daltons letztem Bond-Abenteuer
"Licence to kill" vergangen. Der nach diesem Flop schon tot gesagte Geheimagent sollte komplett überholt in
"GoldenEye" an den Start gehen. Dazu gehörte auch ein neuer Darsteller, den man in
Pierce Brosnan (
"Dante's Peak",
"Remington Steele") gefunden zu glauben schien. Ihm sind die Mängel des gerade mal überdurchschnittlichen Abenteuers nicht oder kaum anzukreiden. In seinem ersten Auftritt noch etwas unsicher und ohne den gewinnenden Charme ausstrahlend, mutiert seine Figur hier zu einem modernen, unkaputtbaren Superhelden des 21. Jahrhunderts, der aus diversen Sackgassen einen Ausweg findet. Meist, indem er sich durch Dutzende von Gegnern schießt. Da bleibt neben dem Humor die Menschlichkeit auf der Strecke. Zumindest sein Chauvinismus hat das überlebt.
Dabei ging man beim Drehbuch auf Nummer Sicher und präsentierte altmodische, im Bond-Universum verankerte Motive. Das Übel ist mal wieder russisch, wird von einem Deutschen (
Gottfried John,
"Asterix & Obelix gegen Caesar") gespielt und hat eine megafiese Waffe entwickelt, mit der sich einiges zerbrutzeln lässt. Als Russland dieses Gerät, das GoldenEye, abhanden kommt, wird Bond losgeschickt, um Schlimmeres zu verhindern.
Regisseur
Martin Campbell (
"The Mask of Zorro",
"Vertical Limit"), der bis dato nur mit
"Absolom" auf sich aufmerksam machte, versteht es leider nie seinen Helden in der Tradition vorheriger Bonds zu instruieren. Ein Problem, das auch
"Tomorrow never dies" hatte. Statt dessen wird auf eine Action- und Zerstörungsorgie gesetzt, die in ihrem Bombast auch heute noch beeindruckt, aber Seele vermissen lässt. Das mag modern sein und an den Kinokassen klappen, enttäuscht den Bond-Fan aber. Während dieser Verlust von althergebrachten Werten wehmütig an
Connery und
Moore erinnern lässt, können zumindest andere Neuerungen und Neuentdeckungen überzeugen.
M mit der knorrigen, kühlen
Judi Dench zu besetzen, war ein Volltreffer, der frischen Wind in die Franchise brachte. Die schwedische Darstellerin
Izabella Scorupco (
"Vertical Limit",
"Reign of Fire") schauspielert als Love Interest weit besser als ihre zukünftigen Kolleginnen (u. a.
Denise Richards *grusel*), Ex-Model
Famke Janssen (
"X-Men",
"I-Spy") ist als mörderischer Vamp zwar hyperaktiv, aber dabei ein semihumoriges Vergnügen. Während
Tchéky Karyo (
"Bad Boys",
"Nostradamus") in einer kleinen Nebenrolle verheizt wird, darf
Robbie Coltrane (
"From Hell") einen russischen Mafioso mimen, der in
"The World ist not enough" sein Comeback feiert. Was der sich seit
"Lord of the Rings" im Aufschwung befindliche
Sean Bean spielt, dürfte klar sein - "seine" Rolle eben.
Desmond Llewelyn ist die übliche und hier auch einzige Konstante.
Viel Platz hat dieser namhafte Cast zwischen der Non-Stop-Action leider nicht. Doch so sehr es dem Film auch an ruhigen Momenten fehlt,
Campbells Inszenierung ist einfach ein Hammer. Sich wenig auf hier leider schwaches CGI verlassend und auf "handmade" Effekte setzend, zaubert
Campbell mit
"GoldenEye" einen Hingucker, der später comichafte Züge annimmt. Insbesondere Bonds Entführung eines russischen Panzers ist in technischer Hinsicht pures Eyecandy - Explosion, um Explosion, viel Blechschaden und einige zerstörte Gebäude. Dazu gibt es Ballereien bis zum Abwinken und altmodische Modelleffekte, die als solche leider auch deutlich zu erkennen sind.
Luc Bessons Stammkomponist
Eric Serra (
"Léon",
"The Fifth Element") kommt dabei zwar öfter nicht mit, präsentiert aber moderne Kompositionen mit Schmackes.
Wenn es um die neueren James Bond-Film (jene mit
Pierce Brosnan) auf DVD geht, die noch dazu mit einer digitalen Überarbeitung hausieren gehen, dann erwartet man nichts anderes als Perfektion. Schließlich war ja bereits die Erstauflage in diesem Bereich alles andere als schlecht. Perfektion wird in gewissen Punkten zweifelsohne geboten. Farblich wird in jeder Szene genau die richtige Abmischung getroffen, die sich für eine kühl kalkulierten Agenten-Thriller anbietet. Das bedeutet eher natürliche Farben und ein ausgeglichener, weicher Kontrast anstatt bunter Lollypop-Effekte mit hochgezogenen Schattierungen und Lichtern. Das macht neben der kompletten Fehler- und Rauschfreiheit, die natürlich auch eine weitestgehend geordnete Kompression beinhaltet, eine gute Figur. Einzig bei der Schärfe sollte mehr möglich sein. Als wäre der Hochpassfilter etwas zu hart eingesetzt worden, wirkt das Bild trotz grundsolidem, mindestens gutem Aufbau etwas vorsichtig im Detail. Für sich allein wäre diese DVD als durchaus knapp mit "sehr gut" durchgekommen, verglichen mit der alten Auflage erlebt man aber eine böse Überraschung: Das Bildformat ist etwas geschrumpft (bzw. gezoomt worden), weswegen die Schärfe nicht mehr so gut wegkommt und auch der Kontrast wurde zum Schlechteren hin verändert. Warum, weiß wohl nur
MGM.
Etwas anders verhält es beim Ton, denn der ist nach wie vor beeindruckend. Es gibt genügend Szenen, in denen der Film beweisen darf, dass die Toningenieure ganze Arbeit geleistet haben. Explosionen, Schusswechsel und wilde Rasereien mit luxuriösem oder auch kriegerischem Fuhrpark beweisen sowohl klare, stark Surround orientierte Klänge als auch eine hervorragende Dynamik, die trotz gehobener Lautstärke keinerzeit an Brillanz verliert. Beim Bass darf man sich ebenso auf kräftige Unterstützung freuen. Größere Unterschiede zwischen DTS und "normalen" Dolby Digital fielen mir nicht auf, dafür aber, dass der deutsche Ton stellenweise etwas lauter abgemischt erscheint. Insgesamt geht es in beiden Fällen feurig und akkurat zur Sache. So muss das klingen!


Stilgerecht präsentiert sich das Menu der ersten DVD mit Menupunkten wie "Missionsauswahl", "MI6-Kommentar" oder "Sprachdekodierung" und in einem schönen, voll animierten Design. Bevor man dieses betritt, wird einem ein Werbetrailer für die digital remasterten James Bond-Filme gezeigt. Auf Disc 1 darf man dem deutsch untertitelten Audiokommentar mit Regisseur
Martin Campbell und dem Produzenten
Michael Gilson beiwohnen, der so einiges zu bieten hat. Schließlich sind die Action-Szenen, allerhand Tricks und die Darsteller dafür da, auf unterhaltsame Weise von den beiden erläutert zu werden. Unfälle beim Dreh (z.B. jener zwischen dem Aston und dem Ferrari) kommen hier ebenso ans Licht wie verschiedene Drehbuchentscheidungen, Drehverläufe und die Auswahl der richtigen Musik.
Zu eben jenem Unfall gibt es noch ein kurzes Stunt-Special auf Disc 2, das die Stuntfahrer ihre Arbeit erklären lässt und auch mal zeigt, wie eine Kamera geschrottet wird. Zuvor sind 4 nicht im Film enthaltene Szenen anwählbar, welche jeweils vom Regisseur eingeleitet

werden und sich als kurze, aber witzige Füllszenen entpuppen. Der Traum jedes Stuntmans ist im zweiten Stunt-Special zu sehen: mit einem Panzer, wohl dem sichersten Gefährt dieser Erde, durch einen Truck voller Getränkedosen zu fahren. In "Wie macht man einen besseren Bond" wird die Präproduktionsphase betrachtet, im Wesentlichen also die Vorstellung des neuen Bond-Darstellers und die Wahl der Produktionshallen (eine ausgediente Rolls Royce-Fabrikhalle). Hier wird auch eine Maschine gezeigt, die erst in einem späteren Bond-Film zum Einsatz kam. Die "Geheimakten" schließen dort an, zeigen dann die aufwendigen Stunt-Arbeiten an verschiedenen Orten der Erde noch einmal ausführlich und gehen im zweiten Special auf die Darsteller ein. Produktionsdesigner
Peter Lamont stellt uns unter "Motivsuche" seinen tollen Job vor: auf der gesamten Welt nach günstigen Sets zu suchen. Die Aufnahmen sind von etwas geringerer Qualität, weil alles mittels Videokamera aufgenommen wurde, aber das soll nicht weiter stören. Die nächsten beiden kurzen Specials drehen sich um die Miniaturbauten und die Pressekonferenz. Von beiden hat man bereits etwas gesehen gehabt, die Überschneidungen mit vorangegangenen Specials ist aber

sehr gering. Außerdem ist es interessant zu sehen, wie sämtliche Darsteller hinter der Bühne dickes Lampenfieber bekommen. Der Bereich "Aus dem Geheimarchiv des MI6" schließt mit einer Dokumentation über den Regisseur ab, die ihn auch zeigt, wie er am Dreh etwas unter Dampf steht, so dass der Piepser viel zu tun bekommt. Das darf er dann auch in zwei kurzen Kommentarstücken noch einmal erläutern.
Hinter dem nächsten großen Menupunkt "007-Missionskontrolle" verbergen sich leider nur kurze Bildausschnitte aus dem Film, die thematisch geordnet sind und sich häufig wiederholen. Auch das kurze Drehort-Special ist keine Besonderheit, hat man die Locations doch schon zuvor kennengelernt. Die "Missions-Dossiers" beginnen mit einer Retrospektive auf die vorangegangenen Bond-Filme und ihre Akteure und Trademarks, lassen dabei aber stets den neuesten Bond mit einfließen. Die von
Liz Hurley moderierte Dokumentation ist damit eine sehr geschickt verpackte Marketing-Show, die das Zuschauen lohenswert macht. Set-Aufnahmen zum aktuellen Werk verbergen sich unter dem Videotagebuch, der Werbefilm ist ein solcher, darf also ohne Informationsverlust übersprungen werden, und diese Sektion schließt mit dem Musikvideo zum Titeltrack, der damals auch ordentlich Airplay auf den Musikkanälen bekam. Was fehlt bis jetzt noch? Trailer und Bildergalerien. Letztere sind etwas schmächtig, doch aber sehenswert und bei Ersterem werden besonders jede Menge TV-Spots gezeigt. Natürlich wurden sämtliche Extras im Originalton belassen und optional deutsch untertitel. Wie auch bei den anderen DVDs der "Ultimate Edition" findet sich ein 8seitiges Booklet mit einigen Hintergrundinfos im Digipack, welches im übrigen sehr schön gestaltet wurde und mit einem Schuber in Hochglanzoptik und Prägschrift aufwartet.
Funktioniert
"GoldenEye" als Actionfilm noch hervorragend, so enttäuscht er als Bond-Abenteuer. Die lang erwartete Rückkehr ist eine groß angelegte Effektorgie, die zu unterhalten weiß und technisch klasse umgesetzt worden ist, aber jegliches Flair (Wo bleiben die exotischen Schauplätze?) früherer Bond-Filme vermissen lässt.
Pierce Brosnan muss sich zudem erst noch in seiner Rolle zurecht finden, denn die ist hier nicht der erwartete smarte Geheimagent, sondern ein übermenschlicher Superheld. Kein Ausfall, aber weit über das Ziel hinaus geschossen. Die "Ultimate Edition" ist in Sachen Bonusmaterial tatsächlich "ultimate", nur beim Bild ist mir nicht ganz klar, was die
"digitale Bild-für-Bild-Restauration" gebracht haben soll. Dort ist man mit der alten Auflage sicherlich besser bedient. Die dicke Strafe für jeden, der sich gleich die Neuauflage kaufen muss und damit die seltsame Firmenpolitik vieler Labels unterstützt, Toptitel zig Mal neu aufzulegen und damit die Brieftasche des Käufers ordentlich zu melken, folgt mit dem vergleichsweise verkorksten Bild. Besser also nicht die alte Auflage bei eBay reinsetzen. Übrigens ist die hier vorgestellte DVD im Digipack identisch mit jener aus der Neuauflage des Bond-Koffers.